Oshkosh 2017 (Freitag 1): Der Flug zum Mars

Zum Mars kann man von der Erde aus nicht jeden Tag fliegen. Beide Planeten ziehen ihre Bahnen um die Sonne, aber das nicht in einer Linie von der Sonne aus gesehen. Es gibt also regelmäßig alle paar Jahre ein Zeitfenster, in dem sich Erde und Mars annähern und dazwischen ist der eh schon von der Sonne weit entfernte rote Planet noch weiter weg von der Erde.

2033 ist die nächste magische Jahreszahl für die nächste Annäherung von Erde und Mars. Da werden heute geborene Kinder also um die 16 Jahre alt sein – beziehungsweise heutige Teenager haben reelle Chancen, danach zum Mars zu reisen. Mit dieser Denkweise hat NASA noch immer bei der Kommunikation die Zielgruppe der Kinder im Visier. Was sie nicht begreifen, ist, dass die heutigen Erwachsenen das Projekt finanzieren sollen, wenn es denn in den USA soweit kommen wird.

Das Problem ist aber nicht der Mangel an künftigen Astronauten, sondern das Funding der „Journey to Mars“. Viele erfolgversprechende Projekte und technische Entwicklungen dazu werden und wurden periodisch auf Eis gelegt, weil alle vier Jahre die Regierung andere Prioritäten setzt. Nun ist gerade wieder ein Raumfahrtfördersekündchen.

Der Plan ist, 2019 mit dem neu entwickelten, aber auf komplett antiquierten, jedoch sicheren System von Trägerrakten, Launchsystem SLS zunächst einmal den Mond zu umrunden. Vorerst unbemannt. Später soll es eine Station in der Mondumlaufbahn geben, von der aus die Flüge in den weiteren Raum, Deep Space, erfolgen sollen. Zu gut deutsch, eine Art ISS, die um den Mond kreist.

Der Deep Space Gateway: die Startstation hinter dem Mond

Auch der Flug zum Mars 2033 soll zunächst unbemannt erfolgen. Ob der über die Deep Space Station geht (von dort Material oder eventuell auch die Astronauten aufnimmt), oder direkt von der Erde zum Mars ist noch nicht klar.

Wir heute schon etwas länger lebenden Erwachsenen werden nach diesem Zeitplan vermutlich erst sehr spät oder gar nicht mehr die bemannte Marslandung erleben.

Was aber hier komischerweise nicht berücksichtigt wird ist das viel zitierte „America first“. Denn andere Nation machen weniger Bohei um ihre Raumfahrtforschung und Pläne und im Gegensatz zur Mondlandung gibt es für den ersten bemannten Flug zum Mars diesmal mehr als einen ernstzunehmenden Konkurrenten.

Statt das Kriegsbeil hier auf Erden zu wetzen, wäre es für den Fortschritt der gesamten Menschheit förderlicher, wenn ein neuer weltweiter Wettlauf, diesmal zum Mars, entstehen würde. Wenn die großen Nationen Geld statt in die (Auf)Rüstung in die Raumfahrtforschung stecken. Die langjährige Führungsrolle und das gute Image, das die USA im letzten Jahrhundert weltweit innehatten, stammte unter anderem von den Pionierleistungen in der Raumfahrt und den Mondlandungen.

Gerne America First, wenn es um die Raumfahrt geht. Es würde andere Nationen nur anspornen, sich ebenfalls schneller und mehr an der technischen Entwicklung dazu zu beteiligen.


Fotos (c) NASA bis auf den Gateway, (c) hkl

Ein Gedanke zu “Oshkosh 2017 (Freitag 1): Der Flug zum Mars

  1. Pialalama 29. Juli 2017 / 0:42

    Hallo! Toller Beitrag. Ich erinnere mich bei dem Thema immer wieder gerne an ein Poster aus diesem Apotheken-Heft für Kinder. Damals, ich glaube das war so vor 10 Jahren, war auf einem Poster eine Raumstation abgebildet, die man angeblich bis zum Jahr 2018 auf dem Mars bauen wollte. Mit Wohnungen, Gartenanlagen usw. Völlig verrückt! Aber auch spannend. Insbesondere jetzt, da ich vor kurzem Frank Schätzings „Limit“ gelesen habe, wächst mein Interesse an diesen Raumfahrt-Themen und ich frage mich, was wohl noch alles kommen wird.

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