Die Zukunft der Luftfahrt: Ansätze zum Nachdenken und Handeln

Bringing Digital Disruption to the Industrie – also die komplette Zerschlagung der Luftfahrtindustrie wie wir sie kennen, war der hoch angesetzte Titel einer Konferenz in London. Die einzelnen Panels und Vorträge hielten durchaus dem provokativen Motto dieses Aerospace und Aviation Summits stand.

Jedem von uns ist die Sammelwut für unsere persönlichen Daten bekannt und manchmal auch bewusst. Aber irgendwie denkt man dabei Weiterlesen

Wissenschaftler und Journalisten – zwei Welten?

Ulrike Kaiser*, Sprecherin der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) hat sich den Fragen des FlugundZeit-Blogs gestellt. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!

Sie sagten, heute gäbe es kaum mehr Journalisten, die auf anderem Berufsweg zum Journalismus kommen, also kaum mehr Quereinsteiger. Gilt das auch für Wissenschaftler, die sich spät zum Journalismus berufen fühlen, ohne eine journalistische Ausbildung gemacht zu haben? Wie sieht die Situation da heute aus?

Unter den klassischen „Quereinsteigern“ verstehen wir überwiegend jenen journalistischen Nachwuchs, der – nach einer Berufsausbildung – ohne Studium, manchmal sogar ohne Abitur in den Beruf kommt. Da waren in der Vergangenheit zum Beispiel häufig Bankkaufleute, aber durchaus auch Handwerker, zum Beispiel aus medienaffinen Bereichen. Dies ist inzwischen die absolute Ausnahme. Allerdings gab und gibt es immer Verbindungen zwischen anderen akademischen Berufen und Journalismus – sei es im Bereich des Wissenschaftsjournalismus, wo die spezifischen Fachkenntnisse plus journalistischer Kompetenz gefragt sind, oder in allgemeinen journalistischen Ressorts. In der Regel wird dann ein Volontariat vorausgesetzt. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Auch Spätberufene haben, vor allem, wenn sie in ihrem Fachgebiet journalistisch publiziert haben, eine Chance.

Was halten Sie von der Wissenschaftskommunikation heute? Entspricht sie den hohen journalistischen Qualitätskriterien? Auch der Verständlichkeit?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Ich freue mich, dass es insgesamt mehr Bemühungen gibt, den Wissenstransfer journalistisch zu fördern – durch entsprechende Vereinigungen, durch Kongresse wie die Wissenswerte, durch entsprechende Diskussionen gerade auch in akademischen Fachgremien. Allerdings könnte das noch weit mehr sein. Dabei schließe ich selbst das „eigene Fach“, also die Journalistik und Kommunikationswissenschaft, nicht aus. Auch dort gibt es so viele praktisch verwertbare Erkenntnisse, die kaum in die Praxis vermittelt werden. Wobei ich zugeben muss, dass gerade im Journalismus auch noch viele Vorbehalte gegenüber dem „eigenen“ Fach bestehen. Hier gibt es noch viel nachzuholen.

Was würden Sie einem ausgebildeten und erfolgreichen Wissenschaftler (so um die 30 oder 40) raten, der in den Journalismus will?

Frühzeitig den Kontakt zur Praxis suchen, sich mit eigenen Veröffentlichungen, die über das Fachpublikum hinausgehen, als jemand präsentieren, der verständlich über das eigene Wissensgebiet berichten kann, der es versteht, die Relevanz des Forschungsbereichs für die Allgemeinheit darzustellen. Wenn er oder sie dann hauptberuflich (und nicht nur als gelegentliche/r Autor/in) in den Medien arbeiten will, wird es noch einmal um eine (vielleicht verkürzte) Ausbildung gehen. Mit 30 oder 35 Jahren bildet er/sie unter den anderen Volontären keine Ausnahme. Ich weiß aber, dass das für viele bereits etablierte Wissenschaftler/innen auch finanziell unattraktiv ist.

Es gibt immer weniger Fach-Journalisten, die fundierte Ausbildung und Fachwissen in dem Gebiet haben, worüber sie schreiben; auch in den großen Medien. Gibt es auf der anderen Seite genügend Wissenschaftler, die ihren Bereich allgemeinverständlich darstellen und das so, dass man es auch gerne sehen oder lesen möchte?

Reine Zahlen zumindest sprechen gegen die erste These in Ihrer Fragestellung: Es gab nie so viele Akademiker aus sehr unterschiedlichen Wissensbereichen im Journalismus wie zurzeit. Also sollte das Sachwissen aus dem studierten Gebiet vorhanden sein. Deutlich wird aber auch, dass dabei Geistes-und Sozialwissenschaften im Vordergrund stehen. Naturwissenschaften, Technik oder Informatik spielen eine geringere Rolle. Das mag daran liegen, dass diese Fächer eine weniger starke Affinität zur Kommunikationspraxis haben. Wer selbst gerne schreibt und liest, wird sich eher der Germanistik verbunden fühlen als der Mathematik; wer sich für gesellschaftlichen Kommunikation interessiert, wird möglicherweise eher ein sozial- oder kommunikationswissenschaftliches Fach wählen als Medizin oder Biologie. Daher herrscht in bestimmten Fachbereichen ein Mangel im Journalismus. Wissenschaftler sind es dann auch eher gewohnt, für ein Fachpublikum zu publizieren als für die Allgemeinheit. Bestimmte fachspezifische und damit für den Laien schwer verständliche Sprache gilt auch nach wie vor als Ausweis für Wissenschaftlichkeit. Diese Hürde hat ein Wissenschaftler zu überwinden, der fürs breite Publikum schreiben will. Das muss er wollen und lernen.

Geht der Journalismus in die Richtung, dass die (Art der) Darstellung (Multimedia) der Fakten wichtiger wird als die Fakten selbst?

Selbstverständlich verführen die neuen, vielfältigen Möglichkeiten der Präsentation und Vermittlung dazu, viel zu experimentieren. Das kann den Journalismus unter dem Strich aber nur bereichern. Die Digitalisierung eröffnet Journalistinnen und Journalisten so viele Darstellungs- und Verbreitungsplattformen, die allerdings auch jeweils spezifische Kenntnisse voraussetzen. Und entsprechende Zeit, sie verantwortlich umzusetzen bzw. zu bedienen . Gerade an Letzterem scheitert manches: Die Arbeitsverdichtung in den Redaktionen hat dazu geführt, dass mehr Wege in weniger Zeit „bespielt“ werden müssen. Das birgt die Gefahr von Fehlern. Es sind also nicht die Darstellungsplattformen selbst, die diese Gefahren verursachen, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen journalistisch gearbeitet wird.

Was kann man dagegen tun? Tut irgendwer etwas dagegen?

Journalistinnen und Journalisten selbst haben diese Gefahren seit langem erkannt und gehen berufspolitisch oder gewerkschaftlich dagegen vor. Allerdings mit begrenztem Erfolg, kämpfen sie doch in einer insgesamt krisenhaften Situation, in der vor allem die klassischen Medien mit ihren Sparmaßnahmen die Situation noch eher verschärfen als entspannen. Vereinigungen wie die Initiative Qualität im Journalismus (IQ) versucht, Problembeschreibungen und Perspektiven im Diskurs zu thematisieren. Best practise und der Austausch zwischen möglichst vielen Beteiligten aus Praxis und Wissenschaft stehen bei uns im Vordergrund.

Sind Instagram/Youtube/Blogger-Helden die neuen Journalisten? Wie sind sie einzuordnen?

Diesen Anspruch erheben nicht einmal sie selbst. Häufig ist es schlicht ein Interessengebiet, manchmal auch ein Selbstdarstellungsbedürfnis, das sie in die sozialen Netzwerke führt. Sie erweitern damit die gesellschaftliche Kommunikation, das ist ein Vorteil an sich. Sie sind teilweise gute Informationsquellen für recherchierende Journalisten, wie nachrichtlich interessierte Blogger sich umgekehrt auch häufig aus den klassischen Medien bedienen. Aber sie unterliegen nicht den Kriterien, die für professionellen Journalisten gelten und die im Pressekodex und in allgemeinen Gesetzen festgeschrieben sind. Sorgfalt, Recherche, Fairness, Relevanz, Transparenz – das sind Kriterien des professionellen Journalismus. In den meinungsgeprägten und individuell orientierten sozialen Netzwerken ist das kein Standard.

Der Elfenbeinturm ist passe – wie sehen Sie die Zukunft der wissenschaftlichen Kommunikation an die Allgemeinheit? (Wer macht da was?)

Noch unterbelichtet – da bleibt viel zu vermitteln. Von Wissenschaftlern, die sich in die breite Öffentlichkeit trauen. Von Journalisten, die nicht alles, was nach Universität riecht, gleich einem Elfenbeinturm zuordnen und damit „abhaken“. Meine Hoffnung besteht gerade darin, dass sich beide Bereiche schon in der Journalistenausbildung begegnen und dass die „Theoriefeindlichkeit“ von Journalisten mit den jüngeren Generationen überwunden wird. Wissenschaft wie Medien sind gesellschaftlich relevante Bereiche, die sich der Gesellschaft selbst viel besser vermitteln müssen, wenn sie sich weiterhin auf deren Akzeptanz und Unterstützung verlassen wollen.

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* Ulrike Kaiser ist freie Medienfachjournalistin, Sprecherin der Initiative Qualität im Journalismus (IQ). 1985-2007 Chefredakteurin journalist, zuvor 1981-1985 Bildungsreferentin Haus Busch (Hagen) und 1970-1976 Volontärin/Redakteurin „Rheinische Post“. 1976-1980 Studium Pädagogik Psychologie, Soziologie Uni Bielefeld, Prädikatsabschluss Dipl.-Päd. Diverse ehrenamtliche Tätigkeiten in journalistischen und medienpolitischen Gremien, 2007-2015 stellv. DJV-Bundesvorsitzende. Mitglied der LfM-Medienkommission NRW, des Rats für deutsche Rechtschreibung und des Beirats von Transparency Deutschland. Deutscher Preis für Medienpublizistik 2005.

Bewerben: Prämie für Webvideos

Bereits zum zweiten Mal rufen Wissenschaft im Dialog (WiD) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Webvideo-Wettbewerb „Fast Forward Science“ aus:

Wir suchen die unterhaltsamsten Geschichten aus dem Labor, die verständlichste Erklärung der Thermodynamik oder den emotionalsten Videotagebucheintrag eines Althistorikers!

Webvideomacher oder Kommunikationsprofis können bis zum 31. August 2014 ihre Videos zu aktuellen Forschungsthemen aus allen Disziplinen bei Wissenschaft im Dialog einreichen. Die Herausforderung – die Videos sollen zugleich unterhalten, wissenschaftlich fundiert und verständlich sein. Für Low-Budget-Produktionen gibt es eine eigene Kategorie.

Webvideo-Wettbewerb Fast Forward Science – Onlinevideos zu aktuellen Forschungsthemen gesucht: Die Informationen und Teilnahmebedingungen

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🙂 Und, da es offensichtlich mehr Menschen gibt die sich mit den Auswirkungen der Technik in der Zukunft mental befassen, ein aktueller Reminder: heute abend um 21:45 auf Arte geht es mit den Real Humans, 2. Staffel, weiter.

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Ergänzung 16.5. nach Ausstrahlen der ersten zwei Teile von Staffel 2:

Ich nehme meine Empfehlung zumindest für die bisher gezeigten beiden Beiträge von ST2 zurück. Wer Brutalität mit Spannung verwechselt, hat bei mir als Zuseher nichts verloren. Das erinnert bisher mehr an ein Mord- und Totschlag-Computerspiel (wäre zum Zeitvertreib in Ordnung, ist aber für mich nicht ausreichend als Denkanregung) als an einen Anstoß für zukunftsträchtiges Voraus- und Weiterdenken.

Spannung erzeugt man im Kopf des Zusehers und nicht mit Blut und herum fliegenden, abgeschlagenen Köpfen und anderen Körperteilen. Igitt!

Der einzige Cliffhänger, über den es sich nachzudenken lohnt, ist der Klon des (toten) Großvaters:

  • Möchte man den eigenen geliebten Partner nach seinem Tod als (nicht vollwertige) künstliche Kopie weiter um sich?
  • Ist das nur eine logische Fortsetzung zu Betrachten von Fotos und Videos mit Verstorbenen oder
  • ist das komplett daneben?

 

 

Wissenschaftsjournalismus ist offenbar irgendwie anders

In den 1980er Jahren war die Welt noch in Ordnung. Gefühlte zweimal die Woche erklärten ältere bärtige Männer uns im Fernsehen die Welt. Beliebte Themen: Das Weltall und seine Unendlichkeit, Atomenergie und Waldsterben. Das Ganze hatte gelegentlich auch Unterhaltungswert, war aber aus heutiger Sicht sehr professoral und belehrend…

«Wissenschaftsjournalismus ist offenbar irgendwie anders», meinen der Vorsitzende der Wissenschaftspressekonferenz, Martin Schneider, und der Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft, Carsten Könneker.

Hör-Tipp: Wie geht Science-Kommunikation heute? Mitschnitt einer Redaktionskonferenz von DRadioWissen.

Der direkte Audiolink zur Sendung

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