Mobiles Abenteuer

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Vom ersten Moment an spürt man die Atmosphäre: 15 Hallen voller Reiseträume, unerwarteter Ideen und leise knisternder Spannung. Dieser Ort ist nicht bloß eine Ausstellung, er ist ein lebendiges Statement. 269.000 Caravaning- und Campingfreunde aus 80 Ländern verzeichnete die Messe Düsseldorf auf dem Caravan Salon 2025.

Hunderte von Marken und Manufakturen – vom Serienhersteller bis zum Einzelkämpfer – drängen sich in diesem für zehn Tage geöffneten Land zum Träumen: 810 Aussteller aus 41 Ländern präsentierte zahlreiche Neuheiten, die das Spektrum zwischen cleverem Kompakt-Design und luxuriöser Reisehöhle absteckten – überraschend vielfältig und technisch zukunftsorientiert. Von Fahrzeugen über Zubehör bis hin zu Camping-Reisezielen.

Neuheiten machen gleichsam Lust auf Freiheit und cleveres Design. Da ist etwa der neue Adria SuperTwin auf Sprinter-Basis – wie geschaffen für Abenteuer zwischen Stadt und Offroad. Mit 200-Watt-Solar, Lithiumbatterie im Heck, LED Lichtern und Stand-Luftheizung.

Gleich daneben die Ahorn Camp-Modelle auf Renault Master mit Features, die man eher aus städtischen Loftwohnungen kennt: ergonomisch, modern, und mit bis zu 170 PS unter der Haube – ab einem Einstiegspreis von rund 58.900 €.

Zwei Ansätze für unterschiedliche Ansprüche, ein Gedanke: Freiheit mit Klasse.

Der gemütliche Wohnraum aus dem Anhänger

Auch an die (wenigen), die einen zugelassenen Cybertruck besitzen, ist gedacht. Wer sagt denn, dass auf das martiale Gefährt nicht auch noch ein Dachaufbau passt? Ob das genau für diese Klientel das Passende ist, wäre die nächste Frage… Jedenfalls war es eines der meist fotografierten Objekte.

Fast ebenso futuristisch: der Bürstner Habiton auf Sprinterbasis, modular, flexibel, mit Slide-Out-Badezimmer, variablen Möbel, gigantischen Fensterfronten und Lichtinszenierung – da ist vom althergebrachten Camping mit Hundehüttenzelt nichts mehr zu spüren.

Knaus Tabbert stellte sein Konzeptfahrzeug „Boxtime“ aus. Das setzt auf Leichtbauweise, innovative Dämmtechnik und recycelbare Materialien – etwa 60 kg leichter als vergleichbare Camper – und erweitert so Raumgefühl, Effizienz und Nachhaltigkeit spürbar.

Grün und alles was damit verbunden ist, ist definitiv Trend:

Die Erwin-Hymer-Group ergänzte ihr Angebot mit einer neuen Marke: Corigon. Den Teilintegrierten T70 S gibt es bereits ab rund 60.000 €.

Aber es gibt auch die Luxusklasse mit Doppelboden, Alde-Heizung und edlem Design – ab rund 135.000 €. Nach oben hin scheint es sowieso weder für Preis noch für Ausstattung eine Grenze zu geben.

Es geht immer noch größer: im voll integrierten Liner-Format auf Mercedes-Sprinter-Chassis, dem Niesmann+Bischoff Arto-84. Die Technik dahinter liest sich wie ein Ingenieurroman: doppellagiger Boden, große Tanks, 450-Ah-Lithiumpakete, 660 W Solar, Toilettensystem mit 170 l Tank – und alles steuerbar über die „My NiBi“-App. Luftig, luxuriös, autark.

Und wie in Wacken ist auch auf dem Caravan Salon die Bundeswehr vertreten. Mit einer Bell UH-1D, einem Hubschrauber, aus dem wir als Vierer Team bei der Deutschen Meisterschaft bereits gesprungen sind. (…vor einigen Jahren 🙂 )

Charmant erzählt Yvonne Meyer-Stolzenberg, wie sich am ersten Tag eine Social Media Influenzerin interessiert die Bell ansah und dann in ihrem Post freudig schrieb, dass alle Kinder hier einen echten Hubschrauber anfassen dürfen. So ist die Öffentlichkeitsarbeit auf der Messe zwar gedacht – dass militärisches Gerät nicht hinter breiten Absperrseilen steht, sondern man durchaus als Besucher das obligate Foto auf dem Pilotensitz machen darf. Allerdings ist der Hubi im Prinzip noch flugfähig, auch wenn er dazu nicht mehr eingesetzt wird. Alle Köpfe und Schalter sind also funktionsfähig. 🙂 Und ob das so prickelnd ist, wenn sich der Rotor auf einmal in der Halle dreht, sei dahin gestellt. Das Standpersonal musste jedenfalls alle Hände und Augen für den Rest der Messe einsetzen, um begeisterte Kinder(fingerchen) von den Hebelchen wegzuhalten.

Der Salon wäre kein Salon, gäbe es nicht viele weitere ungewöhnliche Überraschungen. Die ausfahrbare „Schublade“ mit geparktem Ferrari ist per Seitenrampe verstaubar. Im ultra großen, schweren und teuren Superluxusgefährt.

Dagegen steht der futuristische Carbonfaser-Wohnwürfel von HMT, der sich modular an ein Basisfahrzeug andocken lässt; mit Recycling-Toilette. Oder der wagemutige Tannhäuschen-Holzwohnwagen – wie ein Blockhaus auf Rädern, duftend nach Kiefer, könnte man als Statement gegen aerodynamische Vernunft sehen.

Wer gerne wie Diogenes in einem Fass (oder Tiny-House) wohnen möchte – bitte sehr. Die sind allerdings eher für Übernachtungs-Locations als „feste“ Fässer gedacht:

Solche Konzepte zeigen, dass Caravaning längst mehr ist als Urlaub im klassischen Wohnmobil – es ist ein Lebensgefühl, das Kreativität und Freiheit verbindet.

Oder wie wär’s, den mobilen Wohnraum selbst einzubauen? Geht auch ganz locker. Per Bausatz:

Zum Lebensgefühl für einige gehört auch ihren flugfähigen Partner mitzubringen. Das hier ist die zahme Sissi, die ihren Besitzer auf allen Wegen begleiten darf.

Ziemlich sinnvoll sind die Kochstellen in diesem Camper. Zwei Stück statt der üblichen drei, dafür in unterschiedlicher Größe (auf dem Bild nicht so sichtbar). Bei den üblichen drei Flammen kriegt man keine drei Töpfe nebeneinander drauf. Wer sich sowas ausdenkt, ist weit entfernt vom Kochlöffel 😉

Es geht auf dem Salon allerdings um wesentlich mehr als nur die Fahrzeuge. Vorträge mit viel Basiswissen für Einsteiger und Fortgeschrittene und viel Information, wohin die Reisen denn wie führen können. Ein interessantes Projekt ist Landvergnügen, bei dem man von Bauernhof zu Bauernhof reist, kostenfrei den Stellplatz erhält, sich aber für die Produkte, die am Hof hergestellt werden und natürlich auch die Gastgeber, interessieren sollte.

Nachhaltigkeit wird wichtiger. Viele Hersteller setzen auf leichtere Materialien, Solartechnik und energiesparende Systeme. So können Reisende nicht nur unabhängiger unterwegs sein, sondern auch umweltbewusster.

Der Caravan Salon 2025 bot damit für jede Zielgruppe etwas: vom Einsteiger, der mit einem kleinen Camper startet, bis hin zur Familie mit Kindern oder Paaren, die das große Abenteuer suchen.


©alle Bilder: Flugundzeit


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.