MH17 Update7: Fakten und Berichtigungen zur allgemeinen Berichterstattung

Eine Malaysian Airlines Boeing 777-200 (Flug MH-17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur) wurde  in der Nähe von Donetsk vermutlich von einer Rakete getroffen. Keiner der 289 Menschen an Bord überlebte. Am 18.7. veröffentlichte Malaysian Airlines eine Liste der Nationalitäten der Passagiere an Bord und korrigierte die ursprünglich veröffentlichte Zahl um 3 auf 289: 280 Passgaiere und 15 Crew.

Passagierzahlen upgedated von der Airline am 19.7. mit nun veröffentlichter offizieller Passagierliste: 193 Holländer, 43 Malaysier (dabei 2 Kinder und 15 Crew), 27 Australier, 12 Indonesier, 10 Briten (einer mit doppelter Staatsbürgerschaft UK/Südafrika), 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner, 1 Canadier, 1 New Zealander and 4 mit unbekannter Staatsbürgerschaft.

Dazu ein Statement im Original von Malaysia Airlines : „Malaysia is deeply concerned that the crash site has not been properly secured. The integrity of the site has been compromised, and there are indications that vital evidence has not been preserved in place. Interfering with the scene of the crash risks undermining the investigation itself. Any actions that prevent us from learning the truth about what happened to MH17 cannot be tolerated. Failure to stop such interference would be a betrayal of the lives that were lost.“ …

Nach einer am 20.7. geschlossenen Vereinbarung zwischen den Separatisten und der Ukrainischen Regierung sollen ab sofort alle Leichen ohne weitere Verzögerung geborgen werden dürfen. 22.7. Alle Leichen sind nun geborgen und werden per Zug nach Kharkiv zu Untersuchungen gebracht. Dies soll unter der Führung der Niederlande (Vorschlag der Ukrainischen Regierung) geschehen.

Ich habe noch immer keine optischen Beweise gesehen (Satellitendaten) für die Aussagen der Amerikaner (die durchaus plausibel klingen), dass die Absturzursache eine Missile der Separatisten war. Und mangels Russischkenntnissen kann ich das viel zitierte Telefonat auch nicht auf Authentizität prüfen. Wenn allerdings die Übersetzung stimmt und die Stimmen authentisch sind, dann deutet dies auf eine von den Separatisten abgefeuerte Bodenrakete hin.

21.7.: Das russische Verteidigungsministerium widerum behauptet, Beweise zu haben, dass ein SU-25 Kampfjet der Ukrainischen Airforce nur 5 Kilometer entfernt von Flug MH-17 war, auf gleicher Flughöhe, FL330, und dieser habe MH17 abgeschossen. Eine SU-17 hat unbewaffnet eine Service Ceiling (Dienstgipfelhöhe) von 7000 Metern (FL230) und kann 5000 Meter (FL160) mit maximaler Bewaffnung erreichen. Zurzeit gibt es in der Fachwelt ausgiebige Diskussionen, ob die Su-25 (kurzzeitig, durch Kunstflugmaneuver) den besagten Flight Level erreichen kann.

Once again: Die Nationalität der Verursacher und Schuldzuweisungen sind hier nicht das Thema, aber die eine Variante ist ein Airstrike und bei der anderen kam der Treffer von einer Boden-Luft-Rakete. Was zutrifft, könnte sich aus den Trümmern und Satellitenfotos eruieren lassen. Daher werden zum Stand der Information beide (zur Zeit noch) Behauptungen erwähnt.

22.7. Es gibt mittlerweile Fotos (siehe auch ein Kommentar unten, der Ähnliches in einem  Video sieht), die ein Trümmerstück zeigen mit einem großen Loch in der Mitte und kleineren Löchern rundum. Nach britischen Militäranalysten scheint das zumindest zu beweisen, dass hier ein Raketentreffer stattfand. Das Teil soll von der Kapitänsseite des Cockpits stammen, also vom linken vorderen Teil der Boeing. Flugabwehrraketen seien nicht für einen direkten Treffer designed, sondern, um schnelle, agile Kampfjets zu zerstören. Darum sollen sie auch etwa 20 Meter vor ihrem Ziel explodieren und dabei eine Wolke aus glühenden Metall aussenden, um soviel Schaden wie möglich anzurichten. Die Analysten waren sich einig, dass chemische Tests notwendig sind, um die explosiven Rückstände genauer zurückzuverfolgen.

22.7. Am Abend (Europa) verbot die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA Amerikanischen Airlines nach Israel/Tel Aviv zu fliegen, nachdem eine Rakete nur etwa eine Meile (1,6 km) vom Ben Gurion Flughafen eingeschlagen war. Lufthansa reagierte sofort und kein Star Alliance Flugzeug fliegt nun für die nächsten 36 Stunden nach Tel Aviv.

[Manchmal gehen meine Forderungen doch in Erfüllung, Und sogar rechtzeitig, bevor weitere Tote zu beklagen sind. Siehe weiter unten 17.7.] Negativ: Kritik an den internationalen Entscheidungen üben Verantwortliche des Ben Gurion Flughafen und behaupten: „Der Flughafen sei sicher.“

Am 22. Juli abends flogen die Flugschreiber in einem Flugzeug der belgischen Luftwaffe nach Farnborough (England), um dort bei der British Air Accident Investigation Branch (AAIB) geöffnet und ausgelesen zu werden. Der Dutch Onderzoeksraad (Holländische Untersuchungsrat) leitet ein Team aus 24 Ermittler aus der Ukraine, Malaysia, Australien, Frankreich, Deutschland, USA, Großbritannien und Russland. der DO berichtet am 23.7., dass der Cockpit-Voice-Recorder nicht manipuliert worden sei und dass gültige Daten heruntergeladen wurden.

Seit gestern fliegen wohl fast alle Fluglinien wieder nach Tel Aviv. Amerikanische und europäische Behörden sehen die Anflüge offensichtlich wieder als sicher an. Was sich seither an Sicherheit diesbezüglich verbessert hat, bleibt mir schleierhaft. 😦 Alle Flugzeuge der Lufthansagroup fliegen seit heute (25.7.) Tel Aviv wieder an.

Zitat Deutsche Welle:

Über dem Großraum Tel Aviv wurden unterdessen wieder mehrere Raketen abgefangen. Die radikal-islamische Hamas teilte mit, sie werde auch weiter aus dem Gazastreifen auf den internationalen Flughafen zielen.

Am 25. Juli 2014 entsandten die Niederlande 40 unbewaffnete Polizisten, um die Absturzstelle zu sichern, Australien schickte 50 Polizeibeamte zur Absturzstelle. Ein bisher unbekannte Teil des Rumpfes, mit Sitzen und intakten Fenstern und noch angeschnallten Toten wurde in einem Waldgebiet der Absturzstelle entdeckt. So sind acht Tage nach dem Absturz der Boeing der Malaysian Airlines noch immer nicht alle 298 Todesopfer geborgen. Seit drei Tagen fliegen die Niederlande und Australien nun geborgene Leichen des Fluges MH17 nach Eindhoven.

Am 28.7. schreiben viele Medien (ua die DW) ungefiltert die Meldung, dass: Die Ursache für den Absturz nach Angaben der ukrainischen Regierung ein Druckabfall in der Kabine sei, durch Einschlag von Raketensplittern.das habe die Auswertung der Flugschreiber ergeben.

Das ist kompletter Blödsinn. Druckabfall hat mit der Flug- und Steuerfähigkeit eines Flugzeugs nichts zu tun. Dagegen gibt es Sauerstoffmasken, man kann sinken und so weiter. Dass ein Einschlag von Raketensplitter ein Flugzeug in der Luft zerlegen kann und die Einzelteile dann nicht mehr flugfähig sind, schon eher.

Zudem erklärt die Leitung der internationalen Untersuchung, das DSB, dass die Auswertung der Flugschreiber nicht alleine sondern nur in Zusammenhang mit anderen Fakten gesehen und damit publiziert werden darf. Kampfhandlungen an der Unglücksstelle behindern weiterhin die Untersuchung.

Am 17.7. wurde um 13:43 UTC das Transpondersignal der Maschine zuletzt aus Flugfläche 330 (33.000 Fuß; etwa 10.100 m) empfangen. Die Absturzstelle liegt nahe der Kleinstadt Shakhtarsk (Ukraine) etwa 100 Kilometer von der Stelle des letzten Transpondersignals und etwa 35 km von der russischen Grenze entfernt.
Die Trümmer sind auf einer Fläche mit einem Durchmesser von rund 15 Kilometer verteilt.
Im Kampfgebiet der Ost-Ukraine wurden in den letzten Tagen einige militärische Flugzeuge abgeschossen.
Jetzt beschuldigen sich beide Seiten gegenseitig, das zivile Flugzeug abgeschossen zu haben.
Dass es sich dabei um einen versehentlichen Treffer handelt, davon kann man vermutlich ausgehen. Den Toten und ihren Angehörigen nützt das jedoch wenig.

Die Boeing 777-200, registriert als 9M-MRD, mit der Erstzulassung 1997 hatte 75,322 Flugstunden in 11,434 Flügen. Die Piloten setzten keinen Notruf ab. Die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO hatte zuvor die Flugroute als sicher klassifiziert. Der Luftraum über Donetsk, Luhansk und Teilen der Kharkiv Region ist seit dem Abschuss komplett gesperrt.

Es bleibt die Frage, warum Airlines nicht schon vorher freiwillig einen Umweg um diese Gebiete in Kauf genommen haben?

17.7. In diesem Zusammenhang kann man auch die Frage stellen, warum Airlines immer noch Tel Aviv anfliegen. Und damit zurzeit ebenso gefährliche Gebiete überfliegen.

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Nun zu den Berichtigungen der erneut zahlreich aus dem Nichts auftauchenden Luftfahrtexperten und ihren wohlfeilen Meinungen.

(Wird wie bei den vorangegangenen Unfällen in den folgenden Tagen nach Sachlage ergänzt.)

Ein „Luftfahrtexperte“ im ZDF heutejournal behauptete gerade mehrfach, dass noch nie ein ziviles Verkehrsflugzeug auf Reiseflughöhe abgeschossen wurde. Das ist falsch.

Es gab etwa den Abschuss von Korean-Airlines-Flug 007 am 1. September 1983 westlich von Sachalin. Sowjetische Abfangjäger schossen den zivilen Jet ab. 269 Todesopfer. Oder Iran-Air-Flug 655 (IR655) am 3. Juli 1988, der von einem US-Kriegsschiff aus abgeschossen wurde, wobei alle 290 Menschen an Bord getötet wurden. Nach Angaben der US-Regierung war das Flugzeug von der Schiffscrew als eine angreifende, feindliche F-14 Tomcat identifiziert worden.

Auch über Syrien wurde in den letzten Jahren auf zivile Luftfahrzeuge geschossen, die Syrien in mehr als 10 Kilometer Höhe überflogen. Die Ziele wurden jedoch glücklicherweise knapp verfehlt und hier begannen vor einem Unglück die ersten Gesellschaften den Luftraum zu meiden.

Syrien: Am 29. April 2013 flog ein Nordwind Airlines Airbus A320-200, Registrierung VP-BJH, NWS-Flug 1980 von Sharm el Sheikh (Ägypten) nach Kazan (Russland) mit 159 Menschen an Bord über Syrien in rund 10000 Meter (FL340, 34.000 Fuß).

Das Flugzeug war mit ordnungsgemäßen Überflugrechten 35 nautische Meilen (65 km) SSE von Aleppo (Syrien) unter syrischer Flug-Kontrolle, als die Crew berichtete, dass zwei Raketen – geschätzte Flugfläche 290 oder 300  – die Nähe des Flugzeugs erreicht hätten. Die Besatzung entschied daraufhin, auf FL360 zu steigen und setzte den Flug nach Kazan fort.

FL300 entspricht 30000 Fuß/9144 Meter und FL360 entspricht 36000 Fuß/10973 Meter

focusirrlichterFocus-Online wiederum lässt sich darüber aus, dass Flug MH17 nicht die „vorgegebene“ Route genau abgeflogen ist. Das tut kaum ein Verkehrsflieger – egal, ob er später abgeschossen wird oder nicht. Denn Fluglotsen geben immer wieder mal – freiwillig oder auf Anfrage – sogenannte Directs, bei denen einige Wegpunkte übersprungen werden und der Kurs direkt, sagen wir mal zum fünftnächsten Wegpunkt, geändert wird. Das kann auch beim Umfliegen von Wetter oder dem Ausweichen anderer Verkehrsteilnehmer gelten.

Hat jedenfalls mit einer Todesmaschine nichts zu tun.
Muss das sein?

Etliche Videos im Netz, auf die sich Medien beziehen, zeigen ein anderes abgeschossenes Flugzeug: eine getroffene Antonov AN-30 in Slavyansk am 6.  Juni 2014 anstatt Flug MH17. Recherche statt dummem Abkupfern, bitte Kollegen.

Und herrje, schon wieder eine Eilmeldung von Focus Online:

Die Ukrainische Flugsicherung habe Flug MH17 eine niedrigere Flughöhe zugewiesen. Auch das kommt – wie die obigen Kursänderungen auf längeren Strecken – häufig vor. Zum Komfort der Passagiere (auf Wunsch der Piloten), weil es in dieser Höhe gerade Turbulenzen hat, oder um genügend Distanz zu einem anderen Flugzeug im Kontrollsektor zu haben (von Seiten der Lotsen).

Nun brüstet sich die SZ mit: „Die verfluchte Fluglinie“. Muss das sein? Hat die SZ solche Titel wirklich notwendig? Wir wissen alle, dass die Fluglinie für den Abschuss nichts kann und vermutlich auch nicht für den ersten Verlust von Flug MH370 im März. Bis zu diesem Abschuss sind auch alle anderen renommierten Fluglinien auf dieser Strecke geflogen, auch etwa die Lufthansa. Die anderen hatten nur mehr Glück.

Dass man diese Praxis des Durchfliegens von Krisengebieten aus Kostengründen hinterfragen soll, davon schreibt dieser Journalist leider nichts. Wenigstens das ZDF griff die Thematik, aber nur sehr vorsichtig in den Raum gestellt, 2 Tage nach meinem Text auf.

Die Ukraine hatte diesen Luftraum nicht gesperrt. Und bis ein Land seinen eigenen Luftraum für internationale Überflüge sperrt, muss (leider!) sehr viel passieren. Denn das sind gute Einnahmequellen für nichts als Luft in hoher Höhe. (Und abzählbar vielen Menschen/Lotsen für den Funk).

Malaysian wird vermutlich so als Fluglinie nicht überleben. Das sehe ich auch so. Die kämpften schon arg vor diesem erneuten Verlust. Und wenn man sich etwa PanAm ansieht, denen gab Lockerbie auch den letzten Stich. (Der mehrfache Vergleich im Artikel mit United hinkt – 9/11 war eine krasse Extremsituation). Der Fall PanAm aber war ziemlich ähnlich gelagert.

 

27 Gedanken zu “MH17 Update7: Fakten und Berichtigungen zur allgemeinen Berichterstattung

  1. Chemiker 18. Juli 2014 / 2:19

    In den letzten Tagen wurden dort ja einige Truppen­transport­maschinen ab­geschos­sen. Kann man herausfinden, in welcher Höhe die unter­wegs waren?

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    • Helga Kleisny 18. Juli 2014 / 11:10

      Die Truppentransportmaschinen aus der Ukraine waren vermutlich nicht im Reiseflug über der Ukraine, weil sie dort im Krisengebiet gestartet, gelandet oder in die Kampfhandlungen verwickelt waren.
      Genaue Höhenangaben musst Du bei der militärischen Flugsicherung direkt erfragen. Ich bezweifle, dass in Kriegsgebieten beteiligte Militärs einen Transponder eingeschaltet haben. Ist aber meines Erachtens für den Abschuss der Linienmaschine, die anhand ihres eingeschalteten Transponders eindeutig als solche identifiziert hätte werden können, auch nicht relevant.
      Okay, vielleicht noch deutlicher:
      Es gibt schon länger Raketen, die locker die Reiseflughöhe eines Verkehrsflugzeuges erreichen und auch dort wirksam werden können. Und wer wo bei Kampfhandlungen und Kriegen auf wen schießt und zielt, ist meines Erachtens nicht absehbar.
      Man vermutet ja auch, dass die Verursacher dieses Absturzes eigentlich eine Militärmaschine treffen wollten. Ist nicht gesichert, erscheint mir aber plausibel.
      Einzig logischer Schluss meines Erachtens wäre daher (wie schon oben im Artikel formuliert):
      Alle Krisengebiete und Kampfgebiete großräumig zu umfliegen.
      …und ich sehe schon die BWLer der Airlines mit den Augen rollen ob meines Ansinnens…

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  2. Hobbes 18. Juli 2014 / 11:55

    Eine Frage die sich mir bei der Sache stellt ist der fehlende Funkspruch.
    Wie wahrscheinlich ist es das ein Pilot den Beschuss rechtzeitig merkt um einen Funkspruch absetzen zu können?
    Und wo auf seiner Prioritätenliste steht dann nach dem entdecken „Funkspruch“ absetzen?

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    • Helga Kleisny 18. Juli 2014 / 12:04

      Aviate, Navigate, Communicate.
      Das Flugzeug fliegen (aerodynamisch steuern), navigieren (wohin steuern, ausweichen), quatschen.

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  3. Helga Kleisny 18. Juli 2014 / 13:48

    Bitte keine politischen Kommentare. Es wird sicher zeitnah herauskommen, welche „Seite“ der Verursacher war. Das aber hat für die technische Ursache und die Tatsache, dass ein ziviles Verkehrsflugzeug über einem Krisengebiet abgeschossen wurde, keine Relevanz. Und daher auch keine Berechtigung in diesem Fach-Blog.

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  4. Drachenflieger 18. Juli 2014 / 15:56

    @Hobbes
    Wenn die Rakete nicht von vorne und/oder nicht auf gleicher Höhe von der Seite kommt, dann haben die Piloten keine Chance sie kommen zu sehen. Alles was von hinten und unten kommt, bleibt bis zum Einschlag unsichtbar. Da die zivilen Flieger auch keinerlei Sensorik für angreifende Waffensysteme haben (Ausnahme EL AL), warnt auch das Flugzeug selbst seine Piloten nicht. Sollten die Piloten die Rakete jedoch trotzdem sehen, dann gilt erst mal „aviate“ und „navigate“ um dem Ding zu entkommen. wenn das dann glücklicherweise geklappt hat, dann hat man Zeit den Beinaheabschuss zu melden. Doch solange haben die Kollegen von MH17 nicht mehr gelebt.
    Ich könnte mir auch denken, dass es schon viele Beinaheabschüsse über anderen Krisengebieten gab, die nicht von den Crews bemerkt wurden. Die Dunkelziffer ist eventuell sehr hoch.
    @ Helga
    Ich könnte jetzt viel über die BWLer sagen, doch das lasse ich lieber 🙂
    Jedenfalls ist Deine Einschätzung sicher richtig, dass in den meisten Flugbetrieben (auch in den renommierten) der kurzzeitige wirtschaftliche Erfolg VOR der Sicherheit der Gäste geht. Das erreichen der eigenen Zielvereinbarung ist halt das oberste Ziel des BWLers. Huch, jetzt habe ich doch was gesagt.
    Allerdings ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem und nicht auf die Luftfahrt beschränkt.

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  5. LasurCyan 18. Juli 2014 / 18:18

    Eine rein technische Frage. Angenommen die (vermutete?) Abfangrakete galt nicht der Boeing, sondern einem (beliebigen) Kampfflugzeug, das die Rakete am Hacken hat und die ungeschützte Verkehrsmaschine dazu nutzt, diese Rakete durch ein Flugmanöver loszuwerden? Also irgendwie umlenkt? Ist das möglich?

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    • Helga Kleisny 18. Juli 2014 / 21:47

      El Al Linienmaschinen und die Air Force One (und vermutlich noch einige andere) haben Systeme an Bord, die Ziel-Raketen „verwirren“ und ablenken können. Ob die Kampfflugzeuge in diesem Gebiet so ausgerüstet sind, entzieht sich meinem Wissen.
      Zumindest versuchte Ablenkung durch (abrupte) Flugmanöver (klingt für mich arg nach Top Gun) machen Kampfpiloten sicherlich. Wie weit das in diesem Fall zutrifft, kann ich hier am Schreibtisch nicht beurteilen.
      Nach meiner derzeitigen Informationslage sollte ursprünglich eher eine Transportmaschine (und kein Kampfjet) ins Ziel gefasst worden sein. Aber das sind alles keine bestätigten Informationen. Und an Spekulationen beteilige ich mich nicht.
      Es gibt zurzeit genügend nationale und internationale Untersuchungsgruppen, die sich sicherlich jede Möglichkeit einer Ursache genau ansehen und sie untersuchen. Auch per Satellitendatenauswertung. Und da sollte man so etwas sehen können.
      Die Frage geht in Richtung Spekulation des Verursachers und das ist hier nicht das Thema.

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  6. georgi 19. Juli 2014 / 12:01

    Liebe Frau Kleisny!

    Was ist von folgenden Behauptungen zu halten?

    1. Die Spezialisten werden nicht an die Absturzstelle vorgelassen. Die örtliche Bevölkerung würde stattdessen die Reste plündern und Beweise vernichten.

    2. Die blackbox sei den Russen übergeben worden.

    3. MH-17 sei von zwei Militärflugzeugen begleitet worden, wie ein spanischer Mitarbeiter im Tower von Kiew mitteilt.

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    • Helga Kleisny 19. Juli 2014 / 14:34

      😉 Behauptungen haben im Flugundzeit-Blog keine Berechtigung.
      Siehe Netiquette.
      1 scheint zutreffend zu sein. Und ist sicher ein arges Handicap für alle Unfalluntersucher vorort. Ist auch für die Hinterbliebenen sicher wichtig und desastriös weil respektlos zu den Toten.
      Hat aber nichts mit der technischen Absturzursache zu tun.
      Soweit mir bekannt, werten die Amerikaner Satellitendaten aus. Und da brauchen sie glücklicherweise keinen Zugang am Boden dazu. Bin auf diese Ergebnisse gespannt.
      2 Am 18.7. erklärte der Russische Außenminister, dass Russland die Blackbox nicht alleine auswerten würde, sondern sie den internationalen Regeln entsprechend der ICAO übergeben werde.
      (Ob und wie er das tut, darauf habe ich leider keinen Einfluss.)
      Und ich glaube auch, dass in diesem Fall die Satellitendaten mit dem genauen Weg der Missile mehr Information zur Aufklärung liefern werden, als die Blackbox, die halt mit ihren Daten vermutlich den Einschlag bestätigen wird. Sie wird kaum etwas darüber aussagen, wer die Missile abgefeuert hat.
      Nochmal im Klartext:
      Bei diesem Vorfall sind sehr viel Politik und starke unterschiedliche Interessen im Spiel. Bevor eine Behauptung nicht zu einem offiziell anerkannten Fakt wird, ist sie für mich und den Blog nicht diskussionswürdig.

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  7. georgi 19. Juli 2014 / 17:30

    Jo mei was soll i mache? …außer jemanden fragen, der vermutlich über überprüfte Information verfügt.

    wegen 1.: ein ordentliches Arbeiten halte ich unter derzeitigen Umstände für unmöglich. Die Spezialisten können es doch nicht vermeiden, daß man sie für Spione hält. Berichten zufolge wird Donezk wiedermal heftig angegriffen. Da haben Separatisten wohl andere Prioritäten.

    Was machen eigentlich Spezialisten, wenn sie von Artillerie eingedeckt werden oder eingekesselt werden?

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    • Helga Kleisny 20. Juli 2014 / 11:20

      😉 (herzerfrischend jo mei)
      ad 1: sehe ich auch so für die Bodenuntersucher. Und das ist aus vielen Gründen nicht hinnehmbar und nicht in Ordnung. Das kann man aber nur politisch erzwingen und nicht mit Fachkommentaren.
      Erneut: Für das Finden des Verusachers der Katastrophe verspreche ich mir mehr aus Satellitendaten: Woher kam die Missile (etwa, woher genau vom Boden oder von einem anderen Flugezeug)? Wenn sie wollen, können die Amerikaner da noch das Gürtelfabrikat feststellen. Warum das solange dauert, wäre die nächste Frage.

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    • Helga Kleisny 20. Juli 2014 / 12:00

      Das Manifest der Passagiere (so der Originaltitel) mit korrigierten, neuen Zahlen wurde von Malaysian erst am 19.7. veröffentlicht. Die Zahlen zuvor waren auch keine Verschwörungstheorie, sondern die direkten Informationen von Malaysian.
      Wenn man etwas nicht weiß (Staatsbürgerschaft), und das warum auch immer, ist es korrekt dies so weiterzugeben, und nicht Vermutungen anzustellen. Mit Verschwörung hat das rein gar nichts zu tun.

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  8. Sven 19. Juli 2014 / 21:22

    Vielen Dank für die sachlichen Infos. Aber um daraus nicht wirklich noch eine Verschwörungstheorie werden zu lassen, will ich hier zu einem mich verwirrenden Detail noch mal fragen: Wie können denn vier Menschen mit unbekannter Staatsangehörigkeit – also ohne Pass – auf einen internationalen Flug kommen?

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    • Helga Kleisny 20. Juli 2014 / 10:46

      Das habe ich mich auch gefragt, als ich es geschrieben habe…
      Da aber die Zahl der Passaggiere von der Airline nach einem Tag um drei erhöht wurde, könnte ich mir vorstellen (Vermutung!), dass kurzfristig etwa Airlineangehörige oder andere Standbypaxe auf die Maschine kamen und man (warum auch immer!) im Nachinein deren Identität noch nicht weiß.
      Update: 20.1. siehe oben. Es klärt sich doch alles…

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  9. Sven 20. Juli 2014 / 11:29

    Dass es für Airlines offenbar schwierig ist, nach einem solchen Absturz die genaue Passagierzahl zu nennen, ist auch so ein Thema. Da gibt es ja immer mal Verwirrungen. Naiv wie ich bin, denke ich ja, dass die Liste spätestens dann fertig und vollständig ist, wenn der Flieger die Türen schließt und abhebt.

    Aber danke für Deine Vermutung! So richtig plausibel erscheint mir das allerdings nicht – aber das geht Dir wohl auch selbst so. 😉 Ich würde mich über ein Update freuen, wenn Dir da eine offizielle Erklärung unterkommt.

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    • Helga Kleisny 20. Juli 2014 / 11:42

      Danke, ich hatte es mittlerweile auch von der Originalquelle oben im Beitrag ergänzt. Bin zurzeit unterwegs (what else is new 🙂 ) und komme nicht immer sofort zum Updaten. Meine Zugangsbedingungen mit ständigem Abbruch sind zurzeit unterirdisch.

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  10. Sven 20. Juli 2014 / 12:30

    Kleine Anmerkung zu Deinem Update im Text: Jetzt liest es sich so, als kämen die Zahlen aus der aktuellen Liste und nicht aus der ersten Veröfentlichung vom 18.7. Schade, dass man die einzelnen Beiträge auf der MH17-Seite von Malaysian nicht verlinken kann. 😦

    Ansonsten bin ich generell gespannt, was da noch kommt. Und um Missverständnissen vorzubeugen (aktueller Kommentar #13): Ich wollte Dir keine Beteiligung an Verschwörungstheorien nachsagen – vielmehr begrüße ich Deine Beschränkung auf die Fakten sehr! Umso bemerkenswerter fand ich es dann nur, dass gleich der zweite Absatz soviel Stoff dafür bietet.

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    • Helga Kleisny 20. Juli 2014 / 21:21

      😦
      Dafür habe ich leider noch keine Goldrandlösung gefunden. Es ist ja nicht der erste Absturz, der im Flugundzeit-Blog ausführlich behandelt wurde. Früher habe ich für jedes größere Update zu ein und demselben Vorfall einen neuen Beitrag geschrieben. Mit Datum des Updates. Das ist auch nichts. Weil dann die Kommentare nicht mitwandern, viele aber nur den letzten Beitrag lesen. Oft aber auch (etwa bei den Akkus) viele Kommentare fachlich super ergänzt haben.
      Und wenn ich direkt auf eine englische Seite verlinke, dann haun mir manche Leser wieder das Englisch auf der Seite um die Ohren. Ich versuche gar nicht, es allen recht zu machen.
      Abstürze sind halt Ereignisse, deren gesicherte Information erst so nach und nach herauskommt und das zieht sich über Tage, Wochen, Monate und Jahre hin.

      😉 Und währenddessen versuche ich gebetsmühlenartig Verschwörungstheorien, Spekulationen und Stammtischgeschwätz im Blog zu verhindern.
      Ich gehe von einigermaßen intelligenten Lesern aus (der Rest kann getrost abwandern), für die ich das Tagesgeschehen – das sonst überall bereits breitgetreten wird – nicht nochmals wiederholen muss. Und ergänze nur das, was mir (zur Unfallursache und Vermeidung weiterer, ähnlicher Fälle) wichtig erscheint, als Fakt bereits irgendwie abgeschlossen ist oder in der breiten Masse falsch kolportiert wurde (wenn ich es sehe) und berichtige es.

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  11. ugroeschel 22. Juli 2014 / 7:51

    In einem Video auf der n-tv Webseite mit dem Titel: MH17-Flugschreiber unauffindbar – Verwischen die Separatisten ihre Spuren? sind Flugzeugteile zu sehen die regelreicht durchlöchert sind. Es größeres Teil hat ein ca. 50 cm großes Loch mit nach einer Seite aufgebogenen und eingerissenen Rand. Könnte das eine Fälschung sein?
    http://www.n-tv.de/politik/23-11-Putin-sichert-Niederlande-Unterstuetzung-nach-Boeing-Absturz-zu-article13262226.html

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    • Helga Kleisny 22. Juli 2014 / 10:05

      Was ist eine Fälschung eines Videos?
      Dass vorort aufgenommen wurde, nehme ich an. Wie man allerdings die Sachen arrangiert und welchen Text man dazu spricht, kann die Wahrheit durchaus verzerren. Einschusslöcher habe ich im Video keine gesehen. Aber, dass bei einer Explosion die naheliegenden Teile dann als kleinere Bruchstücke weiter entfernt liegende Bereiche treffen, diese beschädigen und auseinander nehmen können, ist sicher möglich.
      Dass viele Leute in den Trümmern und leider auch respektlos bei den Toten und ihren Habseligkeiten herumgestöbert und vermutlich auch Dinge entfernt haben, bevor die Unfalluntersucher endlich an die Fundstellen durften, ist auch belegt. Was also ist noch „Original“?
      Unfalluntersucher ziehen auch Schlüsse daraus, wo sie welche Teile des Flugzeugs und seines Interieurs finden. Wenn das alles aber bereits mehrfach umarrangiert wurde, wird das schwieriger oder unmöglich.
      Viele Sequenzen in den zahlreichen, im Internet kursierenden Videos sehen mir „gestellt“ aus. Ich glaube nicht, dass die Spielsachen so hübsch arrangiert am Boden ankamen. Oder die Pässe alle sortiert auf einem Ort…

      Ergänzung abends: siehe Update oben im Artikel.

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  12. georgi 3. August 2014 / 16:10

    Liebe Frau Kleisny!

    Der Flugschreiber ist in Sicherheit, die Leichen werden untersucht, aber es gibt noch immer keine offiziellen Verlautbarungen. Dauert das immer so lange? Inzwischen erblüht ein ganzer Urwald an Theorien, Hypothesen, Gerüchten und Behauptungen. Und der Bericht des Wallstreet Journals muß mal wohl auch vorsichtig genießen; oder?

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    • Helga Kleisny 3. August 2014 / 16:22

      Lange dauern kann es schon mal, auch beim Pan Am Absturz (Lockerbie) dauerte es Jahre, bis er aufgeklärt wurde. Hier allerdings liegt die Situation anders und das auch noch extrem.

      Es kann und wird sicher harte politische und wirtschaftliche Konsequenzen haben, wenn beweisbar herauskommt, welche „Seite“ denn nun für den Absturz verantworlich gemacht wird.
      Die Situation und das gegenseitige Versteckspiel ist traurig für die Wahrheit, für den Rest der Welt und vor allem für die Angehörigen.
      Sekundärliteratur zu den Anstürzen zu lesen habe ich im Moment absolut null Kapazität verfügbar.

      erblüht ein ganzer Urwald an Theorien, Hypothesen, Gerüchten und Behauptungen.

      Wer mich kennt (oder länger hier mitliest), weiß, was ich davon halte… 🙂

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  13. Struppi 12. August 2014 / 10:27

    Gibt es mittlerweile eine offizielle Meldung was die Flugschreiber sagen?

    Ist es nicht ungewöhnlich, dass auch fast einen Monat nach Übergabe es noch kein offizielles Statement zum Flugschreiber gibt?

    Es gab ja auch eine Pressekonferenz der russischen Seite, dort wurden Satellitenbilder und Radaraufzeichnungen gezeigt, auf denen war (angeblich?) eine weitere nicht identifizierbare Maschine in ummittelbarer Nähe zu sehen?
    Ist das plausibel – also das man die Radarüberwachung aufzeichnet?

    Verschwörungstheorien hin oder her, momentan ist es ja so, dass in der Öffentlichkeit oder insbesondere von der Politik so getna wird als ob alles klar wäre.
    Fakten existieren dafür aber (noch) keine und die Aufklärung geht merkwürdig schleppend voran. Die Möglichkeit das es die ukrainische Seite war, ist zumindest nicht völlig von der Hand zu weisen.

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    • Helga Kleisny 12. August 2014 / 11:24

      Gibt es mittlerweile eine offizielle Meldung was die Flugschreiber sagen?

      Flugschreiber zeichnen technische Daten auf und keine politischen.
      Also sicher den Einschlag einer Rakete, aber wenn es sich nicht aus der Technik ergibt (und die hatten wohl beide Seiten), nicht denjenigen, der die Rakete abgeschickt hat.

      Ist es nicht ungewöhnlich, dass auch fast einen Monat nach Übergabe es noch kein offizielles Statement zum Flugschreiber gibt?

      Ja. Liegt aber eher an politischen Ursachen. Ober sticht Unter. Und Untersuchungsbehörden sind selten Staatsoberhäupter oder regierende Nationen.

      Ist das plausibel – also das man die Radarüberwachung aufzeichnet?

      Radardaten werden von jeder Flugsicherung für einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt. Wenn sich da kein Grund ergibt, nachzusehen, werden sie überschrieben/gelöscht. Hierbei gab es aber genügend Gründe, diese aufzubewahren.
      Zudem haben sowohl Russland als auch die Amerikaner Satellitendaten.

      Bitte berücksichtigen:
      Dies ist ein Technikblog und Spekulationen, welche politische Seite der Verursacher war, gehören nicht hierhin.

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