Maschinen wie ich

Auch wenn die News-Welt nur mehr Corona tickt, sollten wir trotzdem das Gehirn auch mit anderem beschäftigen.

Buchbesprechungen und damit Empfehlungen (Verrisse veröffentliche ich nicht) gibt es normalerweise auf Flugundzeit gesammelt in der Vorweihnachtszeit. (Siehe bei erhöhtem Lesebedarf im Archiv)

Lesen tue ich allerdings das ganze Jahr über und um ein Buch, über das man viel diskutieren und nachdenken kann, soll es nun gehen:

 

Machines like me, geschrieben vom britischen Autor Ian McEwan. (Ich habe das Original gelesen, es existiert aber auch eine deutsche Übersetzung: Maschinen wie ich)

Gleich vorweg, das Buch ist aus meiner Sicht weder super spannend geschrieben noch ein PageTurner von vorne bis hinten. Ausschmückende Passagen über ein erfundenes politisches Leben in der Vergangenheit, in Großbritannien um 1980, fand ich eher einschläfernd.

Warum nach dieser Kritik dann doch ein Empfehlbeitrag?

Es ist das Grundthema, das mich seit langem fasziniert. Das Zusammentreffen von menschlichen Robotern und Menschen, in früheren Jahren als MMI (Mensch-Maschine-Interface) bezeichnet. Dazu gibt es bereits etliche Filme, Bücher und sonstige Beiträge.

Für die Kernessenz des Buches aber, den Konflikt, wie „baue“ ich einen menschlichen Roboter moralisch, bietet auch McEwan keine Lösung. Kann er nicht. Aber er beschreibt den Sachverhalt ausführlich und als Erzählung. Und die regt den Leser auch nach der letzten Seite noch an, weiterzudenken.

Ohne zu viel vom Inhalt zu spoilern, läuft es darauf hinaus, dass der Roboter (Adam) „genetisch“ so gestaltet wurde, dass er auf Korrektheit und Wahrheit setzt. Beides allen anderen Handlungen zugrunde legt. Menschen hingegen kennen die soziale Lüge, das Verschweigen zum besseren großen Ganzen und die Notlüge. Man muss nicht immer alles sagen, alles weitererzählen, weiterverfolgen – die Entscheidung darüber, wie wir uns wann verhalten, hält uns als Gesellschaft zusammen.

Auch bei den Menschen ist die Sache mit der Wahrheit und wann man was sagt eine Gratwanderung: Lügen an sich ist inakzeptabel, ist manchmal sogar strafbar. Wie aber programmiert man das korrekte „manchmal“ in die Basis-Regeln einer Künstlichen Intelligenz?

Adam ist lernfähig. Er liest sich in Windeseile Informationen an, die in ganzen Bibliotheken enthalten ist. Er kann auch Gefühle. Und er ist höflich. Trotzdem er sich in eine menschliche Frau verliebt, ist es ihm allerdings wichtiger, der Wahrheit bis zum bitteren Ende zu folgen und damit seine Angebetete (er schreibt ihr Haikus, kurze Gedichte) und seinen Besitzer sozial zu vernichten.

Die moralischen Entscheidungen, die der Erzählung zugrunde liegen, sind wesentlich tiefgründiger als hier geschildert; sie sind es wert, sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

Wie sollte man Adams „Software“ konstruieren? Wenn ein menschlicher Roboter generell beginnen würde, die Unwahrheit in sein Handeln miteinzubeziehen, kämen andere Gefahren für die Menschen, die um ihn sind, hinzu.

Wo liegt die Grenze seines Bewusstseins und wie legt man sie fest?

Noch haben wir Zeit, uns mit diesen Gedanken theoretisch zu beschäftigen.

Noch ist die arme geschundene Erde im Menschenzeitalter. Die danach folgende Ära der Maschinen steht, wenn man in Erdzeitaltern denkt, schon in den Startlöchern…