KI und die Buchmesse Frankfurt 2018

(c) Holger Volland

Ja, Bücher gibt es auch noch. Große, kleine, schöne, edle und billige, auf stinkigem Papier gedruckt.

Zwar werden die angestammten Verlage weniger, sie fusionieren sich (zu Tode), dafür nimmt die Anzahl kleinerer Verlage zu, sie haben aber nicht die Bedeutung der alten, und alles macht auf Künstliche Intelligenz (KI), im englischen AI (Artificial Intelligence). Weiterlesen

Buchmesse 2015: Mittwoch

Über die Frankfurter Buchmesse wird international genug berichtet und weil da üblicherweise 😉 Bücher im Vordergrund stehen, tun sie es im FlugundZeit-Blog nicht.

Die Storydrive (Veranstaltung zur Verbindung zwischen Film und Buch, sozusagen interdisziplinär) gibt es doch. Zumindest der Name ist geblieben. Allerdings sind die Events in 2015 primär one on one zum Connecten, wie es auf amerikanischen Autorenmessen üblich ist und die Information, der spannende Einblick hinter die Kulissen, ist auf ein Minimum geschrumpft, und wenn, dann sehr aus deutscher Sicht. Schade. Connecten kann ich auch ohne Event, wenn mich die Menschen und ihre Leistungen, ihr Werk, dafür genug interessieren.

Weiter geht es mit einigen ausgewählten Bildern vom heutigen Tag:

Leute, es ist Buchmesse. Buch. Nicht Handymesse. Es geht um Menschen, Kunden – Besucher genannt. Kleiner Tipp: Standpersonal, das sich mit sich oder seinem Handy beschäftigt, macht den Besucher nicht an.
Viele Verlage haben Malbücher für Erwachsene im Programm. Das Selber-Ausmalen von Ornamenten, im englischen unter „Zentangle“ bekannt, ist wohl als Trend nach Deutschland geschwappt. Was auf der Buchmesse dazu gut ankommt, sind Stellwände bei Verlagen, an denen sich gestresste Besucher mit Farbe abreagieren können.
Bücher aus dem Kunstbereich (Halle 4, Ebene 1). Sieht für mich eher abtörnend aus. Man müsst mir schon sehr viel bezahlen, damit ich das in den Wohnbereich integriere.
Und noch ein Kunstwerk: Ausgehend von fertigen Konstruktionszeichnungen, die der Künstler zunächst schwarz-weiß übermalt hat, entsteht durch farbiges Ausmalen ein buntes, sehr ungewöhnliches Leporello. Für 800 Euro (Messepreis) wandert der schwarz-weiße Bildband ins eigene Wohnzimmer.
Das Klassenzimmer der Zukunft gibt es schon seit vier Jahren auf der Buchmesse. Heuer ist es auf großem Raum sehr präsent und mit vielen spannenden Experimenten (leider nur für Schüler) gefüllt. 3D-Drucker interessieren auch ältere Semester und Mindbots und Covergestaltung (siehe Bild) ebenso.
Auch aus dem Klassenzimmer der Zukunft: Lego Roboter, von Studenten der RWTH Aachen ferngesteuert. Leider darf man hier – im Gegensatz zum letztjährigen British Science Festival in Birmingham nicht selber Hirn und Hand anlegen. Aber immerhin versucht die Firma (Lego) wohl auch hierzulande mit solchen Aktionen neue Kunden zu gewinnen. Schulklassen konnten sich im Vorfeld zum Experiment anmelden.
Als sich diese Jungs und Mädels so schnell in den Mauervorspung schachtelten, guckte selbst ich komisch. Sekunden später kam die Aufklärung in Form einer PR-Frau, die das als erste Aktion einer neuen österreichischen Kulturkampagne enthüllte…

Ergänzung Oktober 2019: Habe gerade herausgefunden, dass die Aktion wohl zu Willi Dorner’s Bodies in Urban Spaces gehört. Willi Dorner ist ein Wiener Balletttänzer und Aktionskünstler.

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…Weitere Sekunden später war auch schon ein Schwarm von Kameraleuten und Handyknipsern da und wollte vor allem (wie ich) nichts verpassen. 🙂

Filmusik: Der Tango im Tatort

TV-Tipp: Tatort am Sonntag Abend, 1.2.

Schon Altmeister Alfred Hitchcock setzte Musik treffend ein, um die Kälteschauer, die dem Zuseher den Rücken herunter rieseln sollen, zu verstärken. Bild und Ton soll zu einer Einheit verschmelzen, oder das eine dem anderen vorauseilen um die bestimmte Stimmung in einer Filmszene zu erzeugen.

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Detail aus Frank Heckel’s Manuskript zum »Tango Colonuevo«. Diese Passage ist – sagt der Komponist – im Film leider nicht zu hören. (c) Frank Heckel

Wie ein Komponist es schafft, sich in die Situation des/der Filmprotagonisten zu versetzen und so deren Gefühle musikalisch wiederzugeben oder zu verstärken, können wir am morgigen Tatort nachvollziehen.

Komponist Frank Heckel erhielt vom WDR den Auftrag, für den morgigen Tatort einen Tango als Filmmusik zu schreiben. Eine Woche nur hatte er Zeit, die Vorgaben von Regisseur Andreas Kleinert umzusetzen.

Aus den stilistischen Anweisungen an den Komponisten: „Kraft, Würde, Zuversicht, Schmerz, eben die ganze Ambivalenz des Tango Nuevo“ hineinzulegen, entstand Heckels „Tango Colonuevo“.

Die Schwierigkeit für einen Komponisten, Filmmusik zu schreiben, besteht darin, dass aus Kosten- und Zeitgründen in der Praxis alles meist gleichzeitig entsteht, was eigentlich in geordneter Form nacheinander sinnvoll wäre: (Änderungen am) Drehbuch, Schnitt der Szenen und Einbau der Musiksequenzen. Filmmusik taktgenau an die Einstellungen anzupassen gleicht so einer Quadratur des Kreises.

Kaum hat man etwas fertig, Musik zu einer in etwa fertigen Szene komponiert, schon wird sie neu geschnitten, gekürzt oder sonstwie verändert. Das erfordert Können, vollen Einsatz und Nerven wie Drahtseile. Einen Profi eben, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und trotzdem bezaubernde Musik für den Zuseher erstellen kann.

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Der Komponist in der zweiten Reihe hinter dem Dirigenten. Oder ist das die nullte Reihe vor dem Dirigenten? (c)Bildquelle: WDR/ Martin Valentin Menke.

In guten Fällen geht es auch anders und der Komponist führt gleich mit Regie: Bei der Uraufführung des Werkes im WDR Funkhaus dirigierte Frank Heckel die Kamerafahrt von Johann Feindt. Schließlich weiß der Komponist am besten, wann welcher Takt im Tango kommt. Am Ende der Kamerafahrt zeigt das Bild die Schauspielerin Laura Sundermann, die die Cellistin Julia Koch spielt.

Viel Spaß beim spannenden Tatort: „Freddy tanzt“ (So, 1. Februar im Ersten)

Ulises – Nanosatellitenstart als Space Opera

Künstler wagen sich auf unbekanntes Terrain. Das ist im Prinzip nichts Neues.

Ein wenig outgespaced ist es allerdings schon, was Juan José Díaz Infante bereits seit 2010 anvisiert – hier auf der Kosmica in London. Aber: „Warum sollen immer nur die Wisssenschaftler ihren Spaß beim Satellitenstart haben“. (Nun ja, 🙂 da gäbe es einige Gründe…)

Schon der Start wird als Oper zelebriert. Ein Satellit als „Instrument“, das eine Oper „aufführt“…
Passenderweise zum Aufbruch in komplettes Neuland für die Künstler heißt der Nanosatellit Ulises-I.

Ulises soll nun in 2014 vom Königreich Tonga im Südpazifik abheben zu einer polaren Umlaufbahn. Drei Monate soll die künstlerische Reise/zeitgenössische Oper/Performance dauern. Die Signale sollen über Amateurfunk auf dem 433-MHz-Frequenzband zu empfangen sein.

Juan José Díaz Infante ist Fotograf, Kurator und Direktor der Mexican Space Collective. Diese Gruppe von elf Künstlern möchte der mexikanischen Bevölkerung, die geprägt ist von Drogenkriegen und Chaos im Alltag, durch ihre Aktionen Inspriation und Hoffnung geben. Der Satellitenlaunch soll eine Plattform für künstlerische, ästhetische Experimente bieten, die den Horizont unserer täglichen Alltagswelt erweitern.

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Anmerkung am Rande:

Die Frage kommt bestimmt, warum sich ein deutsches Luft- und Raumfahrt-Blog mit mexikanischen Künstlern beschäftigt und nicht mit dem Wiederwecken der Rosetta Sonde, einem Ereignis, das die letzten Tage auf allen Informationskanälen rauf und runter gekaut wurde.

Genau deswegen.

Für die beteiligten Wissenschaftler war es das Ereignis, nach jahrelangem Warten. Das kann ich nachvollziehen.

Als Wissenschaftsjournalist, der vor knapp 10 Jahren den Start der Sonde live miterleben durfte und das Thema bereits damals des Langen und Breiten verarbeitet hat, war diese Woche technisch nichts Neues zu vermelden. Alle Informationen zur Mission, die in der Presse ausgewalzt wurden, sind seit einem Jahrzehnt veröffentlicht.

Wenn es also hier etwas zum Thema Rosetta und dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko gibt, dann muss sich das von den derzeitigen Presseberichten unterscheiden. Mal sehen. 😉