Harrison Ford und seine erfolgreiche Notlandung

Dachte eigentlich, das wäre ein Vorfall, um den ich mich einmal nicht im Blog kümmern muss: Flugzeug aus dem zweiten Weltkrieg hat Motorausfall, Pilot landet sicher und ohne anderen Menschen zu schaden. Pilot überlebt die Notlandung verletzt.

Aber nein, das Problem ist, dass der Pilot zufällig auch ein berühmter Schauspieler ist und deshalb muss die Presse daraus eine Sensationsmeldung mit allerlei blödsinnigen Kommentaren machen.

Zu den Korrekturen (Bild, Focus, Der Spiegel… und Konsorten):

 

1. Harrison Ford ist kein Hobby-Pilot.

Genausowenig wie irgendein Redakteur „Hobby-Autofahrer“ ist.

Nicht alles, was kein Berufspilot ist, ist ein Hobby-Pilot. Der Ausdruck ist so etwas von grenzwertig und falsch. Wer das Fliegen als „Hobby“ sieht, wird nicht lange leben. Man muss es ernsthaft betreiben oder gar nicht. Witzigerweise können genau die Menschen, die andere als „Hobby-Piloten“ bezeichnen, nicht einmal selbst irgendein Flugzeug starten, geschweige denn fliegen oder gar landen. Was für eine Großkotzigkeit im Ausdruck.

Harrison Ford hat ein Jet-Rating: Er fliegt unter anderem auch eine Cessna 525. Nicht ganz das, was man sich selbst als Unbedarfter unter einem Hobbyflieger vorstellt. Das impliziert ein Multiengine Rating, Airplane Single Engine Land and Sea, und er hat sogar eine Hubschrauberlizenz. Da man in den USA üblicherweise den Commercial vor dem Multiengine-Rating macht, nehme ich an, dass er auch eine „Kommerzielle“ Fluglizenz hat. Passt alles nicht so ganz zum eben mal Hobbyflieger.

Harrison Ford hat auch (hierzulande weniger bekannt als in den USA) mit seinem Hubschrauber persönlich schon Menschen das Leben gerettet. Er fliegt mit seinem Hubschrauber auf Anfrage örtlicher Behörden Einsätze, wenn Menschen in Not sind.

 

2. Harrison Ford’s Landung auf dem Golfplatz war kein Glücksfall

Zwei Wochen nach meinem akademischen Abschluss habe ich auch geheiratet und damit meinen Namen geändert. Beides (Titel und Nachname) musste, da in Österreich, auf der Bank mit Urkunden nachgewiesen und dann in den Unterlagen geändert werden. Der Bankbeamte meinte freundlich: „Oh, zwei Glücksfälle auf einmal.“ Das konnte man nur kontern mit: „Weder ein erfolgreich abgeschlossenes Studium noch eine erfolgreiche Beziehung ist ein Glücksfall. Beides setzt persönlichen Einsatz und Willen zum Erfolg voraus.“ Daraufhin hielt er die Klappe.

Auch die erfolgreiche Notlandung des Piloten Ford ist kein Glücksfall, sondern setzt Erfahrung, darauf basierende kluge, schnelle Entscheidungen und vor allem die richtigen Entscheidungen voraus, um „nur“  mit einer Verletzung davon zukommen und vor allem keine Unbeteiligten zu gefährden oder ihnen zu schaden.

 

3. Harrison Ford’s Landung war auch kein Absturz

Wenn der Motor bei einem Flugzeug aussetzt, dann fällt ein Flugzeug nicht wie ein Stein zu Boden. (Die allermeisten zumindest, ein Flugzeug namens Gee Bee ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt). Es kann klarerweise nicht mehr steigen, und hat eine hohe Sinkrate. Der Pilot muss also schnell entscheiden, wie weit er aus der derzeitigen Höhe noch ohne Antrieb gleiten kann. In dieser Entscheidung liegt nicht nur der mögliche erreichbare Landumkreis, sondern auch, wie sicher der für ihn und das Flugzeug ist (Telefondrähte, unbefestigt, uneben, bebaut) und ob dies möglichst menschenleer ist. Harrison Ford scheint nach meinen Informationen die beste Entscheidung in seiner Situation getroffen zu haben. (Unkontrollierter) Absturz war es jedenfalls keiner.

Harrison Ford setzt sich seit Jahren für die Luftfahrt und für die Piloten ein. Er ist auf (gefühlt) jedem Oshkosh-Treffen anwesend. Wenn er da nicht gerade einen seiner neuesten Filme vorstellt, dann mehr oder minder als „normaler“ Pilot und Teilnehmer. So weit das eben geht. Jedenfalls ohne Starallüren.

Ihn als Hobbypiloten abzukanzeln ist so daneben, dass es kaum schlimmer geht.

Warum können die Schreiberlinge, die keine Ahnung von der Luftfahrt und den daran beteiligten Personen haben, nicht endlich aufhören, darüber zu schreiben? Dann bräuchten sich die Herren Journalisten auch keine Gedanken mehr machen, wie man die Leser ihrer Blätter zurückbekommt.

11 Gedanken zu “Harrison Ford und seine erfolgreiche Notlandung

  1. Jürgen Schönstein 7. März 2015 / 4:05

    Ich hätte mir, wenn ich
    1) als Journalist darüber hätte berichten müssen (was in den Jahrzehnten zwischen 1990 und 2010 definitiv der Fall gewesen wäre), und
    2) Fords Verletzungen nicht so ernsthaft sind, dass er in echter Lebensgefahr schweben würde (danach sieht’s, soweit ich das den Medien entnehmen kann, nicht aus) und Scherze darüber daher unangebracht wären,
    vermutlich eine kleine Spitze darauf erlaubt, dass er nicht nur souverän und kontrolliert genug war, diese Notlandung zu stemmen, sondern dass er auch noch die Geistesgegenwart hatte, einen Golfplatz auszuwählen, auf dem natürlich jede Menge Ärzte am Spielen waren. Denn offenbar hat er tatsächlich dank der zahlreichen Anwesenheit golfender Ärzte (Ärztinnen?) gleich an der Unfallstelle schon medizinischen Beistand bekommen.

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    • Helga Kleisny 7. März 2015 / 9:28

      🙂
      Nur würdest Du leider heute, egal wie fachkundig Du schreibst, dafür nicht mehr bezahlt werden.

      

      dank der zahlreichen Anwesenheit golfender Ärzte (Ärztinnen?) gleich an der Unfallstelle schon medizinischen Beistand bekommen.

      Es gab sogar einen Piloten, der am Boden den Funk mitgehört hatte (das ist in den USA erlaubt und ich will fast sagen, üblich), Ford’s Stimme beim Notruf erkannte und darauf sofort zum Flugplatz eilte.

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  2. Oguz Girgin 7. März 2015 / 7:58

    Endlich mal einer der es den Presse heinis die Meinung geigt hoffentlich lesen die diesen Artikel auch um es zu berichtigen .

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    • Helga Kleisny 7. März 2015 / 9:32

      Ich gehöre selber der Zunft an und erlaube es mir daher, meine Meinung zu sagen. Wird üblicherweise in den eigenen Reihen als Nestbeschmutzung angesehen, aber ich habe es satt, dass die Leser allen Unsinn brav schlucken, der ihnen für ihr gutes Geld geliefert wird.

      Eine wichtige Ergänzung, damit es nicht in den falschen Hals kommt:
      Auch mir geht es nicht darum, irgendeinen bestimmten Redakteur bloß zu stellen. Habe ich, meines Wissens, auch noch nie gemacht.

      Mir geht es um das System, das ich wieder und wieder ankreide: Dass etwa ein junger Volo nachts alleine am 24h-Newsdesk sitzt und eben alles bearbeiten muss, weil die Oberen Granden meinen, man muss keine Fachjournalisten mehr bezahlen. Hier steht mit Absicht nicht beschäftigen, denn die Anfragen kommen durchaus, nur will keiner mehr für die Ausbildung und das Wissen bezahlen.

      Und das System ist ja ein Generelles und nicht auf den Journalismus beschränkt. Wenn sich Piloten einer Fluggesellschaft selbst anzeigen, oder zumindest damit drohen, weil sie vom Arbeitgeber für ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend ausgebildet werden, dann ist das (System) krank. Sparen – koste es was es wolle–, Qualität wird nicht mehr bezahlt oder gewünscht.

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  3. Jörn 7. März 2015 / 11:04

    Ich hatte den Zusatz „Hobby“ so verstanden, dass er im Hauptberuf Schauspieler ist und die Fliegerei nebenbei betreibt. Für mich, zugegeben mit wenig eigener Flugerfahrung, die zudem lange zurückliegt, wurde dadurch die Ernsthaftigkeit Fords nicht in Frage gestellt; ich finde es aber interessant, dass durch diesen kleinen Zusatz der Eindruck entsteht.

    Abgesehen davon halte ich die Formlierung „die Herren Journalisten“ für Fehl am Platz. Wenn Sie selber „der Zunft angehören“, sollten Sie doch wissen, dass Journalismus nun wirklich keine Männerdomäne ist. In dem Zusammenhang löst „die Herren Journalisten“ bei mir einen ähnlichen Beißreflex aus, wie er Zusatz „Hobby-“ bei Ihnen, Helga.

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    • Helga Kleisny 7. März 2015 / 11:33

      Oh ja, es ist eine Männerdomäne! Gerade beim Spiegel. Und alle Ressortleiter und CRs, die meine Ansprechpartner bei den großen namhaften Zeitungen und (Fach-Flug)Magazinen sind, sind männlich. Da gibt es nicht eine einzige Frau.

      Bin lange genug in dem Business und da hat sich innen nichts geändert. Auch wenn es außen vielleicht anders kolportiert wird. Ist aber zumindest beim Spiegel in der Branche allgemein bekannt.

      Mit Beißreflex kommt man da nicht weit. Leider allerdings auch nicht mehr mit Wissen und Leistung. 😦

      ——————

      Und erneut zum Thema, dass Harrison Ford ein Hobby-Pilot ist (Schon das Schreiben dieser Zeile widert mich an):
      Was ich so nebenbei erwähnte: Ford arbeitet mit örtlichen Behörden zusammen und hilft mit seinem privaten Einsatz und seinem privaten Hubschrauber immer wieder, Menschen (aus den Bergen) zu retten. Kann mich explizit an eine Story erinnern, die in den USA recht groß gekocht wurde, als er einem Mädchen mit seinem Einsatz das Leben rettete. Seinen Einsatz als Hobby zu bezeichnen, ist mehr als frech.

      Und als Pilot kann ich beurteilen, dass man große Achtung haben sollte vor all seinen Lizenzen und allem Gerät, das er fliegen kann und darf.
      Es gibt jede Menge Jetpiloten. Klar, es ist sogar ein Berufszweig. 😉

      Aber diejenigen, die auch noch „Propellerflieger“ (schon wieder so ein abwertender Journaille-Ausdruck) aus dem zweiten Weltkrieg fliegen und dazu noch Rotorcrafts, die sind schon ganz ganz wenig. Vor dieser gesammelten Leistung habe ich Achtung, und dementsprechend diminuiere ich sie nicht, auch nicht sprachlich.

      ——-
      Wie fühlst Du Dich als Hobbyautofahrer oder Hobbyradfahrer, wenn Du mit dem Auto/Rad jeden Tag zur Arbeit fährst?

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  4. Micha 7. März 2015 / 20:48

    Fliegt denn Harrison Ford jeden Tag zur Arbeit oder macht er das, neben seinen Rettungseinsätzen, die mir tatsächlich unbekannt waren, nicht auch sehr oft nur zum Spaß, weil er Fliegen faszinierend findet und es damit zu seinem Hobby gemacht hat?

    Ich finde diese Unterscheidung etwas Merkwürdig und als unbedarfter Leser hab ich das Brav so verstanden, dass er eben nicht Beruflich mit dem Flugzeug zu tun hat, sondern eben Privat. Und da eben deshalb, weil es ihm in erster Linie Spaß macht zu fliegen und nicht, weil er darauf angewiesen wäre, um zum Beispiel zu seiner Arbeitsstelle zu kommen.

    Wenn man etwas Privat macht, weil es einem in erster Linie Spaß bereitet, nennt man das oft Hobby.

    Ich war früher in so fern auch Hobby-Autofahrer, weil ich nicht selten aus Spaß an der Freude mit dem Auto durch die Gegend gefahren bin.
    Aus Umweltgründen mache ich das mittlerweile aber nicht mehr, da fahre ich aus Spaß an der Freude aber dennoch Privat mit dem Fahrrad und nenne mich daher auch Hobby-Radler.

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    • Helga Kleisny 8. März 2015 / 9:56

      Dass es Spaß ist, wenn jemand mit dem Heli Bergrettung betreibt, solltest Du Dir bitte nochmal überlegen. Und im Zweifelsfall mal in einem der Alpenländer (Schweiz, Österreich) eine Helicrew fragen, wie sie sich fühlt, wenn sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um das anderer zu retten.

      Du kannst Dich nennen wie Du willst, das ist Dir überlassen. Man sollte aber dennoch anderen den Respekt zollen, den sie verdienen.

      Siehe zu dem Punkt auch meine anderen Kommentare. Es ist alles schon mehrfach gesagt.

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  5. Denny 7. März 2015 / 23:43

    Ich verstehe deinen Rant „Hobby != Ernsthaftikeit“ nicht so ganz. Schließt das eine das andere aus? Kann nicht auch ein Hobby ernsthaft betrieben werden?
    Ein Hobby ist – meiner Meinung nach – eine Tätigkeit, die ich in meiner Freizeit ausübe und für die ich i.d.R. kein Geld bekomme. Trotzdem kann ich da viel Herzblut reinstecken und ihm genauso viel Aufmerksamkeit und Sorgfältigkeit, vielleicht sogar mehr, wie meinem Broterwerb zukommen lassen.

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    • Helga Kleisny 8. März 2015 / 9:51

      Hat man in seinem Beruf zu wenig Einkommen, sieht es das Finanzamt als Hobby an. Auch wenn man sich Tag und Nacht dafür abstrampelt. Die Gleichung: (Hobby = kein Einkommen) stimmt also nicht.

      Trotzdem kann ich da viel Herzblut reinstecken und ihm genauso viel Aufmerksamkeit und Sorgfältigkeit, vielleicht sogar mehr, wie meinem Broterwerb zukommen lassen.

      Ja.
      Hobbies sind Stricken, Autos sammeln, Kochen und vieles mehr in dieser Richtung.

      Ich würde schon Bergwandern nicht mehr als Hobby bezeichnen, sondern als (Teil der) Lebenseinstellung. Genauso wie etwa vegane Lebensführung. Das sind keine Hobbies. Das ist Teil des Lebens, die Art zu Leben (im Gegensatz zu stricken und Autos reparieren).

      Und das gilt eben auch für die Luftfahrt. Vielleicht ist dieses Unverständnis für den Unterschied der Grund, warum ein Pilot niemals ein Fugzeug in ein Gebäude steuern könnte, er kann es einfach nicht mental, auch wenn die Allgemeinheit das für möglich hält.

      Wenn Du in die Luftfahrt einsteigst, sei es als Pilot oder als Fallschirmspringer, dann beginnst Du die Welt um dich herum mit anderen Augen zu sehen, Du entdeckst sie neu und anders. Du lebst anders, weil sich Deine Werte ändern und Du denkst und fühlst anders.
      Ist schwierig jemandem zu vermitteln; etwa so, wie wenn Du jemandem die Schönheit und die Sinnhaftigkeit eines Integrals zu erklären versuchst, für den Zusammenzählen schon ein Wunderwerk darstellt. Fliegen, die Luftfahrt in jeder Form, ist eine neue, ein zusäzliche Dimension für den Menschen. Mit allen Chancen und Risken.

      Und nochmals zum Thema, dass Harrison Ford in seinem „Hauptberuf“ Schauspieler ist. Meines Wissens nach hat er es seit Jahrzehnten des Geldes wegen nicht mehr „nötig“, den Beruf des Schauspielers oder Regisseurs auszuüben. Er macht eben, was er für richtig in seinem Leben hält. (Wie hoffentlich jeder von uns). Ich bezweifle stark, dass er heute zu deiner Aussage steht: Mein Hauptberuf ist Schauspieler.

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  6. Helga Kleisny 24. März 2015 / 13:22

    Zu dem Thema ist alles (mehrfach) gesagt. Wer es absolut nicht einsieht, dass man anderen Menschen den Respekt und die Achtung gibt, die sie aufgrund ihrer Leistung verdienen, möge bitte weitersurfen.

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