Indien’s Mondlander Vikram ohne Kommunikation

Die mit Spannung erwartete Landung des indischen Landers Vikram auf dem Südpol des Mondes scheint geplatzt zu sein. Beim Aufsetzen des Landers von Indiens zweiter Mondmission Chandrayaan-2 verstummt die Kommunikation zu Vikram.

Es war die letzte Phase des Abstiegs zur Mondoberfläche, die ISTRAC-Missionskontrolle in Bangalore hatte gerade bekannt gegeben, dass der Lander das erste starke Bremsmanöver erfolgreich abgeschlossen hatte und nun mit dem Feinbremsmanöver vor dem Aufsetzen beginnen wollte. Die Flugbahn schien geringfügig vom optimalen projizierten Kurs abzuweichen.

Die angepeilte Landestelle befindet sich im Süden der von der Erde sichtbaren Hemisphäre des Mondes auf einer Ebene zwischen den Kratern Manzinus C und Simpelius, in einer Entfernung von nur 500 Kilometern vom Südpol. Aus technischer Sicht ist die Landung in der Nähe des Mond-Südpols besonders anspruchsvoll. Die Indische Weltraumorganisation ISRO übertrug den Landeanflug des vom Chandrayaan-2-Orbiter gestarteten Landers Vikram live aus ihrem Kontrollzentrum im südindischen Bengaluru.

Dr. K. Sivan, Vorsitzender von der  indischen Raumfahrtbehörde ISRO, twitterte, dass der Abstieg des Landers Vikram bis zu einer Höhe von 2,51 km normal erfolgte. Der Grund, warum die Kommunikation dann abbrach, wird nun analysiert.

Nach der erfolgreichen Landung sollte ein kleiner sechsrädriger Rover namens Pragyan (Sanskrit für „Weisheit“) losrollen und nach Anzeichen von Wasser suchen. Pragyan sollte einen Mond-Tag lang, also für etwa zwei Wochen, aktiv sein. Dabei hätte sich das 27 Kilogramm schwere Mondfahrzeug bis zu 500 Meter vom Landeplatz auf dem Mond entfernen können. Neben Kameras führte Vikram Messinstrumente zur Aufzeichnung von Mondbeben, eine Sonde zur Messung der Mond-Ionosphäre und ein Radiometer zur Bestimmung der thermischen Leitfähigkeit und des Tiefengradienten mit.

So bleibt der sogenannte „Moon Club“ weiterhin exklusiv. Nur die ehemalige Sowjetunion, die USA und China konnten bisher erfolgreich ein von Menschen hergestelltes Gerät auf dem Erdsatelliten landen.

Israels erster Mondlander, Beresheet genannt, war beim Landeversuch im April 2019 abgestürzt und abgebrannt. Zuletzt setzte am 2. Januar 2019 die chinesische Mondsonde Chang’e-4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes auf und erkundet dort mit dem kleinen robotischen Fahrzeug Yutu („Jadehase“) den Krater Von Kármán.

Vikram ist nach dem „Vater“ des indischen Weltraumprogramms, Vikram Sarabhai (1919-1971) benannt, Chandrayaan bedeutet Mondfahrzeug.


Update 8.9.2019
Heute, einen Tag später, gab die indische Weltraumforschungsorganisation an, den Lander auf dem Mond gesichtet zu haben.

Hochauflösendes Equipment an Bord des Chandrayaan 2-Mondorbiters nahm laut ANI ein Wärmebild des abgestürzten Landers Vikram auf. Nun versucht das Team auf der Erde, den genauen Standort des Landers zu bestimmen und hofft auf Wiederherstellung der Kommunikation.


Ergänzung flugundzeit:

Als ich den Beitrag um 5 Uhr morgens recherchierte, überlegte ich durchaus, ihn erst später am Tag online zu stellen. Wohl wissend, da es noch keine Meldung zum missglückten Start auf deutsch im Netz gab, dass die deutsche Journalisten-Welt sich wieder locker bei mir bedienen würde.

Warum aber sollten meine Leser das Nachsehen haben, wenn die Nachricht schon geschrieben ist, nur weil es Faulpelze und uninformierte „Kollegen“ gibt, die Abschreiben als Journalismus sehen?

Also stellte ich den Beitrag noch vor 6 Uhr morgens online.

Mittags glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen, als ein Radiomoderator von SWR1 den Beginn meines Beitrages Wort für Wort ablas. Den Inhalt der Absätze, die er ausließ, stellte er als Frage an einen zugeschalteten „Experten“.

Nun muss man wissen, dass der Moderator vermutlich nur die Meldung ablas, die ihm sein Morgenredakteur zusammengeschrieben auf den Tisch gelegt hatte. Und diese(r) wiederum vermutlich nur die dpa-Meldung 1:1 abtippte. Die wiederum vermutlich genau so an die Welt hinausging und so vermutlich von vielen anderen übernommen wurde. Ganz normal üblicher täglicher Prozess. Leider.

Soll ich mich nun über den Diebstahl ärgern (wenn mir der Gartenstuhl des Nachbar gefällt und ich zu faul bin, mir selber einen zu kaufen, ihn daher einfach entwende und selber nutze, ist das strafbar. Diebstahl eben. Geistiges Gut ist ebenso schützenswert!) oder soll ich mich freuen, weil meine fundierte Recherche wenigstens zu einer korrekten Berichterstattung auch von anderen Medien geführt hat?

Ironischerweise las ich während des Radiobeitrages gerade im Spiegel der letzten Woche  (36/31.8.2019) den Beitrag des Youtubers Rezo mit dem Titel: Kopieren ist kein Journalismus…

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