THC und Fliegen

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Der toxikologische Bericht für den Piloten des einmotorigen Flugzeugs ergab THC, Abbausubstanzen von THC, Abbausubstanzen von Kokain und Ketamin; die geringen Mengen der einzelnen Drogen wurden nicht als kausal für den Unfall angesehen.

Im toxikologische Bericht für den Piloten des mehrmotorigen Flugzeugs wurden THC und Metaboliten von THC nachgewiesen; die geringen Mengen der einzelnen Drogen wurden als nicht ursächlich für den Unfall angesehen.

The toxicology report for the pilot of the single-engine airplane revealed THC, metabolites for THC, metabolites for cocaine, and ketamine; the low amounts of each drug were not considered causal to the accident. The toxicology report for the multi-engine airplane pilot revealed THC, and metabolites of THC; the low amounts of each drug were not considered causal to the accident.

Quelle: NTSB-Unfallabschlussbericht

Mid-Air Collision

Bei dem Zusammenstoß in der Luft einer einmotorigen Cessna 152 und einer kleinen zweimotorigen Business-Cessna 340A im August 2022 starben alle drei Insassen in beiden Flugzeugen. Sie hatten sich gegenseitig nicht gesehen.

The pilot of the single-engine airplane was operating in the airport traffic pattern and had been making position reports on the airport’s common traffic advisory frequency (CTAF). The pilot of the multi-engine airplane made an initial radio call on the CTAF 10 miles from the airport, announcing his intention to perform a straight-in approach for landing. Both pilots continued to make appropriate position reports, but did not communicate with each other until the multi- engine airplane was about one mile from the airport and the single-engine airplane had turned onto the base leg of the traffic pattern for landing. Realizing that the multi-engine airplane was converging upon him, the pilot of the single-engine airplane announced a go-around, and the airplanes collided on final approach for the runway about 150 ft above ground level (agl).

Examination of the airplanes revealed no evidence of mechanical malfunctions or anomalies that would have precluded normal operation. The multi-engine airplane’s wing flaps and landing gear were both retracted at the accident site, consistent with the pilot’s failure to configure the airplane for landing, and flight track information indicated that the pilot maintained a ground speed of about 180 knots throughout the approach until the collision occurred, which may have reduced the time available for him to see and avoid the single-engine airplane.

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Quelle: NTSB Abschlussbericht

Der Pilot des einmotorigen Flugzeugs befand sich in der Platzrunde auf der gemeinsamen Verkehrshinweisfrequenz (CTAF) des Flughafens und machte seine Positionsmeldungen. Der Pilot des mehrmotorigen Flugzeugs machte einen ersten Funkruf auf der CTAF 10 Meilen vom Flughafen entfernt und kündigte seine Absicht an, einen Geradeausanflug auf die Landebahn durchzuführen. Beide Piloten gaben weiterhin entsprechende Positionsmeldungen ab, kommunizierten aber erst direkt miteinander, als das mehrmotorige Flugzeug etwa eine Meile vom Flughafen entfernt war und das einmotorige Flugzeug auf dem Queranflug war. Als der Pilot des einmotorigen Flugzeugs erkannte, dass sich Zweimot ihm näherte, setzte er zum Durchstarten an. 

Beide Flugzeuge kollidierten im Endanflug auf die Landebahn in einer Höhe von etwa 150 Fuß über dem Boden (AGL).

Die Untersuchung der Flugzeuge ergab keine Anzeichen für mechanische Fehlfunktionen oder Anomalien, die einen normalen Betrieb verhindert hätten. Die Flügelklappen und das Fahrwerk der Cessna 340A waren zum Unfallzeitpunkt beide eingefahren, was darauf hindeutet, dass der Pilot das Flugzeug nicht für die Landung konfiguriert hatte, und die Flugspurdaten deuteten darauf hin, dass der Pilot während des gesamten Landeanflugs bis zur Kollision eine Geschwindigkeit von etwa 180 Knoten über Grund beibehielt, wodurch er möglicherweise weniger Zeit hatte, das einmotorige Flugzeug zu sehen und ihm auszuweichen.

Soweit die Fakten, wie sie im NTSB Abschlussbericht stehen.

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FlugundZeit:

Meist tödlich endende Zusammenstöße in der Luft, bei der die jeweils andere Maschine zu spät gesehen wird, sind leider keine Seltenheit. Oft ist es die blendende Abendsonne oder das Tiefdecker-/Schulterdecker-Problem, das auch einem Weltmeister wie Manfred Strößenreuther zum Verhängnis wurde.

Nach Studien könnten THC oder andere Bewusstseinsbeeinflussende Drogen auch noch lange Zeit nach der Einnahme (Monate oder sogar Jahre später, plötzlich Wirkung zeigen. Das ist beispielsweise auch von Hormonen bekannt, die sich im Fettgewebe anlagern und dann, wenn dieses (etwa durch Abnehmen) abgebaut wird, plötzlich freigesetzt werden. 

Ich bin kein Arzt. Die Aussage, dass ein geringer THC-, Kokain-Gehalt oder Abbauprodukte von Drogen im menschlichen System keinen Einfluss auf die Reaktionsfähigkeit, auf die Aufmerksamkeit haben, halte ich dennoch für gewagt. Ob das bei diesem konkreten Fall einen Unterschied machte, wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen.


©beide Bilder aus dem Vorabbericht der NTSB


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.