Profit über den Wolken

(c) flugundzeit

Eigentlich sollte das Foto einen Beitrag mit dem Titel „Über den Wolken“ illustrieren, der nach den zahlreichen Flugzeugabstürzen in den letzten Wochen (wir haben nicht über alle berichtet, es sind auch etliche „Kleine“ um die Weihnachtszeit abgestürzt) wieder für ein wenig Beruhigung sorgt.

Das schreit nach ABER. Und das kommt prompt.

Profit vor Menschenleben

Die amerikanische FAA (Federal Aviation Authority) hatte nach den Raketeneinschlägen auf ihre Militärbasen für alle amerikanischen Flüge den iranischen Luftraum zur Flugverbotszone erklärt. Das aber kümmerte die europäische Luftfahrtindustrie, die sonst so gerne am Rockzipfel der Amerikaner bei Luftfahrtrelevanten Entscheidungen hängt, nicht im Geringsten. Ebenso hätte die Iranische Luftfahrtbehörde nach dem Raketeneinschlag auf die US-Basen im Irak den zivilen Flugverkehr ab Teheran sofort einstellen sollen.

In den USA wird seit Tagen diskutiert, warum bei der immanenten Kriegssituation im Iran einige europäische Fluglinien noch in der Nacht vom gleichen Flughafen abgehoben haben und manche sogar einen Tag später erneut flott und unbesorgt Kurs auf den Teheraner Flughafen nahmen. Lufthansa und AUA, die beide am 8. Januar zumindest nach dem Absturz keine weiteren Flügen nach Teheran durchführten, flogen am 9. Januar erneut. Kehrten aber, offensichtlich, nachdem sich der Abschuss als Absturzursache verdichtete, noch vor dem Umkehrpunkt (halbe Strecke) wieder um.

Nachdenken. Weiterdenken.

Alle Fluglinien und deren Manager sollten sich die Vorkommnisse genau ansehen, wem auch immer danken, dass es nicht ihr Flugzeug war, das abgeschossen wurde, und künftige Prioritäten anders setzen.

Man spielt nicht mit Menschenleben. Profitgier ist das letzte, was eine Airline, die den Anspruch hat, ihre Passagiere sicher zu befördern, braucht.

Warum denkt hier keiner mit?

Und vielleicht sollten sich die Passagiere auch nicht in Sicherheit wiegen, nur weil bisher noch kein Crash bei der gewählten Airline erfolgt ist.

Die Fakten

Die Nacht vom 7. Januar 2020 auf den 8. Januar 2020 war gekennzeichnet durch starke internationale Spannungen, ein militärischer Schlag von einer der beiden Seiten war absehbar. Da schickt man in einer Krisenregion keinen Verkehrsflieger in die Luft. Nicht, wenn man Verantwortung für die Menschen an Bord hat.

Die Starts aus Teheran am frühen Morgen des 8. Januar 2020:

Turkish Airlines TK 875: 3.35 Uhr nach Istanbul
Austrian Airlines OS 872: 3.45 Uhr nach Wien
Lufthansa LH 601: 4.23 Uhr nach Frankfurt
Aeroflot SU431: 4.31 Uhr nach Moskau
Qatar Airways QR 491: 5.01 Uhr nach Doha
Turkish Airlines TK 873: .07 Uhr nach Istanbul
Ukrainian International Airlines PF752 startete um 6.12 Uhr und wurde abgeschossen
Turkish Airlines TK879: 8.23 Uhr nach Istanbul
Qatar Airways QR483: 12.50 Uhr nach Doha
Turkish Airlines TK871: 15.29 Uhr nach Istanbul
Qatar Airways QR 499: 23.08 Uhr nach Doha

Nochmal in aller Deutlichkeit

Mögen sich die Manager, die die Starts dieser Verkehrsmaschinen zu verantworten haben, genau überlegen, was für unverschämtes Glück sie hatten, dass die Raketen nicht ihr Flugzeug trafen. Und daraus Konsequenzen für künftige Entscheidungen ziehen…

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