Dark Side of the Moon

Die (stets) der Erde abgewandte Seite des Mondes hat bisher noch kein Mensch und bis heute noch kein Objekt betreten. Dark Side of the Moon ist älteren Semestern maximal als LP (siehe Wiki für die Jüngeren) von Pink Floyd bekannt..

Das hat sich heute, am 3. Januar 2019 geändert. Chinas nationale Weltraumbehörde (Chinese National Space Administration, CNSA) erklärte, dass ihr Chang’e-4 Raumfahrzeug erfolgreich auf dem Mond landete. Es brachte Instrumente auf den Mond, die von Wissenschaftlern aus Deutschland, den Niederlanden, Saudi Arabien und Schweden entwickelt wurden. In den kommenden Tagen soll ein fahrender Roboter die Umgebung der Landestelle erkunden.

Gestartet war die Chang’e-4-Mission am 7. Dezember 2018 um 18:23 UTC (8. Dezember um 02:23 Uhr Ortszeit) von einer Long-March-3B-Rakete des Xichang Satellite Launch Center in der Provinz Sichuan, Südwestchina.

Warum ist dies bedeutend…

…und wird sogar auf flugundzeit erwähnt? Zum einen, weil es erneut zeigt, dass die Amerikaner zwar im letzten Jahrhundert dominierten, was die Raumfahrt betrifft, deren Vorherrschaft aber schon lange nicht mehr gilt und vor allem nicht für die Zukunft. (Flugundzeit berichtete unter anderem hier.)

China hat mit seinen zwei bemannten Raumstationen Tiangong in der Erdumlaufbahn ohne großen kommunikativen Bohei schon lange zur internationalen Raumfahrt, die auf der ISS China nicht beteiligt hatte, aufgeschlossen. Hier im Wiki ein kurzer Rückblick auf Chinas Raumfahrt.

Es gab Rückschläge. Klar. Genauso wie bei den Amerikanern und Russen. Aber in China funktionierten die eher nach dem Prinzip: Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen. So wie anfangs auch bei den Russen oder korrekter, der damaligen Sowjetunion. Ohne großen internationalen Presserummel und damit von der globalen Weltbevölkerung meist ohne Kenntnisnahme.

Was ist so toll an der abgewandten Seite des Mondes?

Es gibt keine direkte Kommunikation mit der Erde. Einer der größten bekannten Krater des Sonnensystems liegt hier: das South Pole–Aitken Basin. Das war als unerforschte Landestelle sicher nicht die erste Wahl. So ist es durchaus verständlich, warum alle amerikanischen Mondmissionen bisher auf die erdzugewandte Seite des Mondes führten.

Das weitere Ziel der Chinesischen Raumfahrt. Man sollte es ernst nehmen. (c) CNSA

Das aber mag schon einer der Gründe sein, warum die Chinesen die dunkle Seite wählten. Für die Gewinnung von Rohstoffen und die weitere Exploration des Weltalls hätten sie damit ihr First. Es wird künftig um Ansprüche gehen, wer wo schürfen darf, wer die bessere Ausgangsposition zu weiteren Raummissionen hat. Den Grundstein hat China gelegt und ganz unaufgeregt damit der Welt erneut bewiesen, dass ein weiterer Player für die Erschließung des Alls im Rennen ist.

Von der erdabgewandten Seite ist keine direkte Kommunikation mit der Erde möglich. Das funktioniert nur über Satelliten Relaisstationen, die die Signale wieder zurück zur Erde senden.

(c) CNSA

Die Nasa kontert

In den Medien der USA hingegen kurvt die Tage alles um die ersten Bilder von Ultima Thule, einem unförmigen Gesteinsbrocken aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems. New Horizons heißt die Sonde, die damit den bisher weitest entfernten Punkt des Sonnensystems erreicht hat.

(c) NASA

4 Gedanken zu “Dark Side of the Moon

  1. astroklaus 7. Januar 2019 / 0:30

    Nur falls sich jemand wundert, wie die Chinesen dann auf dem Mond sehen, was sie machen (vom Stollen backen sind noch ein paar Korinthen übrig…;-)
    Eine „dunkle Seite“ des Mondes gibt es nicht (und das Plattencover hat ja interessanterweise auch Licht als ein Hauptelement, mit einem Prisma a la Newton). Dunkel ist die Mondseite, die von der Sonne abgewandt ist, das ist bei Vollmond die nach „außen“ zeigende, bei Neumond die, die zur Erde zeigt. (Und die ist dann nicht ganz so dunkel, weil sie etwas Licht von der Erde bekommt.) Die Dunkelheit wandert also um den Mond wie die Nacht um die Erde, nur braucht sie halt einen knappen Monat dazu und nicht nur 24 Stunden.
    Den Relais-Satelliten für die Datenübertragung braucht man allerdings in jedem Fall, weil sich die elektromagnetischen Wellen vom Landeort aus nur von der Erde wegbewegen können. Bevor es Handys gab, hatten außengelandete Segelflieger oft ein ähnliches Problem.

    • flugundzeit 7. Januar 2019 / 13:57

      „Dunkel“ bezieht sich stets auf die Erdabgewandte Seite des Mondes und das ist sie kontinuierlich. Das hat nichts mit (Sonnen)Licht zu tun, sondern ist eher im Sinne von unerforscht, schwierig und vor allem für die direkte Kommunikation gemeint. War es auch schon bei Pink Floyd. 🙂

      Ich habe das als allgemeines Schulwissen vorausgesetzt, aber das ist es vielleicht heutzutage nicht mehr.

      • astroklaus 12. Januar 2019 / 22:45

        Schon gut, schon gut – hat mich nur in den Fingern gejuckt…
        😉

        Ganz so schlimm ist es mit der heutigen Jugend vielleicht nicht generell – meine Tochter mag Pink Floyd und eine andere Jugendliche hier in der Gegend hat das berühmte Prisma als Dekor auf ihrem Longboard…

      • flugundzeit 13. Januar 2019 / 12:23

        🙂
        Ironischerweise hatte ich sogar kurzzeitig beim Schreiben überlegt, ob man das so unkommentiert stehen lassen kann und mich dann dafür entschieden. Ich sehe immer das Potential in den flugundzeit-Lesern. 😉

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