Update1: A400M in Spanien bei Testflug abgestürzt

Update 3.6.2015

Nach Aussagen von Airbus ist der Absturz der A400M auf dem Erstflug des betroffenen Flugzeugs am 9.05.2015 auf falsch installierte Software zurück zu führen.

Demnach hätte die Überprüfung der Black Boxes ergeben, dass kein strukturelles Problem vorliegt, sondern ein Qualitätsprobleme im Zusammenbau. Die Software, die die Triebwerke steuere, laufe problemlos. Außerdem seien alle bereits in Betrieb befindlichen A400M überprüft worden und seien vor diesem Fehler geschützt.

 

Update 19.5.2015

Es ist ein Softwarefehler in der elektronischen Steuereinheit für die Triebwerke (ECU), der den militärischen Airbus A400M bei Sevilla abstürzen ließ. 1:1 kann dieser Fehler glücklicherweise nicht bei zivilen Airbus-Flugzeugen auftreten, da diese mit komplett anderen Triebwerken fliegen (Jet-Triebwerken statt Turbo-Props).

Airbus gab heute eine AOT (dringliche technische Empfehlung des Herstellers“, Alert Operator Transmission) an die Betreiber dieses Flugzeugtypes heraus.

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Was man sich als Passagier in einer ruhigen Minute durch den Kopf gehen lassen sollte, sind folgende Zeilen:

Zitat (Spiegel Online):

Kurz nach dem Start der Testmaschine hatten drei (der vier – Ergänzung hkl) Triebwerke von den Computern widersprüchliche Befehle erhalten und daraufhin die Leistung abgeschaltet.

Zitat (Zeit Online):

Aus Airbus-Kreisen hieß es, die Piloten hätten nichts unternehmen können, um die Triebwerke wieder zu starten…

Sie hätten zwar versucht, das Flugzeug zurück zum Flugplatz zu steuern, konnten es aber nicht mehr kontrollieren.

Soso. Wenn die viel gepriesene Hochtechnologie nicht mehr weiter weiß, schaltet sie ab. Schlimmer noch, sie overruled den Menschen, der vielleicht noch ein besseres Ende herbeiführen hätte können.

Abschalten – das kann man bei einem Auto machen, es rollt dann eben an den Strassenrand. Bei Triebwerken in der Luft (gefährlichste Phase kurz nach dem Abheben) endet das für die anwesenden Menschen meist tödlich. Das Thema hatten wir im FlugundZeit-Blog schon mehrfach. Leider verliert es nicht an Aktualität. Es erhält nur weitere Brisanz durch diesen Vorfall.

 

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Die Fakten:

Am 9. Mai 2015 ist ein militärischer Airbus A400M bei einem Testflug in der Nähe von Sevilla abgestürzt. Von den sechs Personen an Bord (Piloten und Techniker) überlebten vier den Absturz nicht und zwei sind schwer verletzt.

Hintergrundwissen:

Seit den 1980er Jahren wollen die Militärs der Welt einen modernen Nachfolger für die beliebte und weltweit stark eingesetzte Transall. Der Weg bis heute war lang. Im September 1994 war ein 1:1-Modell der A400M unter dem Namen Future Large Aircraft (FLA) auf der Luftfahrtmesse in Farnborough ausgestellt (und wenn ich Zeit habe, in meinem Archiv zu kramen, dann gibt es hier später ein Foto davon). Ein Jahr später ging das Projekt vom EuroFlag-Konsortium zu Airbus über.

Heute ist der A400M weltweit das größte militärische Transportflugzeug mit Propellerantrieb. Es ist umstritten und löste in Qualität und Ansprüchen (Preis-/Leistungsverhältnis) bei den einzelnen Militärs und Staaten viele Diskussionen aus.

Bisher ist die A400M an fünf Staaten ausgeliefert: Großbritannien, Malaysia, Deutschland, Frankreich und die Türkei. Seit Dezember 2014 hat auch die Bundeswehr eine A400M, die aufgrund des Absturzes in Sevilla zurzeit gegrounded ist. Das abgestürzte Flugzeug war nach Herstellerangaben für das türkische Militär bestimmt.

Ein Testflug ist ein Flug, bevor das jeweilige Flugzeug zugelassen ist. Er wird (je nach Teststadium) von speziell ausgebildeten Piloten durchgeführt und die gehen bei diesen Flügen an die Grenzen der Normen, die ein normaler Pilot später anwenden/fliegen darf. Dies betrifft Geschwindigkeiten, Querlagen, Belastungen und viele andere technische Faktoren.

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Hinweis: Eigentlich sind militärische Vor- und Unfälle nicht Gegenstand dieses Blogs. Militärs haben andere Ansprüche an Flugzeug und Piloten als zivile Gesellschaften. Die A400M ist allerdings auch zivil zugelassen, was die Sache technisch wesentlich komplexer macht und auch, weil es zurzeit noch vollkommen offen ist, ob die Unfallursache nicht auch Auswirkungen auf zivile Airbus-Flugzeuge haben kann, ist der Absturz hier aufgenommen.

Airbus Military erhielt am 13. März 2013 für den A400M die vollständige zivile Musterzulassung von der europäischen Zulassungsbehörde EASA.

Absturz einer Hercules C130 in Algerien

Zum gestrigen Absturz einer Militärmaschine in Algerien ist außer den üblichen Vorverurteilungen/Vermutungen (schlechtes Wetter, Weight&Balance?) Unfalluntersucherisch zurzeit nichts zu sagen.

Was mich aber entsetzt – wieder einmal – ist die sensationsgetriebene Berichterstattung; bar jeden Nachdenkens und Nachfragens VOR der Veröffentlichung: 100 Tote (Zivilisten mit eingeschlossen) sollen es ursprünglich gewesen sein.

Wenn man schon fliegerisch keine Ahnung hat, sollte man als Journalist wenigstens recherchieren können. Eine Hercules C130 ist im Standardfall für 92 Passagiere (auf den militärischen Klappsitzen) ODER für 54 zivile Passagiere bei normaler Flugzeugbestuhlung zugelassen.

Da wäre schon die erste Nachfrage bei einer seriösen Berichterstattung fällig. War es also Überladung – was in stark turbulenter Luft in den Bergen sicher zu fliegerischen Problemen führen wird? Oder, wie seriös ist die Quelle, aus der der Journalist frech und frei abschreibt?

Sicherheitskreise? Vielleicht wären Quadrate zuverlässiger? Oder Sicherheits-Rhomben?
Staatliche Stellen? Wer hat in welchem Land was gesagt? Die algerischen Flugunfalluntersucher haben hoffentlich keine derartigen Informationen in die Welt gesetzt. Aber vielleicht war es ja das Ernährungsministerium… Staatlich klingt sicher gut und seriös. Egal, wer dahinter steckt.

Nach mehreren Updates und einem Tag später einigten sich die (Internet-)Medien dann auf 77 Tote.

Dass, Zitat WAZ: „die Kommunikation zwischen Flugsicherung und Cockpit vor dem Absturz beim Landeanflug auf den Flughafen der Stadt Constantine abgebrochen sein soll“ ist für die Ursache des Unfalls komplett irrelevant. Nur, weil kein Lotse mehr mit einem spricht, ist noch kein Flugzeug vom Himmel gefallen. Dass aber der Funkkontakt abbricht, wenn eine Maschine einerdet, ist normal. Und keiner Erwähnung wert.

Also bitte liebe Kollegen: Mehr Recherche VOR einer Veröffentlichung. Was ist wichtig, was gehört zum Vorfall, was nicht? Vor allem, wenn Luftfahrt ansonsten nicht zum eigenen Tagesgeschehen zählt.

Die Unsitte, erst einmal irgend etwas im Netz zu veröffentlichen; die Kommentatoren und anderen Websites werden es schon richtigstellen, ist leider mittlerweile gängige Praxis auch von allgemein als seriös angesehen Medien.