KI und die Buchmesse Frankfurt 2018

(c) Holger Volland

Ja, Bücher gibt es auch noch. Große, kleine, schöne, edle und billige, auf stinkigem Papier gedruckt.

Zwar werden die angestammten Verlage weniger, sie fusionieren sich (zu Tode), dafür nimmt die Anzahl kleinerer Verlage zu, sie haben aber nicht die Bedeutung der alten, und alles macht auf Künstliche Intelligenz (KI), im englischen AI (Artificial Intelligence).

Mit den Worten Höhle und Thailand ergab ein KI-Algorithmus die im Bild gezeigten Worte als Häufigste in Tweets während der wochenlangen Befreiungsaktion der Jugendlichen.
(c) LU-Linguistische Unternehmenskommunikation

Das wäre so die Kurz-Zusammenfassung des mittlerweile gut sichtbaren Trends.

Die Anzahl der Veranstaltungen ist schier unermesslich, so kann sich der Besucher in Ruhe die besten und für ihn passendsten aussuchen.

Nicht jede Geschichte, die es zu erzählen lohnt, muss zwischen zwei Buchdeckel passen. Die große weite (ehemals Buch-)Welt bietet so viel mehr an Möglichkeiten.

A Book is a Film is a Game

(c) David Linderman

Die Konferenz: A book is a film is a game zählt schon zu den angestammten Muss-Veranstaltungen.

Hier ist die Reihenfolge nicht vorher bestimmt: In den im Detail vorgestellten Beispielen fängt manches als Spiel an und wird dann zum Buch oder der Film, meist eine Serie, und zieht ein ganzes Arsenal an Büchern Zeitschriften und anderen Gimmicks nach sich. Alle Kombinationen haben sich bewährt, auch die zeitlich gleichzeitige Präsentation mehrerer Formate, die allerdings für die beteiligten Ersteller ziemliche Probleme aufwirft. Und damit leicht zu einem Qualitätsverlust werden kann.

Audio Books

(c) holmVerlag

Audio ist das neue E-Book. Zumindest was den Hype anbelangt. E-Books haben ihren Platz, aber sie verdrängten weniger an gedruckten Büchern, als ursprünglich angenommen. Es ist wie mit dem Beginn des Fernsehens: auch Radio existierte weiter, hat sich nur verändert. Auch dem auditiven Geschichten erzählen widmete sich eine eigene Konferenz mit Präsentationen.

Laut der amerikanischen Audio Publisher Vereinigung möchten sich 56 Prozent der Zuhörer einfach nur entspannen, wenn sie ein Audiobuch hören. Die Zunahme an Smart Speakers wie Echo, Google und Apple Home fördert die Akzeptanz für Audio. In den USA sind bereits 54,4 Millionen Smart Speakers installiert. Man erwartet eine Verdopplung der Zahl bis 2020: Listening is the new reading.

Aber es muss auch schneller (erfassbar) und kürzer werden: Das eigene Produkt soll am besten in drei-Minuten Häppchen abrufbar sein, analog zu Hit Singles.

Kurzgeschichten funktionieren zunehmend, Serien Content ist für den Erfolg zwingend. Nach Penguin-Random-House-Chef Markus Dohle sei der Audio-Verlags-Umsatz von einem Prozent in 2015 auf 17 Prozent in 2017 angewachsen. Für 2020 erwartet die Verlagsgruppe 42 Prozent an Umsatz an Audio Books.

Schließlich nähert sich der Audio Trend mit den Smart Speakers uralten menschlichen Gepflogenheiten an. Lange bevor es gedruckte Bücher gab, versammelten sich Menschen ums Lagerfeuer und erzählten Geschichten.

KI, AI und die denkenden Maschinen

Virtual Love
Wer ist der Mensch und wer das Hologramm?

Maya komponiert ihre eigenen Songs, tanzt, singt und unterhält sich mit der Moderatorin. Manchmal vervielfältigt sie sich auch und dann wirbeln mehrere geklonte Mayas gleichzeitig und 100 Prozent synchron auf der Bühne.

Maya ist ein Hologramm, sie ist dreidimensional seh- und erlebbar, und sie ist – zumindest in der Vervielfältigung – zu perfekt. Zu perfekt, um als realer Mensch wahrgenommen zu werden. Ihre Persönlichkeit allerdings, die sie im Zwiegespräch zeigt, ihre Emotionen, machen sie lebendig.

Wie kann es anders sein: Virtual Love heißt ihr erstes geträllertes Liedchen. (Youtube Video)
Maya im Interview (Youtube)
Mayas tanzen (Youtube)

Im Rahmen von The Arts+ stellt die Buchmesse seit zwei Jahren futuristische Projekte vor, bei denen das Geschichteerzählen oder die Wissensvermittlung im Vordergrund steht und nicht das Buch als Mittel dazu. Die erste Frankfurt Creative AI Conference zeigt, was machbar ist.

Die kreative Maschine. Die Eingabe ist die linke Strichzeichnung. Rechts das Ergebnis der KI.
(c) David Linderman
Kreative Intelligenz versus menschlichem Künstler
(c) Ahmed Elgammal

30 bis 40 Prozent beurteilt der Mensch im Schnitt als korrekt, wenn er unterscheiden soll, ob ein Bild von einer künstlichen Intelligenz gemalt ist oder von einem Menschen. Der Test macht Spaß, ich habe sogar 55 Prozent Richtige erreicht, aber er ist zugegeben anspruchsvoll.

(c) Ahmed Elgammal
(c) Ahmed Elgammal

Ahmed Elgammal ist Professor für Informatik an der Rutgers University in New Jersey, einer der ältesten Universitäten Amerikas.

Und (wie ich) interessiert er sich für die Kombination von Technik und Kunst.

Dazu programmierte er eine künstliche Intelligenz, die Bilder malt.

Der Direktor des Art und AI Laboratory fütterte seine lernende Software mit rund 100 Bildern anerkannter bildlicher Kunst aus Museen. Der Algorithmus steht dann im Spannungsfeld zwischen Veränderung (Kreativität) und Regeln (Was ist schön oder akzeptabel?).

Der Mensch als Künstler

Es fällt schwer, die Tierkreationen (Objekte und Bilder) des mehrfach ausgezeichneten chinesischen Künstlers Zhu Yingchun von den AI Kreaturen des Art und AI Laboratory (siehe oben) zu unterscheiden. Computergeneriert oder menschliche Schaffenskraft?

Und diese Kreaturen erschafft eine KI: Ohne die Werke von Zhu Yingchun zu kennen.

Die künstliche Maschinen-Imagination kann es durchaus mit der menschlichen Vorstellungskraft aufnehmen. Sie sicher auch übertreffen, gerade, wenn es um abartiges und absonderlich Neues geht, das so in der Natur (noch) nicht vorkommt.

Wissensvermittlung in 3D
(c) Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

Eigentlich entwickelt das Fraunhofer Institut lebensnahe 3D Scans, um Kunstwerke zu konservieren, die dann an vielen Orten gleichzeitig möglichst realistisch präsentiert werden können.

Dazu braucht es die exakte Abbildung der Geometrie im dreidimensionalen, die originale Textur und die originalen Materialeigenschaften.

Da geht meines Erachtens noch viel mehr. Gerade, wenn Bauteile im 3D-Drucker weltweit leicht hergestellt und damit auch schnell verbaut werden können, ist die Montageanleitung dazu in 3D sicher hilfreich, damit jeder, der generell genügend handwerkliches Geschick hat, irgendwelche Bauteile tauschen kann, ohne ein Spezialist etwa genau für dieses Flugzeug zu sein. Da öffnen sich weitere zukunftsträchtige Anwendungsgebiete, gerade in der Luftfahrt und im Kraftfahrzeugbau.

Küsse per Smart Speaker
Patric Faßbender (links), an seinem Tonies Stand.

Der Erfinder von Tonies wollte als Vater mit seiner Tochter in Kontakt bleiben, auch wenn er unterwegs ist. Damit, so stellte sich heraus, ist er nicht allein. Das Verkaufskonzept ist (für den Erfinder) genial: Wie bei der elektrischen Zahnbürste kauft man das Gerät einmal und dann immer wieder Zusatzfiguren, nach denen die Kinder verlangen. Mehr Kundenbindung geht nicht.

Auf die smarte knallbunte Sprecherbox stellt man (das Kind) eine bestimmte Figur, worauf die Box die dazu hinterlegte Geschichte erzählt. Das reicht vom Kleinen Prinzen, über Janosch’s Post für den Tiger bis zu Lars, dem kleinen Eisbär. Könnte man sich fast auch als Erwachsener gerne anhören. Für die gibt es aber noch einen Zusatznutzen: Manche der Figuren lassen sich auch selbst besprechen.

Das könnte man selbst für aufmunternde Worte am Morgen nutzen: Jeder Tag hat frische 86400 Sekunden, die es zu nutzen gilt; Du bist der/die Schönste: Du schaffst das und so weiter. Oder sie lassen sich mit individueller, persönlicher Botschaft auch per Wlan übers Netz besprechen: Schatz, ich komme heute später nachhause, aber…

Trends bei Büchern

Vegane Bücher. Wie bitte? Ich esse lieber frisches Gemüse als Bücher. Das Graspapier riecht gut, tatsächlich ein wenig nach rauchiger Frühlingswiese. Jedenfalls angenehm. Matabooks nennt sich das Startup aus Dresden, das Knochenleim, Druckfarben aus organischen Farbstoffen und Ledereinbände vermeidet. Einziger Nachteil aus meiner Sicht: das Papier ist beige, zwar optisch schön, aber relativ dunkel. Unter der Bettdecke liest sich das schwer. Das Unternehmen versucht dem mit gut lesbarer Schrift und leicht größerem Druck entgegenzuwirken. Jeder Grashalm zählt.

(c) holmVerlag

Ein weiteres Verlags-Start-up ist der holmVerlag. Hier sind nicht nur die Verleger jung (und weiblich), sondern auch die Autoren. Sie sind im Teenager-Alter und schreiben aus ihrer Sicht der Welt und der Dinge. Bevor es zum gedruckten Buch kam, das sowohl die Autorinnen als auch die Leser herbeisehnten, gab es die Geschichten bereits im Netz auf Wattpad, einer kostenfreien Autorenplattform. Mit den zigtausend Followern der Jungstars sind die Leser garantiert.

Erzieherisch muss nicht belehrend und altbacken daher kommen. Milenowitsch und der Diamant der Wahrheit ist das beste Beispiel dafür: Emma fährt in ihrem Lieblingsspiel am Smartphone mit Maulwurf Milenowitsch zum Mond und sucht nach dem Diamanten der Wahrheit. Plötzlich steht Milenowitsch neben ihr im Zimmer. Groteskerweise stolpert die Internetfigur im realen Leben des Buches in jede Internetfalle, die sich ihr bietet. Weiterführende Tipps zum gefahrlosen Navigieren in der virtuellen Welt liefern die QR-Codes im Buch. Interaktives Lesen; Lesen, das weiterführt.

Das Buch und der Brexit

Auch in der Publishing Industrie spielt die kommende Abspaltung der Insulaner eine große Rolle. Viele der britischen Verlage drucken ihre Bücher in Europa, aus Kostengründen meist im Osten. Zurzeit fahren die Trucks mit den Kisten voller Bücher in drei Tagen von Slowenien oder der Tschechischen Republik aus zu ihrem Ziel in Großbritannien. Mit künftigen Grenzkontrollen ist das Marketing-Handicap absehbar.

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