VC will der Öffentlichkeit die Diskussion verbieten

Der Flugdatenschreiber (der zweite Teil der so genanten Black Box) ist endlich gefunden und wird ausgewertet. Viel Neues wird es dabei zwar nicht geben, aber weitere Details zum Herumwühlen für die wissbegierige Öffentlichkeit.

Wer aber will es einem Vielflieger verübeln, wenn er oder sie sich nun auch Gedanken macht und sich mit anderen austauscht über die eigene Sicherheit beim nächsten Flug? Wenn hoffentlich nicht mehr nur in Fachkreisen diskutiert wird, wie man dieses vermaledeite 9/11 Türkonzept verbessern oder durch eine sinnvollere Lösung ersetzen kann?

Heute schickte die Vereinigung Cockpit (VC) eine Pressemeldung in die Welt, die genau das ankreidet:

……Im Rahmen der Unfalluntersuchungen des Germanwingsfluges 4U9525 hält die Vereinigung Cockpit es für nicht zielführend, dass in Politik und Öffentlichkeit vorschnell immer weitere Diskussionen über mögliche Maßnahmen zur Verhinderung einer solchen Katastrophe entbrennen.…

Passagiere, schön kusch.

So so. Aber in Hauruck-Manier von Fluglinien umgesetzte Aktionen ohne Gesetzesvorlage sind okay? Schnell, nur um der öffentlichen Meinung zu Gefallen zu sein?

Und die Ängste und Sorgen der Passagiere nach dem Vorfall dürfen Passagiere nicht in der Öffentlichkeit diskutieren? Unmündige Öffentlichkeit 3.0?

Dennoch ist die Gründung einer Taskforce aus Verkehrsministerium, Airlines, Berufsverbänden und weiteren Experten ein richtiger Schritt…

So so.. Die gleichen, die uns auch schon die halbgare 9/11 Türe verpasst haben. Experten

Wie wäre es mal mit einer Runde von Andersdenkenden, Weiterdenkenden, die nicht immer nur gedanklich im eigenen Süppchen schmoren und die Eurozeichen im Auge haben?

Mit offenen Augen und Ohren, einer Gesellschaft 3.0 angemessen?

Ein wenig Mut und Weiterdenken? Denn das im eigenen “Experten”-Saft schmoren hat uns ja offensichtlich sicherheitstechnisch nicht weiter gebracht.

15 Gedanken zu “VC will der Öffentlichkeit die Diskussion verbieten

  1. dgbrt 2. April 2015 / 22:52

    Hallo Helga,
    du hast Recht, but calm down.

    Die „Virtuelle Cockpitvereinigung“ ist doch eigentlich nur noch eine Gewerkschaft, die jetzt gerade mal ihre Streiks eingestellt hat. Die zwei Mann/Frau Regel wurde begrüßt.

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  2. dgbrt 2. April 2015 / 23:22

    TECHNIK:
    Wenn wie bei dem Bilbao Flug oder AF447 sollte vor Allem erst einmal die Logik der Computer überprüft werden. WARUM können zwei fehlerhafte Sensoren den Flieger zum Absturz bringen?

    Warum kann „Ground Controll“ das Flugzeug nicht zu einer kontrollierten Landung zwingen.

    Das konnte schon die Buran 1989, die AMI’s konnten das eigentlich auch.

    Wenn nichts mehr geht muss von „Flight Contoll“ ein Programm gestartet werden können, welches das Flugzeug sicher auf einen Flughafen zurück bringt.

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    • Helga Kleisny 3. April 2015 / 13:15

      Das hat mit dem Thema hier nichts zu tun (wie einige andere Kommentare, die deshalb nicht veröffentlicht wurden).
      Ein Flugzeug ist zudem keine Rakete, die vom Boden gesteuert wird, sondern wird entweder vom Menschen oder vom Computer an Bord gelenkt.
      Lotsen am Boden geben Anweisungen zur Steuerung des Luftverkehrs, die man als Pilot befolgt. Ist dies nicht möglich, muss man als Pilot gute Gründe dafür haben (Notfall, Wetter, Flugzeugleistung etc)

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  3. Rosa Melbollo 3. April 2015 / 9:44

    Hallo Frau Kleisny!

    Genau diese Art von Bemerkungen, welche Sie in ihren Eintrag von sich geben, sind nicht hilfreich und auf diese hat die VC Bezug genommen. Im Nachhinein ist Finger-Pointing und Klugscheisserei unangebracht.
    Es kommentieren viel zu viel Leute herum, die keine Ahnung von der Technik, der Verfahren und der Entscheidungsprozesse im Flugzeug/Cockpit haben. Nur um schnell ihren Senf loszuwerden. Das bringt und nicht weiter.
    Es gibt halt Dinge die konnte man so nicht erwarten. Etwas was Wissenschaftlern auch mal gerne passiert wenn Sie etwas postulieren.

    In dieser Branche denkt man sich schon einiges bevor es eingeführt wird.
    Die von einigen Airlines temporär eingeführte 4-Augenregel gab es schon vorher bei den Airlines als Backup-Verfahren falls das Cockpit-Zutrittsystem ausgefallen war.
    Einige Nicht-Deutsche Airlines, welche ’stolz‘ in den Medien behaupteten sie hätten dieses 4 Augen-Verfahren bereits umgesetzt, haben dieses teure Zutritt-System erst gar nicht eingebaut. Das spart Geld. Den Teil der Wahrheit teilen diese natürlich nicht mit.

    Mein Appell an alle Hobby-Experten lautet wie der Spruch von Dieter Nuhr: ‚Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Mund Halten‘

    Mit freundlichen Grüßen,

    Rosa Melbollo

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    • Helga Kleisny 3. April 2015 / 13:04

      Genau diese selbsterhabene Wir-wissen-alles-besser-Denke hat den Tod von 149 Menschen durch die 9/11 verstärkte Türe erst möglich gemacht!

      149 Menschen würden heute noch leben, wenn die „Experten“ nicht unter sich diese Türe verbrochen hätten.
      Einfach mal über den Tellerrand schauen und nachsehen, ob es nicht noch Klügere gibt, die mitentscheiden können!
      Statt grotzkotziger Wir-wissen-alles-besser-Denke.

      Man kann auch mal Fehler zugeben und Hilfe von aussen suchen, wenn man in der eigenen Suppe die Sicherheit NICHT erhöht sondern sogar verschlimmert hat.

      Ich habe als Diplomingenieur Technische Physik (TU Wien) mehr als „Ahnung“ von der Technik und wusste, wie einige andere Piloten, mit denen das über Jahre diskutiert wurde, auch schon vorher, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis das besagte Szenario eintreten würde.
      Es hat halt nur keiner hingehört…

      Genauso wenig wie es jetzt die Experten interessiert, dass das nächste Szenario sich eben mit einem Flugbegleiter abspielen wird. Mit einem, der sich extra deswegen als FB ausbilden lassen wird, einige Zeit verstreichen lassen wird und dann zuschlägt.

      Aber einfach mal die Klappe halten, die nächste Katastrophe kommt bestimmt.

      Es gibt halt Dinge die konnte man so nicht erwarten.

      Ist das so? Ja?
      Oder haben die Experten einfach nur wie heute alle Warnungen abgeblockt und nicht hingehört? Mit dem Hinweis: Alle anderen Klappe halten, interessert uns nicht.

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  4. Flugkapitän 3. April 2015 / 14:01

    Die Vereinigung Cockpit hat eigentlich recht mit Ihrer Meinung, dass sie momentan keine vorschnellen Änderungen haben will. Die Diskussion unterbinden zu wollen ist allerdings ein starkes Stück und bringt mündige Bürger (Fluggäste) gegen sie auf.
    Wenn die VC – wie ich meine zurecht – darauf beharrt keine vorschnellen Konsequenzen zu ziehen, dann hätte sie sofort, ebenso wie alle Airlines, gegen die total überstürzte Einführung der 2 Personen Regel vorgehen müssen, anstatt sie zu unterstützen.
    Diese Verschlimmbesserung bringt keine zusätzlichen Sicherheit im Sinne von Security, dafür aber eine erhebliche Verschlechterung der Sicherheit im Sinne von Safety. Das weiß jeder Pilot innerhalb der VC und jeder Chefpilot einer Airline. Dennoch haben sie hier alle versagt. Haben sich dem inkompetente Druck der politischen Öffentlichkeit gebeugt, weil es einfach war.
    Wenn dann Leute mit Einblick in die Materie, die es zudem gewohnt sind, über die Länge der eigenen Nase hinaus zu denken, kritisch auf eine solche gefährliche Verschlimmbesserung reagieren und fordern, endlich den falschen Weg zu verlassen, um bei null anzufangen, um eine sinnvolle wirksame Lösung des gesamten Komplexes anzustreben, dann sollte die VC, ebenso wie die Airlines, diese Leute unterstützen, anstatt die Diskussion zu unterbinden.
    Die Reaktion der VC ist kurzsichtig und dumm. Es zeigt sich wieder einmal, dass die VC von PR keine Ahnung hat und sich in der Öffentlichkeit wieder einmal selbst im Weg steht.
    Auch die Airlines scheinen lieber ein höheres Risiko einzugehen, als durch gute Öffentlichkeitsarbeit den Kunden aufzuklären.
    Die Tür ist eine Falle. Ausgenommen für einen Einzeltäter; für den ist sie ein Segen.
    Diese Aussage erwarte ich von der VC und von den Airlines. Es muss endlich Schluss damit sein, bei schwachsinnigen Regeln der Amis zu kuschen.

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    • Helga Kleisny 3. April 2015 / 14:09

      recht mit Ihrer Meinung, dass sie momentan keine vorschnellen Änderungen haben will

      Die VC hat in ihrer Pressemeldung nicht die vorschnellen Änderungen und Umsetzungen kritisiert (die ich mehrfach ankreide), sondern die Diskussion in der Öffentlichkeit zur Türe und den Verfahren.
      Und das geht gar nicht.
      Den Mund verbieten von Menschen die durch diese Massnahmen betroffen sind.
      Das ist keine Krisen-PR (die übrigens von der LH recht vorbildlich gemacht wurde) sondern das ist eine überflüssige PR-Katastrophe an sich.

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  5. noch-VC-Mitglied 3. April 2015 / 18:43

    Ich kenne keinen anderen Verband oder Gewerkschaft, der so einen schlechten Ruf seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit und bei der Presse über Jahre bewirkt hat wie die VC. Die Pressearbeit ist generell katastrophal.
    Als Linienpilot muss ich mir regelmäßig im Freundeskreis sagen lassen wie gierig wir doch sind.
    Hier ein Streikchen, dort ein Streikchen – mit solchen Maßnahmen hat die Öffentlichkeit nur das Gefühl, dass die Piloten ständig die Arbeit verweigern und die VC erreicht nichts aber auch gar nichts damit.
    Das sah bei den Pilotengewerkschaften in anderen Ländern wesentlich anders aus. Die setzen sich dort tatsächlich für ihre Mitglieder ein und nicht nur fürs eigene Interesse.

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  6. Marina Fock 4. April 2015 / 9:12

    Hallo Frau Kleisny,

    ich habe heute Ihren Artikel über die zweifelhaften Anti-Terror-Maßnahmen in der Luftfahrt gelesen und möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen zu danken.

    Dafür, dass Sie sich die Mühe machen – das ist wohl ihr Job – meine Gedanken so treffend zu formulieren, so sachlich zu argumentieren (eine echte Rarität in diesen Tagen) und zu Papier zu bringen. Sie sprechen mir aus der Seele und ich unterschreibe jedes Wort!

    Ich freue mich auf mehr von Ihnen!

    Viele liebe Grüße aus Österreich

    Marina Fock, Kapitän Airbus A 320,
    Niki Luftfahrt Wien

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    • Helga Kleisny 4. April 2015 / 9:14

      🙂
      Danke und Gruß zurück in unsere schöne Heimat!
      Happy and Safe Easter!

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  7. Tim 4. April 2015 / 13:06

    Will man wissen womit man es zu tun hat schaut man sich die Leute an, und ihre Bahnen im System.
    Allerdings: der Mensch existiert schon länger, übersetzt: nichts Neues unter der Sonne, extrapoliert: wohl auch in Zukunft.

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    • Helga Kleisny 5. April 2015 / 15:53

      @Tim
      ich fand vor allem Deinen vorhergehenden, recht philosophischen Betrag sehr spannend und eine inhaltliche Bereicherung. Allerdings sehe ich auch da schon Deine Resignation (?) oder irre ich mich?
      Dieses nun, sehr allgemein formulierte Statement (irgendwann regnet es immer, so hat auch der DWD letztendlich seine korrekten Vorhersagen 😉 ) ist mir zu pauschal. Und zu resignativ. Vielleicht aber auch nur, weil ich gerade Gelegenheit hatte, im real live 24 h Sonne zu tanken.

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  8. Tim 6. April 2015 / 8:17

    Resigniert? Meine Frau meint das könnte auch schon Altersweisheit sein, und wer bin ich, ihr zu widersprechen. 🙂
    Meinem Nähkästchen ist inzwischen irgendwie der Boden abhandengekommen, und daran ist nicht zuletzt meine Frau schuld die mir einen alten Flieger angeschnackt hat, so hätt‘ ich was zu tun, soweit schlau, meine Frau. Was keiner wusste war, WAS (schlimmer noch, mit wem ich es zu) tun bekommen würde. Liebe Helga, es regnet nicht irgendwann, sondern grundsätzlich, und wenn Du Glück hast reißt es auf. Aber mal abgesehen von der atmosphärischen Lage:
    Formulierungen sind oftmals eine Frage nicht zuletzt der Höflichkeit, gelegentlich auch im Hinblick auf die, die man gedenkt anzusprechen (oder lieber nicht).
    Aber mal was anderes, um aktuell zu bleiben:

    Da vermeldet die DWN »Luftfahrtbundesamt wurde von Lufthansa nicht über frühere Krankheit des Co-Piloten informiert«.
    Na sowas.
    Vor kurzem habe ich bis hin zum Vorstand einer Behörde gekämpft, weil die überhaupt keine Ahnung von der Wirkung der Regularien hatten – wenn man mal höflich von Kompetenz statt vorsätzlichen Regelverstoß ausgeht. Ich möchte das hier nicht durchkauen, aber das ist so ziemlich die dümmste Meldung, die ich dazu gelesen habe, denn das LBA hat hier gar nichts zu schaffen. Außer natürlich, über solch medialen Unfug ihre Nase in Dinge zu kriegen, die sie gar nichts angehen DÜRFEN.
    Aber was willst Du machen, Frau Sheeple „empfindet“ dies anders und Chicken Run läßt grüßen.

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    • Helga Kleisny 6. April 2015 / 17:34

      🙂 Halt eine Frau, die Dich zum Fliegen/Luftfahrt ermuntert, in Ehren! Habe in meinem langen Leben mehr von der anderen Art kennengelernt, bei denen sich der Mann (nach vollzogener Eheschließung) dann nur mehr heimlich zum Flugplatz stehlen durfte. Seltenes Kleinod; und liebe Grüße von meinereiner an sie!
      —–
      Ja, ja das LBA. Die hatten ja vorher schon stets große Bedenken auch nur irgendein Medical auszustellen. Der Mensch ist sterblich und es könnte ja sein, dass das nicht auf der Autobahn sondern per Zufall im Flugzeug passiert. Also besser auch bei Husten und Schnupfen kein Medical ausstellen, dann ist man als Behörde immer auf der sicheren Seite.

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  9. Tim 6. April 2015 / 20:41

    Wenns nach meiner Frau ginge würde die sich im Flieger wohnlich einrichten … sie liest mit und grüßt zurück.

    zur Ehrenrettung der medizinischen Abteilung des LBA, das Du vermutlich angesprochen glaubst: mit der hatte ich bisher nichts zu tun, und die scheinen sich erstaunlicherweise auch an die Vorschriften zu halten, im Gegensatz zu anderen Abteilungen als auch Behörden, jedenfalls nach :
    http://www.caa.co.uk/default.aspx?catid=49&pagetype=87 hier hat Kirklies recht, und zwar nach nationalen, 216 und 1178 MED. Zusammenfassend kann man sagen: die Behörde (kann) erst dann ins Spiel kommen, wenn der Arzt nicht klarkommt. Was so auch sein muß weil sonst keiner mehr zum Arzt geht.
    Die Frage ist eben, inwieweit der öffentlichen Druck dies verschlimmbessern wird.

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