Das aufblasbare Mond Habitat

A bisserl spinnert mutetet ein aufblasbares Haus am Mond schon an. Zumindest anfangs, aber welche Erfindung wurde am Anfang nicht belächelt?

Dieser Entwurf eines Mondhabitats für die Polarregionen basiert auf einer Studie, die vom OSIP-Programm der Europäischen Weltraumorganisation ESA finanziert wurde.
Die ultraleichte, vorgefertigte, aufblasbare Struktur ist zum Schutz vor Mikrometeoriten und kosmischer Strahlung mit mehreren Metern losem Regolith bedeckt. Der Spiegel dreht sich in Richtung Sonne und reflektiert das nutzbare Spektrum des natürlichen Sonnenlichts in ein Gewächshaus zur autarken Produktion von Nahrung und Sauerstoff. (c) Thomas Herzig

Klick aufs Bild führt zum Youtube-Video über das Projekt.

Jahrelang bemühte sich der Wiener Architekt Thomas Herzig in der Wissenschaftswelt ernst genommen zu werden. Nach vielen Absagen biss 2021 die ESA an und sponserte das Projekt im Rahmen des OSIP Programms. Unter Mitarbeit des Physikers Gabor Bihari und des Astrophysikers Norbert Kömle entwickelte Herzig seinen Vorschlag für eine Mondbasis.

Es gibt in Wien zurzeit drei Orte, um Architektur zu studieren: das primär künstlerisches Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, aus der etwa die amorphen Häuser von Hundertwasser entstanden, einen Studiengang an der Fachhochschule und das klassisch technische Studium an der TU Wien für alles von der Gebäudeplanung über die Tragwerks- und Detailplanung bis zu Städtebau und Landschaftsgestaltung. Studierende und Absolventen der TU blicken meist eher herablassend auf die anderen beiden Studiengänge weil sie „die anstrengendere“ Ausbildung absolvieren mit Pflicht-Fächern wie etwa Perspektivisches Konstruieren (die ich nach meinem Studium nebenbei freiwillig und mit Genuss besuchte). Das ist aber nicht jedermanns und -fraus Sache.

Trotzdem, und das ist der Grund, warum ich seit Jahren die nimmermüden Anstrengungen von Herzig kommunikativ unterstütze, glaube ich, dass man manchmal mit einem weiter hergeholten, durchaus abstrusen oder verrückt anmutenden Ansatz vielleicht die bessere Lösung für ein neues Problem findet. Umdenken, alt gedientes in Frage stellen. Das gewohnte Hochhaus wird sich am Mond nicht bewähren, das ist klar. Da muss eine komplett andere Denkweise her.

Der freischaffende Architekt spezialisierte sich auf pneumatische Konstruktionen. Herzig: „Pneumatische Konstruktionen sind in Bezug auf Leichtigkeit und geringem Materialverbrauch die effizientesten überhaupt. Es ist eine noch relativ junge Technologie mit einem enormen Potential. Ich sehe mich als Architekt nicht nur als Gestalter sondern auch als Forscher und Erfinder.“

Seine patentierten Pneumocells sind leicht bei geringem Materialverbrauch. Kommt gut, wenn man auf dem Mond bauen will und alles oder vieles auf den Planeten hinauf befördern muss. Holzkonstruktionen haben bei gleicher Größe das 45-fache und Ziegelbauten sogar das 300-fache Gewicht. Vor allem benötigen die Kunststoffzellen nicht viel Platz beim Transport.

Bei den Bauteilen ließ sich der Designer von der Natur leiten: „Das Prinzip folgt allen lebenden Konstruktionen – außen gibt es eine flexible Membran, die ein flexibles Druckmedium ausfüllt. Diese Kombination bewirkt die Form und Stabilität. So ist jede Zelle aufgebaut, auch Beeren funktionieren so.“

Ob die Konstruktion auch in der Realität am Mond so gut funktioniert, wie sich der Erfinder das vorstellt, wird sich beweisen müssen. Aber wenn nicht, sieht er auch auf der Erde einige Einsatzgebiete: Die reichen von Bauelementen für Messestände und Überdachungen über luftgefüllte Möbel bis hin zu Sprungstiefeln mit Luftpolstersohlen – wobei Letztere noch in der Entwicklungsphase sind.


Flugundzeit berichtete bereits 2019 mit Zweithaus am Mars über Thomas Herzig.

Die Diskussion sei hiermit eröffnet. 😉

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