JFK: Erneut Anflug auf falsche Landebahn

Close Call at JFK * – So titelten am Dienstag Abend (5.12.2017) die großen News Sendungen in den USA.

Erneut flog ein Verkehrsflugzeug eine falsche Bahn an. Dort wartete Weiterlesen

Die Fakten zum Air Asia Druckabfall

Weil es die letzten Tage durch die Presse ging und wieder vielfach der gleiche verständislose Inhalt geblurbelt wurde, zunächst die Fakten und folgend die fachlichen Erklärungen dazu.

Die Fakten

Am 15. Oktober 2017 ging ein A320-200 der indonesischen Fluggesellschaft Air Asia in der Nähe von Perth wegen Verlust des Kabinendrucks in einen beschleunigten Sinkflug über. Fliegerisch Weiterlesen

Konsequenzen aus der verlorenen Malaysian MH370?

Angeblich war es die teuerste Suche nach einem Flugzeug. Gefunden wurde das verschwundene Flugzeug von Flug MH370 trotzdem bisher nicht. Was mit den 239 Personen an Bord geschehen ist, Weiterlesen

Luftfahrt, Psychologie und Kunst

Terminal in München, aufgenommen von einem startenden Flugzeug. Aus dem Fotozyklus „Sein ist wahrnehmen“. Dieser besteht aus originalen und bearbeiteten digitalen Fotografien. Hier als Acrylbild. (c) Kemmler

Kunstateliers haben so ihr eigenes Ambiente: Meist riecht es nach Farbe und unaufgeräumt stehen Bilder, eventuell Skulpturen und noch unfertige Werke aus Sicht des Besuchers planlos im Raum. Dieses Atelier ist anders: Weiterlesen

Knapp an der schwersten Katastrophe der Luftfahrt vorbei

Screenshot CBS

Reißerische Titel sind normalerweise nicht so das Meinige. In diesem Fall aber ging die Tage ein Ereignis in der Berichterstattung der hiesigen Medien komplett unter, das zumindest in den USA heftig diskutiert wurde. Und das sollte es – auch hierzulande.

Der Flughafen in San Francisco war letzte Woche erneut Schauplatz einer abnormen Fast-Landung. Diesmal trennten Weiterlesen

Germanwings-Absturz und die Auswirkungen

Eigentlich dachte ich, dass sich das Thema der Absturzursache für den FlugundZeit-Blog erledigt hätte, es war alles gesagt. Die unsägliche Diskussion in Deutschland darum (ohne Rücksicht auf die Hinterbliebenen) ändert das leider. Weiterlesen

Tödliche Flugunfälle in 2016 (zivile Airlines)

Mit Anfang 2017 veröffentlicht das Aviation Safety Network die Unfallstatistik der Verkehrsflugzeuge in 2016 (jeder Crash ist einer zu viel): Es waren 19 Abstürze mit tödlichem Ausgang; mit insgesamt 325 Todesfällen.

Damit ist 2016 das zweitsicherste Jahr* der kommerziellen Luftfahrt, sowohl in der Zahl der tödlichen Unfälle als auch in Bezug auf die Todesfälle. 2015 verzeichnete ASN 16 tödliche Verkehrsluftfahrt-Unfälle, während im Jahr 2013 insgesamt 265 Menschen dabei ihr Leben verloren.

Bei den meisten erfassten Unfällen handelt es sich um Passagierflüge. Angesichts des geschätzten weltweiten Flugverkehrs von rund 35.000.000 Flügen liegt die Unfallrate bei einem tödlichen Passagierflug-Unfall pro 3.200.000 Flüge.

Für ASN-Präsident Harro Ranter kommt die geringe Anzahl an tödlichen Unfällen nicht überraschend: “Seit 1997 hat die durchschnittliche Zahl der Fluggast-Unfälle einen stetigen und anhaltenden Rückgang gezeigt. Dies ist überwiegend ein Verdienst der anhaltenden sicherheitsorientierten Bemühungen internationaler Luftfahrtorganisationen wie ICAO, IATA, der Flight Safety Foundation und der Luftfahrtindustrie.

Der schlimmste Unfall im vergangenen Jahr geschah am 28. November, als ein LaMia Bolivia Avro RJ85 in der Nähe von Medellin, Kolumbien, als Folge von Kraftstoffmangel abstürzte, mit dem Resultat von 71 Toten.

In der Zahl der Unfälle sind auch (wahrscheinlich) zwei Fälle von Terrorismus enthalten. Während die Untersuchung noch andauert, meldeten die ägyptischen Behörden, dass sie Spuren von Sprengstoff nach dem Unfall eines im April im Mittelmeer verunglückten EgyptAir Airbus A320 fanden. Im Februar davor wurde ein Passagier getötet, als eine Bombe in der Kabine eines Airbus A321 explodierte, der gerade aus Mogadischu, Somalia, gekommen war.

Trend

Fünfjahres-Tendenzen zeigen eine beträchtliche Abnahme der Unfälle, die während der Anflug- und Landephasen des Fluges auftreten. Der Fünfjahresdurchschnitt für diese Unfälle ist 2016 an seinem niedrigsten Wert in 45 Jahren.

In den letzten fünf Jahren ereignete sich etwa ein Drittel der Unfälle während der Anflug- oder Landephase. Andererseits zeigt der Unfalltrend im Reiseflug und Descent (Landeanflug) einen deutlichen Anstieg auf 45% aller Unfälle in den vergangenen fünf Jahren. Dies ist die höchste Zahl in 50 Jahren.

Zwei von 19 Unfallflugzeugen wurden von Fluggesellschaften betrieben, die auf der Schwarzen Liste der EU standen. Für Luftfahrzeuge dieser Unternehmen gilt in der EU Start- und Landeverbot.

 

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* Die Statistiken der ASN-Sicherheitsdatenbank basieren auf allen weltweiten Unfällen mit Toten bei zivilen Luftfahrzeugen mit einer Mindestkapazität von 14 Passagieren. Der Dezember-Unfall einer Tu-154 der russischen Luftwaffe ist also nicht enthalten.

(Auch der FlugundZeit-Blog berichtet üblicherweise nicht über militärische Unfälle). Das hat u.a. den Grund der anderen Standards und Regelungen (das fängt schon bei der Auswahl der Piloten an). Militär ist eine eigene Welt mit anderen Anforderungen und nicht Gegenstand von Diskussionen in diesem Blog.)

Bei Egypt Air Absturz Sprengstoff an Opfern gefunden

Am 19. Mai 2016 stürzte ein Egypt Air Airbus A320 auf dem Weg von Paris nach Kairo ins Mittelmeer. An Bord befanden sich 66 Personen (56 Passagiere und 10 Crew). Es gab keine Überlebenden.

Die Crew hatte keinen Notruf abgesetzt. Zunächst gaben nur automatisch versendete ACARS Meldungen Hinweis darauf, dass es an Bord ein elektrisches Problem oder Feuer gab. Erst am 16. und 17. Juni wurden die Black Boxes aus dem Meer geborgen. Beide waren schwer beschädigt.

Gefundene Trümmerteile aus dem vorderen Bereich des Flugzeuges waren laut Untersuchungen der Ermittlungskommission Rauch und starker Hitze ausgesetzt. Nach ersten Auswertungen des Voice Recorders sprach der Kapitän von Feuer. Es blieb aber offen, wie es zum Feuer gekommen war.

Heute am 15. Dezember 2016, informierte die ägyptische Zivilluftfahrt Behörde, dass forensische Untersuchungen ergaben, dass an einigen der geborgenen menschlichen Überreste Spuren explosiver Stoffen gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft erweitert nun ihre Untersuchung in Richtung Verbrechen.

Es gibt von französischer Seite Zweifel an den Auswertungen der ägyptischen Behörden. Unter den Todesopfern waren auch 15 Franzosen (und 40 Ägypter).

 

Berichtigungen zum Internet-Geblubber zum Avro RJ-85-Flugzeugabsturz in Kolumbien

Wie üblich bei Flugzeugabstürzen, wollen (Online-)Magazine berichten, auch wenn sie keine Journalisten mit Ahnung von Luftfahrtrelevanten Hintergründen beschäftigen. Das „löst“ man mit befragten „Experten“ (die sich zumeist dadurch auszeichnen, dass sie schon mal ins Cockpit geguckt haben).

Die tatsächlichen Fakten, die aus Unverständnis andernorts falsch zitiert oder abgeschrieben oder verkürzt wurden, stehen hier im FlugundZeit-Beitrag.

Der FlugundZeit-Blog bringt Fakten. Er spekuliert nicht.

Drei Beispiele, wo das Abschreiben ohne Grundwissen zu verquirltem Blödsinn führt. Sie sind als Beispiel zu sehen, davon gibt es sicher noch viel mehr.

Als Ergänzung zu den Fakten der Link zum Original Funkverkehr (spanisch) von Lamia Avro RJ85 CRASH near Medellin, Colombia mit (schlechter) englischer Übersetzung

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1 dw vom 01.12.2016 | 16:15 UTC

Das Flugzeug war ….. unterwegs und hätte planmäßig zwischenlanden und tanken müssen, berichteten Medien unter Berufung auf die Fluggesellschaft Lamia.

Nein, das war ein Charterflug, der hat keinen ausgedruckten Flugplan für Passagiere mit vorbestimmten Ab- /An-Flugzeiten und Zwischenlandung. Sondern die Piloten fliegen dahin, wo die zahlenden Passagiere, die Charterer, hinwollen. Einen planmässigen Tankstop gab es nicht. (Dass er notwendig gewesen wäre, ist eine andere Sache.)

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2 Blick vom 01.12.2016 | 16:15 UTC

Überdies wird spekuliert, dass der Miteigentümer der Airline, der als Pilot mit an Bord war, aus Spargründen auf einen Tankstopp verzichtet haben könnte.

Fakt ist, dass der Kapitän des Fluges Eigentümer der Chartergesellschaft war und darum sicher Interesse an einem möglichst (kostenmäßig und für spätere Buchungen) erfolgreichen Flug hatte.

Spekulation ist: dass er aus Spargründen auf einen Tankstopp verzichtet haben könnte.
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3 welt n24 vom 30.11.2016 | 16:15 UTC

„Jedes Ankratzen an den Sicherheitstreibstoffreserven führt sofort zu einer Untersuchung der Sicherheitsbehörden“,

Das trifft nur dann zu, wenn die Crew (was LH-Crews vorbildlich ausführen, wenn es notwendig ist) das auch an die Behörde meldet. Ansonsten hat die (illegale) zu knappe Spritkalulation keine Folgen. Wenn alles gut geht bis zur Landung.

Bekannt wurden auch hierzulande Fluggesellschaften, die ihre Spritkalkulationen bis aufs äußerste ausreizen und dann eben Low on Fuel deklarieren, um sich in der Landereihenfolge beim Anflug nach vorne zu mogeln.

Eine Ramp Inspektion, die zufallsmäßig oder auf Verdacht nach der Landung eines Airliners durchgeführt wird, würde das auch feststellen. Aber es gibt Linienpiloten, die in ihrem 20-jährigen Berufsleben noch nicht eine Ramp Inspektion erlebt haben. Das entspricht also eher zu schnellem Autofahren ohne Radarkontrolle. Nur mit schwerwiegenderen Folgen für die Passagiere.

Letztlich bestimmt überall der Pilot und nicht die Fluggesellschaft, wie viel getankt wird.

Das ist eine Wunschvorstellung. Wenn sich der Pilot durchsetzen kann und nicht um seinen Posten fürchten muss. Die Alternative: bei zuwenig Tanken = Tod wird dabei als geringfügiger wahrscheinlich eingeschätzt als das Folgen habende „Kaffeetrinken“ mit dem Chefpiloten.

In diesem Fall war aber all dies nicht zutreffend, da der Chefpilot ja die folgenschwere Entscheidung traf. Warum auch immer. Dass er sie traf, ist leider Tatsache, die Gründe dafür sind zurzeit Spekulation.

Womöglich hätte der Unglücksjet sogar noch die rettende Landebahn in Medellín erreicht, aber es kam zu einer unglaublichen Verkettung von Zwischenfällen.

Hier sind wir nun bei verquirltem Blödsinn und damit Irreführung des Lesers: Es ist keine unglaubliche Verkettung von Zwischenfällen, dass man beim Anflug eines Verkehrsflughafens in ein Holding geschickt wird, sondern etwas durchaus normales, womit ich als Pilot rechnen muss. Eher der Normalfall.

Damit nicht zu planen wäre vergleichbar mit der unrealistischen Annahme, dass ich von Frankfurt bis München auf der Autobahn fahren kann ohne einen einzigen Stau.

Gerade bei nicht optimalen, um nicht zu sagen schlechten Wetterbedingungen, sind Holdings an der Tagesordnung bei größeren Flughäfen, weil sich da die Abstände zwischen den nach Instrumentenflugregeln anfliegenden Maschinen vergrößern. Und, dass eine Landebahn wegen einer Maschine auf der Bahn oder aus anderen Gründen vorübergehend gesperrt ist, ist auch nicht aus der Welt.

Kein vernünftiger Pilot würde die Möglichkeit eines Holdings negieren, das sollte man daher auch dem Leser nicht suggerieren.

Es kamen praktisch drei Flugzeuge mehr oder minder gleichzeitig im Luftraum von Medellín an.

Jo. Und auf einer Kreuzung für Autofahrer regelt man das mit einer Ampel oder mit Stoppschildern und in der Luft eben mit Holdings. Das sollte nicht einmal einer Erwähnung wert sein, dass sich drei (!) Flugzeuge im Anflug auf einen Flughafen befinden. Heraushebung von Selbstverständlichkeiten. Irreführung des Lesers.

Einem Airbus A320 der Fluggesellschaft Viva Columbia wurde dabei Vorrang bei der Landung eingeräumt, weil dessen Piloten über den Verdacht eines Treibstofflecks berichteten.

Dieses Flugzeug hatte einen anderen Platz als Zielflugplatz und ist nach Medellin ausgewichen (diverted) wegen einer Notlage. Rechtzeitig, bevor es crashte. Das hätte ich dabei einer Erwähnung wert gefunden, wenn man das Ganze schon so ausführlich beschreibt, was aber alles für den Crash nebensächlich ist.

Für die häufig geäußerte Ansicht, dass viele Billigfluglinien weniger Treibstoff tanken und daher öfter in den Notreservebereich kommen, gebe es keine statistischen Belege, heißt es bei den Experten.

Viele und öfter sind nebulöse Bezeichnungen, die tatsächlich in einem seriösen Beitrag nichts zu suchen haben. Wer allerdings als Pilot täglich Linie fliegt oder Funk mithört, bekommt durchaus mit, dass es keine Einzelfälle sind. Ich würde nicht Experten fragen, sondern Linienpiloten, wenn ich hier eine Antwort suchen würde.

Jeder gefährliche Treibstoffmangel müsse gemeldet werden und von allen Airlines müssten die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Jo. Sagen die Experten. Siehe oben. Und jeder Autofahrer muss sich immer und stets und an alle Geschwindigkeitsbegrenzungen halten und tut es daher auch. Und morgen kommt der Osterhase.

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Ergänzung am 7.12 aus der DW: Morgen-Newsletter vom 7.12.16

1

Eine brasilianische Beamtin, die den Flugplan der Absturzmaschine genehmigt hatte, ist derzeit auf der Flucht. ….

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Der Unglückspilot hatte wohl einen Zwischenstopp zum Auftanken ausgelassen.

Die Arbeit am Newsdesk ist hart. Trotzdem sollte man nicht alles weiterposaunen, was irgendwo im Netz irgendwer in die Welt gesetzt hat.

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Eine brasilianische Beamtin?

Wo soll denn die plötzlich herkommen?

Es war eine bolivianische Chartergesellschaft mit einem bolivianisch registrierten Flugzeug. Der Flug ging von Bolivien nach Kolumbien, der Absturz ist in Kolumbien erfolgt. (Die Fußballmannschaft war brasilianisch.) Wieso sollte die  brasilianische Flugsicherung einen Flugplan dafür genehmigen?

Zudem werden Flugpläne von der Flugsicherung (üblicherweise des Abflugortes) angenommen oder auch nicht, aber keinesfalls genehmigt. Nicht annehmen heißt aber nur, dass aus politischen, Sicherheits- oder sonstigen Gründen eine andere Route (oder Teile der Route) vorgeschlagen wird.

Das Ganze ist eine Abstimmungssache mit Verständnis für die Belange der jeweils anderen Seite (Piloten versus Flugsicherung), aber keinesfalls eine Bittstellung auf der Fliegerseite oder ein Verbot auf der Flugsicherungsseite.

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Der Pilot hatte einen Zwischenstopp ausgelassen? Das suggeriert dem Leser, dass der Tankstopp geplant oder sonstwie ein Teil des Flugweges war. War er aber nicht.

Der Pilot hatte keinen Tankstopp gemacht, auch keinen geplant. Soviel weiß man mittlerweile. Das ist aber ein Unterschied, die Wortwahl machts.