Oshkosh 2016

Weil ich in diesem Jahr nur verkürzt (3 Tage!) am Air Venture teilnehmen konnte, gibt es statt der täglichen Berichterstattung zunächst eine Übersicht. Die dafür als Fotostory für alle, die in diesem Jahr gar nicht dabei sein konnten.

Eine subjektive Auswahl der Highlights:

e-planeDas E-Plane von Airbus – dem möchte ich noch einen eigenen Beitrag widmen. Rechts im Hintergrund der Entwickler Didier Esteyne; er ist auch einer der beiden Testpiloten des schnuckeligen Airbus-Kleinfliegers. „E“ steht für Elektroantrieb…

uberflug1Ein wenig Flugshow zwischendurch… Formationsflug in Perfektion.

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Martin Mars auf der Seaplane Base in Oshkosh 2016

Die Martin Mars, das größte Wasserflugzeug war ursprünglich ein Transportflugzeug zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach wurde sie als „Wasserbomber“ zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt.

Mit 7000 Gallonen Wasser im Bauch (rund 26500 Liter) war das mehrfach demonstrierte Löschen während des Fluges über dem Wittman Airfield in Oshkosh eine eigene Show.

Zum Air Venture geflogen wurde sie von Kermit Weeks, der vermutlich jedes Wasserflugzeug, das je abgehoben hat, bereits pilotierte.

Und hier ein Flugvideo (für mobile Geräte), das den Start der Martin Mars zeigt, aufgenommen von einem anderen prominenten Wasserflieger: Steve Pugh, der noch an seiner Vision des perfekten Wasserfliegers arbeitet. Siehe Bericht Freitag Oshkosh 2015.
Hier das Flugvideo, im Querformat für den Computer (Vorsicht große Datei).

Noch zwei Youtubelinks zur Martin Mars:
Landing (leider mit Music statt mit Originalton)
Walking through the Mighty MARTIN MARS Air Tanker

marstankenDer Schlauch auf der Trommel rechts und etliche schwimmende „Noodles“ (nicht im Bild) sind zum Tanken des Riesen-Wasserfliegers Voraussetzung.

Am letzten Tag landete die Martin Mars zu nahe am Ufer von Lake Winnebago (der Seaplane Base von Oshkosh) und rammte sich dabei einige Steine in den Flugzeugrumpf. Sie wurde vorort „notverarztet“.

g5Nicht nur die Handys sondern auch die Anzeigen der kleinen Flugzeuge werden immer „elektronischer“. Ich versuche dabei das Wort „intelligenter“ zu vermeiden.

Beim Fallschirmspringen gehöre ich zu den Neandertalern, die noch immer mit einem barometrischen analogen Höhenmesser springen. Der zeigt auch bei minus 20 Grad oder noch kälter korrekt an, und bei Hitze sowieso. Zudem kann der Mensch eine Zeigerstellung schneller und sicherer erfassen als Zahlen.

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Fürs Fliegen allerdings gefällt mir das G5 recht gut. Es ist wesentlich kostengünstiger als ein herkömmlicher künstlicher Horizont und kann zudem mehr anzeigen.

Wieder zurück in Deutschland, ergab die Nachfrage bei einer Werkstatt, dass es hierzulande noch nicht angekommen ist. Auch in den USA ist es zurzeit nur für Nachrüstung in bestehende Flugzeuge per sogenannter STC (Supplemental Type Certificate) zugelassen. Diese Art der Zulassung wäre auch in Europa möglich.

lynxUm dem journalistischen Anspruch genüge zu tun: Es gibt auch vergleichbare Instrumente anderer Hersteller, beispielsweise das ESI-500 von Lynx. Aber sowohl mir als auch anderen Piloten, mit denen ich mich am Air Venture ausgetauscht habe, gefällt das G5 besser.

In jedem Fall müssen hierzulande alle diese neuen wunderschönen Gadgets erst von der europäischen Behörde EASA zugelassen werden.

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Das Flugzeug, das lacht: die neue XCub von CubCrafters. Dass ich Cubs gerne fliege  – vor allem als Wasserflugzeug –, ist bekannt. Nur sind die meisten, wie fast alle Kleinflugzeuge, schon in die Jahrzehnte gekommen. Und da kommt ein moderner Nachbau so richtig gut.

cubinterieurVon außen ist sie auf den ersten Blick die Alte geblieben. Von innen mutet das edle schwarze Lederinterieur so manchem angestammen Cubflieger ungewohnt an: Das ist doch keine Cub, meint ein amerikanischer Pilot zögerlich. Immerhin hat er zwei von den Originalen bei sich zuhause stehen.

🙂 Da wäre ich nicht so wählerisch, ich finde den Nachbau sehr schonend und gelungen.

uberflugZwischendurch wieder ein wenig Flugshow und etwas fürs Männerauge: (reale) Ladies, die Werbegeschenke verteilen oder wie jedes Jahr (imaginäre), die sich auf der Flugzeugnase räkeln.

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rodmach1Zurück zum Ernst des Fliegens. Nun ja, nicht so ganz, denn selbst der erhobene Zeigefinger ist (beim sicher weltweit einzigen Cessna150-Fluglehrer mit 10000 Stunden) in Humor gepackt.

Der Anteil der Humorverpackung schwankt bei den einzelnen Vorträgen von Rod Machado – je nach Zielgruppe der Zuhörer. Der Kern der Botschaft an die Piloten aber bleibt.

Seinem Bushido-Appell (nein, nicht der Sänger, sondern die originale japanische Bedeutung der Verhaltensregeln für Krieger) habe ich schon mehrmals gelauscht:

Irgendwann kommt der Moment bei jedem Piloten, an dem das eigene und das Leben der Passagiere davon abhängt, ob man seine Grenzen kennt und sich daran hält.

Mit Bushido meint Machado, dass man sich in Ruhe am Boden überlegt, wo die eigenen Limits liegen. Mit wieviel Rest-Sprit fliege ich noch weiter zum Ziel (unabhängig von gesetzlichen Vorgaben)? Wo liegen meine (und die des Fluggerätes) Wetterminima? Wann kehre ich um, obwohl ich eigentlich weiterfliegen sollte/möchte? Welchen Crosswind oder welche Windshears kann ich mit meinem Flugzeug handeln? Und so weiter…

Auch wenn es immer wieder der gleiche Appell ist – das tägliche Fliegerleben zeigt, dass sich doch etliche im Ernstfall nicht an die eigenen Vorgaben halten. Oder sie – noch schlimmer – gar nicht gesetzt haben.

Das Analoge gilt für Fallschirmspringer (und Autofahrer und viele andere…). Bei welchen Windbedingungen (Abwinde, Windrichtungsänderungen in Relation zur Windstärke, Wolken…) springe ich noch? Manchmal ist es mehr cool, am Boden zu bleiben, als von der Rettung abgeholt zu werden…

Zurück zu Oshkosh 2016 und zu einigen Bewegungsmöglichkeiten ebendort.

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„Mein“ Model-T (leider darf man nicht selber fahren) mit Eigentümer und Chauffeur Jack.
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Alles original und spartanisch. Halt: nicht ganz, der USB-Stecker zum Laden des Smartphones…
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Ein Segway verhilft – wie auch auf anderen Luftfahrtmessen wie in Le Bourget, Frankreich, – zur schnelleren Fortbewegung…

Jetzt müssen wieder ein paar Mädels her. Nicht nur ein paar, sondern besser gleich eine Menge: Insgesamt 5000 grüne T-Shirts für Pilotinnen wurden dieses Jahr bei Vorzeigen der Pilotenlizenz verteilt…

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Tammera Holmes heißt die schmucke Lady im weißen Kleid. Sie weiß als Geschäftsführerin einer Luftfahrtfirma in Illinois bestens, wie man sich präsentiert. So kommt das grüne T-Shirt fürs Foto eben oben drüber.

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Bis zum offiziellen Foto dauerte es in diesem Jahr noch länger als gewohnt. Das lag daran, dass einige Mädels noch ein Flugzeug rangieren mussten. Genauer gesagt, eine Boeing 737-900ER, die fürs Women Venture von Alaska Airlines mit einer 100% weiblichen Crew geflogen wurde.

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Das sieht nicht nur auf diesem Foto eng aus. Mehrfach vor und zurück, da war die Frauen-Crew im Flugzeug und die einweisenden Männer am Boden am Arbeiten.
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Warten im Schatten. Das war einer der wenigen Zeitpunkte, als die übliche brütende Midwest-Summer-Heat auf die Teilnehmer knallte. Später in der Woche überwog dann Regen und erstaunlicherweise Kälte…

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Jetzt aber. Die (einzigen) vier auf Stühlen sitzenden Pilotinnen mit den weißen Hemden sind WASPs. WASPs sind Pilotinnen, die zwar nicht im Kampfeinsatz des 2. Weltkrieges fliegen durften/mussten, aber trotzdem damals alles Fluggerät fliegen konnten.
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Das offizielle Women Venture Foto 2016.

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Und nun ein wenig Raumfahrt, zur NASA:
Modell der Orion Kapsel

 

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Wie kommuniziert man von der Erde am besten bei Langzeitmissionen mit Astronauten und was kann man tun, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Das soll das SCaN Testbed der NASA herausfinden.
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Auch die Raumanzüge haben sich weiterentwickelt: Der da sieht ganz schön schwer aus.

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Fast zum Abschluss noch ein auch leider hierzulande fliegerisch aktuelles Thema: Drohnenflug. Erst vor wenigen Tagen irritierte eine Drohne im kurzen Endanflug einen Airbus der Lufthansa am Münchner Flughafen. Drohnen sind leider nicht mehr wegzuschweigen, wir müssen mit ihnen leben und den Drohnen“Piloten“ am besten zeigen, wie man diese richtig und sicher fliegt.

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Dazu gab es auch in diesem Jahr im Aviation Gateway Park wieder den Drohnenkäfig, in dem nachmittags jeder seine eigene Drohne oder von unterschiedlichen Herstellern am Platz geborgte Drohnen sicher fliegen konnte.

Das hierzulande gerne Ignorieren der Drohnen in unserer Welt spiegelt leider nicht die Realität wider. Rechtliche und sachliche Aktionen müssen gesetzt werden. Jetzt. Bevor es zu spät ist.

iconAch ja, und noch ein Foto von der abfahrbereiten Icon. Die hochtrabenden Töne des Herstellers werden leiser. Auch dieses Jahr soll noch keine der anvisierten 20 produzierten Icons an einen Kunden gehen: „nur für internen Gebrauch“…

Man munkelt in der Branche, dass Icon mit einem chinesischen Investor im Gespräch ist. Das wäre dann vermutlich die letzte Abfahrt für die anvisierte Hollywood-Kientel der Käufer.

Wie erwähnt, ist die obige Auswahl der Highlights 2016 stark subjektiv. Oshkosh ist in jedem Sommer ein derartig großes Event, das sicher jedem Besucher oder Teilnehmer eigene Highlights der Veranstaltung bietet.

Alle Fotos (c) H. Kleisny

Oshkosh 2014: Mittwoch, Tag3

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Foto der Pilotinnen aus der Mitte der Menge nach hinten.

Heute ist der Women Venture Tag. Sichtbar für alle, durch den großen Fotoshoot auf der Boeing Plaza. Und natürlich durch das offizielle Foto der Pilotinnen – siehe unten – unter hundert anderen inoffiziellen Fotos der begleitenden Männer rundum.

Für die Teilnehmerinnen ist es immer spannend, im Zuge des Events, das sich über Stunden hinzieht, Pilotinnen von anderen Kontinenten, mit anderen Ratings kennenzulernen und sich auszutauschen.

Bei der T-Shirtvergabe traf ich am Sonntag eine Kanadische Pilotin, die ihren Flieger locker auf Skiern landet, aber zu viel Respekt vor Wasserlandungen hat.

Man landet im Schnee, in dem man zunächst einen Überflug über den ausgewählten Landeplatz macht und das Gelände von oben begutachtet. Dann macht man mehrere Touch&Gos (Durchstartmanöver), die dazu dienen, deutliche Spuren im Schnee zu hinterlassen, auf den man später landen und vor allem wieder abheben kann. Zudem kann man natürlich beim Durchstarten auch leichter einen neuen Landeplatz suchen, sollte die erste Wahl doch nicht das halten, was sie von oben versprach.

Während der Fotosession – das Versammeln und die Fotos ziehen sich über knapp eine Stunde – erzählte mir eine Pilotin über die WASPs. Das sind die älteren Damen im Vordergrund des Women-Venture-Fotos auf Stühlen sitzend. Ihre Zahl wird leider jedes Jahr weniger wird auf dem Foto; es waren die ersten Frauen, die amerikanische Militärflugzeuge, meist große Bomber, flogen.

DebbieKingDebbieKing1„Aircraft can’t tell the gender difference“:

Debbie King fliegt die einzige, heute noch flugfähige B-29, die Flying Superfortress. Und die etwas kleinere B-24, den Liberator.

Charmant erzählt sie beim anschließenden Women’s Lunch aus ihrem Fliegerleben und wie sie sich in der Macho-Männerwelt der Piloten durchsetzen muss.

Vieles davon kam mir bekannt vor. 😉

Das Flug- und Zeit-Blog hat es ins Fernsehen geschafft, zumindest ins EAA-Video. Der Kollege stellte spannende Fragen und nun schaun wir mal, was von den Antworten nach dem Schneiden noch überbleibt. 😉

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Und endlich: Die Aufstellung fürs offizielle Foto: Women Venture 2014. Diskussion3

(c) alle Fotos bis hierher: H. Kleisny

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Das offizielle Foto der Pilotinnen von der EAA.
Picture Credit für dieses Foto: EAA, Airventure 2014
[Und wer es wissen will: auf dem Suchbild mit Dame stand ich in der Mitte, rechts hinter der sitzenden WASP-Dame mit dem roten Käppi]