Last Minute Weihnachtstipp 2015-2: In welchem Universum wohnt Gott?

Eigentlich heißt das schmale Büchlein: Zwei Seiten einer Medaille. Was sich im tieferen Sinn auch auf die zwei Autoren beziehen kann: Der Physiklehrer Michael Grün schreibt den ersten Teil aus seiner Sicht und dann folgt der Management-Trainer Pater Anselm Grün und erklärt, warum sich der Glaube an Gott durchaus mit der (etwas allgemeiner ausgedrückt) modernen Physik und zeitgemäßen Forschung vereinen lässt.

Albert Einstein, der Entwickler der Relativitätstheorie, war ein gläubiger Mensch, Marie Curie, zweifache (naturwissenschaftliche) Nobelpreisträgerin – nicht. So eindeutig scheint es also auch bei den Großen unter den Wissenschaftlern nicht zu sein.

Und dann wäre da noch die Frage eines achtjährigen Mädchens: “In welchem Universum wohnt denn nun Gott?” Am Mond wohnt er nicht, am Mars wohl auch nicht, das wissen wir. Wissen wir? Und wie sieht es jenseits des Kuiper Gürtels aus?

Fragen über Fragen. In der Weihnachtszeit bietet sich vielleicht die Gelegenheit, einmal innezuhalten vom Trubel und Stress und ein wenig über den Sinn des Lebens, Gott und die Quantenphysik zu philosophieren. Allein oder am Mittagstisch mit den Kollegen. Oder auch mit Jugendlichen, die sich über das kleine Geschenk als Diskussionsgrundlage freuen.

Initiator des Büchleins war Michael Grün. Er hatte die Vorlesung (Gott und die Quantenphysik) mehrmals gehalten und war dann öfter auf eine schriftliche Zusammenfassung angesprochen worden. Und wenn man dann schon einen Bruder hat, der so viele Bücher über und zum Sinn des Lebens und wie wir uns warum wann verhalten sollen, geschrieben hat, dass er die Anzahl selbst aus dem Stehgreif nicht parat hat, dann soll der eben auch noch seine Sicht der Dinge ergänzen. Perfekt.

Der Physiklehrer schildert leicht verständlich und angenehm zu lesen, wie sich Religion und Physik entwickelt haben – in der Antike (Platon) waren sie noch ein und dieselbe Wissenschaft. Wieweit man nun zustimmenderweise seinen Ausführungen bis zur heutigen These folgt, den Urknall als die religiöse Schöpfung zu sehen – wenn vorher nichts war, dann soll das Sinn machen, sei jedem selbst überlassen. Der vielfache Bezug von namhaften Physikern zu ihrer Zeit und dem jeweiligen Glauben in der Zeit ist aufschlussreich und wie alles Systemübergreifende, erhellend. Viele (mit der physikalischen Materie Vertrauten) bekannte Bilder ergänzen sein Ausführungen.

Am Mond wohnt er nicht, am Mars wohl auch nicht.
In welchem Universum ist Gott?

Pater Anselm Grün nähert sich der Quantenphysik von der religiösen Seite. Mit vielen Zitaten aus der Bibel geht er auf die Erkenntnisse der Quantentheorie ein und setzt beides in Relation. Die Grundlagen der Relativität, Nicht-Objektivität und Nicht-Lokalität frischt der erste Teil locker und verständlich auf. Die darauf folgende Herangehensweise von der theologischen Seite (auch Anselm Grün ist Physiker) ist philosphischer. Eine ausführliche weiterführende Literaturliste zu beiden Teilen ergänzt die Texte.

Es ist kein Buch, das man verschlingt wie Hieroglyph (erster Weihnachtstipp 2015). Zumindest wenn man über den Sinn der Worte und die eigene Stellung dazu reflektiert. Es hat auch nicht wie Hieroglyph 532 Seiten, sondern nur kleine 128. Trotzdem:

Lesen. – – –

Reflektieren, wie das eigene Weltbild dazu aussieht.

– – –Zeit zum Nachdenken über die eigene Denk-Position, Zeit zum Diskutieren mit Freunden.

Weihnachten 2015.

33 Gedanken zu “Last Minute Weihnachtstipp 2015-2: In welchem Universum wohnt Gott?

  1. georg 17. Dezember 2015 / 8:13

    Helga Kleisny:
    „Albert Einstein, der Entwickler der Relativitätstheorie, war ein gläubiger Mensch“

    Albert Einstein:
    „Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

    Quelle:
    wikiquote

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    • Helga Kleisny 17. Dezember 2015 / 11:33

      Einstein war ein gläubiger Mensch, so steht es oben und das ist aus seinen Aussagen verbürgt. Wie genau allerdings sein „Gottesbild“ aussah, wird gerne verzerrt. (Das ist aber hier nicht das Thema.)

      Zwar bevorzuge ich direkte Quotes (keine Sekundärliteratur), doch zum passenden Schlagabtausch ebenfalls aus dem Bürgerwissen Wiki:

      Aber schon in den Gesprächen mit Niels Bohr während der späten 1920er Jahre bekam er Widerspruch.

      „‚Gott würfelt nicht‘, das war ein Grundsatz, der für Einstein unerschütterlich feststand, an dem er nicht rütteln lassen wollte. Bohr konnte darauf nur antworten: ‚Aber es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, Gott vorzuschreiben, wie Er die Welt regieren soll.‘“

      – Heisenberg, S. 115
      Albert Einstein, Hedwig und Max Born: Briefwechsel 1916 – 1955. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg, 1972, S. 97f

      Traurig, dass dies Deine einzigen Gedanken zum obigen Text sind. An manchen Menschen ist wohl Hopfen und Malz verloren.
      Ein geruhsames Weihnachtsfest!

      Und damit soll es genug mit besserwissenschaftlichen Kommentaren sein.

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  2. Michael Wölk 17. Dezember 2015 / 15:00

    Einstein’s religiöse Gesinnung ist durchaus gut belegt. Er war vielleicht kein Atheist, aber ihn als gläubigen Menschen zu bezeichnen halte ich für eine Übertreibung. Agnostiker trifft es da schon deutlich besser – einen persönlichen Gott (wie z.B. den Christlichen) hat er jedenfalls abgelehnt.

    Das „Gott würfelt nicht“-Zitat muss man dann auch im richtigen Kontext sehen. Zitat, Wikipedia:

    „(…) Letztlich ging es um die Frage, ob der Determinismus der klassischen Physik, z. B. der Newtonschen Mechanik oder der klassischen Elektrodynamik, in der Quantenmechanik noch Gültigkeit hat oder nicht, was inzwischen im letztgenannten Sinn entschieden ist. Einstein versuchte deshalb bis zu seinem Tode 1955 vergeblich, die Quantenmechanik durch sog. verborgene Variablen deterministisch zu machen. Die These, dass Gott nicht würfelt, also die Physik keinen Zufall kennt, war Einsteins Antwort auf die Frage, was ihm an der damals aufkommenden Quantenphysik nicht behage, denn dort werden Zustände eines physikalischen Systems mittels Wahrscheinlichkeiten beschrieben“

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    • Helga Kleisny 17. Dezember 2015 / 20:01

      Wenn jemand von „Gott“ spricht, dann ist er wohl gläubig. Es sagt aber nichts darüber aus, wie er diesen „Gott“ sieht.
      Es gibt auf diesem Planeten sehr viele Menschen die an alles Mögliche glauben – nicht mehr und nicht weniger war die Bedeutung im Originalsatz. Es liegt auch nicht an mir oder diesem Blog, den Glauben eines Menschen zu beurteilen oder in ein Schema einzuordnen.

      Was ich will, ist die eigene Reflektion anzuregen beim Leser, wie sich der Leser selbst in dieser Frage einordnen möchte. Aber keinesfalls eine Beurteilung über anderer Leute Glauben abzulegen oder zuzulassen.

      In diesem Sinne:
      Siehe Kommentar zu RAJ.
      Gilt für alle weiteren Kommentarversuche!

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  3. RAJ 17. Dezember 2015 / 16:29

    Sie hätten vielleicht statt Einstein Lemaitre anführen können. Auch bei diesem allerdings spielte der Glaube für die Rückextrapolation der Friedmann-Gleichungen auf den „Urknall“ keine erkennbare Rolle, vielmehr war er nach eigenen Worten durch die Analogie zum radioaktiven Zerfall motiviert. Nach allen vorliegenden Dokumenten war Einstein allenfalls Deist oder Pantheist, aber sicher kein Theist und nicht gläubig in dem Sinne, wie dies im Christentum oder Islam verstanden wird, dafür gibt es reihenweise direkte Belege. Er bezeichnete den Glauben an einen persönlichen Gott in einem bekannten, 1940 geschriebenen Brief ausdrücklich als „childish“, distanzierte sich aber von einem „kämpferischen Atheismus“: „I have repeatedly said that in my opinion the idea of a personal God is a childlike one. You may call me an agnostic, but I do not share the crusading spirit of the professional atheist whose fervor is mostly due to a painful act of liberation from the fetters of religious indoctrination received in youth“. Nur heißt diese Distanzierung nicht, dass er „gläubig“ war.

    Es ist mir unverständlich, warum ungeachtet der klaren Datenlage so gerne Einstein herangezogen wird, um direkt oder indirekt einen konventionellen Theismus, etwa der Art von Herrn Grün, mit Wissenschaft für „vereinbar“ zu erklären, ganz abgesehen von der Tatsache, dass die enorme Befähigung auch hochintelligenter Menschen zu kognitiven Dissonanzen nichts über den philosophisch-logischen Status aussagt.

    Faktum ist, dass die Wissenschaft ein geschlossenes System der Kausalität und Regularität voraussetzt, sonst könnte sie nicht arbeiten, und dass der konventionelle, etwa katholische Glaube die regelhafte Durchbrechung dieses kausalen Systems annimmt. Dafür legen außer den für Heiligsprechungen geforderten Wundern zum Beispiel unzählige Opferkerzen und Wallfahrten der ganz normalen Gläubigen täglich Zeugnis ab. Niemand wird mir als jemandem, der in dieser Umgebung groß geworden ist, erzählen können, dabei handle es sich um Lobpreisungen und nicht um Interventionserwartungen. Man muss deshalb nicht auf Gläubige herabschauen, jeder hat seine Inkonsistenzen, man sollte aber auch nicht sich und anderen in die Tasche lügen. Es braucht gar nicht die Höhen einer philosophischen oder pseudophilosophischen Reflexion, um zu erkennen, dass es da ein massives Problem gibt, das man auch durch Einnahme einer traditionellen christlichen Überlegenheitspose nicht löst.

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    • Helga Kleisny 17. Dezember 2015 / 19:58

      Thema des Beitrages und damit der zulässigen Kommentare dazu ist Gott (Religiöses Verständnis) „versus“ moderner naturwissenschaftlicher Erkenntisse und nicht Einsteins Glaube oder Nicht-Glaube.

      Punkt.

      An Alle:
      Warum fällt es vernünftig denkenden Menschen so schwer, den Kern eines Beitrages zu verstehen? Warum hängt man sich als Erbsenzähler beim Kommentar am schmückendem Beiwerk zum Grundthema auf?

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  4. RAJ 17. Dezember 2015 / 21:04

    […]

    Zum anderen wird es nicht Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, dass ich mich im letzten Absatz deutlich zur Vereinbarkeit eines theistischen Glaubens mit der modernen Wissenschaft geäußert habe. Wie steht es mit dem Verhältnis zwischen der physikalischen Geschlossenheit der Naturwissenschaft und dem Beten und Opfern für eine von Gott herbeigeführte Wendung? Wie steht es mit den Heilwundern der katholischen Kirche? Und warum eigentlich gibt es heute so viel weniger Wunder als früher?

    Die Quantenphysik ist zum Refugium von New Age, Esoterik, Religion usw. geworden, und zwar als explizites asylum ignorantiae. Sie muss für alles herhalten: Gottes Wirken, homöopathische Heilung, das Bewusstsein, den freien Willen etc. Die Devise ist: wenn wir etwas unbedingt „erklären“ wollen und nicht dazu in der Lage sind, dann muss die Quantenmechanik her, das geht immer, Gewiefte zitieren dann noch Feynman, den sie nicht verstanden haben, usw. In den physikalischen Quantenfeldtheorien, den Theorien der Verschränkung und Dekohärenz usw. findet das alles keinen Gegenpart. Siehe dazu die moderne Fachliteratur zu Quantenfeldtheorien, string theory sowie zur Philosophie der Physik. In quantenmechanische Unbestimmtheit, Nichtlokalität usw. das Wirken Gottes zu verlegen oder diese in die Bibel hineinzulesen, würde ich als jemand, der sich in Quantenphysik und Philosophie ein wenig auskennt, als Dampfgeplauder ansehen. Etwas sehr billig und dem modernen Trick vergleichbar, jeden beliebigen Obskurantismus durch „sciency vocabulary“ aufzuwerten.

    Es ist offensichtlich, dass Gläubige unaufhörlich daran arbeiten (müssen), ihren Glauben mit der Wissenschaft kompatibel zu machen (die Wissenschaft hat das Problem heute Gottseidank nicht mehr). Das geschieht auf verschiedene Weise: von der regelrechten Beschneidung der Wissenschaft seitens Kreationisten bis zur metaphorischen Interpretation seitens solcher, denen ersteres zu peinlich ist. Beiden Vorgehensweise jedoch haftet als zentrales Moment die Willkür an. Auch kommt man immer zu spät. Ist doch merkwürdig, dass die Quantenmechanik, wie vieles andere, in der Bibel erst „entdeckt“ wird, nachdem die Wissenschaft sie entwickelt hat. Klingt irgendwie wie rückwärtsgerichtete Prophezeiung. Auch glaube ich nicht, dass es irgendein Problem gäbe, einen anderen heiligen Text oder antiken Mythos ebenfalls im Lichte der Quantenmechanik zu interpretieren, das könnte ich mit der Odyssee auf Anhieb machen. Mir scheint auch, die Produzenten gehobener religiöser Erbauungsliteratur wie der von Ihnen annoncierten sollten sich sehr gut überlegen, ob sie mit der modernen Esoterik in einem Boot sitzen wollen. Das wird vermutlich auf lange Sicht eher zur inhaltlichen Auslaugung als zur Stärkung beitragen.

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    • Helga Kleisny 17. Dezember 2015 / 23:34

      Das sind allgemeine Statements und keine persönliche Stellungnahme.
      Was also glauben Sie?

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  5. oliv 17. Dezember 2015 / 23:49

    Liebe Frau Kleisny,
    es gibt durchaus Wissenschaftler, die den Kern einer Sache verstehen und dazu diskutieren wollen. 😉
    Wie RAJ bin ich sehr katholisch aufgewachsen, habe aber den Glauben an einen Gott noch vor meinem naturwissenschaftlichen Studium aufgegeben.
    Für mich stellt sich eher die Frage nach dem Sinn des Lebens als die nach einer Gottheit.
    Allerdings haben Sie mich angeregt, das Buch zu lesen und ich bin gespannt, ob sich daraus etwas anderes ergibt. Jeder Forschende muss stets offen für Neues sein. Wenn er nur am angestammten (Wissen) klebt und verharrt, ist das ein Rückschritt und keine Bewegung nach vorne.

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  6. Wizzy 18. Dezember 2015 / 14:56

    Danke für Ihren Beitrag!

    […]

    Zweitens bezweifle ich sehr stark, dass die Quantenphysik Gott in irgendeiner Weise mehr belegt als die klassische Physik. Welche Argumente bestünden denn dafür? Mir fallen keine stichhaltigen ein, und ich habe darüber ein kleines bisschen mehr als nur spontan sinniert.

    Andererseits bin ich interessiert an philosophischen Fragen, auch der Frage ob es irgendeinen Gott nicht doch gäbe, oder eben vielleicht die Programmierer unserer Welt oder ähnliches. Allerdings, welche Hinweise gäbe es denn darauf? Und, die Vorstellung eines gütigen und mächtigen Gottes, der unsere Welt geplant hätte, halte ich für unglaublich naiv angesichts der völlig unnötigen Gräuel unserer Welt: Grausame natürliche Krankheiten und Gefahren z.B. helfen unserer Entscheidungsfreiheit in keiner Weise.
    Wenn wir in die Prähistorie und die Umgebung schauen, scheint Unbelebtes der Normalfall im Universum zu sein und Belebtes führt anscheinend eher ein Schatten-, ein Gastdasein, in winzigen Nischen, das Bewusste existiert sogar weniger als einen Atemhauch in der Geschichte. Warum sollte gerade der Anfang des Universums durch etwas Bewusstes entstanden sein, wo das Bewusste im Universum doch ansonsten (offenbar, bis heute) keine Rolle spielt? (Das Universums sähe ohne Leben nahezu identisch aus. Würde man das Universum mit dem Kölner Dom vergleichen, könnte man Leben darin nicht einmal mit dem Mikroskop ausmachen.)

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  7. BreitSide 18. Dezember 2015 / 20:05

    Extrem interessant!

    Die alte Frage, wie sich Religion – also das Geglaubte – mit Wissenschaft – also dem Belegten – vertragen sollte, ist immer noch virulent.

    Früher – vor allem während des Studiums – glaubte ich noch (genauer: Dachte ich noch), dass die Sache klar sei. Als ich einen kreationistischen Wissenschaftler (Amerikaner…) traf, war ich noch völlig verdutzt, wie jemand nur sowas glauben könnte.

    Heute bin ich schlauer. Unwissenschaftlichkeit scheint immer mehr zuzunehmen. Ist aber vielleicht nur persönliches Erleben.

    Ansonsten bewege ich mich da sehr auf RAJs Linie. Ich favorisiere da das Bild vom „zufälligen Zuschauer“ oder so, also dass wir einfach rein zufällig da sind, weil unser Universum – oder das Raum-Zeit-Konstrukt oder wie man das immer nennen mag, eben grad die richtigen Gesetze und Konstanten hat, damit Sterne lange genug leben usw. usf.

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    • Helga Kleisny 19. Dezember 2015 / 15:24

      Auch ich teile in Grundzügen RAJ’s Einschätzung, wenn auch nicht in allen Details und nicht in der Drastischheit, wie er es dargestellt hat. Das muss trotzdem nicht der Weisheit letzter Schluss sein, auch wenn es vielleicht (?) die Mehrheit der Wissenschaftler so sieht.

      Könnte mir vorstellen, dass es an den Dimensionen hakt. Wie soll sich ein zweidimensionales „Wesen“, das auf einem Regalbrett „lebt“, vorstellen können, wie es auf dem Brett darüber oder darunter aussieht? Geschweige denn, dass es überhaupt mehrere Ebenen gibt? Und wie soll es sich den Sprung auf den Tisch im Zimmer vorstellen, oder ins Nachbarhaus, zum Atlantik oder auf einen anderen Planeten?

      Wir sind in der Dreidimensionalität gefangen in unserer Vorstellung, was möglich ist. (Meinetwegen 3,5-Dimensionen, wenn man die Zeit dazu nimmt, aber auch hier schon haben die meisten Schwierigkeiten, sich das in allen Grenzwerten vorzustellen; Relativitätstheorie, Urknall…)

      Den Onkel mit Rauschebart aus dem Schul-Religionsunterricht habe ich schon lange aus meinem Leben verbannt. Aber ich wehre mich dagegen, zu „glauben“, dass unsere Vorstellungswelt alles umfasst, was da draussen los ist.

      Und deshalb habe ich, als ich das Buch gesehen habe, sofort beschlossen, das muss ich lesen. Jede weitere Anregung, ob ich sie nun teile oder nicht, bringt mich weiter in meiner Gedankenwelt. Auch wenn es doch auf die Bestätigung hinaus läuft, dass ich sie zurzeit nicht ändere.

      Was ich ablehne, ist, immer wieder alte Kamellen als Meinung rauszuschießen, ohne jemandem die Chance zu geben, Neues in die eigene Gedankenwelt zu bringen. Das gilt für alle Bereiche des Lebens, die Luftfahrt wie den Sport oder allem anderen…

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  8. BreitSide 19. Dezember 2015 / 20:17

    Klar müssen wir offen sein, ob sich nicht vielleicht doch irgendwo ein Gottesbeweis ergibt. Ich habe vor einiger Zeit mal was gelesen, dass man spekuliere, ob gewisse Konstanten (h?) eben doch nicht konstant seien und ob da vielleicht Jemand nachregele.

    So ungefähr wurde das ja nach meiner Erinnerung auch in „Sophies Welt“ angedeutet: Der Schöpfer kalibriert möglicherweise seine Schöpfung nach.

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    • Helga Kleisny 19. Dezember 2015 / 21:04

      Der Schöpfer kalibriert möglicherweise seine Schöpfung nach.

      Da habe ich wieder das Problem der Allmächtigkeit, die ja wohl eine „Gottheit“ auszeichnet. Wieso muss einer, der alles kann und weiß (im Vor- und Nachhinein) dann nachbessern?

      Die Allmächtigkeit eines Gottes wird auch im Buch diskutiert, hat mich da nicht überzeugt. (Im Vergleich zu dem, was auf der realen Welt seit Jahrtausenden vorsichgeht.)

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      • BreitSide 19. Dezember 2015 / 21:31

        Vielleicht ist „Er“ („Es“, „Sie“?) gar nicht allmächtig? Nur halt so allmächtig wie wir einer Ameise oder einem Goldfisch im Glas vorkommen?

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      • Helga Kleisny 20. Dezember 2015 / 9:40

        Zum er/sie/es siehe Kommentar an Victor.

        Wenn etwas nicht allmächtig ist, dann ist es für mich kein „Gott“ oder irgendetwas, dem ich absolut „untertan“ bin, und alles mache, was er/sie /es vorgibt. Bitte nicht an den Wörtern feilen (untertan ich Sinne davon, das ich er/sie/es als Gott anerkenne), sondern den Sinn im Satz anerkennen.

        Es gibt Vögel, die besser fliegen als ich (ohne Fluggerät), Tiere, die besser schwimmen, tauchen und mit extremer Kälte umgehen können als ich und noch tausend andere Sachen in dieser Richtung. Das sind für mich allesamt ehrbare Wesen, aber keine „Götter“. Selbst Schaben werden uns Menschen alle mal überleben auf diesem Planeten.

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      • BreitSide 20. Dezember 2015 / 15:22

        @Helga: Aber wir sind für Ameisen oder Goldfische schon allmächtig, jedenfalls nach deren Maßstäben (so sie solche hätten…).

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      • Helga Kleisny 20. Dezember 2015 / 16:01

        🙂 schöner Gedanke. Eine Gottheit für jede Dimension darunter. Also hat der vierdimensionale „Gott“ auch noch einen darüber? Dann sind nicht einmal die Götter selbstbestimmt 😉
        Was wieder den Begriff eines Gottes ad absurdum führt.

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      • BreitSide 20. Dezember 2015 / 18:05

        …jedenfalls diesen unseren Gottesbegriff, dass er allmächtig ist und immer war und immer (oder/und überall) ist und immer sein wird.

        Griechische und Germanische, aber auch hinduistische und sowieso „naturreligiöse“ Götter sind da ja ganz anders. Die leben und sterben, haben begrenzte Kräfte und alle menschlichen Schwächen.

        Beim Allmächtigen stellt sich ja immer die Frage, ob er etwas schaffen kann, was er nicht mehr bewegen kann, weil es zu schwer ist?

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      • Helga Kleisny 20. Dezember 2015 / 19:11

        Griechische und Germanische, aber auch hinduistische und sowieso “naturreligiöse” Götter sind da ja ganz anders.

        Dafür haben die ja dann mehrere Götter und nicht nur einen. 😉

        Beim Allmächtigen stellt sich ja immer die Frage, ob er etwas schaffen kann, was er nicht mehr bewegen kann, weil es zu schwer ist?

        Dann ist er nach meinem Verständnis nicht mehr allmächtig? Sondern nur extrem „stark“/mächtig?

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      • BreitSide 20. Dezember 2015 / 19:23

        Er ist ja so und so nicht allmächtig:
        – Schafft er das unendlich Schwere nicht, ist er es nicht,
        – Schafft er es und kann es nicht bewegen, ist er es auch nicht.

        Das ist immer so eine Sache mit dem Immer und dem Grenzenlos…

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  9. Vector 20. Dezember 2015 / 0:02

    Es ist doch völlig egal welcher Wissenschaftler/in was genau glaubt. Erfolgreich sind diese Leute weil sie die wissenschaftliche Methode erfolgreich anwenden. Nur weil sich Jemand in seiner Arbeit mit großem Erfolg der wissenschaftlichen Methode bedient und diese Methode bei seinem „privaten“ Glauben als plötzlich irrelevant beiseite schiebt, macht es dessen Glauben nicht wahrscheinlicher. Denn, dass ein Einstein oder zb. Newton mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode auf die Existenz eines Gottes schließt, so wie Einstein auf die Einsteingleichungen kam, das halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich. Vielmehr wendet ein gläubiger Wissenschaftler/in wohl dasselbe logische, wissenschaftliche Denken auf seinen/ihren Glauben einfach nicht an und zieht so eine völlig willkürliche Grenze der Gültigkeit der wissenschaftlichen Methode in seinem/ihrem Weltbild auf.
    Plötzlich gibt es da wohl leider einen Bereich in dem rationales Denken, selbst für viele Top-Wissenschaftler/innen irrelevant zu sein scheint.

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  10. Vector 20. Dezember 2015 / 0:03

    @BreitSide:
    Warum „Jemand“. Wieso sollte das irgendwie eine Person sein?

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    • Helga Kleisny 20. Dezember 2015 / 9:33

      Korrekt.

      Ein „X“ der 5. Dimension würde sicher keine „Person“ unserer dreidimensionalen Welt sein, sonst wäre das Ganze ja gedanklich zugänglicher für uns.

      Weder eine „Sie“ noch ein „Es“ noch ein „Er“.

      Sprache ist nur die Umsetzung der Gedanken.

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    • BreitSide 20. Dezember 2015 / 15:11

      @Vektor: Der Gedanke, dass an den Konstanten kalibriert wird, impliziert ja immer auch
      – ein willensbehaftetes Irgendwas, das kalibriert und
      – ein Ziel, und sei es nur, auszuprobieren, was passiert, wenn…

      Sonst sind wir wieder beim allgegenwärtigen Zufall, dass überhaupt „etwas“ entsteht und sich irgendwie entwickelt (mit oder ohne Ziel) und halt bei einer (oder mehreren) Konstellationen der unendlich Möglichen eben sowas mit Bewusstsein entsteht, das über sich selbst nachdenken kann.

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      • Helga Kleisny 20. Dezember 2015 / 16:01

        ein Ziel, und sei es nur, auszuprobieren, was passiert, wenn…

        Gott würfelt nicht?

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      • BreitSide 20. Dezember 2015 / 17:59

        Sagte Einstein. Aber wer ist schon Einstein?

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  11. Vector 20. Dezember 2015 / 16:19

    @BreitSide: Und wieso überhaupt der Gedanke, dass an den Konstanten kalibriert wird?
    Ich glaub was du sagen willst ist, dass es sein kann, dass wichtige Naturkonstanten sich mit der Zeit ändern, zb möglicherweise die Feinstrukturkonstante. Wieso man hierfür ein Wort verwenden muss, welches auf eine absichtliche Handlung hindeutet ist mir schleierhaft.
    Du würdest ja auch nicht folgenden Satz sagen: „Der Fluss wird vorsichtig um seine Kurven herumgesteuert.“ Oder?

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    • BreitSide 20. Dezember 2015 / 19:19

      Der Gedanke kommt wohl daher, dass diese minimalen Änderungen – so es sie denn wirklich gibt – verantwortlich dafür sind, dass das Universum – und unsere Existenz – stabiler bleibt/wird.

      Aber Du hast natürlich Recht, auch wenn sie sich „in unserem Sinne“ änderten, muss da noch lange kein absichtsvoller Beweger stecken.

      Da sind wir wieder beim Ende des Wissens und dem Anfang des Glaubens…

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  12. Vector 21. Dezember 2015 / 17:40

    @BreitSide
    Sie ändern sich aber nicht „in unserem Sinne“: Wenn sich die Feinstrukturkonstante zb ändert, dann wäre die Chemie so wie wir sie kennen und in Folge auch wir, nicht mehr möglich. Also in meinem Sinne wäre das nicht.
    Oder wenn die Energiedichte des Vakuums abfallen würde, was theoretisch möglich sein könnte, dann wär das unser Ende.

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    • BreitSide 23. Dezember 2015 / 15:00

      Der jetzige Zustand ist ja vielleicht doch nicht der Optimale. Es hätte ja noch „besser“ kommen können. Wie immer man das misst… 🙂

      Vielleicht lässt sich mit „verbesserten“ Konstanten die Lebensdauer des Universums noch etwas verlängern?

      Wie gesagt, das Ziel solcher (vermuteter) Verbesserungen ist uns ja erst recht nicht klar. Wenn es denn eins gibt…

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