2017: Der Deutsche Medienkongress und das Aviation Event im HOLM

Habe in letzter Zeit (zu) viele Veranstaltungen besucht, die sich alle mit Big Data, den Vorteilen und den Gefahren dazu befassen. Wenn ein Thema so in aller Munde ist, lässt bei mir als Vorrunner das Interesse stark nach.

Nichtsdestotrotz, in der Luftfahrt müssen wir uns mit den kommenden Änderungen durch Big Data beschäftigen, und so gibt es im flugundzeit-Blog noch eine Kurzpräsentation von zwei Events, die bereits vor einigen Wochen hier in Frankfurt stattgefunden haben. Zum einen war das der Deutsche Medienkongress in der Alten Oper und das Aviation Event im HOLM am Frankfurter Flughafen.

Der Inhalt der Diskussionen am Medienkongress war für nicht in der PR-Tätige phasenweise richtig brutal. Alle Vortragenden und Diskutanten hatten CEO, Geschäftsführer, Chefredakteur, Managing Director, Herausgeber oder gleich Präsident in ihrer Funktionsbeschreibung. Umso mehr waren die Offenlegungen über die bereits umgesetzten und geplanten Top Media Trends zum Erschauern.

Kleine Auswahl aus den diskutierten Themen:

Was die Kunden von den Medien erwarten – CMOs über ihre Kommunikations-Strategien
Amok und Terror – Chefredakteure über Hysterie und Verharmlosung in den Medien
Big Thing or Big Hype – Was kommt, was bleibt? Digital-Trends im Check
Reichweite versus Zielgruppe – Wer gewinnt den Kampf um die Werbebudgets?
Wem gehört der Sport – Auf dem Spielfeld von Ligen, Sponsoren und Medien
Content Marketing – Wer sind die Player?
Die Kreation macht den Unterschied – Agenturchefs präsentieren ihre besten digitalen Arbeiten
Medien und Marketing in der D-A-CH-Region – Was unsere Nachbarn anders und besser machen
US-Experten präsentieren die aktuellen Marketing-Trends

Wie gezielt etwa der Konsument bereits heute in seiner Werbeansprache zum Kauf animiert wird: Alter, Geschlecht und Bildung sind da schon Basics, die als bekannt vorausgesetzt werden. Persönliche Vorlieben, bereits getätigte Käufe und das ganz normale tägliche Leben liefern Anhaltspunkte für hautnah zugeschnittene Angebote, die man/frau praktisch gar nicht mehr ablehnen können, weil sie den geheimsten Wünschen entsprechen, die einem selber  nicht einmal bewusst sind.

Katze oder Hund als Haustier? Was folgt daraus? Folgt aus der mehrfachen Suche nach Urlaubszielen in der Sonne mitten im Winter nicht auch der Heißhunger auf Süßes? Oder ist der seit kurzem, bisher ungewohnte Heißhunger auf Süßes (Ziel ist weiblich) ein Rückschluss auf eine potentielle Schwangerschaft, von der die Kundin noch gar nichts weiß? Brutale Frage? Realität.

Beeindruckt haben mich die Ausführungen des deutschen Philosophen und Schriftstellers Richard David Precht und die von Chefredakteurin Miriam Meckel. Precht zeigte seine Sicht auf die Digitalisierung und wie sie die Gesellschaft beeinflusst.

Meckel beklagte das verlorene Vertrauen der Menschen in Politiker, Manager, Nichtregierungsorganisationen und auch die Medien. Menschen, so Meckel, machten sich zu wenig Mühe, Informationen aus dem Web zu hinterfragen.

 


Und zum diesjährigen Aviation-Event am Frankfurter Flughafen, das mit Führungskräften aus Luftfahrt, Politik und Wirtschaft mit 200 Interessierten der Branche im HOLM (House of Logistics and Mobility) gut bestückt war. Die neunte Veranstaltung der Aviation-Event-Reihe stand unter dem Motto „Take-off oder Touchdown: Was ist die Zauberformel für den Erfolg in der Luftfahrtindustrie?

Die Verbindungsfähigkeit (connectvity) sei der Schlüssel zum Erfolg, meint gleich zu Beginn der Chefökonom der IATA, Brian Pierce. Mit besonderem Vermerk auf die Infrastruktur dahinter, am Boden und in der Luft. Ist das ganze System noch gesund? Ist es effizient?

Der Tenor von insgesamt 35 Vortragenden: Wenn die Luftfahrt für alle Beteiligten kostengünstig sein soll, trotzdem wachsen soll, Flüge weniger Verspätungen haben sollen, dann muss das gesamte System wie ein Uhrwerk laufen und alle Zahnrädchen müssen auch weiterhin ineinander greifen. Nur, wie das funktioniert, das verschiebt sich gerade gravierend, weil sich die Gesellschaft und ihre Normen durch die sozialen Medien und deren Wertstellung verändern. Damit werden andere Vorgehensweisen wirksam und wer sich als Dinosaurier entpuppt und hier nicht mit- oder gegensteuert, wird auf lange Sicht vom Markt verschwinden.

Wo die Kosten liegen, daran hat sich nicht so viel geändert. Treibstoff; schlechte, zu knappe Planung, die im Endeffekt mehr kostet, als sie kurzfristig bringt, und viele andere Kosten-Faktoren in der Luftfahrt sind nicht neu. Wie man sie sinnvoll kompensieren kann, dazu aber gibt es mit Big Data neue Möglichkeiten.

„Die Luftfahrt ist weltweit ein Wachstumsmarkt und wird auch in Zukunft weiter ansteigen. Damit Europas Luftfahrtstandorte im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben, sind wachstumsfördernde Rahmenbedingungen essentiell. Große Infrastrukturprojekte müssen zeitnah umgesetzt werden können, damit Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Tourismus langfristige und nachhaltige Wachstumsperspektiven haben. Hier ist Europa gefordert, die geeigneten Voraussetzungen zu schaffen“, plädierte Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG. Dazu zählt auch die Infrastruktur am Boden, die auch künftigen veränderten Anforderungen standhalten muss.

Klarstellung: unterschiedliche Bezeichnungen für Dinge, die ohne Menschen an Bord fliegen.

Denn die zunehmende Rolle von Drohnen und zukünftige Innovationen im Frachtgeschäft bringt damit verbundene Chancen und Risiken für den Luftverkehr. Für Manfred Mohr, IATA Assistant Director Europe, stehen vor allem mögliche Auswirkungen auf die kommerzielle Luftfahrt im Mittelpunkt. „Unser gemeinsames Ziel muss sein, schnellstmöglich eine sichere und vernünftige Koexistenz zwischen bemannter und unbemannter Luftfahrt zu erreichen. IATA ist hier in enger Abstimmung mit Gesetzgebern und verschiedenen Luftfahrtorganisationen wie EASA, FAA, Eurocontrol und ICAO, um Drohnen sicher in den Luftraum zu integrieren.“

Die Lufthansa Group ist hier wieder einmal vorne dabei: angesiedelt bei LH Consulting gibt es in Zusammenarbeit mit LH Technik bereits einen eigenen Bereich Lufthansa Aerial Services, der sich mit UAV Zertifizierung, Wartung und Flottenmanagement befasst.

 

In der öffentlichen Diskussion geht die Flugsicherung meist unter, beschwert sich Pete Curran, Assistant Director ATM Infrastructure (IATA). “Wir sind nur in den Medien, wenn etwas passiert.” Das Problem am einheitlichen Luftraum über Europa (Stichwort: SESAR, Single European Sky) ist wie eh und je, dass jedes Land seine Überfluggebühren gerne selbst einheimsen möchte und nicht einen EU-bestimmten Prozentteil von Flügen über Europa erhalten möchte. Nichts Neues und nichts Spezielles an dieser Front.

Luftfahrt-Rechtsexperte Professor Elmar Giemulla zeigte Vor- und Nachteile auf, wenn Teile von sicherheitsrelevanten Tasks privatisiert werden. Ein ongoing Thema hier im Flugundzeit-Blog. Ein Flughafen hat eine Eigensicherungpflicht, genauso wie die Fluglinien. Privat- und Staatsaufgaben sind kein Gegensatz, sondern Ergänzung. Allerdings müssen die Kernaufgaben der Sicherheit eines Staates von Beamten wahrgenommen werden”, meint Giemulla. Nur, was sind die Kernaufgaben? Was genau macht den größten Bums, wenn es knallt? Und was richtet mehr Schaden als Nutzen an, wenn es in (unterbezahlte) Privathände geht?

“Das Gefühl der Sicherheit setzt voraus, dass wir Vertrauen in den Staat haben”, so Giemulla. Was passiert dann aber, wenn der Reisende kein Vertrauen in die untersuchenden und abtastenden (Privatleute) hat, weil sie gerne privat quatschen und, wenn sie sich dann doch zur Untersuchung der Reisenden bequemen, diese nur unsinnigerweise nerven, weil sie gar nicht die Kompetenz haben, zwischen potentiell gefährlich und harmlos zu unterscheiden?

Wie wäre es mit einer Entschädigung, wenn Passagiere bei der Sicherheitskontrolle zu lange warten müssen? Und dadurch ihren Flug versäumen? Auch das kam vor. Das Versäumen, nicht die Entschädigung.

Fotos: (c) hkl
Folien (c) der jeweilige Urheber

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