Geklautes Flugzeug stürzt ab

Vorab: Eigentlich gehört dieser Absturz, mit der Frage nach der Ursache, nicht in den flugundzeit-Blog aufgenommen. Die Absturzursache ist die Unfähigkeit des einzigen Flugzeuginsassens, das Flugzeug sicher zu steuern und das war bereits während seines abenteuerlichen Fluges klar.

Da sich aber vermutlich wieder Konsequenzen auch für andere aus diesem Hasardeurverhalten ergeben werden, nun doch:


Am 10. August 2018 stiehlt ein Bodenmitarbeiter der Fluggesellschaft Horizon Air (der durch seinen Beruf Zugang zum Sicherheitsbereich auf dem Vorfeld hat) eine Dash-8 Q400 der Fluglinie. Er startet ohne ATC-Freigabe von Seattles Startbahn 16C.

Schon sind die Lotsen in Alarmbereitschaft und der Towerlotse versucht, das Rufzeichen des Flugzeugs und das Vorhaben um 19: 35 Ortszeit abzufragen.

Es gibt viele Amateurvideos auf YouTube, die das Flugverhalten des gekidnappten Flugzeugs aufzeichnen. Manche sprechen von Kunstflug, es ist aber nur der unkontrollierte Flug eines Menschen, der zuvor nur Spielerfahrung auf einem Heim-Flug-Simulator hat.

Zwei F-15 Kampfflugzeuge folgen ihm. Der Dash 8 stürzte in einen Wald bei Ketron Island, WA (USA), etwa 22nm südwestlich vom Flughafen Seattle Tacoma, etwa eine Stunde nach dem Abflug von Seattle. Der „Pilot“ stirbt als einziger Insasse beim Aufschlag.

Hier der Funkverkehr (YouTube).


Soweit die Fakten.

Der Dieb bezeichnet sich selbst als durchgeknallt (broken guy with a few screws loose), spricht aber mit ATC nie von Selbstmord, sondern spekuliert sogar, ob ihm Alaska (Airlines) nach diesem Flug einen Job als Pilot anbieten wird.

Die Ruhe bewahrende Stimme und Leistung des Lotsen am Boden soll hervorgehoben werden, auch wenn sie trotz Hinzuziehen eines Piloten in den Tower den Absturz nicht verhindern konnte.

„Ich drehe noch schnell eine Barrelrolle und dann sehen wir weiter“, meinte der Mann sinngemäß vor dem Absturz.

Wie kann man ein Flugzeug stehlen?

Verkehrs-Flugzeuge haben kein Schlüsselschloss (wie frühere Autos) zum Starten sondern einen (etwas komplizierter ist es schon – mehrere) „Schalter“ zum Starten. Auch gibt es an keiner zivilen Boeing oder Airbus ein Schloss an den Türen, das man aufsperren müßte. Eine Bombardier Dash-8 Q400 (86 Sitze) ist zwar etwas kleiner, fällt aber so gesehen auch in diese Kategorie.

Das klappt im Normalfall recht gut, der unautorisierte Zugang ins Cockpit wird durch Verfahren abgewehrt. So soll in einem startbereiten Flugzeug stets ein autorisierter Pilot im Cockpit sein, der Zugang in den Sicherheitsbereich aufs Vorfeld ist an Flughäfen mittlerweile streng abgesichert.

Ein Bodenmitarbeiter hat Zugang aufs Vorfeld, er muss ja zu den Flugzeugen, wenn auch nicht zum Fliegen, sofern er nicht eine Lizenz dazu hat.

Flugsimulatoren

Auch Piloten werden in Flugsimulatoren ausgebildet – mittlerweile findet etwa die Type Rating Ausbildung in Simulatoren und nicht im realen Verkehrsflugzeug statt. Man unterscheidet je nach Funktionsfähigkeiten aber mehrere Arten von Simulatoren.

PC-Fliegen

Das hat mit realem Fliegen wenig zu tun. Es ist ein Spiel, bei dem am Computerbildschirm möglichst viel von bestimmten Flugzeugtypen nachgeahmt wird. Schön zum Ansehen, vielleicht auch für manche erstrebenswerter Zeitvertreib. Richtige Piloten, die ein reales Flugzeug fliegen wollen, können damit aber wenig anfangen.

Verfahrenstrainer

Verfahrenstrainer kommen bei der Pilotenausbildung zum Zug und haben den Sinn, ganz am Anfang der Ausbildung bestimmte Abläufe im Cockpit (wann wird was gemacht und wo befinden sich die Hebel dazu) eingesetzt. Manche haben auch schon in geringem Umfang Bewegung dabei und reale Hebel und Schalter an den richtigen Stellen. Die Bandbreite an Verfahrenstrainern ist groß.

Full-Flight-Simulator

Full Flight Simulator mit Brücke vor der Simulatorsession. Sieht man hier nicht wirklich, aber der Freiraum bis zum Boden beansprucht zwei Stockwerke. (c) flugundzeit
Brücke ist weg wegen der großen und teilweise heftigen Bewegungen während des Simulator“fluges“.
(c) flugundzeit

Auch ein Full-Flight-Simulator ist noch immer kein richtiges Flugzeug, obwohl er den Umfang eines kleinen Häuschens hat und etliche Millionen kostet. Hier bewegt sich das gesamte, abgeschlossene Cockpit entsprechend der Inputs des/der Piloten.

Zum Funkverkehr

Der Funkverkehr gibt einigermaßen Einsicht in die Denkweise dieses Menschen. Für Psychologen vermutlich noch mehr als für uns Normalos. Das wirklich Haareaufstellende dabei ist, dass es eben kein Fernsehkrimi ist, sondern ein reales Geschehen. Hut ab vor dem Lotsen und allen, die versuchten, Schlimmeres zu verhindern!

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