Die Zukunft der Luftfahrt: Ansätze zum Nachdenken und Handeln

Bringing Digital Disruption to the Industrie – also die komplette Zerschlagung der Luftfahrtindustrie wie wir sie kennen, war der hoch angesetzte Titel einer Konferenz in London. Die einzelnen Panels und Vorträge hielten durchaus dem provokativen Motto dieses Aerospace und Aviation Summits stand.

Jedem von uns ist die Sammelwut für unsere persönlichen Daten bekannt und manchmal auch bewusst. Aber irgendwie denkt man dabei Weiterlesen

Sicherheit und Flughäfen aus Passagiersicht

Dass es in letzter Zeit wieder etwas ruhiger hier war, ist meinen vielen Außenterminen zurzeit geschuldet. Die wiederum bringen Flugreisen und damit verbundene Sicherheitschecks an Flughäfen mit sich. Leider kann sich zwar anscheinend auch ein deutscher Soldat in diesem Land ohne Kontrolle als Flüchtling registrieren lassen und dafür auch noch Geld kassieren, aber ganz normale Reisende, die nichts Böses im Sinn haben, sondern nur ihrer Arbeit nachgehen möchten, werden per se als potentielle Straftäter angesehen und wie Verbrecher behandelt.

Letzter Dienstag: 1 Tag London, Gesamtarbeitstag 22 Stunden, der Wecker ging um 3 Uhr morgens. Die erste Schikane kam am Frankfurter Flughafen, Weiterlesen

Germanwings-Absturz und die Auswirkungen

Eigentlich dachte ich, dass sich das Thema der Absturzursache für den FlugundZeit-Blog erledigt hätte, es war alles gesagt. Die unsägliche Diskussion in Deutschland darum (ohne Rücksicht auf die Hinterbliebenen) ändert das leider. Weiterlesen

Circular Runways – die kreisförmige Landebahn

Die Diskussion geht nun in Deutschland schon einige Tage und auch in den USA ist die Idee unter Piloten ein Thema: die Zukunft der Landebahn als Kreisbahn.

Zum Einstieg und Mitdiskutieren ein Link auf ein Video und ein schriftlicher Beitrag.

Gefördert wird die Idee, die der Niederländer Henk Hesselink forciert, sogar als Projekt Endless Runway von der EU.

Die Idee hat Vorteile, Weiterlesen

Jane’s Awards, SESAR und der Traum vom einheitlichen Luftraum über Europa

(c) SESAR

Ob das nun die zukunftsträchtigsten Projekte in der Luftfahrt sind oder nicht, ist diskutierbar. Jedenfalls verlieh Jane’s – vermutlich sogar jedem Luftfahrtbegeisterten ein Begriff (Jane’s All the World’s Aircraft) – die 17. Jane’s ATC Awards am World ATM Congress in Madrid. In sechs Kategorien wurden Projekte und Firmen ausgezeichnet.

Eine Zusammenfassung:

Enabling Technology Award – EUROCONTROL im Namen von iStream-Partnern

Das von der EU im Rahmen von SESAR* Weiterlesen

Von Fluglotsen und intelligenten Computern

Center Bremen (c) DFS

Aktives Zuhören ist schon für die meisten Menschen schwierig. Selbst Siri oder Alexa brauchen einen namentlichen Aufruf, um der Menschen Kommandos zu lauschen. Computer-Assistenzsysteme für Lotsen tun dies bisher gar nicht.

Praktisch wäre es allerdings, wenn am Lotsenbildschirm automatisch die Flugroute so geändert wird, Weiterlesen

Was Airbus von Sully gelernt hat

In New York startet im Januar 2009 ein Airbus A320. In 3000 Fuß (900 m) Höhe fallen beide Triebwerke wegen Vogelschlag aus. Etwas mehr als drei Minuten später landet der Airbus im Hudson. Alle überleben mehr oder minder unverletzt.

Emergency Landing,
All Engine Failure.

Was folgte, war für die Crew lange Zeit nicht der Ruhm für die erbrachte Leistung, sondern haarklein bissige Nachfragen, warum und wieso man denn nicht anders gehandelt hätte. Es war schlicht und einfach beschämend und demütigend für die Crew.

Nun kommt ganz sanft die Einsicht ans Licht, wie gut die beiden Piloten ohne vorhandene Procedures genau das perfekt Richtige getan haben. Obwohl Schreibtischtäter, die nicht in der zeitkritischen Notsituation waren, dies jahrelang bezweifelt hatten. Eine späte Offenbarung, die leider wesentlich weniger an die Öffentlichkeit dringt, als die ursprünglichen Unterstellungen.

Kein Wunder am Hudson, sondern Erfahrung, Kenntnis und die Anwendung des lebenslangen Lernens. Weil es eben noch keine Verfahren für genau diesen Fall gab, den man als gut dressierter ausführender Pilot abarbeiten hätte können.

Abarbeiten von Procedures.
All Engine Failure.

Die Crew von Flug 1549 fand in weniger als drei Minuten eine Lösung und führte sie erfolgreich aus, die nun nach acht Jahren in ein Airbus-Verfahren münden. Dieses ist eine nahezu 100%ige Kopie des Handlungsablaufes von Kapitän Chesley Sullenberger und seinem Ersten Offizier Jeff Skiles.

Bei der Hudsonlandung in 2009 hatten Sullenberger und Skiles in etwa folgendes Verfahren zur Verfügung. Es stammt aus Dezember 2016; in den Jahren zwischen 2009 und 2016 gab es nur wenige Änderungen. Das waren vier Seiten im QRH (Quick Reference Handbook):

Engine Dual Failure 1

Engine Dual Failure 2

Engine Dual Failure 3

Engine Dual Failure 4

Dieses Verfahren eignet sich für den Ausfall beider Triebwerke in Reiseflughöhe.
Es zielt in erster Linie darauf ab, die Triebwerke durch Windmilling, also ohne den Einsatz des Anlassers einfach durch Anströmung von vorne, wieder an zu lassen. Dazu ist eine hohe Geschwindigkeit (Optimum Relight Speed, siehe Prozedur) von 280 Knoten (520 km/h) nötig, die mit einer sehr hohen Sinkrate verbunden ist. Hätten die beiden das gemacht, dann hätten sie kein sicheres Landefeld erreicht.

Statt dessen starteten sie die APU (Auxiliary Power Unit; Hilfsgasturbine). Das verbessert die Stromversorgung und ermöglicht einen Startversuch mit Unterstützung des Anlassers.

Da für den Rest der Prozedur keine Zeit war – das Ditching (die Notwasserung) wäre erst auf Seite 4 gekommen – , führen sie das Ditching nach eigenem Ermessen mit Klappen in Stellung 2 durch, um im Flare (Ausschweben) eine hohe Pitch (Winkel zwischen Längsachse des Flugzeuges und dem Horizont) zu erreichen. Dies erschien ihnen – und hat sich letztlich als wahr herausgestellt – imminent wichtig, damit der hintere Teil des Rumpfes vor den Triebwerken in Kontakt mit dem Wasser kommt und somit eine brachiale Drehung um die Hochachse verhindert wird, falls ein Triebwerk kurz vor dem anderen in das Wasser eintaucht. Sie setzten letztlich mit einer Pitch von 11 Grad auf.

Die oben genannte, alte, lange Prozedur verlangt an dieser Stelle Klappen in Stellung 3. Damit würde das Aufsetzen mit einer geringeren Pitch (flacher) stattfinden; mit all den negativen Konsequenzen.

Die Unfalluntersucher empfahlen nach der Befragung der Crew, dass es ein besser handhabbares Verfahren für den Ausfall beider Triebwerke in Bodennähe geben muss.

Airbus arbeitete daraufhin acht Jahre mit vielen Ressourcen daran. Doch all die Ingenieure, Testpiloten und Juristen – es muss ja „wasserdicht“ sein, damit Airbus nicht Schuld ist – konnten nichts besseres finden, als das, was Sullenberger und Skiles in drei Minuten „erfunden“ haben. Sogar die Empfehlung für das Aufsetzen mit 11 Grad Pitch steht nun in der ersten offiziellen Prozedur:

Emer Landing

Auch in der langen Prozedur, die es – aus guten Grund – dazu noch immer gibt, wurden aufgrund der Erfahrungen von Cpt. Sullenberger und Skiles die Werte angepasst. Auf Klappen 2 und 11 Grad Pitch.
Fehlerbehebung durch die Praktiker.

Vielleicht kann man doch nicht alles aus Büchern so lernen, dass man es dann ebenso stur und prozedural nach einer Liste abarbeiten kann. Vielleicht kommt manchmal doch die Erfahrung und das lebenslang erworbene Wissen dazu und rettet mehr Leben als das sture Buchstaben abarbeiten. Vor allem, wenn nicht alle Fälle bekannt sind und der menschliche Geist gefordert ist.

DLD und die fliegende Personendrohne von Thomas Enders

Wenn laut Internet der CEO von Airbus auf einer Konferenz ein selbstfliegendes Auto zur Personenbeförderung ankündigt – noch vor Ende des Jahres soll der erste Prototyp fliegen – dann sollte man das vor einer Diskussion hinterfragen, journalistisch einordnen und nicht wie üblich im Internet einfach nachquatschen, ungefiltert weiter-posten, liken oder disliken.

Das wäre dann der Unterschied zwischen dem normalen Schreiberling/Blogger/Tweeter, FBer o.ä. und einem Journalisten. Letzterer muss Sachen, die er sieht und/oder hört in seinem Umfeld einordnen und bewerten, bevor er sie an seine Adressaten weitergibt. Das ist der Mehrwert (den leider keiner mehr bezahlt, daher zählt Qualitäts-Journalismus zur aussterbenden Gattung.)

Fliegende Autos in der Entwicklung sind nun wahrlich nichts Neues. Die ersten tauchten (gefühlt) schon Mitte des letzten Jahrhunderts auf, ernstzunehmende neuere Entwicklungen (Terrafugia) sind seit Jahrzehnten auf einschlägigen Luftfahrtveranstaltung in ihrer (langsamen) Entwicklung vom Konzept zum Prototypen zu besichtigen. Und unbemannte Drohnen gibt es nun auch in vielen Einsatzgebieten.

Die Idee einer fliegenden schnellen Fortbewegung in/über bebautem Gebiet ohne menschlichen Pilot hat etwas. Die erfolgreiche Umsetzung der komplexen Materie dazu leider auch.

Die erste Frage bei einer Information muss sein: Warum sagt derjenige seine Worte und warum sagt er sie jetzt und warum an den gewählten Adressatenkreis.

Airbus ist einer der Hauptsponsoren der jährlichen DLD Konferenz.
Dabei steht DLD für Digital Life Design und sie ist die Digitalkonferenz- und Innovationsplattform von Hubert Burda Media. Es geht also primär um Medien und die Digitalisierung.
(Übrigens die DLD und nicht der DLD, wie aus welchen Gründen auch immer etwa der Focus schreibt.)

Die gesamte Konferenz ist ein Sehen und Gesehen werden. Show. Show der Menschen, die in der digitalen Welt meinungsführend sind oder so gesehen werden. Will man da als Flugzeugbauer von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, muss man bei der Ansage der Innovation schon klotzen. Der 701. verkaufte Flieger reißt da keinen vom Hocker. Da muss schon ein mehr an Innovation her und die in Kombination mit Digitalisierung.

Letztere ist nun in heutigen Flugzeugen, was Internet und Modernisierung der Computertechnologie angeht, eher im Steinzeitalter. Egal, dem sympathischen Vorstandsvorsitzenden der Airbus Group, Thomas Enders, bleibt gar nichts anderes übrig, als bei seinen Ankündigungen auf der DLD in München (es gibt auch andere DLD-Veranstaltungen weltweit) zu klotzen satt zu kleckern.

Also gleich die Ankündigung einer selbstfliegenden Drohne für Personentransport? Das wird irgendwann sicher kommen und Realität sein. Heute ist es aber schon aus menschlichen emotionalen Abwehrgründen noch unvorstellbar. Auch wenn Airbus draufsteht.

So viel mit ein wenig Nachdenken zum Hintergrund des “Warum” und des “Warum jetzt” der Meldung. Die Aufbauschung kommt von alleine durchs Netz. Dass das gewünscht und beabsichtigt ist, wäre vermutlich eine Unterstellung.

Eine relativ gute Zusammenfassung der Trends der DLD 2017 findet sich hier.

Der weltweit größte Helikopter-Hersteller wird im Silicon Valley noch heuer ein Demo-Vehikel in Betrieb nehmen, das ohne Pilot fliegt – vorerst nur für den Transport von Waren.

Aber auch hier geht es nicht ganz ohne Anmerkungen:

Da hätte ich eher will statt wird bei der Inbetriebnahme geschrieben. Mit Demovehikel ist wohl der erste Prototyp gemeint und die Ankündigung von Enders galt wohl nur für die unbemannte Drohne in diesem Jahr.

Nicht, wie vielerorts im Netz dann weiterverbreitet, suggerierend – schon mit Personenbeförderung. (BspAirbus-Chef Tom Enders … hoffte, dass Airbus ein fliegendes Demonstrationsfahrzeug für Einzelpersonen zu Transportzwecken bis zum Ende des Jahres fertiggestellt habe.)