DLD und die fliegende Personendrohne von Thomas Enders

Wenn laut Internet der CEO von Airbus auf einer Konferenz ein selbstfliegendes Auto zur Personenbeförderung ankündigt – noch vor Ende des Jahres soll der erste Prototyp fliegen – dann sollte man das vor einer Diskussion hinterfragen, journalistisch einordnen und nicht wie üblich im Internet einfach nachquatschen, ungefiltert weiter-posten, liken oder disliken.

Das wäre dann der Unterschied zwischen dem normalen Schreiberling/Blogger/Tweeter, FBer o.ä. und einem Journalisten. Letzterer muss Sachen, die er sieht und/oder hört in seinem Umfeld einordnen und bewerten, bevor er sie an seine Adressaten weitergibt. Das ist der Mehrwert (den leider keiner mehr bezahlt, daher zählt Qualitäts-Journalismus zur aussterbenden Gattung.)

Fliegende Autos in der Entwicklung sind nun wahrlich nichts Neues. Die ersten tauchten (gefühlt) schon Mitte des letzten Jahrhunderts auf, ernstzunehmende neuere Entwicklungen (Terrafugia) sind seit Jahrzehnten auf einschlägigen Luftfahrtveranstaltung in ihrer (langsamen) Entwicklung vom Konzept zum Prototypen zu besichtigen. Und unbemannte Drohnen gibt es nun auch in vielen Einsatzgebieten.

Die Idee einer fliegenden schnellen Fortbewegung in/über bebautem Gebiet ohne menschlichen Pilot hat etwas. Die erfolgreiche Umsetzung der komplexen Materie dazu leider auch.

Die erste Frage bei einer Information muss sein: Warum sagt derjenige seine Worte und warum sagt er sie jetzt und warum an den gewählten Adressatenkreis.

Airbus ist einer der Hauptsponsoren der jährlichen DLD Konferenz.
Dabei steht DLD für Digital Life Design und sie ist die Digitalkonferenz- und Innovationsplattform von Hubert Burda Media. Es geht also primär um Medien und die Digitalisierung.
(Übrigens die DLD und nicht der DLD, wie aus welchen Gründen auch immer etwa der Focus schreibt.)

Die gesamte Konferenz ist ein Sehen und Gesehen werden. Show. Show der Menschen, die in der digitalen Welt meinungsführend sind oder so gesehen werden. Will man da als Flugzeugbauer von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, muss man bei der Ansage der Innovation schon klotzen. Der 701. verkaufte Flieger reißt da keinen vom Hocker. Da muss schon ein mehr an Innovation her und die in Kombination mit Digitalisierung.

Letztere ist nun in heutigen Flugzeugen, was Internet und Modernisierung der Computertechnologie angeht, eher im Steinzeitalter. Egal, dem sympathischen Vorstandsvorsitzenden der Airbus Group, Thomas Enders, bleibt gar nichts anderes übrig, als bei seinen Ankündigungen auf der DLD in München (es gibt auch andere DLD-Veranstaltungen weltweit) zu klotzen satt zu kleckern.

Also gleich die Ankündigung einer selbstfliegenden Drohne für Personentransport? Das wird irgendwann sicher kommen und Realität sein. Heute ist es aber schon aus menschlichen emotionalen Abwehrgründen noch unvorstellbar. Auch wenn Airbus draufsteht.

So viel mit ein wenig Nachdenken zum Hintergrund des “Warum” und des “Warum jetzt” der Meldung. Die Aufbauschung kommt von alleine durchs Netz. Dass das gewünscht und beabsichtigt ist, wäre vermutlich eine Unterstellung.

Eine relativ gute Zusammenfassung der Trends der DLD 2017 findet sich hier.

Der weltweit größte Helikopter-Hersteller wird im Silicon Valley noch heuer ein Demo-Vehikel in Betrieb nehmen, das ohne Pilot fliegt – vorerst nur für den Transport von Waren.

Aber auch hier geht es nicht ganz ohne Anmerkungen:

Da hätte ich eher will statt wird bei der Inbetriebnahme geschrieben. Mit Demovehikel ist wohl der erste Prototyp gemeint und die Ankündigung von Enders galt wohl nur für die unbemannte Drohne in diesem Jahr.

Nicht, wie vielerorts im Netz dann weiterverbreitet, suggerierend – schon mit Personenbeförderung. (BspAirbus-Chef Tom Enders … hoffte, dass Airbus ein fliegendes Demonstrationsfahrzeug für Einzelpersonen zu Transportzwecken bis zum Ende des Jahres fertiggestellt habe.)

12 Gedanken zu “DLD und die fliegende Personendrohne von Thomas Enders

  1. RPGNo1 23. Januar 2017 / 12:02

    Bei dem Begriff „Fliegendes Auto“ kam sofort eine Kindheitserinnerung hoch: „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ von Boy Lornsen

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  2. gedankenknick 23. Januar 2017 / 15:16

    Bei „fliegenden Autos“ denke ich ja zuerst immer an die netten Visionen aus dem 50gern, wo alle Verkehrsmittel mit Mini-Nuklearreaktoren als Energiequelle ausgestattet sind („1x Uran tanken hält 5 Jahre…“).

    Als zweites fällt mir dann immer „Das 5. Element“ ein, und wie man bei einem Unfall in 3 Dimensionen navigiert.

    Aber trotz der (aus meiner Sicht) sehr optimistischen Äußerungen des Airbus-Vorstands und der wahrscheinlich tatsächlichen) aktuellen Umsetzbarkeit einer vollautomatischen und vielleicht sogar einer vollautonomen Drohne habe ich starke Vorbehalte gehen diese Technik, von deren Unrichtigkeit ich erst noch überzeugt werden will:
    1) Solche Systeme würden (für mich) nur Sinn ergeben, wenn es VTOL-Systeme sind, da sonst eine „Taxi“-Funktion, sprich Fahrt/Flug von „Haustür zu Haustür“, m.E. nicht umzusetzen ist.
    1a) VTOL-Systeme setzen eventuell schwere Änderungen der Infrastruktur voraus. (Nicht alle Altbauten vertragen eine Dach-Landeplattform. Nicht alle Straßen haben genug Platz zum Landen, man denke nur an Baumbewuchs.)
    1b) STOL-Systeme bräuchten (kurze) Start- und Landebahnen mit allen daran hängenden Problemen – hier vergleiche man mal die Anforderungen an Wasserflugzeug-Startbahnen… (Und auch das komische Bahnhof-Flugplatz-Flugzeugträger-Konzept aus dem Jahr 2016 halte ich für… naja, ein Konzept eben.)
    2) VTOL-Systeme benötigen eine senkrechte Schubvektorkomponente. Diese ist m.W.n. bisher nur über star-senkrechte bzw. kippbare Drehflügel / (Mantel-)Luftschrauben – oder (nach unten umlenkbare) Jetantriebe realisierbar. [Ist mir da eine funktionsfähige Alternative unbekannt?]
    2a) Beide Systeme sind bisher verhältnismäßig laut, wenn auch in unterschiedlichen Frequenzbereichen. So etwas möchte in nicht ständig (in der Innenstadt) über meinem Kopf hören.
    2b) Beide Systeme erzeugen physikalisch bedingt Druck / Luftverwirbelungen auf dem Boden unter ihnen in der Start- u. Landephase. Bei Jetsystemen kommt noch die Hitzeeinwirkung dazu.
    2c) Beide Systeme bergen nicht unerhelbliche Verletzungsrisiken in näherem Umfeld. Nicht umsonst stehen an der „Insel“ aller amerikaischen Flugzeugträger dicke Sprüche wie „Beware Of Jet Blast Props And Rotors“.
    3) Über Navigationsprobleme habe ich mich in einem anderen Blogeintrag schon mal ausgelassen.
    4) Dito über vernetzte vs. (voll)autarke Systeme.

    Zusammengefaßt: Ich halte das schon für möglich, aber einerseits noch nicht massentauglich und andererseits noch nicht alltags-umfelds-tauglich. Genau wie die Personentransportdrohne von vor ein paar Monaten in diesem Blog. ( http://scienceblogs.de/flugundzeit/2016/11/09/drohne-fuer-menschentransport/ ) Aber ich lasse mich gerne von Airbus überraschen, wie man das alles löst.

    Und ich gestehe auch Airbus-Managern zu, dass klappern zum Handwerk gehört. Vielleicht startet die Airbus-Menschentransport-Taxidrohne ja mit ihrem ersten Passagier vom fertigen BER zum Flug in die Berliner Innenstadt… ^^ Aber dann hat Airbus wohl doch noch etwas zusätzliche Entwicklungszeit für ein „Anti-Grav-Device“… ^^ 😉

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  3. astroklaus 23. Januar 2017 / 23:20

    Wenn man ein wenig Platz hat, geht das alles – Santos-Dumont ist mit seinem kleinen Luftschiff „No 9“ kreuz und quer durch Paris gegondelt, hat auch öfter mal vor seinem Haus geparkt, um einen Kaffee zu trinken; das war 1903!
    (Wenn ich wüßte, wie man hier ein Bild hochladen kann – im „Projekt Gutenberg“ gibt es einen sehr schönen Text von ihm auf Englisch, in dem er seine Ballon- und Luftschiffexperimente beschreibt.)

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  4. Omnivor 24. Januar 2017 / 14:08

    Und wie sieht es mit dem CO2 Flottenverbrauch aus? Elektroantrieb für die Taxi-Drohnen ist doch wohl noch nicht drin.

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  5. Sikasuu 24. Januar 2017 / 16:44

    @gedankenknick: So, mit solch technischem Schwerpunkt, kann nur ein „Daniel Düsentrieb“ schreiben:-)
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    Die rechtlichen, sozialen & gesellschaftlichen Hürden dürften die technische weit übersteigen.
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    Zulassungs-Sicherheit & Akzeptanz werden solche Systeme nur dann bekommen, wenn Vorteile die Nachteile für die Masse überwiegen.
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    Grob gesagt, Platz, Lärm, persönlich& funktional sicher (intern&extern) mit wenigstens theoretischer Fehlerfreiheit & Allwetter tauglich! Auch auf Sicht „leist-, bezahlbar“ , wenigstens für eine nicht zu kleine Gruppe (Stückzahl, Grenz- & externe Kosten, , für den Alltag!
    .
    Dann müsste man Straßen überdachen, bzw. die Menschen im Ballungsraum großflächig umsiedeln, behelmen, persönlich mit Lärmschutz usw ausstatten. Weil: Absturzsicher bekommt man solche Dinger wohl nicht!
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    Weiter (da ja „autonom“ geplant) …. Fehlerfreiheit& Redundanz von Antrieb, Telekommunikation & IT, incl Sensoren. Das im „Luftverkehr“ mit seinen Sicherheitsvorgaben, ein weiter Weg! Hohe Wartungsauflagen für die gesamte Technik. usw. kommt noch obenauf!
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    Und vergiss das Wetter nicht. Gerade in Bodenhöhe, Haushöhe öfter arg rau, wenn es > Fl 100 richtig friedlich ist, wo diese Teile nicht zu suchen haben. (Sprich mal mit Piloten von Rettungs-Hubis, die öfter Außenlandungen bei Krankenhäusern usw. machen müssen.)
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    Start & Landung 10 Jahre, als Massenverkehrssystem, selbst in der Menge heutiger Taxen…… oh je, s.o. Stirbt an den „undiskutierbaren“ Rahmenbedingungen!

    So hört sich dann Verkehrsfunk >2030 an : … Stau auf der Einflugstrecke West. Fliegen sie rechts ran um die „Luftpolizei, den Notarzt durch zu lassen. Taxis mit zu wenig Treibstoff wünschen wir eine glückliche Bruchlandung:-)“
    .
    Gruss Sikasuu

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  6. Sikasuu 24. Januar 2017 / 20:55

    My Fly-Lady „Helga“,
    .
    du fliegst selbst, der Airbus Mann wenigstens theoretische.
    Es dürfte allen klar sein, das das ein PR-Start ist.
    Niemand der etwas bis 2t je geflogen hat (vorn links glaubt des PR-Schmuss
    .
    Prototyp kein Thema „Sonderzulassung“
    1. Falle. Lufterprobung, (geht nicht wie beim PKW in dem angepeilten Einsatzraum, Restriktionen für Prototypen, Außenlandegenehmigung)
    2. Falle Wetter. Schönwetter Spielzeug. (Wie Frau/man mit < 2t in Bodennähe fliegt brauchen wir uns nicht erzählen.
    3. Falle FAA/EASA/LBA… (ohne Sauerstoff auf den Everest ist dagegen ein Kinderspiel….
    4. Falle… ach es ist sinnlos gegen so was zu argumentieren:-))
    .
    Es gibt dann was in dem ich von EDVK nach EDLW rutschen, kann wenn ich einen "Piloten" finde!
    Kann ich mit einem Charterhubi auch. Sicher&Preiswert (wenn der IFR zugelassen ist)
    .
    Ins Stadtzentrum usw. muss man Papst, Mr President, Bundeskanzel oder Staatsgast sein.
    .
    Autonom&Massenverkehr im Ballungsraum? Vom Fliegerischen, Rechtlichen wohl ein Weg von 100 Jahren und vielleicht aus "Schulbuszubringer" im einen XYZ-Belt über km² Maisacker in U-SA einzusetzen, nicht in Europa in der Stadt.
    .
    Selbst wenn die auf UL usw Lizenz zielen, wird es wohl ein Problem.
    .
    Happy landings
    Clean take off
    und immer eine Direkt als Abkürzung
    Sikasuu

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    • Helga Kleisny 24. Januar 2017 / 20:59

      Lieber Sikasuu,
      danke für Deinen Post, dessen Inhalt ich durchaus zustimme.
      Trotzdem 🙂 freundlicher sanfter Hinweis:
      Denk‘ bitte mal – vor einem Post – eine Sekunde daran, dass der Leserkreis hier vom Checkkapitän bis zum Fußgänger reicht.
      Mir fehlt generell und zurzeit sehr speziell, da ich schon wieder indoors am Tagen bin, die Zeit, alle Deine Aküs lesergerecht auszuformulieren…

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  7. Sikasuu 24. Januar 2017 / 21:23

    @Helga Kleisny: So sorry. (so viel englisch sollte hier bekannt sein)
    .
    Für fliegerspezifische Abkürzungen entschuldige ich mich., doch FAA, EASA, LBA usw. incl. ED… sollte ein „geübter aus der Generation Netzi“ mit einem Klick bei Goggle abklären können. Far&DUS sind doch auch bekannt.
    Bei EU, KBA, BVerfG. StVO …. ist das doch auch nicht schwer.
    .
    Lieben Gruss Sikasuu
    .
    Ps. Wenn ich mich bei Einstein&Quanten „einfach erklärt“ hier rumtreibe muss ich auch oft schlucken und das Netz befragen, ein Sience Blog sollte beim „recherchieren“ doch keine Probleme haben(:-)
    #
    Aber OK, bin brav Anweisungen der „Towerlotsin“, auch im Blog, sind fast die Bibel:-) Will doch die „Lizens“ hier nicht verlieren.

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    • Helga Kleisny 24. Januar 2017 / 21:31

      🙂
      okay. Der Punkt mit Einstein und den Quanten sitzt.

      Bin halt der Meinung, dass Piloten auch im sonstigen Leben ein wenig über ihren Tellerrand hinaus denken und sich interessieren. Das trifft zumindest in meinem realen Umfeld zu.

      (Hab zwar mal für die DFS gearbeitet, aber nicht als Towerlotsin.)

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  8. advanceddeepspacepropeller 25. Januar 2017 / 9:54

    btw – es gibt eh noch ein paar andere Ansätze zu
    HUMAN FLYING DRONE 😉

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  9. gedankenknick 25. Januar 2017 / 11:51

    @Sikasuu
    Nö, ich bin kein D.D. Ich bin einfach fachfremd, interessiere mich aber schon seit meiner Kindheit für Luftfahrt (eher für technische als für ordnungsplitische Aspekte), ohne selbst je eine Lizenz besessen oder in Aussicht zu haben – habe aber mal begeistert an PC-Flugsimulatoren rumgespielt. Ansonsten bin ich einer, der (schon beruflich) an Kosten-Nutzen-Risiko-Abwägungen gewöhnt ist – und aus solcher Sicht betrachte ich dann (mit der typischen „german angst“ 😉 ) obige Luftfahrt-PR-Aussagen.

    Vielleicht hat Herr Tom Enders ja eine ganz neue Form des Antigravitationsantriebs in der Entwicklung – ich warte da gespannt auf Vorführung…

    Übrigends hat das örtliche innerstädtische Spital auf einen Hubschrauber-Dachlandeplatz beim letzen Neu-Anbau vor ein paar Jahren verzichtet und statt dessen ein Stück Rasen – eingerahmt von verwirbelungsintensiven Bäumen – planiert und ausgewiesen. Inclusive „optisch-elektrischer Verkehrswarnzeichenanlage“. Es wird schon seinen Grund gehabt haben, warum man weder Dach noch die (vollgeparkte) Autoabstellfläche benützen wollte. Wenn ich mir so einen Aufwand jetzt innerstädtisch an jeder Ecke für Personenbeförderungsdrohnen vorstelle, wird die Stadtentwicklungsplanung … kreativ.

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