Autonomes Fahren und Fliegen

und das menschliche Gehirn.

Simone Siedler im Fahrsimulator. Foto (c): flugundzeit!

Pirouetten und Mehrfach-Sprünge auf dem Eis sind angewandte Physik*. Während die Washington Post in einem Beitrag darüber rätselt, warum den Eisläufern “bei so schnellen Drehungen nicht schlecht wird”, Weiterlesen

NASA probiert Orion Launch und Oshkosh 2015

orionlaunch1Heute Morgen um 7:04 hätte Orion mit einer Delta IV Heavy Rocket von Cape Canaveral starten sollen.

 

Die Delay-Gründe (der Start ist zurzeit um 24 Stunden auf morgen früh verschoben) waren wie folgt:

 

  • (ziviles, nicht eingeplantes) Boot in der Sicherheitszone
  • zu viel Wind
  • Ventilprobleme
  • erneut zu viel Wind

Zum Thema zu viel Wind kommentierte ein NASA-Shuttle-Astronaut: 20 Knoten seien das Limit und der Computer hätte eben bei kurzzeitig 21 Knoten die NoGo-Warning abgeliefert.

Der Countdown war schon bis auf 3 Minuten heruntergezählt, alle Systeme waren auf GO, dann kam der Breakoff des Computers. Die Go-Meldungen der Vor-Startcheckliste werden von einem Menschen abgefragt und von den Menschen an den einzelnen Positionen bestätigt. Das No-Go liefert aber nun der Computer. Und wenn es nur ein Knoten zu viel ist. Automation eben, nicht mehr Menscheneinschätzung. (So in etwa der leicht enttäuschte Kommentar des Shuttle-Astronauten, der das wohl auch noch anders kennt.)

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Mission Control.

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Insgesamt gibt es im Flug und Zeit Blog 3 Artikel zum Thema Orion Start:

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Für Piloten zum Thema passend, eine Vorankündigung für Oshkosh 2015:

Das Air Venture war lange Jahre eine gute Gelegenheit, direkt mit NASA-Astronauten ins Gespräch zu kommen. Dann war die NASA gar nicht mehr am Event vertreten und in 2014 versuchte sie mit teilweise für Europäer inhaltlich peinlichen Veranstaltungen (weil das fachliche Niveau so tief war) wieder Flagge zu zeigen.

Im nächsten Jahr sollen nun Jim Lovell (Apollo 13 Mission Commander) und Flight Director Gene Kranz teilnehmen. Wir erinnern uns mit Kranz: „Failure is not an Option“ für die Apollo 13 Mission.

Der erfolgreiche Ausgang dieser Mission soll dann 45 Jahre später mit den Originalbeteiligten gefeiert werden. Sicher ein Highlight von Oshkosh 2015!

 

 

Screenshots: hkl (NASA)

 

Raumfahrtbits (1) und Automation und Disaster (2)

(1)Social Net Star und Raumfahrer Alexander Gerst ist wieder wohlbehalten in Deutschland. Er war der erste, der schon wenige Stunden nach einem Aufenthalt in der Erdumlaufbahn wieder munter auf eigenen Beinen spazierte. Und er hat nicht nur „dort oben“ seine Aufgaben erfüllt, er hat auch die europäische Raumfahrt erfolgreich in den sozialen Netzwerken positioniert. Die alten Medien werden in den nächsten Tagen ausreichend über seine Erlebnisse und Erfahrungen berichten.

Morgen soll nun endlich die erste Landung auf einem Kometen erfolgen. Lander Philae soll gegen 9.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit in 22,5 Kilometern Höhe von der Raumsonde Rosetta abdocken und auf den Kometen heruntersinken.

Das Team des Lander Control Centers rechnet damit, gegen 17 Uhr die Landung bestätigen zu können. Wenn die dafür erforderlichen Daten aus dem Weltall im Kontrollraum in Köln ankommen, steht Philae bereits seit knapp 30 Minuten auf der Kometenoberfläche, denn durch die große Entfernung kann der Kontakt zum Lander nicht in Echtzeit erfolgen.

Soweit die News aus der Raumfahrt. Themenwechsel.

(2) In der Luftfahrt gibt es zurzeit in Pilotenkreisen im Netz heftige Diskussionen zu alt bekannten Themen, die leider zunehmend aktuell werden: Der Grad der Automatisierung und seine Auswirkungen.

In einer Analyse rollt Autor William Langwiesche in Vanity Fair nochmals die Ursachen vom Absturz des Air France Fluges 447 auf. Langwiesche argumentiert, dass den heutigen Airline Piloten zunehmend die Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen, um Ausnahmesituationen zu bewältigen. Das sei eine nicht beabsichtigte Folge der zunehmenden Entwicklung von Flugzeugen, die jeder fliegen können soll. Die Basic Flying Skills (= das Wissen und Handling um die Tatsache: Warum das Flugzeug was wie wann tut, nach einem Piloteninput oder es eben nicht tut) sind bei heutigen Piloten oft nicht mehr vorhanden. Jets der vierten Generation bringen Piloten ins Cockpit, die mangels notwendiger Fähigkeiten früher nie da gelandet wären, schreibt der anerkannte Luftfahrt-Autor.

Die teils heftigen Reaktionen im Netz auf den Artikel zeigen sich auch bei der Argumentation von Patrick Smith, eigentlich einem Fan von Langwiesche. Er teilt zwar die Meinung, dass die Hands-on flying skills (das Fliegen von Hand möglichst ohne Computerunterstützung) bei der Ausbildung der Piloten über die Jahre zunehmend vernachlässigt werden. Er meint aber, dies sei auch nicht mehr so notwendig. (Und trifft dabei voll ins Füllhorn von Herstellern und Koste-es was-es wolle-Spar-Fluglinien)

Der Air France Unfall erfolgte nach einer Kette von misslichen Umständen, mit unter anderem Vereisung des Pitotrohrs und der nicht erfolgreichen Problemsuche von mehreren Piloten gleichzeitig.

(Ein voll funktionsfähiges Pitotrohr ist die Voraussetzung für die korrekte Anzeige wichtiger Fluginstrumente. Auch die Bordcomputer verlassen sich auf deren Daten und berechnen ihre Flugsteuerung aufgrund der Daten dieser Messinstrumente.)