Die Galileo Panne

Das hat der arme Wissenschaftler aus dem 16. Jahrhundert nun wirklich nicht verdient: Seit Jahren wird er in Europa mit nicht erfüllten Versprechungen, Vertröstungen und Pannen identifiziert.

Das europäische Satellitensystem Galileo verfolgt mich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn als Journalistin vor Jahrzehnten. Immer wieder tauchte es als News auf, nur um wieder jahrelang in der Versenkung zu verschwinden. Angedacht war es von den Europäern, um sich vom amerikanischen, ursprünglich nur militärischen GPS-System, unabhängig zu machen.

Tatsache ist schon seit langem, dass mehr oder minder der Alltag der gesamten Welt auf diesen GPS-Daten beruht. Das russische System GLONASS etablierte sich wie weitere Systeme eher als Ergänzung mit seinen Satellitendaten.

Anfang dieses Jahres gab es nun endlich einen Durchbruch bei Galileo: Im VDE Magazin 3/19 hatte ich darüber geschrieben und das europäische System schien endlich einsatzbereit zu sein – das war ja die Versprechung der EU, dass es sogar wesentlich zuverlässiger sein sollte als die Konkurrenten.

Was für eine Blamage nun. Nein, nicht der Ausfall seit drei Tagen durch angeblich fehlerhafte Daten von der Bodenstation in Fucino, Italien, die zu den Satelliten gesendet wurden. Dazu hüllen sich die Verantwortlichen mit genaueren Ursachenangaben in großes Schweigen.

Eine noch größere Blamage ist, dass die Welt den Ausfall des ach so zuverlässigen Systems lange nicht bemerkt hat, weil die Empfangsgeräte einfach wieder auf GPS oder Glonass Signale auswichen. Wer schaut schon aufs Navi woher die Daten kommen, solange sie einigermaßen vernünftige Ergebnisse liefern.

Was sich die Europäische Kommission genauer ansehen sollte, sind nicht nur die Ausfallgründe, sondern auch die Konkurrenz. Glonass hatte nie den Anspruch, das amerikanische GPS-System zu ersetzen oder ihm ernsthaft Konkurrenz zu machen. Das chinesische System Beidou hingegen wächst still und leise und schafft sich Platz am Markt, wie so viel andere Technologien aus dem großen Land. Ohne Bohei und große Ankündigungen. Wenn dessen Empfänger aber in mobilen Telefonen und allen anderen Geräten aus China eingebaut sein werden, könnten wir uns eine größere Abhängigkeit einhandeln als mit dem schon lange überall frei verfügbaren amerikanischen System, auf dessen Komfort unser aller Leben beruht.


Eine Ergänzung noch zumindest zum Artikel in Der Welt (vermutlich haben aber auch wieder andere das so voneinander abgeschrieben):

Der Raumfahrtkonzern OHB aus Bremen wird nicht erst künftig der Hauptauftragnehmer der Europäischen Kommission für die Planung und Entwicklung von Galileo, sondern er war es bereits zuvor. Mit deren Übernahme erfolgte ja der letzte Schritt, bei dem es bei der Produktion endlich wieder weiterging.

Für den laufenden Betrieb allerdings sind andere zuständig: das deutsch-italienische Gemeinschaftsunternehmen Spaceopal, dessen Werbeslogan lautet: We make Galileo fly

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.