Internationale Raumfahrt 2018

Jan Wörner, der Director General der Europäischen Weltraumorganisation ESA, hatte eine arbeitsreiche Woche. Das hat er vermutlich öfter, aber diesmal am International Astronautical Congress 2018 in Bremen scheint er geklont Stunde für Stunde an jeder wichtigen Veranstaltung teilzunehmen.

Gut gelaunt wie stets, erklärt er bereits in der Auftakt-Veranstaltung, wohin sich die Raumfahrt bewegt und bewegen muss: Nicht mehr eine Organisation wie die NASA oder ESA gibt vor, was die Industrie zu bauen und zu entwickeln hat, sondern die Raumfahrtorganisationen fragen die Industrie, was diese braucht, für Ideen hat, und dann wird gemeinsam geforscht und entwickelt. Paradigmen Shift nennt man das auf Neu-Deutsch.

(c) DLR

Endlich – nach knapp 50 Jahren mehr oder minder Stille, was die Raumfahrt betrifft – geht es wieder los. Mit mehr als weitere leblose Satelliten in die Umlaufbahn zu schicken, die ISS als Testbasis zu nutzen und Müll zu produzieren, der die Erde umkreist, – führen Planungen weltweit nun wieder zu menschlichen Explorationen zu anderen Planeten.

Einmal im Jahr treffen sich die Entscheider der weltweiten Raumfahrtindustrie beim IAC, dem International Astronautical Congress. Letztes Jahr fand er in Australien statt, diesmal, nach 10 Jahren wieder in Bremen. Von links nach rechts: Sylvain Laporte (Präsident der Kanadischen Raumfahrtagentur CSA), Dmitry Rogozin (Direktor der Russischen Agentur Roskosmos), Johann-Dietrich Wörner (Direktor der Europäischen ESA) und Hiroshi Yamakawa (Präsident der Japanischen Raumfahrtagentur JAXA).       (c) flugundzeit

 

(v.l.n.r.) Kailasavadivoo Sivan von der Indischen Raumfahrtagentur ISRO, US-Kollege Jim Bridenstine (Administrator der NASA), ganz rechts: Kejian Zhang (Administrator der Chinesischen Raumfahrt Organisation mit Übersetzer (zweite Reihe)) (c) flugundzeit
Es sind schon lange nicht mehr nur die Amerikaner und die Russen, die sich mit der Entwicklung der Raumfahrt beschäftigen. Die Beschwerden der (amerikanischen) Industrie, dass raumfahrtbezogene Programme oftmals plötzlich sang- und klanglos in der Schublade verschwanden, sind hoffentlich vorbei. Doch: Während die NASA in den letzten Jahrzehnten vor allem in der Vergangenheit der Apollo-Missionen schwelgte, forschten bereits still und leise neue Partner, wie man künftig Menschen auf die Reise in den Weltraum schickt.
Dafür braucht es Erfahrung mit Launches, mit der erforderlichen Technik und mit physiologischen Aspekten. Zumindest für die ersten beiden sind Satelliten in der Erdumlaufbahn einer der ersten Schritte. Und wenn man sich die Ausstellung am IAC ansieht, hat bereits (fast) jede Nation irgend etwas in Erdumlaufbahn. Der nächste Schritt wären dann möglichst kluge und selbständige Roboter:

 

Japan

Schön auch, wenn man sieht, dass es außer Alexander Gerst noch andere Astronauten auf der ISS gibt: Auf dem IAC erzählt der Japaner Takuya Onishi von seinen Erfahrungen. Er hat es immerhin vom Ingenieur über den Check-In Angestellten bei ANA, zum Pilot auf B767 und weiter zum Japanischen Astronauten gebracht. Was ihm wiederum einen Platz als Aquanaut im Unterwasserlaboratorium Neemo 15 verschaffte. Eine abwechslungsreiche Berufslaufbahn.


Für ihre Version des Gateway als Startpunkt für Ausflüge in den Deep Space suchen die Japaner noch Partner. Mit der Raumsonde Hayabusa2 sollen nach der erfolgreichen ersten Asteroidenmission weitere Erfahrungen gesammelt werden. Planmäßig setzte der Lander Mascot am 3. Oktober 2018 auf dem Asteroiden Ryugu auf und sammelte Bodenproben. An der Mission waren auch das DLR mit der Kamera Mascam und einem Radiometer, ein Magnetometer der TU Braunschweig sowie ein Spektrometer des Institut d’Astrophysique Spatiale (CNES) beteiligt.

China

Dass die Chinesen bereits seit 2011 eine Weltraumlabor in der Erdumlaufbahn hatten, wurde weniger Raumfahrtinteressierten vermutlich erst bekannt, als Tiangong 1 gezielt im April 2018 zum Absturz gebracht wurde. Auf dem „Himmelspalast“ koppelten zuvor bis 2011 drei bemannte und weitere unbemannte Raumschiffe an.

Bereits im September 2016 schickte China den Nachfolger Tiangong 2 ins All. Bis 2022 soll sie sich zu einer großen, ständig bemannte Raumstation entwickeln. Die Chinesen wünschen sich die USA als Partner. Da die Chinesen auf der dunklen Seite des Mondes (Far side of the moon) landen wollen, sind die Amerikaner durchaus interessiert. Denn da waren sie, trotz ihrer 17 Apollomissionen noch nicht. Auf der Mondrückseite (es ist stets dieselbe Hälfte des Mondes der Erde abgewandt) braucht man Relaystationen für die Kommunikation.

 

Auswahl von chinesischen Himmelsmarschkörpern.

 

Kanada nutzte das Fernsehen bei der Auswahl ihrer zwei Astronauten. In einer TV-Show konnten die Kanadier aus 70 Auserwählten im Internet ihre Favoriten bestimmen. Davon sind wir hierzulande trotz aller Diversity-Diskussionen noch weit entfernt.

We want to go back to the moon –
but this time to stay.

Jim Bridenstone (NASA) betont mehrfach: „Wir waren 16 mal am Mond und (erfolgreich) wieder zurück. Wenn wir erneut zum Mond fliegen, dann um zu bleiben.“ Und diesmal nachhaltig. Das ist ein Begriff, der nicht nur von den Amerikanern auf dem Kongress gerne gebraucht wird. Die Wegwerfmentalität der früheren Missionen: geleerte Treibstoffstufen absprengen und verglühen lassen, auf den Planeten und Asteroiden alles zurücklassen, was man dort abgesetzt hat – diese Zeit sei vorbei. Wirkt allerdings ein wenig wie die derzeitige Dieseldiskussion: Viele hehre Worte, denen erst Taten folgen müssen.

The Gateway

Der sogenannte Gateway – eine Station in der Umlaufbahn des Mondes (oder der Erde) soll für die nächsten 50 Jahre, so Bridenstone, mit Solarantrieb eine Basis für Launches zum Mond oder in den Weltraum bieten. Er sei die Voraussetzung, um zum Mars zu fliegen. Boeing und Lockheed Martin stellten ihre Konzepte für den US-Gateway auf dem Kongress vor. Mehr dazu in einem weiteren Beitrag.

The Moon Race is on…

Astronauten zu Mond und Mars zu schicken, ist keine Vision für eine entfernte Zukunft. Es ist keine Frage, ob, sondern wann die ersten Astronauten wieder auf dem Mond landen.

Was Google mit seinem Wettbewerb nicht schaffte, versucht nun Airbus Defence and Space: Ein Wettrennen erneut zum Mond, als internationalen Wettbewerb. Daran können sich weltweit nun Start-ups sowie kleine- und mittelständische Unternehmen beteiligen.

Auch an der Umsetzung dieser Idee ist der kon­zi­li­ante General Direktor der ESA beteiligt:

(c) Flugundzeit

 


(c) aller Folien und Präsentationen liegt bei den ursprünglichen Erstellern.

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