Die Zeit: ein Flug

(c) für alle drei Illustrationen dieses Beitrages: Rowohlt

Stammlesern von flugundzeit ist meine Vorliebe für den italienischen Physiker Carlo Rovelli bekannt. Es gibt wenige Naturwissenschaftler, denen ich zugestehe, dass sie ihre Ansichten und ihr Wissen tatsächlich für die Allgemeinheit mit Vergnügen und leicht lesbar darstellen.

Behaupten tun dies eine Menge. Rovelli aber ist einer, der Wissenschaft wie einen Krimi verpackt, der „Philosophie, Poesie, Biologie und sogar Musik“ (La Repubblica) miteinander faszinierend verbindet.

Rovellis Bücher sind Wissenserwerb, Denkanstoß und Diskussionsstoff – und das alles so präsentiert, dass man das Buch bis zur letzten Seite regelrecht verschlingt. Page Turner nennt man das im Englischen.

    

Nun also geht es um die Zeit


Warum erinnern wir uns an die Vergangenheit und nicht an die Zukunft?

Leben wir in der Zeit oder lebt die Zeit in uns?

Was bedeutet es, dass Zeit «vergeht»?

Was verbindet die Zeit mit unserem Wesen als Subjekte?

Was verfolge ich, wenn ich dem Lauf der Zeit folge?



Rovelli:

„Dieses Buch hat drei ungleiche Teile. Im ersten fasse ich zusammen, was die moderne Physik von der Zeit verstanden hat…
Die Vergangenheit steht fest, die Zukunft ist offen …
Schön: Dies alles hat sich als falsch erwiesen.

Von dieser Auflösung der Zeit erzählt der erste Teil des Buchs.

Der zweite Teil beschreibt, was am Ende übrig bleibt: Die Physik, an der ich arbeite, die Quantengravitation, bemüht sich um ein zusammenhängendes Verständnis dieser extremen und wunderschönen Landschaft: der Welt ohne Zeit.

Der dritte Teil des Buchs ist der schwierigste, aber auch der lebendigste, der uns am nächsten steht. In der Welt ohne Zeit muss es doch etwas geben, aus dem die Zeit hervorgeht, die uns mit ihrer Ordnung, mit dem Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft und ihrem sanften Fluss vertraut ist.“



Eines gibt es im Buch des Theoretischen Physikers nicht: Formeln. Dafür müssen so ungewöhnliche Teilnehmer wie der römischen Dichter Horaz, die blauen Schlümpfe oder zehntausend tanzende Shivas mithelfen, wenn der Autor anmutig die Zeit beschreibt.
Oder die Verlangsamung der Zeit.
Oder, was geschieht, wenn nichts geschieht.
Rückwärts, vorwärts oder zurzeit. Wie es beliebt.


Rovelli lesen und sich verlieren…

…oder sich finden.

Antworten finden…

…oder neue Fragen entdecken…


Das Buch ist geeignet für

  • alle Neugierigen, Wissbegierigen, die nie genug Neues entdecken können
  • alle, die gerne über den Tellerrand hinaus“denken“ können und wollen
  • am Stand der aktuellen Physik Interessierte
  • 🙂 Rovelli-Fans
  • Schüler und Lernende, denen Naturwissenschaft in ihrer Schule keinen Spaß macht
  • alle, die sich schon mal mit „der Zeit“ beschäftigt haben und das Gestern, Morgen und Heute hinterfragen
  • Querdenker aller Art


Die Texte von Rovelli sollte man nicht beschreiben, sondern im Original lesen.
Das geht bei den 172 Seiten des schmalen Büchleins auch ganz schnell.
Oder ganz langsam.
Je nachdem, wie wir die Zeit damit verbringen möchten…


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