BSF22-15 You are what you wear*

Design und Wissenschaft gibt eine hervorragende Kombination ab. An der DeMontfort University wird beides gelebt und geschult. *Du bist was du trägst war eine interaktive Veranstaltung, bei der es offiziell um Emissionen ging, die durch unsere Kleidung (Herstellung, Transport, Vernichtung) entstehen. Also eines der Technik-Umwelt-Themen, die gerade sehr en vogue sind.

Schätzungen zufolge verursacht die Modebranche 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – mehr als internationale Luftfahrt und Seeschifffahrt zusammen.

Die Werte und diese Grafik stammen aus einem Bericht des Europaparlaments, aus dem in der Folge noch mehr zitiert wird.

Aber der Reihe nach. Zuerst ein wenig zur Vortragenden, Dr. Katerina Fotopoulou, Professor für Psychodynamic Neuroscience am University College London. Ihre Forschungsgebiete sind eigentlich weder Textilien noch die Umwelt. Sie zählt vielmehr zu den international anerkannten und mehrfach ausgezeichneten, führenden Psychologen an der Forschung in der Schnittstelle zwischen psychischer und physischer Gesundheit.

(c) Katerina Fotopoulou

Fotopoulou – sie ist Griechin, das merkt man ihrer perfekten britischen Aussprache nicht an – hält einen Vortrag zu den Umweltproblemen, die unsere Kleidung verursacht. Wir (= die Zuhörer) sollen interaktiv mitmachen und zwischendurch viele Fragen an unseren Handys beantworten. Die Auswertung erfolge anonym.

Erinnert das nicht ein wenig an die Ablenkungspraxis, die schon bei For the Love of Food and Music angewendet wurde? Man erzählt als Psychologe den Teilnehmern Schmu und lässt sie irgendetwas „arbeiten/ausfüllen/feststellen“ und ist eigentlich an ganz etwas anderem interessiert?

(c) Fotopoulou

Das (oben) ist Fotopoulous Version von den Informationen und Grafiken auf der Seite des EU-Parlaments:

(c) EU Parlament

(c) Fotopoulou

Das könnte vielleicht der wahre Gegenstand der Untersuchung während des Vortrages gewesen sein:

Wie stark halten wir an unseren Gewohnheiten fest, nachdem wir neue Informationen erhalten haben?

Ihre Lösung des Umweltproblems liefert Katerina Fotopoulou am Ende ihres Vortrages, nach dem Ende der Umfrage. Die Lösung ist ein Herstellungskreislauf, bei dem aus Alt – durch Reparieren und Instandsetzen – wieder Neu gemacht wird. Nichts wirklich Bahnbrechendes als Idee, aber sicher hilfreich.

(c) für diese und die folgenden Folien dieses Beitrages: K. Fotopoulou.

Als Beispiel, wie etwa eine ökologische Jeansherstellung funktionieren kann, führt sie eine Studie an:

Aber alles in allem kann man den Vortrag auf der Seite des EU Parlaments nachlesen. Wen das (aus meiner Sicht für den Vortrag vorgegebene) Fachthema interessiert – im folgenden sind Texte von dieser Seite aufgeführt. Sie könnten auch 1:1 aus der Mitschrift des Vortrages stammen:

Wasserverschmutzung

Durch die Färbung und Veredelung von Textilien im Rahmen ihrer Herstellung werden schätzungsweise rund 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung verursacht.

Durch das Waschen von synthetischen Textilien gelangen jährlich schätzungsweise 0,5 Millionen Tonnen Mikrofasern in den Ozean.

Das Waschen synthetischer Kleidung verursacht 35 Prozent aller in die Umwelt freigesetzten primären Mikrokunststoffe. Mit einer einzigen Waschladung von Kleidung aus Polyester können 700.000 Mikrokunststofffasern freigesetzt werden und in unsere Nahrungskette gelangen.
Treibhausgasemissionen

Schätzungen zufolge verursacht die Modebranche 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – mehr als internationale Luftfahrt und Seeschifffahrt zusammen.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur wurden durch den Kauf von Textilien in der EU im Jahr 2017 pro Person rund 654 kg CO₂-Emissionen verursacht.

Textilabfälle auf Deponien

Auch die Art, wie Menschen sich der Kleidung, die sie nicht mehr möchten, wieder entledigen, hat sich geändert, da Kleidung häufig entsorgt statt gespendet wird.

Seit 1996 ist die Menge an Kleidung, die in der EU pro Person gekauft wird, infolge stark gefallener Preise um 40 Prozent gestiegen, was die Lebensdauer der Kleidungsstücke verkürzt hat. Von den Europäern werden jedes Jahr fast 26 kg an Textilen gekauft und 11 kg entsorgt. Gebrauchte Kleidung kann aus der EU ausgeführt werden, doch der Großteil davon (87 Prozent) wird verbrannt oder landet auf Deponien.

Weltweit wird weniger als ein Prozent der Kleidung recycelt und zur Herstellung neuer Kleidungsstücke verwendet, zum Teil wegen ungeeigneter Technologien.

Quelle: EU Parlament


Link zur Übersicht von allen Beiträgen des British Science Festivals 2022

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