Frankfurter Buchmesse: Bücher und Fliegen

Ist ja ein Flugblog. Also gibt es heute den Fokus auf die Kombination Fliegen und Bücher. Obwohl ich sehr viel Spannendes anderes heute erlebt habe, aber dazu mehr ab morgen nacht, und dann wird es auch noch einen weiteren Schwerpunkt zum Thema Virtual Reality geben.

Links ein englisch/deutsches Kinderbuch aus Lichtenstein, das Cover von Sabine Bockmühl erinnert ein wenig an Zeichnungen von Helmut Mauch. Autor Michael Kindle ist selbst Pilot. Trotz des hübschen Umschlags ist Fliegen leider nicht das Thema des Buches.

Dann schauen wir mal weiter zur ausführlicheren Hintergrundberichterstattung von Luftfahrt. Nicht alles, aber vieles in Linienfliegerei begann mit dem Wasserfliegen. So auch die britische Fluggesellschaft Pan Am.

Der Airline, zwar bereits finanziell angeschlagen, aber noch gut am Funktionieren, brach nach langen erfolgreichen Jahren ein einziger Totalverlust (Lockerbie) das Genick.

Wäre schön, wenn sich das noch existierende Airlines als abschreckendes Beispiel mehr zu Herzen nehmen würden.

Wie erklärt es sich, dass Pan Am ein Vierteljahrhundert nach ihrem erschütternden Konkurs weiterhin Kultstatus genießt?

Um dieses Mysterium zu entschlüsseln, untersucht diese Publikation systematisch die Geschichte und das Corporate Design der Airline: von der exklusiven Welt der frühen Flugboote, deren Abenteuerlichkeit ins Staunen versetzt, bis zur Einführung der Jetmotoren in der heutigen Luftfahrt.

Rasant verwandelte sich das Flugreisen in ein Massenphänomen, unterstützt von gewaltigen Werbekampagnen. Pan Ams Corporate Design wurde weltberühmt.

Diese schönen, großformatigen Bildbände mit ausführlichen und gut recherchierten Hintergrundstories und Bildern publiziert der Berliner Verlag Callisto.

Von allen Büchern ist eine übergroße Premiumausgabe für rund 600 Euro erhältlich (das etwas größere Weihnachtsgeschenk, Weihnachten kommt bestimmt) und eine Standardvariante für etwa 60 Euro.

Die Fotos der Buchcover mit der kleinen Knipskamera werden dem Original nicht gerecht. Ein Sorry an den Designer.

Man sollte sich die Bücher im Original ansehen und dann fällt es einem Luftfahrtbegeisterten schwer, trotz des Preises nicht sofort die Scheckkarte zu zücken.

Piloten und alle anderen, die in der Linienluftfahrt zu tun haben, Wasserflugpiloten und Menschen, die ein außergewöhnliches Geschenk suchen, sollten sich die Bücher ansehen. Und natürlich auch alle, die sich mit Gestaltung, Design und Corporate Identity befassen.

Für die letztere Gruppe der Design Ästheten haben wir noch ein Buch entdeckt: Diesmal ist es ein Schweizer Verlag, niggli, der sich in einem seiner Bücher mit Firmenlogos, und da unter anderem mit dem Lufthansa Kranich auseinandersetzt. Dass im stilisierten, von Kindern schon mal liebevoll mit einer Gabel verwechselten Kranich, eine Metapher für sicheres Fliegen liegt, ist so vielleicht nicht jedem bekannt.

Preview: Frankfurter Buchmesse mit Virtual Reality

David Hockney ist sicher nicht jedermanns Fall als Künstler. Seine Präsentation bei der Eröffnungskonferenz zu seinem neuen, überdimensionierten Buch: A bigger Book war überraschend. Der Silver Drawer Hockney malt auf dem iPad und zeigte in genauen Einzelschritten, wie seine Bilder entstehen. Übermalt werden. Zu etwas neuem werden.

Das physische Werk (Auflage 250 Stück, Kosten: 4000 Euro) kann finanziell nur ein Flop werden. Wer hat Platz für so ein großes Buch außer einem Museum? Aber als Marketing Gag und taugt es allemal. Vielleicht ist es da gut investiertes Geld. Würde Hockney seine Präsentation als iPad App verkaufen, wäre das sicher auch finanziell der Renner.

Verschmitzt erklärt Hockney die Vorteile seiner Art zu Malen: „Man kann eine Farbe auch später immer exakt genau wiederherstellen, man kann übermalen, das Glas nimmt keine Striche als permanent an wie Papier und man hat immer genug Glas im Haus im Gegensatz zu Papier. Wer hätte gedacht, dass das Telefon Menschen wieder zum Zeichnen bringt.“

In den letzten Jahren hatten es bereits die Spiele- und Filmhersteller sowie das Selber-Publizieren als wesentliche Bestandteile auf die Buchmesse geschafft. Die einige Jahre sehr erfolgreiche, internationale Filmindustrie-Veranstaltung Storydrive ist leider nach Singapur abgewandert.

Der Nachfolger auf der Buchmesse heißt The Arts+

The Arts+ ist als Event für Kultur und Kreatives Business definiert. Also im weiteren Sinne thematisch auch Buch und mehr. Mit vielen Vorträgen, Diskussionen und der Preisverleihung des Global Illustration Awards am Donnerstag. Die Bilder sind von der Probe zur Tanzaufführung der Preisverleihung.

NIX hat mir bisher nichts gesagt. Welche Schande. Da steht der berühmte belgische Illustrator und Comiczeichner (richtiger Name: Marnix Verduyn) aber drüber. Charmant erklärt er mir, dass Monster eben zu einer Veranstaltung wie der Buchmesse passen und dass er deshalb für das täglich auf der Buchmesse verfertigte Comicmagazin jetzt einen Tintenfisch zeichnet.

Und dann verweist er mich noch auf die Freifläche Agora. Da steht ein knallrosa Container, in dem man nach Betreten einer Gehirnwäsche unterzogen wird und sich in eine seiner beiden Erfolgscharaktere Kinky oder Cosy (zwei Schwestern, die mit ihrer eigenen schrägen Logik und Naivität alles ins Chaos stürzen) verwandelt.

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Der Schreibtisch von oben, an dem ausgewählte Zeichner Material für die tägliche Zeitung liefern sollen.

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Und es geht für Zukunftstechnik-Liebhaber noch besser: Virtual Reality ist die neue Art, Geschichten zu erzählen.

VR ist dabei eher Erweiterung als Gegensatz zum gedruckten Buch zu sehen: Mit einer VR-Brille und Kopfhörern lassen sich beim diesjährigen Ehrengast Flandern & die Niederlande gleich drei virtuelle literarische Welten betreten: C.a.p.e. Drop-Dog (Halle 5.0 C89), kreiert vom Künstlerkollektiv CREW & Tonnus Oosterhoff ist die erste. Sie versetzt die Besucher mitten in zwei Kurzgeschichten des niederländischen Schriftstellers Tonnus Oosterhoff.

In der VR-Installation De Opera (Pavillon / Halle 4.1 Q66 / Halle 5.0 C89) von Daniël Ernst nimmt der Zuschauer an einer wundersamen Vorstellung aus dem Universum teil:  VR-Brille aufsetzen und schon erhält man einen Platz in einem Theatersaal und erlebt die „unmögliche“ Oper, deren Texte aus der Hand der flämischen Dichterin Maud Vanhauwaert stammen.

Out of Sight von Sara Kolster ist auf der Agora zu sehen. Die gezeichnete Virtual Reality-Welt entstand in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Jaap Robben und versetzt die Zuschauer in die Köpfe von der neunjährigen Lena und ihren Vater.

Am Stand von Taiwan (Halle 4.0 D 50) verwandelt sich ein Bilderbuch in einen dreidimensionalen Raum. Mit dem Head-Mounted Display HTC Vive tauchen Betrachter in das neueste Werk von Jimmy Liao mit dem Titel All of My World is You ein und können mit den Figuren interagieren.

Am Messe-Freitag und -Samstag zeigt eine interaktive Produktpräsentation der KODAK Pixpro 360/4K Action Cam auf dem THE ARTS+ Runway (Halle 4.1 P53), wie 360° VR-Videos entstehen.

Beim Expert Talk sprechen VR-Experten wie Sven Häberlein (VR Producer/Film Director, CEO, Trotzkind GmbH), Michael Hooper (General Manager, Text International GmbH) und Arne Ludwig (Managing Director Headtrip und Vorsitzender EDFVR) über Potenziale und Möglichkeiten von Virtual Reality in Bezug auf die Kreativwirtschaft.

Am gesamten Messe-Wochenende können Besucher im THE ARTS+ Salon (Halle 4.1 Q109) in Kooperation mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality (EDFVR) Filme, VR-Games und –Kunstinstallationen erleben.

Zeit und Ort der VR-Veranstaltungen

19.-23. Oktober, ganztägig: C.a.p.e. Drop-Dog (Halle 5.0 C89), De Opera (Pavillon / Halle 4.1 Q66 / Halle 5.0 C89), Out of Sight (Agora), All of My World is You (Halle 4.0 D 50)
22.-23. Oktober, ganztägig: Virtual Reality im THE ARTS+ Salon Halle 4.1 Q109
21. Oktober, 12.30–13.15 Uhr: „Expert Talk“ im THE ARTS+ Salon Halle 4.1 Q109
21. Oktober, 14.30-15.00 Uhr und 22. Oktober, 11.15–11.45 Uhr: Kodak Action Cam, Halle 4.1 P53

 

Alle Bilder (c) Kleisny

ZÜP für Journalisten

Update einige Stunden (und drei Telefonate mit der BP) später:

Laut BP ist es zwar eine Zuverlässigkeitsüberprüfung, aber keine ZÜP (Zuverlässigkeitsüberprüfung). Verstehe das, wer wolle. Der Unterschied liege darin, dass zwar genauso gründlich wie bei der ZÜP untersucht werde, aber als Resultat kein Dokument erstellt wird, sondern eine Rückmeldung des Resultats an die Buchmesse geschieht, was aber offensichtlich von der BP nicht als Dokument gesehen wird. Das „Dokument“ bei den Piloten ist auch nur ein gewöhnliches Din-A4 Blatt, auf dem sinngemäß Folgendes steht: „Nach den vorliegenden Erkenntnissen liegt zurzeit für Person X nichts vor.“

Es muss einen Grund geben, warum Piloten für dieselbe Sache ordentlich berappen müssen und Journalisten nicht…

Und noch ein Foto für alle Offiziellen, die andere auf ihre Meinung – im lockeren Gespräch versteckt – abklopfen müssen. (Die Weisheit der Alten: „Bellende Hunde beißen nicht“ gilt noch immer. Nur ein Vollidiot würde sich so in Posts offenbaren, wenn er etwas Böses beabsichtigt.)

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Zur lockeren Under Cover Befragung:
So unauffällig wie ein Stealth Zeppelin…

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Originalpost:

Die für Piloten unsinnige und nur in Deutschland notwendige Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP) für alle Piloten durch die Polizei ist nun auch für alle Journalisten, die zur Eröffnungskonferenz der Frankfurter Buchmesse akkreditiert sind, notwendig.

Die Fragen, die sich mir dabei stellen, kann mir unter der angegebenen Telefonnummer beim Bundespolizeipräsidium leider keiner beantworten. Dort kam auf die Frage nach der ZÜP so in etwa die Rückfrage: Kann man das essen? Schlichtweg kein Plan und keine Ahnung. Auch eine Mail an die im Formular ebenso angegebenen Emailadresse kam als unzustellbar zurück.

Tatsache ist, dass zumindest für Piloten diese unfreiwillige Überprüfung Geld kostet. Wer bezahlt das im Falle der Journalisten? Oder kriegen die das umsonst? Besser: kostenfrei? Wenn ja, warum müssen dann Piloten zahlen?

Normalerweise kann man nur eine ZÜP beantragen und wenn die vorliegt, gibt es keine weitere. Was mache ich nun als Pilot, der bereits eine hat und schon mal bei der Anforderung einer weiteren zurückgewiesen wurde, als ich eine „neue“ brauchte?

Und: Muss man unbedingt einen Autor zur Eröffnungskonferenz einladen, der all dies verursacht? Kann man diese beiden Termine (Eröffnungskonferenz und Autor-Präsentation) nicht trennen? Es gibt sicher genug andere Kollegen, die wie ich, nur an einem der beiden Events Interesse haben.