Flugzeugabsturz vor San Diego

„Four Bravo Alpha, radar contact lost“ – kein Radarkontakt mehr – das ist für jeden Lotsen die absolute Horror-Funknachricht. Das möchte keiner auf seiner Frequenz sagen (müssen).

Die Fakten

Am 8. Juni 2025 stürzte eine Cessna 414, Registrierung N414BA, kurz nach dem Start vom Flughafen San Diego ins Meer. Alle sechs Personen an Bord kamen ums Leben. Die Untersuchungsergebnisse und der Funkverkehr geben Hinweise darauf, wie es zu dem Unglück kam.

Das Flugzeug brauchte für den kurzen Weg vom Startplatz bis zum Takeoff Punkt 1 Stunde und 10 Minuten, bei hohem Verkehrsaufkommen am Flugplatz.

Die zweimotorige Cessna startete um 12:24 Uhr Ortszeit vom San Diego International Airport (SAN) mit Ziel Phoenix Sky Harbor International Airport (PHX) in Arizona.

Nach dem Start von der Bahn 27 und der Anweisung des Departure-Lotsen, auf einen Kurs von 180 Grad zu drehen, gab der Pilot an, dass er Probleme hatte, Höhe und Kurs zu halten. Die ADS-B-Daten bestätigen, dass das Flugzeug wieder zu steigen begann, bevor die Daten einen unregelmäßigen Flug zeigten, bis das Flugzeug sechs Minuten nach dem Start auf dem Meer aufschlug.

©Bild: Flightradar24

Das Flugzeug stieg zunächst normal. Dann, nach Einleiten der vom Lotsen geforderten Linkskurve begannen die Probleme. Dies vermutlich zeitgleich mit dem Einflug in die Wolkenschicht.

Der Pilot, ein junger Mann Mitte 20 mit Instrument Rating (seit 2022), und sogar Fluglehrerlizenz (CFI, seit 2024), war wohnhaft im Raum Phoenix, Arizona.

Wetter zum Unfallzeitpunkt

Zum Zeitpunkt des Absturzes war es bewölkt mit einer geschlossenen Wolkendecke in 1500 Fuß, laut Wettermeldung von 12:20 (Lokalzeit). Dabei gab es leichten Wind (aus 300 mit 7 kt). Die Temperatur war 19 Grad Celsius und der Taupunkt lag bei 14 Grad.

Das Wetter war geprägt zu diesem Zeitpunkt durch eine dichte, niedrige Wolkendecke („Marine layer“), wie sie für die Küstenregion Südkaliforniens typisch ist. Die Sicht direkt am Boden war zwar gut, doch die Wolkenuntergrenze lag über dem Meer bei etwa 400 Metern (1300 Fuß), sodass der Pilot nach dem Start schnell in Instrumentenflugbedingungen (IMC) stieg.

©Bild: Flightradar24

Die Radaraufzeichnung zeigt einen schnellen Höhenverlust: In nur 13 Sekunden verlor die Maschine rund 1900 Fuß (600 Meter). Danach folgten erratische Flugbewegungen, ein Wechsel zwischen Steig- und Sinkflug sowie enge Linkskurven.

Auf mehrmalige Hinweise des Fluglotsen, sofort zu steigen und einen nahegelegenen Flughafen (North Island) anzufliegen, reagierte der Pilot nicht. Es gelang ihm nicht, das Flugzeug zu stabilisieren.

Grausiges Miterleben

Es gab mehrere Augenzeugen am Boden und auf dem Meer:

Augenzeugen berichteten übereinstimmend, dass das Flugzeug zunächst aus den Wolken auftauchte, kurz wieder aufstieg und dann in einem steilen Winkel ins Wasser stürzte. Die gesamte Notlage dauerte etwa sechs Minuten vom Start bis zum Aufprall.

Ein Surfer sagte, er habe gesehen, wie das Flugzeug in einer Kurve nach unten flog, dann wieder in die Wolken aufstieg, bevor es erneut aus den Wolken auftauchte und ins Wasser stürzte.

„Das nächste Mal, als es aus den Wolken kam, ging es direkt ins Wasser. Aber nachdem ich diesen Aufprall gesehen hatte, war es etwa sechs Sekunden später totenstill. Ich wusste, dass sie mit der Nase voran und mit hoher Geschwindigkeit ins Wasser fielen.“

Räumliche Desorientierung und IMC

Besonders bei plötzlichem Einflug in Wolken oder Nebel kann das Gleichgewichtsorgan im Innenohr allein (ohne Sichtreferenz) den tatsächlichen Flugzustand nicht mehr korrekt erfassen. Ohne klare Sicht auf den Horizont und ohne vollständiges Vertrauen in die Instrumente ist es selbst für erfahrene Piloten unmöglich, die Kontrolle zu behalten, wenn man nicht strikt nach Instrumentenanzeigen fliegt.

Das Beschleunigen im Geradeausflug und das Steigen fühlen sich gleich an, wenn man den Unterschied visuell nicht erkennen kann. Drückt man instinktiv nach vorne, um dem Innenohr das Gefühl zu geben, dass man nicht zu steil steigt, landet man schnell im Sturzflug, wenn man nicht auf den künstlichen Horizont und die vertikale Geschwindigkeitsanzeige (VSI) schaut, weil man ihr weniger vertraut als dem eigenen Gefühl.


  1. Schweizer Käsemodell (hatten wir auf FuZ schon mehrfach)
    Mit einer ungewöhnlichen Situation kann der Mensch noch fertig werden, ab drei hintereinander folgenden Verkettungen ist der Mensch mit der Lösung der Verkettung der schlechten Umstände üblicherweise überfordert und versagt. ↩︎

© alle Bilder: Flightradar24


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.