Zwischenbericht Malaysia Airlines Absturz MH370

Am 8. März 2015, ein Jahr nach dem noch immer mysteriösen Verschwinden eines Linienfluges gab die Malaysische Regierung einen kurzen Zwischenbericht und eine 585-Seiten starke Faktensammlung in englischer Sprache heraus.

Der dreiseitige Zwischenbericht wirkt mehr wie ein Rechenschaftsbericht, was alles getan und untersucht wurde. Und mit der Veröffentlichung der vielen gesammelten Fakten ist das Tor wieder weltweit offen für weitere korrekte und falsche Interpretationen. Wenn sich da etwas Ernstzunehmendes ergibt, darf es in den FlugundZeit-Blog.

Gleich vorweg, Lösung zum Mysterium gibt es noch immer keine. Der Bericht zeigt aber immerhin, dass alle vorhandenen Daten und in alle nur denkbaren Richtungen hin untersucht wurden:

  • Lufttüchtigkeit & Wartung und Systeme an Bord
  • Funk [ATC operations from 1719 to 2232 UTC on 7th March 2014 (0119 to 0632 MYT on 8th March 2014)]
  • Fracht an Bord
  • Crew Profile
  • Abweichung von der Filed Flight Plan Route
  • Organisatorische und Management Information über Malaysia Airlines (MAS) und DCA (Department of Civil Aviation in Malaysia, vergleichbar mit unserem Luftfahrtbundesamt)
  • Satellitenkommunikation (SATCOM).

Zumindest scheint die Crew durch die Faktensammlung und ihre Beurteilung entlastet. Auch hier gab es ja jede Menge Spekulationen. Aber sie sollen sich nach Flugplatzkamera-Aufzeichnungen vollkommen normal verhalten haben, wie an mindestens drei Flügen vorher auch, ohne nennenswerte Abweichung bei Bewegungen oder Gesichtszügen.

Auch alle Daten über Lithium-Ionen-Akkus an Bord gaben keinen Hinweis für eine Absturzursache.

Der letzte Satz des Zwischenberichtes ist zwar sicher korrekt, aber wie heißt es so wahr:
no have, no can do:

The Investigation Team expects that further factual information will be available from the wreckage and flight recorders if the aircraft is found…

6 Gedanken zu “Zwischenbericht Malaysia Airlines Absturz MH370

  1. hampel 29. April 2015 / 0:32

    Bei „Leschs Kosmos“ im ZDF Klang es gerade recht deutlich durch, dass wohl ein oder mehrere Luftfahrt-Experten für den seltsamen Kurs von MH 370 verantwortlich sein müssen.
    Nur so sei zu erklärten, wie man so effektiv dem Radar entgehen konnte.
    Für Ihre Meinung dazu wäre ich sehr dankbar.

    Ps: Ein sehr schöner und erfrischend nüchterner Blog!

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    • Helga Kleisny 29. April 2015 / 3:51

      🙂 danke.

      Von Harald Lesch und seiner Art der Wissensvermittlung halte ich sehr viel – live ist der Mann einfach unschlagbar. (Habe ihn in brechend vollen, überfüllten Hörsälen erlebt.)

      Mit „Meinung“ habe ich es nicht so 😉

      Aber wie die Fakten hier dargestellt werden und soweit bekannt sind, muss jemand aktiv versucht haben, dem Radar zu entgehen.

      Die Fragen, die sich für mich stellen (ich halte mehr von Fragen und der Suche nach der Antwort als von Meinungen):
      1: Warum hat oder sollte jemand versucht haben, mit dem Flugzeug dem Radar zu entgehen?
      2: Wie ist dies geschehen? (An Bord oder ??)
      Schon die Antwort auf 1 dürfte das „Wer hat dies getan“ ergeben.

      Bei diesem Unfall wird man (mangels Flugzeug oder dessen Teilen) nur vorankommen, über noch genaueres Nachforschen der Personen an Bord oder wenn jemand, der irgendwie entfernt daran beteiligt war, den Mund aufmacht oder sonst Dokumente/Gegenstände dazu auftauchen, die Licht ins Dunkel bringen.

      Auch beim PanAm-Absturz hatte es Jahre gedauert, bis die Hintergründe aufgeklärt waren. Und da gab es immerhin Trümmer und Tote als Startpunkt der Untersuchungen.

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  2. Flugkapitän 29. April 2015 / 4:19

    Leschs Kosmos ist eine insgesamt gute Übersicht über die letzten Ereignisse der Luftfahrt.
    Er zieht vernünftige Schlüsse:
    Der Mensch ist unersetzbar, da nur er in einer nicht vorhersehbaren Situation in der Lage ist spontan eine richtige Lösung zu finden. Die Automation kann nur Routinesituationen.
    Automation ist in manchen Bereichen eventuell schon zu weit gegangen. Das händische Fliegen muss wieder mehr in den Vordergrund rücken und routiniert beherrscht werden.
    Nur die physikalische Konstitution des Menschen läßt sich halbwegs beurteilen; nicht seine psychische.
    Zwei Personen Regel taugt nichts, da auch der im Cockpit anwesende Kapitän Ende der 90er Jahre seinen Copiloten nicht davon abhalten konnte, den Flieger absichtlich zum Absturz zu bringen.
    Fernsteuerung von Flugzeugen taugt nichts, da man damit nur ein neues großes Problem schafft, nämlich die Gefahr, dass ein Hacker das Flugzeug übernimmt und damit macht, was er will.
    Fliegen ist die sicherste Form der Fortbewegung.

    Zu dem Verschwinden von MH370 gibt Lesch den Wissensstand von vor einem Jahr wieder. Seither gab es keine neue Erkenntnis:
    Transponder und ACARS werden fast zeitgleich abgeschaltet.
    Flugzeug verlässt Route am Übergabepunkt außerhalb der Radarreichweite. Dadurch fällt das Verschwinden nicht sofort auf.
    Flugzeug vermeidet bekanntes ziviles Radar.
    Flugroute ermittelt nach den Pings der Satelliten-Daten-Verbindung.
    Das alles kann so aussehen, als habe es jemand so geplant. Das Auffinden des Flugzeugs würde helfen; vielleicht.

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  3. hampel 2. Mai 2015 / 19:38

    @Helga Kleisny

    Ich wollte in keinster Weise Herr Lesch oder seine Sendung kritisieren, für mich war es nur eine sehr interessanter – mir aber völlig unbekannter -Fakt, dass der Radar wohl gezielt umflogen wurde.

    Was meine Frage nach „Meinung“ angeht, hätte ich wohl prazisieren müssen. Die Fragen die auch mich, als absoluten Laien, beschäftigen sind z.B. Folgende

    Wurden Transponder und ACARS BEWUSST abgeschalten oder kann so etwas durch einen technischen Defekt passieren?
    Lässt sich so etwas mit/ohne Wrack überhaupt feststellen?
    Wie zuverlässig ist die Strecke rekonstruierbar mit Hilfe der „Handshakes“ mit den Satelliten?
    Lassen sich diese Handshakes vom Cockpit aus verhindern/manipulieren?

    Was ENTLASTET denn genau die Piloten/Crew abgesehen von ihrem Verhalten, scheint es nicht immer deutlicher zu werden, dass Luftfahrtexperten beteiligt gewesen sein müssen?

    Natürlich schließt das keine Entführung aus, jedoch sind ja alle Passagiere inzwischen bekannt (oder?). Ein oder mehrere Extremisten/Verbrecher/Terroristen mit Luftfahrterfahrung sollten doch inzwischen bekannt geworden sein?

    Das ist jetzt ein Haufen Text geworden und natürlich müsssen sie mir nicht jede Frage im Detail erklären, für weiterführende Informationen wäre ich sehr dankbar.
    Wie gesagt ich schätze den Blog sehr, gerade als absoluter Laie! Ich hoffe hier ja gerade Verschwörungsgeblubber von seriösen Fakten trennen zu lernen 🙂

    Vielen Dank,auch an @Flugkapitän und ich bin gespannt auf ihre neue Sicherheits-Reihe.

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    • Helga Kleisny 2. Mai 2015 / 23:41

      Ich wollte in keinster Weise Herr Lesch oder seine Sendung kritisieren…

      hatte ich auch nicht so verstanden.

      Wurden Transponder und ACARS BEWUSST abgeschalten oder kann so etwas durch einen technischen Defekt passieren?

      Der Transponder hat einen Ein/Aus Schalter und das ACARS kann über einen Circuit-Breaker (Sicherung) ausgeschaltet werden.

      Beide können auch durch einen Ausfall der Stromversorgung ausfallen.

      Der Flugdatenschreiber würde einen Stromausfall registrieren. Der ist aber in diesem Fall (meines Wissens), wie das Flugzeug nicht gefunden.

      Wie zuverlässig ist die Strecke rekonstruierbar mit Hilfe der “Handshakes” mit den Satelliten?

      Nicht sehr genau. Es handelt sich um ein nicht gerichtetes Signal. Lediglich über die Dopplerverschiebung der Sendefrequenz versucht man, die Bewegungsrichtung zu rekonstruieren. Deshalb ist das Suchgebiet so groß.

      Lassen sich diese Handshakes vom Cockpit aus verhindern/manipulieren?

      Nimmt man dem Satellitensender den Strom weg, dann gibt es auch keine Handshakes. Es ist m. Wissens nach nicht mehrfach redundant mit Strom versorgt. Kann sich vielleicht in Zukunft ändern.

      Was ENTLASTET denn genau die Piloten/Crew abgesehen von ihrem Verhalten, scheint es nicht immer deutlicher zu werden, dass Luftfahrtexperten beteiligt gewesen sein müssen?

      Warum man die Piloten m. Erachtens nicht verurteilen darf, ist, dass es weder Beweise für noch gegen deren Integrität bei diesem Vorfall gibt. Das Gleiche gilt für die Passagiere.

      🙂 Auf den Ausdruck Luftfahrtexperten reagiere ich allergisch, wie Leser meines Blogs wissen.

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