Covid-19 und die Luftfahrt

Die Industrie stöhnt. Der Nachschub aus China stoppt. In allen Branchen. Denn obwohl üblicherweise mit Hochmut moralisch auf China von westlichen Nationen herabgesehen wird – Handel trieb wohl jede größere Nation mit der größten Volkswirtschaft der Erde (nach Kaufparität). Schlimmer noch, aus Koste-es-was-es-wolle-Sparmentalität lässt ein Großteil der westlichen Welt seit Jahren in China produzieren.

Die Abhängigkeit rächt sich in Krisenzeiten. Und so langsam scheinen es auch hierzulande einige zu begreifen, dass es nicht „nur“ um einige Kranke und Tote irgendwo dort geht, wo es uns egal ist, wenn ein Sack Reis umfällt, sondern dass bei der heutigen Globalisierung keine lokal begrenzten Krisen mehr existieren.

Das war abzusehen, bereits im Januar.

Zur Situation im der Luftfahrt

Die von Chinas Behörden verhängten Reisebeschränkungen behindern die Abläufe bei Airbus. In Reaktion auf diesen Coronavirus* stoppte der Luftfahrtkonzern den Bau von Passagierflugzeugen in China: Die A320-Endmontagelinie im Werk Tianjin sei geschlossen, teilte der Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Mittwoch in Toulouse mit. Airbus will nun Alternativen prüfen, um die Auswirkungen zu begrenzen.

Spediteure beklagen, dass durch die Maßnahmen der chinesischen Behörden Zollabfertigungen länger dauerten. Zudem entfallen Frachtkapazitäten in Passagierflugzeugen, weil zahlreiche Airlines China vorerst nicht mehr anfliegen. Derzeit können Spediteure dies durch Umbuchungen noch teilweise ausgleichen, allerdings zu höheren Frachtkosten für den Verlader, erklärt der Bundesverband Spedition und Logistik.

Damit würden also wenigstens die Cargo-Unternehmen, die weiterhin China anfliegen, von höheren Preisen bei geringerem Einsatz profitieren. Ob damit nicht indirekt weiter das Virus eingeschleppt wird, ist eine andere Frage.

Die Luftfahrtindustrie reagiert jedenfalls. Und das, wie üblich, erstaunlich schnell auf Umwelteinflüsse. Während die Spritpreise zurzeit niedrig sind, auch andere Faktoren wie ein gemäßigter Winter den Airlines jeden Grund zum Klagen nahmen, liefert Covid-19 nun die Disruption in der Industrie.

Lufthansa kündigt erneute innerbetriebliche harte Sparpläne an, die Airports folgen. Die Passagierflüge des Konzerns nach China, also auch von Swiss und AUA sind bis zum Ende des Winterflugplans ausgesetzt. Damit entfallen rein rechnerisch, so Lufthansa, alle Flüge für 13 Flugzeuge des Konzerns.

Einen Vorteil für die Umwelt hat der Virus: Viele Firmen streichen Geschäftsreisen komplett, versuchen sie durch online Meetings zu ersetzen.

Und: In der Realität ist von einem Passagier-Rückgang zumindest bei Transatlantikflügen nichts zu spüren – die sind proppenvoll wie eh und je.


*Covid-19 ist nur eine Art von Coronavirus. Auch Sars entstand durch Coronaviren.

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