Warum ein Flugplan an ATC keine Beladung enthält

Es gab beim Avro RJ-85-Flugzeugabsturz in Kolumbien, von dem die letzten beiden Beiträge handelten, Verwirrung und Unverständnis in der Allgemeinheit dafür, warum manchmal ein Flug mit einer bestimmten Spritmenge (egal ob Kerosin aka Diesel, oder Flugbenzin bei den kleineren) gut geht und manchmal die gleiche Menge beim gleichen Typ eben nicht ausreicht.

In der Luftfahrt ist einiges komplexer als bei einer Autofahrt am Boden. Beim Fliegen ist die notwendige Spritmenge beim exakt selben Fluggerät abhängig von der Zuladung (Passagiere und anderer Zuladung wie Gepäck und Fracht) und vom Wind.

Beim Flugplan für einen bestimmten Flug, der an die Flugsicherung (ATC) etwa bei Linienflügen oder anderen Flügen nach Instrumentenflugregeln mindestens eine Stunde vor Abflug abgegeben werden muss, weiß die Flugesellschaft noch nicht, wie viele Passagiere tatsächlich an Bord sein werden = das korrekte Gesamtgewicht des Flugzeugs.

In die Geschwindigkeit über Grund und das ist die Geschwindigkeit, die für die Spritmenge zählt, geht der Wind mit ein. Bei direktem starkem Gegenwind kann sich die Flugzeit (und damit der Spritverbrauch) signifikant erhöhen.

Ein sehr schönes (zugegeben extremes) Beispiel in einer Piper Cub J3 (einem Flugzeug, das ich in den letzen beiden Wochen endlich wieder einmal mehrere Stunden geflogen bin, aber mit Floats/Schwimmern), gibt Paul Bertorelli hier im Video während des Fluges.

Er ist in Florida von Venice auf dem Weg nach Zephyrhills und spricht sich während des Überlandfluges humorvoll seinen Frust über eine Ground Speed (Geschwindigkeit über Grund) von 22 Knoten (40 km/h) von der Seele.

Manche Witze sind vielleicht für Nicht-Piloten nicht unmittelbar als solche erkenntlich, wenn er etwa von Flight Level zero zero five spricht: Flugflächen gibt es in USA erst ab 18000 Fuß/ 5500Meter. FL 005 wendet er für 500 Fuß an, das ist Ballonfahrhöhe mit rund 150 Metern über dem Boden.

Das Video ist in englischer Sprache, für Piloten, die schon von der Sprache her mehr nachvollziehen können, ist es sehr geistreich und amüsant.

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ATC = Air Traffic Control, Flugsicherung

 

 

Skydive: J.O.S. Rekord der Jumpers over Seventy

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Jerry Bird (mit rotem T-Shirt und hellen Shorts) beim Dirt-Diven (Besprechen des Sprunges mit der Gruppe).

 

Man kann Fallschirmspringern über Siebzig (JOS) mit Gähhn begegnen, man kann weiterklicken oder sich auf den eigenen, nächsten Sprung vorbereiten. Man kann aber auch denjenigen Tribut und Respekt zollen, die unseren heutigen Massensport dorthin gebracht haben, wo er ist. Die Pioniere, die (für sich) und uns ihre Knochen mit Rundkappensprüngen riskierten und ihre Muskeln strapazierten.

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Jerry Bird, geehrt in der Hall of Fame des National Skydiving Museums, Kapitän der legendären Jerry Birds All Stars, in Springerkreisen besser bekannt als Big Daddy des Relativspringens (RW), übernahm das Coaching des diesjährigen Rekordversuches. Der weltweite Rekord stand bei 22 J.O.S.-Springern. Alle Teilnehmer verdienen unseren Respekt und die meisten haben in ihrem Leben etliche Rekorde gebrochen und Grenzen überwunden, von denen der normale Fussgänger nicht einmal weiß, dass sie existieren: Als sich zum ersten Mal zwei Menschen in der Luft anfassten, in der Praxis lernten, wie man zueinander fliegt und auch vor dem Öffnen des Schirmes wieder sicher von einander „wegfliegt“, all dies kommt nicht aus dem Lehrbuch, sondern wurde von diesen Jungs erflogen.

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J.O.S-Briefing

Bei Jerry Bird ist der Name Programm, so erzählte er selber gerne am Lagerfeuer. Er wollte so frei wie ein Vogel fliegen (ja, wir fallen gleichzeitig mit 200 Stundenkilometern der Erde entgegen) und sich in der Luft zielgerichtet zu anderen hin bewegen. Und nicht zuletzt Spaß haben.

Ein Bonmot, das Jerry mir vor zwei Tagen erzählte: Kürzlich nahm er am wöchentlichen Hacky Sack-Wettbewerb der Packer teil. Kein Team wollte ihn zunächst aufnehmen, man teilte ihm dann einen der Twinotter-Piloten zu, dem man auch keine Siegeschancen zutraute. Jerry’s Team gewann haushoch und die Jungspunde sahen eher sparsam aus der Wäsche.

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Peter Gantzer im roten Sprunganzug.

Mit dabei, neben vielen anderen internationalen Persönlichkeiten, auch der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, in Springerkreisen besser und unkompliziert bekannt als: Peter.

Peter hat die zivile Springerei in Deutschland mitaufgebaut. Zugegeben, wir (Europäer) haben damals anfangs die 20er und 40er-Formationen bevorzugt in Zephyrhills (mit Peter Gantzer) gesprungen, aber seine Organsisation und damit auch die Ausbildung der Springer kam zurück über den Ozean und lieferte damit auch für Deutschland und Europa die exzellenten Springer, die später mit Beginn der Pink-Skyvan-Operation von Thomas Lewetz und Silvia Wagner locker auch größere Formationen springen konnten.

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Jerry Bird und Peter Gantzer

Jerry nahm mich vor vielen Jahren auf meinen ersten 16er mit: Yes, you can do it!, überzeugte er mich, obwohl meine größte Formation bis dato ein 8er gewesen war und ich selbst nicht so daran glaubte, dass ich an der Formation sein würde. Wir schafften sogar mehr als einen Punkt.

Und Peter habe ich – wie viele andere Deutsche Springer – sehr viele schöne Sprünge weltweit zu verdanken.

Hey, you  J. O. S. – guys – you are great company and it always was and is a great pleasure to jump with you! You rock!

And especially for you here are some very personal pictures of my very first jump at SFPI (jump plane was a Beaver):

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Der J.O.S.-Rekord steht unter anderem aus Wettergründen, die uns Springern in den gesamten letzten Wochen viel Zeit am Boden bescherten, noch immer bei 22 Springern. Aber der nächste Anlauf kommt bestimmt.

Weitere Fotos aus den vergangenen Tagen in Z-Hills:

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Zu guter letzt ein Zitat aus dem englischen Wiki (weil es immer wieder ein Thema ist):

Despite the perception of danger, fatalities are rare. About 21 skydivers are confirmed killed each year in the US, roughly one death for every 150,000 jumps (about 0.0007%).

Fotos: hkl

Fallschirmspringen und Eichhörnchen

Fallschirmspringen ist eben doch die schönste Art, zu leben. Zu spüren, dass man lebt. Kommt in diesem Blog oft zu kurz, und deshalb heute nochmals ein Z-Hills-Nachschlag. Zumindest Fotoweise.

Und damit auch die Nichtspringer ihr Ohh– und Ahh-Erlebnis haben, gegen Ende der Seite 🙂 Eichhörnchenbilder. Soll, so sagt man mir, auch gern angesehen werden. Natur (und Technik). (Vorsicht: Humor). Es wird im Flugundzeit-Blog auch wieder fliegerisch, und tierisch ernst, versprochen.

boarding
Boarding completed. Der Zed-Flieger ist klar zum Losrollen. Man beachte die offene Plastik-Cargo-Türe, die von innen hochgerollt ist. (Hinter der Windsackstange)

 

 

enten
Es gibt viele Arten von Luftfahrern. Segelflieger, Fallschirmspringer, Gefiederte…
hklflug
Just plane fun!

 

schirmaufheben
Schirmaufheben und Sortieren der Leinen nach der Landung.
Und jetzt zu den Eichhörnchen. Denn, während der Springer abends endlich in einem Restaurant etwas Vernünftiges zwischen die Kiemen bekommt, gibt es auch andere Lebewesen, die ihr Dinner geniessen.
dinnerforonewhileweeat
eichhorn

(c) alle Fotos: MS (hkl)

Skydive Zephyrhills!

hkl-jumpNach etlichen Regentagen hat sich die Sonne endlich durchgekämpft. Sogar die nächtlichen Temperaturen sind wieder mehr als nur 3 Grad. Da trauen sich sogar die Floridianer (die Locals) wieder auf den Platz. 🙂 Mich eingeschlossen.

TK hat sein Versprechen eingelöst: Es gibt ein wunderschönes und wirksames Anti-Bird-Sh*t-Cover über dem Patio. Vielen Dank!

Und, TK hat lehrreiche Informationstafeln für die Whuffos (=Nichtspringer) aufgestellt, die hier im Blog zur allgemeinen Info abgebildet sind. Sie sind aufgrund der internationalen Zusammensetzung der Springergruppen auf Englisch. Aber wer sich mit Fallschirmspringen ernsthaft befasst, kommt ums Englische sowieso nicht herum.

Worum geht es? Was alles kann man als Fallschirmspringer in der Luft tun?

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Dem typischen weltweiten Fallschirmzeichen (mit einer Rundkappe) entsprechen heute maximal Lastenfallschirme. Sport- und Militärkappen sehen eher wie Luftmatratzen aus:

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Am ehesten kommt der Fußgänger (Whuffo) wohl mit dem Tandemsprung in Kontakt zum Fallschirmspringen. Ist auch in der Ausbildung das Erste, was er nach oder vor einem „Ground Course“ macht.

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Die nächste Tafel ist für Leute, die es tatsächlich bis zum Flugplatz schaffen, auf dem gesprungen wird.

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Das Folgende ist eher ungewöhnlich, habe ich aber auch schon auf der Sun ’n Fun mit dem Liberty Parachute Team durchführen dürfen: Ein militärischer Flag-Jump, heute in Z-Hills.
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flag2(c) alle Fotos: MS (hkl)