Der Freie Fall beim Stern

(c) Stern

Der Stern ist durchaus für mutige Titelseiten bekannt. Die linke stammt von der Ausgabe des 19. November 2017 (und kam mir erst heute zufällig auf den Tisch). Außer mir hatte aber offensichtlich keiner Bauchweh dabei. Das erschreckt. Weiterlesen

Schaukeln zwischen zwei Ballonen

Zwei Ballone, eine Schaukel, 125 Meter lange Leinen und 1800 Meter über der Erde: Mehr Spaß kann es für diese Springer nicht geben. Die Österreicher Marco Waltenspiel, Georg Lettner, Marco Fürst und Dominic Roithmair überlegten sich eine ungewöhnliche Schaukel. Und realisierten sie im Sommer 2016 im Waldviertel in Niederösterreich.

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Die Idee hinter der – sicher von manchen als verrückt angesehenen Unternehmung – war laut Lettner, einen Kindheitstraum zu realisieren. “Es träumen doch viele Kinder davon, auf einer Schaukel zu sitzen, immer höher und höher zu schwingen und irgendwann dann abzuheben und zu fliegen.”

https://www.redbullcontentpool.com/embed/video/57ee61b189a41d742e25e203

Das Schwierigste, so Roithmair, sei es gewesen, auf der Schaukel zu bleiben. Wer schon mal durch einen Hula Hoop Reifen gesprungen ist oder einen Sprung in einem Schlauchboot im Freien Fall absolviert hat, weiß, was der Springer meint. Für außergewöhnliche Stunts sind von Red Bull gesponserten Sportler immer gut – sonst würden sie nicht ins Team kommen.

Nach intensiver Planung und Vorbereitung der Ausrüstung tasteten sich die Skydiver und ihre „Transporteure“ im Sommer 2016 bei optimalen Wetterbedingungen an ihr gemeinsames Ziel heran. Zwischen 1.500 und 2.000 Metern Höhe diente ein Ballon als Anker für die Schaukel, abgesprungen wurde von einem zweiten. „Es kommt auf das richtige Timing und den Absprung an. Wenn das Seil perfekt gespannt ist, so dass du schön nach vorne abzischt, dann ist es perfekt“, beschreibt Marco Waltenspiel die sportliche Herausforderung von „Mega Swing“.

Das Feeling scheint eher mit dem Bungee Springen zu vergleichen zu sein. Roithmair: „Du hast eine Beschleunigung in eine andere Richtung, so wie man es von einem normalen Base- oder Fallschirmsprung nicht kennt. Du springst runter, fällst, und wartest auf den Moment, wo du Druck auf das Brett bekommst. Dann geht es nach ein paar Sekunden nach vorne, mit einer unmotorisierten Beschleunigung, die ein unglaublich feines Gefühl auslöst. Ich kann mich an keinen freien Fall erinnern, der solche verschiedenen Bewegungsmuster zeichnen kann.“

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Beide Fotos: Marco Fürst, Red Bull

“Im Flieger oder Hubschrauber hat man Krach rundum”, sagt Roithmair, “die Ruhe  war einfach überwältigend. Klar, die Brenner der Ballone fauchen ab und zu. Aber das und die Windgeräusche machen die Situation da oben bizarr für einen Fallschirmspringer.“

 

Videos: Red Bull

BASE ist nicht Fallschirmspringen

Könnten Sie mal einen Artikel über die gefährlichste Form des Fallschirmspringens schreiben, dem (Wingsuite-)Base-Jumping bzw Wingsuite-Proxy-Flying. Ich schreibe dies, weil im August mit Alexander Polli und Uli Emanuele zwei echte Szenegrößen tödlich verunglückten, deren Youtube-Videos sehr bekannt und beliebt waren.

Wie stehen Sie zum Base-Jumpen? Suizidale Idioten oder Pioniere mit anderem Risikoverhalten, die an ihre Grenzen gehen und uns spektakuläre Aufnahmen hinterlassen?


Im obigen Post, der mich vor einigen Tagen erreichte, sind einige hammerharte Statements enthalten, zudem auch etliche berechtigte Fragen.

 

Fallschirmspringen, BASEen und Wingsuits sind drei Begriffe, die zwar für den normalen Fußgänger vielleicht zusammenpassen, in der Realität aber ein Mix aus unterschiedlichen Bereichen sind.

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Pilot Charles Lindbergh, der dreimal (in fliegerischen Notfällen) seinen Fallschirm öffnete

Fallschirmspringen ist nun ja, eben Fallschirmspringen. Mittlerweile fast schon ein Allerweltssport. Man springt alleine oder in Gruppen von einem Fluggerät aus der Luft ab und öffnet spätestens rund 800 bis 1000 Meter über Grund seinen Fallschirm, fliegt dann weiter mit diesem bis zur Landung. (Alles sehr platt, Springer mögen mir verzeihen.)

Das Wort B.A.S.E. ist ein Akronym, das aus folgenden Teilen besteht: B…Building (Gebäude), A…Antenna (Sendemast), S…Span (Brücke), E…Earth (Felsen, Klippen).

BASEer springen also von feststehenden Objekten. Sie haben auch andere Sprungsysteme als Fallschirmspringer. Das gilt für das Gurtzeug und auch den Fallschirm. Den Fallschirm, denn ein Objektspringer hat normalerweise keinen Reserveschirm (wie ihn Fallschirmspringer haben müssen) im Gurtzeug, weil für eine Aktivierung keine Zeit (=Höhe) vorhanden ist. Auch der Absprung ist anders: Der BASEer hält üblicherweise seinen Hilfsschirm beim Losrennen/Abspringen bereits in der Hand. Es gibt auch andere Auslösearten.

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Sprunganzug aus den 80ern für eine damals moderne Disziplin namens Freestyle (balletähnliche Bewegungen im Freifall). Buchcover.

Fallschirmspringen ist weltweit ein ziemlich gut durchorganiserter und durchregulierter Sport. Es gibt nationale Lizenzen, nationale und internationale Wettbewerbe, Weltmeisterschaften und alles, was eben zu einer Sportart gehört.

BASE-Springen ist in den meisten Ländern dieser Erde verboten. Genauer gesagt ist es überall dort verboten, wo es  nicht explizit erlaubt ist. Das gilt auch für Deutschland. Für BASE gibt es keine offiziell anerkannten Schulen oder Ausbildungsstätten. Und auch keine offen zugänglichen Lehrbücher.

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Einer der ersten BASEer: Carl Boenish. Beide Boenish-Bilder sind aus dem Buch (1971): The Wild, Wonderful World of Parachutes and Parachuting (so viel Zeit muss sein). Autor Bud Sellick verstarb 2015.

Ja, es gibt Fallschirmspringer, die auch BASEen. Sogar Weltklassespringer. Es macht sogar sehr viel Sinn, wenn man ein erfahrener Springer ist und erst dann mit dem BASEen beginnt, und wenn man dazu noch jung und extrem reaktionsschnell (Körper und Geist) ist.

Im Gegensatz dazu beginnen manche Fallschirmspringer erst mit 40 oder 50 Jahren. Und es gibt auch etliche 80jährige, die noch sicher für sich und andere springen.

Piloten haben in Notfällen mindestens mehrere Minuten Zeit, um ihre Handlungen zu entscheiden und umzusetzen, Fallschirmspringer wenige Sekunden und BASEer Sekundenbruchteile.

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Eine neue Erfindung sind Wingsuits definitiv nicht. Allerdings sehen sie heute besser aus und sind auch wirkungsvoller als die klobigen Baumwollanzüge der ersten Jumpsuits.

Nun zum Wingsuit. Erstaunlicherweise ist er eigentlich so alt wie das Fallschirmspringen selbst, das sich in den 1960ern aus den USA als zivile Sportart entwickelte. Die ersten “Sprunganzüge” hatten damals in Action-Filmen schon Stoff unter den Armen (ausgebreitete “Flügel”), weil man sich davon mehr Auftrieb erwartete.

Gypsy Moths (1969) mit Burt Lancaster, Gene Hackman und Scott Wilson ist ein uriger Film aus dieser Zeit. Dann wurden die Anzüge immer enger und  körpernaher (“Ganzkörperkondom”) bis man einsah, dass es mehr von der Ausprägung des einzelnen Springers (Gewicht zu Körpergröße) und von der ausgeführten Art des Freifalls abhängt, wie der Anzug beschaffen sein sollte.

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I-Bird ein Einsteigermodell zum Wingsuitfliegen. Foto: TonySuits

Wings, also ausfaltbarer Stoff zwischen Armen und dem Körper und zwischen den Beinen sollen den Fall verlangsamen. Das begannen zuerst nur die Fotografen zu nutzen, als sie noch mehrere Kilos an Video- und Foto-Kameras am Kopf trugen. Die Höhe über dem Boden, ab der der Freie Fall beginnt, bestimmt die Zeit, die einem vor der Öffnung des Fallschirmes und damit einer sicheren Landung bleibt. Wenn ich bei gleicher Höhendistanz zum Boden aber mehr horizontale Distanz fliegen kann, dann ist mehr Zeit für Spaß und Sicherheit übrig.

Das nutzen Fallschirmspringer, aber eben vor allem auch BASEer, bei denen die Freifallzeit aufgrund der niedrigen Absprunghöhe extrem kurz ist, um diese zu verlängern und damit auch größere horizontale Distanzen im Freifall zurückzulegen. Wingsuits dienen also aufgrund der verlängerten Freifallzeit der Sicherheit und sind nicht per se gefährlich.

Allerdings sind Wingsuits eine weitere Komplexität, die ich als Springer zu beachten habe (mehr Handgriffe, mehr Möglichkeiten, dass etwas schief geht). Komplexität kann man aber auch durch beabsichtigte Wasserlandungen, Event- oder Rekordsprünge oder vieles andere mehr erhöhen. Man sollte eben wissen, was man tut, und was welche Konsequenzen hat. Ein ausgezeichneter Artikel fürs Beginnen mit dem Wingsuit-Fliegen stammt von Rolf Brombach; er war entweder im FreifallXpress oder in den Pink News (für Springer).

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Masai – das Trackingmodell Foto: TonySuits

Unter Proximity Flying versteht man das Fliegen über Hängen und entlang der Bergrücken. Das kann man mit Fallschirmen (eher Gleitschirmen) machen, aber auch mit Wingsuits. Letzteres ist riskant und man sollte über die Auf- und Abwinde an welchen Hängen zu welcher Tageszeit im Fluggebiet Bescheid wissen. Mit Planung und Wissen ist vieles machbar; nicht für jeden, aber sicher für einige.

Zu spezifischen BASE-Abstürzen möchte ich mich nicht äußern. Diese Beurteilung steht mir nicht zu. Im Gegensatz zu Flugunfällen lässt sich hier nicht immer im Nachhinein genau bestimmen, was der Grund des Absturzes bei einem erfahrenen BASEer war. Was er gedacht hat und warum er eine vielleicht notwendige Handlung nicht (schnell genug) gesetzt hat.

Dass es immer im Leben Menschen gibt, die etwas sehen und denken: ach, das kann ich auch locker – obwohl ihre Kenntnisse und auch ihre Disziplin weit davon entfernt sind, ist leider Tatsache.

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Um mit dem Jedei zu fliegen, sollte man schon einige Erfahrung mit Wingsuits haben. Foto: TonySuits

BASEen ist stark risikobehaftet, dessen ist sich aber jeder im Klaren. Es ist wie immer im Leben eine Abwägung von persönlichem Einsatz/Aufwand und Output. BASEer generell (Ausnahmen gibt es wie überall) sind sicher keine “suizidalen Idioten”. Ja, es sind Menschen, die an ihre Limits gehen. Wie Rennfahrer und andere Extremsportler. Sie tun das meist für sich und weniger, um “anderen spektakuläre Aufnahmen zu hinterlassen“.

Zwei Aspekte, deren Diskussion sicher ohne Ende ist und ohne einer unwiderlegbaren Zahl als einfachen Output:

1 Auf die Gefahren beim BASEn mit Proximity Flying durch Wingsuits fokussiert dieses Video.

2 Dass Menschen, die das tun, ihr Leben leichtsinnig aufs Spiel setzen, streite ich ab (erneut, generell gesehen, die Mehrheit, einzelne sind stets ausgenommen). Springer sehen wie alle Menschen, die an ihre Grenzen gehen, das Leben als etwas Besonderes, aus dem man mehr herausholen kann, als auf der Couch zu sitzen und von da aus über andere und deren Leben zu lamentieren. Die intensive Vorbereitung zu einem Extremsprung und das Absagen dessen, wenn etwa der Wind dem Tag absolut nicht passt, gehören genauso dazu wie der Sprung selbst. Zu Leben, heißt Leben zu erfahren, mit jeder Faser Deines Körpers zu spüren und die Zeit, die du auf diesem Planeten hast, bestmöglich zu nutzen. Letzteres ist für jeden etwas anderes. Für manche langt eine Fahrt auf der Achterbahn, andere erleben das bei ihrem ersten Sprung (und danach), und bei wieder anderen setzt dies erst beim Proximity Flying ein. Darüber zu urteilen, wie jemand dies umsetzt (ohne anderen dabei zu schaden!) halte ich für anmaßend.

Ein Link zum VDO (Verein Deutscher Objektspringer), dem hiesigen BASE-Verband (so etwas kann es auch nur Deutschland geben 😜). Wer sich ernsthaft fürs legale BASEen in Deutschland interessiert, möge bitte vor seinem ersten Sprung Kontakt mit dem VDO aufnehmen.

 

 

Fallschirmspringen zum Ansehen

Skydive-TV, ein Fernsehsender im Internet, überträgt große Events des Sports. Wer da hineinsehen möchte:

Am Dienstag, 23. August beginnt der Swoop Wettbewerb der FAI (6th FAI World Canopy Piloting Championships) in Kanada. Einfach landen war gestern… Das ist Kunst. Die tödlich enden kann, wenn man sie nicht beherrscht.

Zum Vormerken: Im Herbst, 22. bis 31 Oktober zeigt der Online-Sender die US Nationals in Eloy (Arizona), also Freifall auf Weltklasseniveau.

Hier ein Link in Englisch, der die einfachsten Fragen zum Fallschirmspringen beantwortet. Die Fragen reichen von: Was ziehe ich an bis zu: Wie kriege ich im Freifall Luft.

Wer es gerne etwas vertiefter haben möchte (für Springer), der sollte im Skydiver’s Information Manual (SIM) nachlesen. Ausgedruckt ist das eine ziemlich dicke und schwere Schwarte, online gibt es das SIM als PDF und in anderen Versionen zum Download kostenfrei.

 

For our international friends

Skydive-TV,  an online and mobile skydiving TV channel, will be returning to cover the 2016 Nationals in Eloy. Skydive-TV has covered many of USPA’s Nationals events over the past several years and is planning to broadcast all the action from Skydive Arizona each day throughout Nationals. Those interested in learning more about Skydive-TV and advertising opportunities can visit skydive-tv.com.

Wind Tunnel Training in Eloy

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Was wie ein Geheimcode aussieht, ist die Mitschrift der Figuren, die nacheinander vom Team in den einzelnen Tunnelminuten (meist 2 zusammenhängend) geflogen werden. Jeder Buchstabe und jede Nummer steht für eine eigene Figur. Interessant und damit die Herausforderung ist, wie die Übergänge zwischen den einzelnen Figuren geflogen werden. Sind die 4 oder 5 Figuren einer Sequenz durch (hier in einer Zeile), dann beginnt man innerhalb der zwei Minuten wieder von vorne.

Ein wenig Bildliches von meiner USA Reise, Ende Juni in Arizona, weil es noch ein wenig dauert, bis ich alle Fotos/Videos von Oshkosh letzter Woche gesichtet und für den Blog verkleinert habe. Der eigentliche Anlass für diese Reise waren zwei Konferenzen, aber da konnten auch noch zwei Tunnelzeiten in Eloy Platz finden. Wenn schon aufgrund mehrfachem Umsteigen bei An- und Abreise und Platzmangel im Koffer der Fallschirm (= das Gurtzeug) zuhause bleiben musste.

Wind Tunnels gibt es mittlerweile auch in Europa einige, seit kurzem sogar in Wien. Man muss auch kein Fallschirmspringer sein, um das auszuprobieren.

Das waren in der Anfangsphase DC-3-Propeller, die den Luftstrom nach oben erzeugten und somit einen Luftpolster ähnlich wie im Freifall bildeten. Moderne Windtunnel-Anlagen für Fallschimspringer haben oben Rotoren, die die Luft nach oben saugen und so den Luftstrom erzeugen. Das alles ist mit viel Krach verbunden und so springt man im Tunnel mit Ohrstöpsel. Wie im richtigen Freien Fall kommuniziert man also nur über Grimassen, Haltung und Handzeichen.

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Das sieht mit (geborgtem) Schülerhelm und meinen Hiking Boots ziemlich goofy aus. Nur der Anzug gehört zu meiner normalen Spungausrüstung.

Mein weltweit bevorzugter Tunnel ist noch immer der in Eloy (Arizona). Unter anderem, weil man da eben mit den weltbesten Teammembern trainieren kann. Und die deutlich weniger Starallüren als so manche lokale Sprung“Größe“ an hiesigen Sprungplätzen aufweisen. Bei Nichtspringern ist auch der etwas kleinere und ältere Tunnel in Orlando als Freizeitvergnügen – zwischen Disney und Wasserpark – gern gesehen. Und: Man muss gar nicht so weit reisen, auch hierzulande kann man den Freifall überm Draht-Gitter simulieren.

Rechts warte ich in der Schleuse (da darf, während die Windmaschine rotiert, keiner von draussen rein oder auch von innen hinaus) auf meine nächsten zwei Minuten. Nick Grillet (mein Trainer) steht links in der Türe und guckt seinen Teamkameraden beim Training zu. Alle Fotos und Videos sind durch das verschrammte Schutz-Plexiglas aufgenommen.

Hier ein kurzes Video von Airspeed (die besten der Besten, weltweit)

Und hier dazu der Normalo 🙂 mit einem Airspeed-Springer und ja, da ist ein Unterschied sichtbar. 🙂

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Außenansicht Windtunnel – ein Freifall-Simulator für Fallschirmspringer und Fussgänger –  in Eloy, Arizona.

Die allerersten Windtunnels für Fallschirmspringer waren flach gelegte DC-3 Propeller, die noch einen ziemlich inhomogenen Luftstrom nach oben schickten. In der Mitte war der Widerstand am größten, zur (runden) Wand hin nahm er ab. Bei modernen Tunnels (Skydiver lassen das Wort „Wind“ gerne weg) zieht der Luftstrom nach oben, da sitzen nämlich die Rotoren.

Tandemspringen: Spass hoch 2

„Fallschirmspringen ist eben nicht für jedermann“ ist die (hochnäsige) Antwort, wenn einem wieder einer erzählt, er würde ja selbst nie aus einem perfekten Flugzeug springen. Gähhn.

Was aber viele mittlerweile unternehmen, ist, sich vorne dran an einen Springer zu hängen und mit ihm/ihr gemeinsam unter einem Schirm der Erde entgegenzusegeln. Ein sogenannter Tandemsprung mit dem Schuss Adrenalin ohne eigene Verantwortung zu übernehmen.

Dazu von der (neugestalteten) Website des Deutschen Fallschirmsportverbandes (mit Links zu Sprungplätzen für Tandemsprünge):

Nach dem Absprung aus 3.000 bis 4.000 Metern Höhe erfolgen etwa 50 Sekunden Flug im freien Fall bis in 1.500 Metern über der Erde der Fallschirm geöffnet wird. Passagier und Tandempilot schweben dann noch 5 Minuten dem Landeplatz entgegen, um dort zielgenau zu landen.

Für gar nicht so wenige davon ist es der Einstieg in eine neue Welt, in die dritte Dimension. Sie sehen durch den Tandemsprung, was ihnen bisher alles im Leben entgangen ist.

Das weltweit erste und einzige Buch, das den Tandemgast im Fokus hat: auf 120 Seiten mit 100 Comics, Hardcover, Format 15 x 15 cm, Fadenheftung,
Preis 14,80€

Einen Schnuppereinblick in die dritte Dimension, ohne Adrenalin, aber mit erschwinglichem Preis bietet nun endlich ein kleines blaues Büchlein namens „Spass hoch 2“.

Geschrieben und publiziert hat es Peter Schäfer, ein gut Bekannter in der langjährigen deutschen Fallschirmszene, unter anderem Chefredakteur des Fachmagazins FreifallXpress. Die Zeichnungen der Cartoons stammen von Joachim Bode.

Was Peter Schäfer aufgreift, setzt er um. Ideen haben viele, aber an der Realisation scheitern die meisten. 14.000 (in Worten vierzehntausend) Exemplare des Buches hat er deutschlandweit bereits verkauft. Da kann sich so mancher Großverlag, der mit 2000 oder 3000 Auflage pro Fachbuch herumkaspert, ein Beispiel nehmen. Ein Mann, ein Verlag, ein Erfolg.

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(c) Joachim Bode

Die Comics und die nicht ganz ernst zu nehmende Sammlung von 101 Gründen für einen Tandemsprung sollen das Interesse und die Neugier auf ein solches Erlebnis von der humorvollen Seite wecken. Gegen den allgemeinen Trend ist das Buch nur als Papierausgabe erhältlich.

Auf die digitale Verbreitung verzichtet der Verleger, weil er damit die Besonderheit und Wertigkeit des Produkts hervorheben möchte. Man will schließlich nach dem erfolgreichen Sprung auch etwas in der Hand haben, was man anderen zeigen kann.

Als Marketinginstrument für Anbieter von Tandemsprüngen erweitert Spass hoch 2  die Palette der Memorabilien wie Video, Foto, Urkunde oder T-Shirts für Tandemgäste.

Eigentlich verkauft der Verlag das Buch nicht an Einzelkunden, nicht über den Buchhandel, auch nicht über Amazon – sondern die Anbieter von Tandemsprüngen sollen mit dem Buch allein den vollen Nutzen beim Kunden erlangen.

Tipp für Leser des FlugundZeit-Blogs: Über den Deutschen Fallschirmsportverband kann man das Buch einzeln bestellen, ansonsten eben über Vereine und Tandemanbieter. Händler können sich direkt an blueskyedition@t-online.de wenden

englisch
(c) Joachim Bode

 

 

„2MUCH FUN“ ist die englische Fassung des Buches, weitere Sprachausgaben sind in Planung.

Fallschirmrekord in Oshkosh 2015

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Flight of the Phoenix im Frühling 2011 in Deland, Florida. Ein 192-er, an dem auch einige Deutsche beteiligt waren. Der Einzelspringer rechts ist einer der Freifallfotografen.
Foto: Paraquedismo Sky Company, Brasilien

Die Deutschen liegen vorne mit ihrem nationalen Freifall-Rekord der Relativspringer. Das spornt amerikanische Springer natürlich an. Wettbewerb ist gut und bringt die Leistung aller voran. So plant B. J. Worth, der schon viele weltweite Fallschirmrekorde und Filmstunts (unter anderem GoldenEye, Tomorrow Never Dies …) organisiert hat, auf dem nächsten Fly-In im Sommer in Oshkosh, Wisconsin, (EAA AirVenture Oshkosh 2015) den nächsten Weltrekord.

Das Team wird sich in Skydive Chicago, Ottawa, Illinois, vorbereiten und dort die Übungssprünge vor dem Rekordversuch durchführen. Die Rekordsprünge selbst (Plural, falls es nicht gleich auf Anhieb klappt) sollen am 22. und 24. Juli während der EAA in Oshkosh stattfinden (weather and conditions permitting). Letzteres heißt so viel, wie: …wenn das Wetter und die Umstände vor Ort mitspielen.

Den derzeitigen Weltrekord im Relativspringen (alle Springer fassen sich im Freifall gleichzeitig an und bilden eine Formation (Figur) in der Luft) steht bei 400 Springern. Das ist nicht mehr leicht zu toppen.

Denn nach unten gibt es die Grenze von rund 1000 Metern (3500 Fuß), ab der man den Fallschirm aktivieren muss, um wieder sicher auf der Erde zu landen. Nach oben hin wird die Luft (flapsig gesprochen) immer dünner. Schon die normal übliche Ausstiegshöhe von 13000 Fuß (rund 4000 Meter) funktioniert nur ohne Sauerstoff, weil größere Absetzflugzeuge (Twinotter, Skyvan, Transall) recht schnell auf diese Höhe steigen können. Und der Springer im Freifall nur etwas über eine Minute braucht, um die 3 Kilometer nach unten zu sausen.

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Das nennt sich Dirt-Dive, also das genaue Wissen wo man wann in der Luft zu sein hat und das auch physisch am Boden auszuprobieren vor dem Sprung.
Foto: Paraquedismo Sky Company, Brasilien

Alle Absetzhöhen über 4000 Meter brauchen Sauerstoff an Bord für die Springer (und die Piloten natürlich). Eine Druckkabine wie in einem Passagierflugzeug hat ein Absetzflieger aber nicht, wir wollen ja die Türe (meist Scheunentorartig bei größeren Flugzeugen) im Flug öffnen. Also „hängt“ jeder an einer Sauerstoffleitung im Flugzeug oder hat eine eigene Sauerstoffflasche. Und leider bringt mehr Höhe auch nicht proportional mehr an Zeit, weil man durch die „dünne“ Luft auch schneller fällt. Abgesehen von der schlechteren Versorgung des Gehirns.

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Die Einteilung der Springer in die Flugzeuge mit jeweiligem Teamkapitän.
Foto: hkl

Die 400 Springer bilden also schon eine Grenze, die zurzeit nicht leicht zu toppen ist. Darum führte die FAI (Der Weltluftsportverband) in 2013 die Rekordkategorie Großformation mit mehreren Punkten (Large Formation Sequential) ein.

So sollen die 100 oder wie viele auch immer Springer sich nicht nur in der Luft zusammenfinden und durch Anfassen eine zusammenhängende Formation bilden, sondern diese auch wieder „öffnen“ und zu einer weiteren Formation wieder schließen. Einem weiteren „Punkt“ also. Mehrere Punkte zu fliegen ist auch im normalen Formationsspringen das Ziel. Aber da sind es vier oder acht oder meist bis zu 20 Springer, die in einem Sprung mehrere Formationen sicher ausführen. Bei mehr als 20 (oder 22, je nach Antrieb des Flugzeugs) Springern braucht man meist auch mehr als einen Absetzflieger. Und das verkompliziert die Sache. Der enge Anflug vieler Flugzeuge, die Kommunikation zum gleichzeitigen Aussteigen – und wenn geht, dann bitte noch über dem Landeplatz – das muss schon gut geplant und organisiert werden.

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So sieht der Plan aus. Jeder Springer weiß genau, in welchen Sektor der Formation er fliegen muss und welchen „Flugweg“ er also benutzen darf ohne die Springer hinter/über ihm zu gefährden.
Foto: hkl

Der derzeitige Rekord bei den Large Formation Sequential liegt für 3, 4 und 5 Punkte bei 106 Springern, gesprungen im September 2013 in Ampuriabrava, Spanien. Das soll nun auf der EAA überboten werden. Geplant ist, so Ed Scott, Executive Director des amerikanischen Fallschirmverbandes USPA,  ein 108-er mit 3 Punkten.

Der FlugundZeit-Blog wünscht allen Teilnehmern für den Rekordversuch im Sommer in Oshkosh:

Blue skies and safe jumps!

 

 

(An meine Fallschirmspringerkollegen: Ich habe in vielen Erklärungen vereinfacht. Die Zielgruppe des Blogs sind auch (Noch-)Nicht-Fallschirmspringer. My humble appologies)

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Zeit zum koordinierten Trennen der Formation, bevor in ebenso vorher abgesprochenen Gruppen die Springer zeitlich und meist auch leicht höhenversetzt ihre Schirme öffnen um Kollisionen in der Luft zu vermeiden.
Foto: Paraquedismo Sky Company, Brasilien

 

Fallschirmspringen und Eichhörnchen

Fallschirmspringen ist eben doch die schönste Art, zu leben. Zu spüren, dass man lebt. Kommt in diesem Blog oft zu kurz, und deshalb heute nochmals ein Z-Hills-Nachschlag. Zumindest Fotoweise.

Und damit auch die Nichtspringer ihr Ohh– und Ahh-Erlebnis haben, gegen Ende der Seite 🙂 Eichhörnchenbilder. Soll, so sagt man mir, auch gern angesehen werden. Natur (und Technik). (Vorsicht: Humor). Es wird im Flugundzeit-Blog auch wieder fliegerisch, und tierisch ernst, versprochen.

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Boarding completed. Der Zed-Flieger ist klar zum Losrollen. Man beachte die offene Plastik-Cargo-Türe, die von innen hochgerollt ist. (Hinter der Windsackstange)

 

 

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Es gibt viele Arten von Luftfahrern. Segelflieger, Fallschirmspringer, Gefiederte…
hklflug
Just plane fun!

 

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Schirmaufheben und Sortieren der Leinen nach der Landung.
Und jetzt zu den Eichhörnchen. Denn, während der Springer abends endlich in einem Restaurant etwas Vernünftiges zwischen die Kiemen bekommt, gibt es auch andere Lebewesen, die ihr Dinner geniessen.
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(c) alle Fotos: MS (hkl)

Skydive Zephyrhills!

hkl-jumpNach etlichen Regentagen hat sich die Sonne endlich durchgekämpft. Sogar die nächtlichen Temperaturen sind wieder mehr als nur 3 Grad. Da trauen sich sogar die Floridianer (die Locals) wieder auf den Platz. 🙂 Mich eingeschlossen.

TK hat sein Versprechen eingelöst: Es gibt ein wunderschönes und wirksames Anti-Bird-Sh*t-Cover über dem Patio. Vielen Dank!

Und, TK hat lehrreiche Informationstafeln für die Whuffos (=Nichtspringer) aufgestellt, die hier im Blog zur allgemeinen Info abgebildet sind. Sie sind aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Springergruppen auf Englisch. Aber wer sich mit Fallschirmspringen ernsthaft befasst, kommt ums Englische sowieso nicht herum.

Worum geht es? Was alles kann man als Fallschirmspringer in der Luft tun?

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Dem typischen weltweiten Fallschirmzeichen (mit einer Rundkappe) entsprechen heute maximal Lastenfallschirme. Sport- und Militärkappen sehen eher wie Luftmatratzen aus:

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Am ehesten kommt der Fußgänger (Whuffo) wohl mit dem Tandemsprung in Kontakt zum Fallschirmspringen. Ist auch in der Ausbildung das Erste, was er nach oder vor einem „Ground Course“ macht.

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Die nächste Tafel ist für Leute, die es tatsächlich bis zum Flugplatz schaffen, auf dem gesprungen wird.

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Das Folgende ist eher ungewöhnlich, habe ich aber auch schon auf der Sun ’n Fun mit dem Liberty Parachute Team durchführen dürfen: Ein militärischer Flag-Jump, heute in Z-Hills.
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flag2(c) alle Fotos: MS (hkl)

Fallschirmspringen – Why We Skydive

Dan Brodsky-Chenfeld ist ein Weltklasse-Skydiver – und ein hoch geschätzter Coach. In seinem Leserbrief im letzten „Parachutist“ fand ich es so treffend dargestellt, warum wir Fallschirmspringer unserem Sport frönen. Besser könnte ich es auch nicht ausdrücken. Da Fallschirmspringer nun einmal üblicherweise weltweit unterwegs sind und Englisch die Standardsprache ist, lasse ich den Text im Original.

Ready! Set! Go! beim Absprung sagen übrigens auch die Japaner (oder so ähnlich 🙂 ) und glücklicherweise auch die Deutschen. Denn bei: Auf die Plätze! Fertig! Los! denke ich eher an alte Turnschuhe als an Skydiven.

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Dan Brodsky-Chenfeld: Why we skydive
Many people who don’t jump have a funny, stereotype impression of skydivers. Some think we are a subculture of young, adrenalin junkies with a disregard for life who enjoy pushing the limits on every jump. Many of the movies that involve skydiving have not only backed that impression up, but have taken it a step further by making us into the likes of bank robbers and drug smugglers.

But one thing I’ve always loved about skydivers is that in reality we are the most diverse group of individuals you could ever find assembled in one place. Any given day on the drop zone, certainly at Skydive Perris, you will see skydivers from 18 to 80, from as many as 30 different countries (during big events), from every ethnicity, religion, sexual orientation and occupation. We are teachers, students, Generals, Privates, doctors, waiters, fireman, gardeners, policeman, secretaries, mechanics, construction workers, models, actors, journalists and entrepreneurs of all types. You name it, we’ve got em! But no matter the back ground, or financial status, when we walk on to the drop zone none of that matters. Everyone is equal.

The only thing I can think of which could possibly unite such an odd collection of individuals must be that skydivers share some kind of rare genetic disorder which makes us think that we are closer to being birds than we actually are.

There is one other thing that defines each and every one of us whether we’ve made one jump or thousands. We are all people who had a dream and dared to follow it through. Many people have dreams but far fewer have the courage to see them to fruition. Skydivers aren’t just dreamers. We are dreamers who backed it up with action. Action that was hard for us to take.

Most people who have made a jump dreamt about skydiving for years before they got up the courage to actually make it to the drop zone and do a first jump. Continuing after that is even more difficult. After each jump as new skydivers are working through the student progression towards their “A” License they experience feelings of exhilaration and freedom that are unmatched. Nothing else compares. They can’t wait for their next skydive.

But once they return home to their real world the excitement often subsides and common sense starts to take over. They start thinking of every reason to never to jump again. And there are many. For starters it’s dangerous and scary as hell, not to mention expensive, terribly inconvenient and time consuming. There are so many other things they could be doing with their time. Despite all that, their dream of flight is so strong that they find a way to make it happen.

Pursuing and achieving any dream proves to us that we don’t have to accept the status quo. That it’s actually possible to go after the things we want in life. I have seen many people who discovered this through skydiving then have the confidence and courage to pursue other dreams they had in business or relationships which were completely unrelated to skydiving.

I have two wonderful children and I couldn’t care less if they ever skydive. But I hope they find something to pursue in life that they are passionate about, something that keeps them up at night, that they can’t live without, something that will connect them with others who share that same passion. It doesn’t matter what it is, I just want them to have something they love like I love skydiving and people to share it with they love like I do skydivers.
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About Dan Brodsky-Chenfeld

A rising star in the international world of skydiving, Dan survived a plane crash which killed sixteen of the twenty-two people on board. He was left critically injured and woke up from a six-week-long coma with a broken neck, cracked skull, severe head trauma, a collapsed lung and other serious internal injuries. Against all odds, Dan recovered and went on to lead the USA 4 and 8 person Skydiving Teams to multiple World Championships. He also put together a team of 300 skydivers and set a new World Record for the largest Freefall Formation.

In his book Dan Brodsky-Chenfeld presents proven tools and techniques for success and explains how they can be used in everyday life: Above All Else: A World Champion Skydiver’s Story of Survival and What It Taught Him About Fear, Adversity, and Success