Die Concorde und ihre Nachfolger

Concorde (c) Arte

Am 25. Juli 2000 war die Ära der zivilen Überschallflieger zunächst beendet, als eine Concorde der Air France in der Nähe des Pariser Flughafens Charles de Gaulle beim Start in Brand geriet. Sie crashte nur wenige Kilometer von der Landebahn entfernt, keiner an Bord überlebte.

2003 flog die letzte Concorde. In vier Stunden über den Atlantik – das war und ist damit bis heute passé.

Wer einmal die Concorde betreten hat, oder sogar mit ihr geflogen ist, weiß: mit Komfort hatte der Flug wenig zu tun. Concorde fliegen war analog zu Ferarri fahren: Man sitzt in einer Icone, hart, eng und außer dem luxuriösen Essen an Bord des legendären Flugzeugs und dem aufmerksamen Service könnte jeder normale Langstreckenflug mehr überzeugen.

Aber die Concorde war für Speed gebaut. Für Geschwindigkeit, koste es was es wolle.*

*Was BTW auch zur extremen Schönheit des Flugzeugs führte. Für jeden Pilot, der sie fliegen durfte (und konnte), war es keine enge Blechröhre wie für die Passagiere hinten, sondern eine Persönlichkeit.Auch Reservefallschirme sind nicht auf Schönheit sondern auf die schnelle Öffnung gepackt. Die aber kommt vom extrem pingelig genauen Packen, Symmetrie hilft und jede Abweichung vom Optimum führt zu weiteren Sekunden bei der Öffnung. Sekunden, die zwischen Leben und Tod entscheiden. Gebaut für Speed zieht in der Technik die Schönheit und Ästhetik mit sich…

Es ist schade, dass Medien, die jedes Grinsen oder Husten eines Politikers stundenlang in Talkshows analysieren lassen, Meilensteine der Technik – man mag sie für gut finden oder nicht – komplett ignorieren.

Die einzige, zarte Erwähnung der Concorde ist eine Gemeinschaftsproduktion von ZDF und Arte, noch in der Arte-Mediathek bis zum 21. August 20 zu sehen. Leider komplett aus Passagiersicht, kommentiert von einem Luftfahrtenthusiasten, der selber weder Pilot noch Techniker ist und daher dieses außergewöhnliche Flugzeug nur aus Passagiersicht beleuchtet. Und das meist sogar überpeinlich. Es wird weder die außergewöhnliche Technik erklärt, noch werden die Unfallursachen oder die Gründe des Einstellens der Concorde beleuchtet. (Die Doku schafft es nicht als FlugundZeit-TV Tipp.)

Da gäbe es soviel mehr zu sagen. Aus mehreren Vorträgen des Britischen Chefpiloten der Concorde geht hervor, dass die Absturzursache mehr war als ein verlorenes Flugzeugteil eines anderen Fliegers.

Auch die Entscheidung, die Flüge danach einzustellen, war aus der Sicht von Concorde-Piloten absolut unverständlich. Politische Entscheidungen auf beiden Seiten des Ärmelkanals überwogen gegenüber einem an sich sicheren Flugzeug.

Vermutlich ist es kein Zufall, dass die amerikanische Firma Boom (wir hatten 2017 hier berichtet) gerade jetzt von sich reden macht mit einer Ankündigung, für sein Überschallflugzeug Overture (so der Name heute) Rolls-Royce Triebwerke einzusetzen. Wie genau die aussehen sollen, auch funktionell, wird ab nun besprochen. Vielleicht geht es langsam wieder in Richtung Überschall voran, trotz Corona.

Overture (c) Boom

Die Aussage: „Um wieder aus den roten Zahlen zu kommen, müssen Airlines attraktive Verbindungen jenseits des Billigsegments anbieten“ (Blake Scholl von Boom) wird seit Corona umso zutreffender.

Airlines können nur überleben, wenn sie bei verringerten Passagierzahlen auf Qualität, Komfort (Beine ausstrecken! und funktionierende Toiletten in ausreichender Zahl) und hochwertigem Service für den Kunden setzen.

FuZ: Lasst Fliegen wieder zu dem Ereignis für den Passagier werden, das es einmal war. Etwas Besonderes. Eine Reise, bei der schon der Weg Teil des Ziels ist! Dann kann der Preis auch aus Airline-Sicht realistisch gesetzt werden.

2 Gedanken zu “Die Concorde und ihre Nachfolger

  1. Giuseppe Distratis 31. Juli 2020 / 22:30

    Eine echte Ikone, einen Traum von einer Maschine!
    Schade um die verpasse Chance, einen würdigen Beitrag auszustrahlen.
    Dagegen kann ich den OmegaTau podcast empfehlen! Zum Thema:
    Aus der Sicht und der Stimme eines echten Insider

    • flugundzeit 1. August 2020 / 8:24

      FuZ: Alle Links in den Kommentaren auf eigene Verantwortung.
      Dieser hier scheint mir inhaltlich eine Bereicherung zum Thema und wird daher gepostet. hkl

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