Thunderbird-Absturz

In letzter Zeit gab es mehrere Abstürze von Militärflugzeugen. Wie immer dauert es, bis die Unfalluntersucher die Ursache bekanntgeben. Sofern sie evaluierbar ist.

Von einem Absturz eines Flugzeugs der amerikanischen Vorzeige-Flugshow-Staffel Thunderbirds (die sind etwa in Oshkosh oder bei der Sun ’n Fun in Aktion zu sehen) gibt es nach knapp einem Jahr nun einen aufschlussreichen Bericht der militärischen Untersucher.

Er ist spannend zu lesen und sehr informativ. Schildert den Flug-Ablauf und die Geschehnisse sehr ausführlich. Empfohlene Lektüre! Link zum Originaldokument ist weiter unten.


Die Mission

Der Unfallflug war als Formation mit sechs F-16CM geplant. Die „Delta Formation“ der Thunderbirds bestand aus dem Unfallpiloten sowie den weiteren Maschinen der Formation. Eine F-16 nahm nicht unmittelbar am Manöver teil, sondern hielt sich oberhalb der Formation auf, um den Flug als Sicherheitsbeobachter zu überwachen.

Geplant war eine Trainingsmission des Typs TS-10 „Loops & Rolls“. Dabei sollten die Piloten in Delta-Formation zunächst Formationsloopings und anschließend Rollmanöver trainieren.

Eine Luftkartenansicht des R-2508 Luftraumkomplexes mit markierten Standorten wie China Lake NAWS und MA Impact Site sowie Nellis AFB.

Nach dem Start von der Nellis Air Force Base sollte die Formation in das militärische Übungsgebiet R-2508 fliegen, dort das Trainingsprogramm absolvieren und anschließend zur Landung nach Nellis zurückkehren.

Die Formation bereitete sich zunächst auf ein „Loops & Rolls“-Manöver vor, bei dem ein vertikaler Looping mit einem anschließenden Rollmanöver kombiniert wird.

Während ein Teil der Formation den Looping ausführte, löste sich der Unfallpilot planmäßig aus der unmittelbaren Formation und flog eine 360-Grad-Rechtskurve. Anschließend sollte er sich wieder in die Formation einordnen.

Beim Wiederanschluss an die Formation erhöhte der Pilot die Triebwerksleistung auf Military Power (MIL), also auf maximalen Schub ohne Nachbrenner. Dabei kam es zu einem nicht mehr behebbaren Strömungsabriss im Triebwerk. Der Pilot beschrieb den Moment später sinngemäß so, als habe das Flugzeug „mitten in der Luft einfach angehalten“.

Da sich die Triebwerksleistung nicht wiederherstellen ließ, musste der Pilot die F-16 schließlich mit dem Schleudersitz verlassen.

Ergebnis des Untersuchungsberichts

Am 3. Dezember 2025 absolvierte der Unfallpilot mit einer F-16CM der United States Air Force Air Demonstration Squadron, den „Thunderbirds“ des 57th Wing auf der Nellis Air Force Base in Nevada, einen routinemäßigen Trainingsflug im militärischen Übungsgebiet R-2508.

Während des Trainings kam es in geringer Flughöhe zu einem erheblichen Schubverlust des Triebwerks.

Der Pilot leitete daraufhin die vorgeschriebenen Notfallverfahren ein. Es gelang jedoch nicht, einen ausreichenden Triebwerksschub wiederherzustellen. Wegen der geringen Flughöhe und der weiter abnehmenden Geschwindigkeit entschied er sich zum Schleudersitzausstieg.

Die F-16 schlug anschließend in der Nähe von Trona im US-Bundesstaat Kalifornien auf und wurde vollständig zerstört. Der materielle Verlust wurde mit rund 33,5 Millionen US-Dollar beziffert.

Luftaufnahme des Absturzortes mit markierten Positionen des Sitzes und der Haube sowie dem vorderen Rand des Trümmerfeldes.

Der Pilot erlitt beim Schleudersitzausstieg leichte Verletzungen und wurde wenig später von einem Such- und Rettungshubschrauber der US Navy aufgenommen.

Die Unfallursache

Als Unfallursache identifizierte die Untersuchung drei fehlgestellte beziehungsweise verdrehte verstellbare Leitschaufeln in der vierten und fünften Stufe des Triebwerksverdichters. Durch die daraus entstehenden unregelmäßigen Strömungsverhältnisse erhöhten sich die Schwingungsbelastungen auf die nachfolgenden Verdichterschaufeln.

In der Folge brachen jeweils eine Verdichterschaufel der fünften und der sechsten Stufe und lösten sich während des Fluges. Dadurch wurde das Triebwerk schwer beschädigt und verlor erheblich an Schub. Wegen der geringen Flughöhe bestand keine Möglichkeit mehr, einen stabilen Weiterflug aufrechtzuerhalten.




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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.