Passagiere hatten keine Überlebenschance

Der Beitrag erscheint aus flugundzeit-internen Gründen erst jetzt. Die Tatsachen waren bereits kurz nach dem Unfall bekannt. Sie sind grundsätzlich
und daher leider zeitlos. Die amerikanische Behörde FAA verbot mittlerweile die Anbindung der Gurte so, wie sie in diesem Fall war.

Auch wenn es im Ursprungsbeitrag nicht explizit formuliert wurde, war meine erste Frage: Wieso rettet sich nur der Pilot? Mindestens einen Passagier hätte er trotz des kalten Wassers nach menschlichem (Schreibtisch-)Ermessen noch retten können sollen? (Da Vermutungen und Unterstellungen nicht teil dieses Blogs sind, waren diese Fragen nicht online.)

Nach Bekanntwerden der näheren Fakten wurde klar, dass der Pilot genau wusste, dass er keinen der Passagiere befreien könnte und sich so zumindest selbst rettete.

Die Hintergründe

Um ihren Gästen ein besonderes Erlebnis zu bieten, flog der Heli die Rundflüge mit ausgebauten Türen. Die Gäste konnten so während des Fluges ihre Füße im Freien baumeln lassen und Fotos mit Füßen und den Attraktionen am Boden im Hintergrund in sozial Netzwerken veröffentlichen. Was sie auch taten.

Für diese Sitzposition waren die eigentlichen Haltegurte des Hubschraubers nicht geeignet. Deshalb hatten die Gäste ein Gurtzeug (ähnlich dem von Fallschirm-Tandem-Passagieren) an. Dieses wurde im Hubschrauber an den Sitzen mit einem VERSCHRAUBTEN (wohl damit er nicht versehentlich geöffnet werden kann) Karabiner gesichert. Für den Fall der Fälle, dass der Hubschrauber schnell verlassen werden muss standen Messer zum Durchtrennen der Gurtzeugverbindung zu Verfügung.

Anmerkung: Da „richtige“ Messer in heutigen Zeiten als Waffe angesehen sind, sind die Messer verdeckt, so etwas wie Hook Knives für Fallschirmspringer, wie sie etwa in England vorgeschrieben sind. (Sonst glücklicherweise nirgends, weil bei normalen Sprüngen meist sowieso keine Zeit ist, sie aus dem Gurtzeug zu nehmen und damit verhakte Leinen zu durchtrennen.) Mit diesen Dingern muss man umgehen können, um sie sicher und schnell zu benutzen. Nach meinem Erachten verhindern sie das Schneiden mehr als dass sie es unterstützen.**

Diese Art der Ankettung an den Hubschrauber war absehbar für einen Laien nicht Kopfüber im eiskalten Wasser (Schockzustand) zu lösen. Schon gar nicht in einem Hubschrauber, der ohne Türen in Sekundenbruchteilen voll Wasser lief und sich aufgrund der nur teilweise entfalteten Floats auf den Rücken drehte. So ist im Nachhinein auch einleuchtend, dass der Pilot als einziger mit einem schnell lösbaren Gurt ausgestattet auch der einzige war, der sich aus dem schnell sinkenden Sarg befreien konnte.

Anmerkung: Unbeabsichtigte Wasserlandungen von Luftfahrzeugen enden fast immer kopfüber. Da ist die Welt genau verkehrt herum. Also, selbst wenn sich ein Passagier merkt wo der Türgriff ist und wie er aufgeht, muss er/sie sich in der Absturz-Hektik bewusst sein, dass er nun genau andersherum zu handhaben ist.

Wer seine Gäste an seinen Hubschrauber ankettet, dem muss als Operator klar sein, dass die einzige Überlebenschance im Falle eines Triebwerksausfalls eine Autorotationslandung auf funktionierenden Schwimmern ist. Denn eine Autorotationslandung an Land scheidet bei der dichten Bebauung vor Ort wohl eindeutig aus.

Konnten die Gäste erahnen auf was für ein Himmelfahrtskommando sie sich da einlassen? Wohl kaum!

Deshalb obliegt einer Organisation, die gegen Geld andere – unbedarfte – Menschen/Kunden befördert eine erhebliche Fürsorgepflicht, da der Laie das Risiko nicht abschätzen kann.

Bei einer missglückten Notwasserung waren die Gäste von vornherein zum Tode verurteilt.


Ergänzung am 9.4.2018

Piloten des Betreibers FlyNYON warnten vor den Gurten, zuletzt einen Tag vor dem Unfall, und forderten neue, andere Sicherheitssysteme, die es den Passagieren erlauben würden, sich im Falle eines Unfalls zu befreien.

Über die berechtigten Sorgen der Piloten empörten sich die Führungskräfte der Hubschrauber Gesellschaft und bestanden darauf, dass die Operation, so wie sie war, sicher sei. „Lassen Sie mich klarstellen, es gibt kein Sicherheitsproblem mit den Haltegurten“, sagte Patrick K. Day, der Geschäftsführer von FlyNYON, in einer E-Mail im Januar 2018 an die Piloten.

 


** Die Meinungen dazu sind unterschiedlich, für Wassersprünge oder primäres Canopy Work können sie überlebenswichtig sein. Aber man muss sie einsetzen können, was ein Heli Sight Seeing Passagier per se sicher nicht kann.

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