Der Spiegel: So nicht!

Bei vielen Beiträgen informiere ich auch persönlich die darin erwähnten Personen oder Firmen. Gehört sich, finde ich, genauso wie man nicht hintenrum über andere redet. Diese Konversationen finden üblicherweise außerhalb von flugundzeit statt.

Das Folgende aber geht so gar nicht.

Die erste Reaktion, die ich auf meine Email an Steffen Klusmann, Chefredakteur Der Spiegel, auf die Nachricht über den Beitrag Der Spiegel – das Märchenmagazin bekam (er antwortete selber, das rechne ich zumindest mal an), begann mit einer versuchten Herabsetzung von flugundzeit und meiner Person – da steh‘ ich drüber, ich weiß, was ich kann und leiste! – und dann dem Satz:

Fakt ist: Strauß ist in dem Jahr eigenhändig nach Moskau geflogen, ist alles dokumentiert. 
Herzliche Grüße
SK

Worauf ich ihm zurück schrieb:

Lieber Herr Klusmann,
meine journalistische Recherche beruht auf selbst Erlebtem oder dabei gewesen zu sein. Höher – Quelle erste Hand – geht es wohl nicht mehr im Journalismus. Also weder Hörensagen, noch Expertenkauderwelsch, noch Internet. 
Können Sie mir bitte die Quelle für die Landung von FJS auf dem Roten Platz nennen? Aus meinem Fliegerumkreis, der damals schon erwachsen am Leben war, ist dies niemandem bekannt. 
Mit freundlichen Grüßen H. Kleisny

Darauf kam nun folgender Text anscheinend des Autors, der auch als Kommentar unter dem Ursprungsbeitrag auf flugundzeit veröffentlicht ist:

Sehr geehrte Diskutierende,
vielen Dank für Ihr Interesse an meiner Glosse im letzten SPIEGEL. Tatsächlich ist mir bekannt, dass FJS nicht auf dem Roten Platz gelandet ist, auch hat er kaum Gorbatschow zur Wiedervereinigung überredet. Es handelt sich um einen satirischen Text über die sich allzu wichtig nehmende Außenpolitik von CSU-Ministerpräsidenten. Offenbar hätte die Ironie deutlicher sein müssen, das Missverständnis bedauere ich.
Beste Grüße
Stefan Kuzmany

Aha.

Nun ist es also nicht mehr Fakt, wie zuvor eisern behauptet.

Wenn man nur genügend hartnäckig nach der Quelle fragt, wird der Text auf einmal zur Satire.

Nochmal:

In der ersten Mail wurde versucht, mir um die Ohren zu hauen, wie toll der Spiegel recherchiert – ohne Beweise, nur mit Behauptungen. Mich einzuschüchtern gegenüber dem „großen Spiegel“, der ja so bekannt für seine tolle Recherche ist…

Was für ein erbärmlicher Versuch, nicht vorhandene oder schlechte Recherche zu kaschieren.

Jetzt bleibt nur ein Problem

Sind alle Beiträge beim Spiegel ironisch gemeint?

Ist der Spiegel nun ein Satiremagazin?

Keine Nachrichten mehr, nur ausgedachter Schmonzes?

Oder:

Wie erkennt der Leser, welche Sätze nun Wahrheit beinhalten SOLLEN, und welche einfach ausgedacht sind?

Das ist Relotius Niveau.

Erneut!

Wenn der Chefredakteur den Text nicht als Glosse erkannt/gewusst hat, wie soll das dann der unbedarfte Leser tun?

Jedenfalls:

Zuerst diejenigen persönlich herabsetzen, die tatsächlich recherchieren und nachfragen und dann, wenn die hartnäckigen Rechercheure weiter bohren, statt der vorher behaupteten fehlenden Beweise nun auf Ausreden ausweichen?

Das ist so unterirdisch.

Spiegel, weit hast Du’s gebracht… 😦

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