Schneller TV-Tipp: Claude Dornier und die Wasserflieger

16. August 1921: Claude Dorniers Libelle vor ihrem Erstflug am Bodensee. Ein Schelm, wer in dem schnittigen Wasserflugzeug mit nach hinten klappbaren Flügeln einen Vorgänger der modernen amerikanischen Icon sieht.

Der TV-Tipp kommt etwas spät – nur noch bis heute Abend ist die 90-minütige Dokumentation in der Arte-Mediathek zu sehen.

Die Sendung wird allerdings Weiterlesen

Weihnachtsbücher 2: Frühstück vorm Fliegen…

Wasserfliegen ist die schönste und erfüllendste Art abzuheben. Zugegeben, 😉  diese Sicht mag etwas persönlich gefärbt sein, trotzdem bietet Wasserfliegen einiges mehr als das Fliegen mit konventionellem Fahrwerk. Zum Beispiel auch kreisförmige Startbahnen mit dem Abheben in der Kurve – bei Landflugzeugen ein absolutes NoGo in tiefen Höhen (unter 500 Fuß).

Auf dem Weg zum Seaplane-Rating lernt man so einiges an Theorie und übt es in der Praxis bis zur Perfektion. Die eigentliche Freude und der Spaß aber beginnen erst ab dem ersten Flug danach. Mit dem Sicherheitspiloten, der einem zeigt, was wirklich so alles mit einer Cub auf Floats möglich ist. Zwar ist das alles schon etliche Jahre her, aber der erste Flug als lizensierter Seaplane Pilot mit Brian, dem Britischen Ex-Fighter Piloten, sitzt noch frisch im Gedächtnis: „Alligatoren, wir kommen“ und das im Anflug auf furchtbar kleine Pfützen, auf denen ich alleine nicht zu landen gewagt hätte. Denn vor so einer Wasserlandung kommt stets die Überlegung: Schaffe ich es auch, da mit einem Circular Takeoff wieder abzuheben?

Was Brian mir bei diesem Flug darüber hinaus beigebracht hat, ist: „Als Pilot steige nie ein Flugzeug, ohne vorher zu frühstücken, egal wie früh am Morgen es noch ist.“ Und da wären wir auch schon beim heutigen Buchthema: gesunde Ernährung. Denn das wussten vorausschauend sogar die alten Römer, dass man mit leerem Bauch nicht fliegen kann: Mens sana in corpore sano. Man kann nur vernünftig denken, handeln und also fliegen, wenn der Körper genau so gut wie das Flugzeug gewartet ist…

Was die Wissenschaft als gesund ansieht (und was nicht) für unseren Körper verändert sich über die Jahre. Mit einer regelmäßigen Rotation zwischen dem Hype für Proteine, Kohlenhydrate und Fette, oder einem Gemisch aus allem, dann aber nur wenig und dafür Sport dazu. (Die Rotation erinnert irgendwie an die Breite von Krawatten, da funktioniert die Mode ähnlich wiederkehrend…)

Alles ist stets wissenschaftlich bewiesen und zurzeit sind die Fette dran: LCHF (Low cal, high fat) und Paleo gehen in diese Richtung. Der schwedische Arzt Andreas Eenfeldt schreibt dazu Skandinaviens meistbesuchten (nach eigener Aussage) Gesundheits-Blog: www.kostdoktorn.se. Für alle, die deutsch leichter lesen, gibt es das jetzt als Buch: Echt Fett.

Er beschreibt, wie gesund die kohlenhydratarme Ernährung mit natürlichen Fetten langfristig ist und wie sie beim Abnehmen hilft. Seine Hauptaussage: Die Angst vor Fett steht einer gesunden Ernährung im Weg. Nur durch Umdenken in der Fettfrage wird aus einer Diät des Verzichts eine komplette und genussvolle Esskultur.

Eenfeldt führt viele neuere wissenschaftliche Untersuchungen an, warum Zucker und weißes Mehl wesentlich schädlicher für unsere Gesundheit sind als zu viel Fett. Gleich vorweg: Rezepte gibt es in seinem Buch kaum, eher Richtlinien nach den vielen Seiten, auf denen er nachvollziehbar ausführt, warum Kohlenhydrate und Zucker uns süchtig machen. Warum man durch beide mehr als durch Fett zunimmt, den Darm schädigt und krank wird.

Mit dem Darm sind wir bereits bei der zweiten Empfehlung: Darm mit Charme. Buch mit Charme. Autorin mit Charme. Dieses lässig und witzig geschriebene Buch zu einem Thema, das die meisten vermutlich im öffentlichen Bereich nicht erwähnen würden, sollte Pflichtlektüre sein – für jeden, der seinen gesunden Geist in seinem gesunden Körper fördern möchte.

Giulia Enders‘ Buch ist bereits seit zwei Jahren ein Bestseller, mehrfach ausgezeichnet und von den zahlreichen Kritiken über den grünen Klee gelobt.

Dass Übergewicht, Depressionen und Allergien mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammenhängen können, hatte ich auch vorher schon gedacht („Du bist, was Du isst“) und so war mein Interesse, das Buch selber zu lesen, damals sehr gering. Nun fiel es mir durch Zufall doch in die Hände und abgesehen davon, dass die frische Schreibe der Medizinstudentin einen einfach mitreißt, steht sogar für mich noch etliches an Neuem darin und so wurde „Darm mit Charme“ einschließlich der schrägen Illustrationen von Jill Enders regelrecht verschlungen. Trotz meiner anfänglichen eher Aversion (wegen des Hypes) lautet nun auch mein Fazit: absolut lesenswert.

Fructose. Warum man in praktisch alle industriell hergestellten Nahrungsmittel Zucker – und weil der mehr kostet als Fructose, diese in Form von High Fructose Corn Sirup, zu deutsch Maissirup – hineingeben muss, erschloss sich mir noch nie. Eenfeldt und Enders befassen sich beide ausgiebig mit dem Thema.

Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen, länger leben und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Wie wir das tun sollen, darüber haben Eenfeldt und Enders durchaus vergleichbare Ansichten. Beide Bücher sind von Autoren geschrieben, die sich mit ihrem Metier auskennen, gut recherchieren und ihre Recherche auch belegen können.

Fazit (gilt für beide Bücher), geeignet für:

  • jeden, der seine grauen Zellen verwöhnen möchte und seinen Körper als Investment sieht
  • für generell an ihrer Ernährung/Gesundheit Interessierte
  • für alle, die sich bei guter Unterhaltung weiterbilden möchten
  • zur Diskussion mit Freunden
  • ein Lesevergnügen

Oshkosh 2016

Weil ich in diesem Jahr nur verkürzt (3 Tage!) am Air Venture teilnehmen konnte, gibt es statt der täglichen Berichterstattung zunächst eine Übersicht. Die dafür als Fotostory für alle, die in diesem Jahr gar nicht dabei sein konnten.

Eine subjektive Auswahl der Highlights:

e-planeDas E-Plane von Airbus – dem möchte ich noch einen eigenen Beitrag widmen. Rechts im Hintergrund der Entwickler Didier Esteyne; er ist auch einer der beiden Testpiloten des schnuckeligen Airbus-Kleinfliegers. „E“ steht für Elektroantrieb…

uberflug1Ein wenig Flugshow zwischendurch… Formationsflug in Perfektion.

martinmars
Martin Mars auf der Seaplane Base in Oshkosh 2016

Die Martin Mars, das größte Wasserflugzeug war ursprünglich ein Transportflugzeug zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach wurde sie als „Wasserbomber“ zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt.

Mit 7000 Gallonen Wasser im Bauch (rund 26500 Liter) war das mehrfach demonstrierte Löschen während des Fluges über dem Wittman Airfield in Oshkosh eine eigene Show.

Zum Air Venture geflogen wurde sie von Kermit Weeks, der vermutlich jedes Wasserflugzeug, das je abgehoben hat, bereits pilotierte.

Und hier ein Flugvideo (für mobile Geräte), das den Start der Martin Mars zeigt, aufgenommen von einem anderen prominenten Wasserflieger: Steve Pugh, der noch an seiner Vision des perfekten Wasserfliegers arbeitet. Siehe Bericht Freitag Oshkosh 2015.
Hier das Flugvideo, im Querformat für den Computer (Vorsicht große Datei).

Noch zwei Youtubelinks zur Martin Mars:
Landing (leider mit Music statt mit Originalton)
Walking through the Mighty MARTIN MARS Air Tanker

marstankenDer Schlauch auf der Trommel rechts und etliche schwimmende „Noodles“ (nicht im Bild) sind zum Tanken des Riesen-Wasserfliegers Voraussetzung.

Am letzten Tag landete die Martin Mars zu nahe am Ufer von Lake Winnebago (der Seaplane Base von Oshkosh) und rammte sich dabei einige Steine in den Flugzeugrumpf. Sie wurde vorort „notverarztet“.

g5Nicht nur die Handys sondern auch die Anzeigen der kleinen Flugzeuge werden immer „elektronischer“. Ich versuche dabei das Wort „intelligenter“ zu vermeiden.

Beim Fallschirmspringen gehöre ich zu den Neandertalern, die noch immer mit einem barometrischen analogen Höhenmesser springen. Der zeigt auch bei minus 20 Grad oder noch kälter korrekt an, und bei Hitze sowieso. Zudem kann der Mensch eine Zeigerstellung schneller und sicherer erfassen als Zahlen.

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Fürs Fliegen allerdings gefällt mir das G5 recht gut. Es ist wesentlich kostengünstiger als ein herkömmlicher künstlicher Horizont und kann zudem mehr anzeigen.

Wieder zurück in Deutschland, ergab die Nachfrage bei einer Werkstatt, dass es hierzulande noch nicht angekommen ist. Auch in den USA ist es zurzeit nur für Nachrüstung in bestehende Flugzeuge per sogenannter STC (Supplemental Type Certificate) zugelassen. Diese Art der Zulassung wäre auch in Europa möglich.

lynxUm dem journalistischen Anspruch genüge zu tun: Es gibt auch vergleichbare Instrumente anderer Hersteller, beispielsweise das ESI-500 von Lynx. Aber sowohl mir als auch anderen Piloten, mit denen ich mich am Air Venture ausgetauscht habe, gefällt das G5 besser.

In jedem Fall müssen hierzulande alle diese neuen wunderschönen Gadgets erst von der europäischen Behörde EASA zugelassen werden.

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Das Flugzeug, das lacht: die neue XCub von CubCrafters. Dass ich Cubs gerne fliege  – vor allem als Wasserflugzeug –, ist bekannt. Nur sind die meisten, wie fast alle Kleinflugzeuge, schon in die Jahrzehnte gekommen. Und da kommt ein moderner Nachbau so richtig gut.

cubinterieurVon außen ist sie auf den ersten Blick die Alte geblieben. Von innen mutet das edle schwarze Lederinterieur so manchem angestammen Cubflieger ungewohnt an: Das ist doch keine Cub, meint ein amerikanischer Pilot zögerlich. Immerhin hat er zwei von den Originalen bei sich zuhause stehen.

🙂 Da wäre ich nicht so wählerisch, ich finde den Nachbau sehr schonend und gelungen.

uberflugZwischendurch wieder ein wenig Flugshow und etwas fürs Männerauge: (reale) Ladies, die Werbegeschenke verteilen oder wie jedes Jahr (imaginäre), die sich auf der Flugzeugnase räkeln.

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rodmach1Zurück zum Ernst des Fliegens. Nun ja, nicht so ganz, denn selbst der erhobene Zeigefinger ist (beim sicher weltweit einzigen Cessna150-Fluglehrer mit 10000 Stunden) in Humor gepackt.

Der Anteil der Humorverpackung schwankt bei den einzelnen Vorträgen von Rod Machado – je nach Zielgruppe der Zuhörer. Der Kern der Botschaft an die Piloten aber bleibt.

Seinem Bushido-Appell (nein, nicht der Sänger, sondern die originale japanische Bedeutung der Verhaltensregeln für Krieger) habe ich schon mehrmals gelauscht:

Irgendwann kommt der Moment bei jedem Piloten, an dem das eigene und das Leben der Passagiere davon abhängt, ob man seine Grenzen kennt und sich daran hält.

Mit Bushido meint Machado, dass man sich in Ruhe am Boden überlegt, wo die eigenen Limits liegen. Mit wieviel Rest-Sprit fliege ich noch weiter zum Ziel (unabhängig von gesetzlichen Vorgaben)? Wo liegen meine (und die des Fluggerätes) Wetterminima? Wann kehre ich um, obwohl ich eigentlich weiterfliegen sollte/möchte? Welchen Crosswind oder welche Windshears kann ich mit meinem Flugzeug handeln? Und so weiter…

Auch wenn es immer wieder der gleiche Appell ist – das tägliche Fliegerleben zeigt, dass sich doch etliche im Ernstfall nicht an die eigenen Vorgaben halten. Oder sie – noch schlimmer – gar nicht gesetzt haben.

Das Analoge gilt für Fallschirmspringer (und Autofahrer und viele andere…). Bei welchen Windbedingungen (Abwinde, Windrichtungsänderungen in Relation zur Windstärke, Wolken…) springe ich noch? Manchmal ist es mehr cool, am Boden zu bleiben, als von der Rettung abgeholt zu werden…

Zurück zu Oshkosh 2016 und zu einigen Bewegungsmöglichkeiten ebendort.

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„Mein“ Model-T (leider darf man nicht selber fahren) mit Eigentümer und Chauffeur Jack.
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Alles original und spartanisch. Halt: nicht ganz, der USB-Stecker zum Laden des Smartphones…
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Ein Segway verhilft – wie auch auf anderen Luftfahrtmessen wie in Le Bourget, Frankreich, – zur schnelleren Fortbewegung…

Jetzt müssen wieder ein paar Mädels her. Nicht nur ein paar, sondern besser gleich eine Menge: Insgesamt 5000 grüne T-Shirts für Pilotinnen wurden dieses Jahr bei Vorzeigen der Pilotenlizenz verteilt…

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Tammera Holmes heißt die schmucke Lady im weißen Kleid. Sie weiß als Geschäftsführerin einer Luftfahrtfirma in Illinois bestens, wie man sich präsentiert. So kommt das grüne T-Shirt fürs Foto eben oben drüber.

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Bis zum offiziellen Foto dauerte es in diesem Jahr noch länger als gewohnt. Das lag daran, dass einige Mädels noch ein Flugzeug rangieren mussten. Genauer gesagt, eine Boeing 737-900ER, die fürs Women Venture von Alaska Airlines mit einer 100% weiblichen Crew geflogen wurde.

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Das sieht nicht nur auf diesem Foto eng aus. Mehrfach vor und zurück, da war die Frauen-Crew im Flugzeug und die einweisenden Männer am Boden am Arbeiten.
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Warten im Schatten. Das war einer der wenigen Zeitpunkte, als die übliche brütende Midwest-Summer-Heat auf die Teilnehmer knallte. Später in der Woche überwog dann Regen und erstaunlicherweise Kälte…

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Jetzt aber. Die (einzigen) vier auf Stühlen sitzenden Pilotinnen mit den weißen Hemden sind WASPs. WASPs sind Pilotinnen, die zwar nicht im Kampfeinsatz des 2. Weltkrieges fliegen durften/mussten, aber trotzdem damals alles Fluggerät fliegen konnten.
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Das offizielle Women Venture Foto 2016.

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Und nun ein wenig Raumfahrt, zur NASA:
Modell der Orion Kapsel

 

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Wie kommuniziert man von der Erde am besten bei Langzeitmissionen mit Astronauten und was kann man tun, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Das soll das SCaN Testbed der NASA herausfinden.
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Auch die Raumanzüge haben sich weiterentwickelt: Der da sieht ganz schön schwer aus.

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Fast zum Abschluss noch ein auch leider hierzulande fliegerisch aktuelles Thema: Drohnenflug. Erst vor wenigen Tagen irritierte eine Drohne im kurzen Endanflug einen Airbus der Lufthansa am Münchner Flughafen. Drohnen sind leider nicht mehr wegzuschweigen, wir müssen mit ihnen leben und den Drohnen“Piloten“ am besten zeigen, wie man diese richtig und sicher fliegt.

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Dazu gab es auch in diesem Jahr im Aviation Gateway Park wieder den Drohnenkäfig, in dem nachmittags jeder seine eigene Drohne oder von unterschiedlichen Herstellern am Platz geborgte Drohnen sicher fliegen konnte.

Das hierzulande gerne Ignorieren der Drohnen in unserer Welt spiegelt leider nicht die Realität wider. Rechtliche und sachliche Aktionen müssen gesetzt werden. Jetzt. Bevor es zu spät ist.

iconAch ja, und noch ein Foto von der abfahrbereiten Icon. Die hochtrabenden Töne des Herstellers werden leiser. Auch dieses Jahr soll noch keine der anvisierten 20 produzierten Icons an einen Kunden gehen: „nur für internen Gebrauch“…

Man munkelt in der Branche, dass Icon mit einem chinesischen Investor im Gespräch ist. Das wäre dann vermutlich die letzte Abfahrt für die anvisierte Hollywood-Kientel der Käufer.

Wie erwähnt, ist die obige Auswahl der Highlights 2016 stark subjektiv. Oshkosh ist in jedem Sommer ein derartig großes Event, das sicher jedem Besucher oder Teilnehmer eigene Highlights der Veranstaltung bietet.

Alle Fotos (c) H. Kleisny