Power Play

(c) Plassen Verlag

Wer bei dem kraft-strotzenden Titel eine Lobeshymne auf den Tech-Titan Musk erwartet, wird enttäuscht werden.

Denn das Buch des Wall Street Journal-Technikreporters Tim Higgins ist journalistisch neutral geschrieben und ausgedehnt recherchiert im Umkreis des umtriebigen Techmillionärs, der dem Journalisten kein Interview für das Buch gewährte.

Elon Musk ist eine schillernde Figur, von manchen hoch gejazzed als Genie und Visionär, von anderen verdammt als einer, der hohe Erwartungen weckt, die er dann nicht einhält; sich selber aber als TechnoKing bezeichnet – sein Jobtitel in der Firma.

Als Tesla in den 2000er Jahren gegründet wurde, sahen die meisten für Elektroautos keine Zukunft. Als aber die grüne Welle weltweit zu rollen begann, konnte Tesla bereits ein Auto vorstellen, das „schneller, attraktiver, leiser und sauberer war als alle der Konkurrenz“. Die Attribute könnte man widerlegen. Tatsache ist, dass heute alle Autohersteller sich darin zu überbieten versuchen, wer das beste (was immer das bedeuten mag) Elektroauto auf dem Markt hat.

Tesla wurde in den letzten Jahren zunehmend bedrängt von Konkurrenten und Investoren, gleichzeitig behindert von Whistleblowern und gestützt von treuen Anhängern. TechnoKing Musk selbst brachte seine eigene Firma oft in Schwierigkeiten: Seine Eskapaden führten das Unternehmen mehr als einmal an den Rand des Zusammenbruchs.

Ist Musk nun ein verschmähter Außenseiter, ein exzentrischer Antiheld, ein Hochstapler oder alles zusammen?

Oder braucht man diese Art von Persönlichkeit, um heute erfolgreich zu sein?

„Tesla baute das Flugzeug, während Musk auf der Startbahn zum TakeOff beschleunigte“.

Tim Higgins
(c) Plassen Verlag

Im Buch dominiert thematisch die Entwicklung des E-Autos; Raumfahrt und Schnelltransport in der Tunnelröhre kommen nur am Rande vor. Aber man sieht die Methoden, die in der Firma zum Zug kommen, die Denkweise des Exzentrikers Musk – das Anwendungsgebiet wird beim Versuch des Verstehens oder Nachtvollziehens der Handlungsweisen zur Nebensache.

In Power Play geht es primär um die Revolution am Automarkt, die Musk begründete. Das Buch liest sich schnell wie ein spannender Roman, ein Reality Roman. Schreiben kann Higgins und dabei so hinreißend erzählen, dass die Geschichte, wie das zurzeit dominante Elektroauto entstand, zum Page Turner wird.

Der 450-Seiten schwere Schmöker enthält am Buchende einen umfangreichen Quellenverweis, wie es sich für einen seriösen Journalisten gehört. Darin schreibt Higgins unter anderem, dass Musk „zahlreiche Gelegenheiten hatte, sich zu den in diesen Seiten dargestellten Geschichten, Fakten und Charakterisierungen zu äußern. Ohne auf bestimmte Ungenauigkeiten hinzuweisen, sagte Musk nur dies: ‚Das meiste, aber nicht alles, was Sie in diesem Buch lesen, ist Unsinn'“.

Eine bessere Promotion kann das Buch doch gar nicht haben 🙂

Empfehlenswert für

  • junge Manager, die wissbegierig sind, wie man heute Erfolg hat
  • alt gediente Manager, die mit Erstaunen feststellen, dass es heute offensichtlich auch ohne Qualitätsstreben VOR der Veröffentlichung/ der Auslieferung geht und Qualitätssicherung und Kontrolle wohl nicht mehr gefragt ist – der Kunde wird die Fehler schon finden…
  • für Menschen, die einfach gerne einen dicken, spannenden Schmöker zum Zeitgeschehen lesen möchten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.