Die lang ersehnte Wunschvorstellung: Unbeherrschtes Fressen und danach kinderleicht mit einer Spritze abzunehmen, ist wahr geworden. Klar, sie hilft auch tatsächlich Kranken. Aber die Mehrzahl der Gutbetuchten, die sie in ihren Körper jagt, will einfach nur wieder schön und schlank sein. Den eigenen Körper aufbessern, damit die vermeintliche Stellung in der Gesellschaft wieder stimmt.

Im Silicon Valley schlucken manche Tech-Milliardäre 100 und mehr Pillen am Tag, um Körper und Geist möglichst lange jung und gesund zu halten. Personal Enhancement – also die Verbesserung des eigenen Selbst – ist die Idee dahinter. Vor den Bestrebungen Einzelner, den menschlichen Körper in eine vermeintlich unsterbliche Hülle zu verwandeln, scheint nur noch der Geldbeutel zu stehen. Dieser Trend zur Optimierung des Menschen wird als Transhumanismus bezeichnet.
Elon Musk hat seinen ehrgeizigen Plan, das menschliche Gehirn drahtlos mit Telefonen und anderen Geräten zu verbinden, schon umgesetzt. Der erste Mensch erhielt bereits ein Gehirnimplantat von seinem Unternehmen Neuralink. Die klinische Studie dazu trägt den Namen PRIME – für Precise Robotically Implanted Brain-Computer Interface. Wie der Name schon sagt, werden bei diesem Verfahren die hauchdünnen Drähte des Implantats von einem Roboter chirurgisch in einen Teil des Gehirns eingesetzt, der für die Bewegung zuständig ist.
Wohin geht die Reise?
Chat GPT ist erst seit zwei Jahren verfügbar, und doch nimmt KI dem Menschen heute in unzähligen Bereichen stundenlange oder kunstvolle Arbeit ab. Der KI-Online-Doktor, die KI-Unterstützung bei Operationen – KI schreibt Bücher, erstellt Bilder, Filme – es gibt kaum noch einen Anwendungsbereich ohne Unterstützung durch Künstliche Intelligenz. Meta AI kann jetzt sprechen, Bilder verstehen und Videos synchronisieren. Eine (PwC-)Umfrage unter 2.000 Berufstätigen ergab, dass fast jedes zweite Unternehmen bereits KI-Tools nutzt. Die große Mehrheit der ArbeitnehmerInnen berichte von positiven Erfahrungen…
Designobjekt Mensch
Weltweit wird an genetischen Eingriffsmöglichkeiten zur optimierten Planung von Nachkommen geforscht. Pharmakologisches Enhancement ist auf dem Vormarsch. Erste Produkte zur individualisierten vernetzten Informationsverarbeitung sind bereits auf dem Markt, etwa die Datenbrille, die Datenuhr oder das Smartphone.
Ist Transhumanismus Utopie, Wunschdenken oder gefährlich?

Transhumanisten wollen den Menschen auf die nächste Stufe der Evolution heben – mit allem, was die moderne Technik zu bieten hat. Das Ziel: Eine Menschheit, die ihre eigene Evolution aktiv in die Hand nimmt und den Einzelnen biologisch und technisch immer weiter „verbessert” – bis der Mensch die nächste Evolutionsstufe erreicht, auf der er kein „Mensch” im Sinne seines heutigen biologischen Entwicklungsstandes mehr ist.

Im Science-Fiction-Film Ex Machina (in FuZ schon mehrfach erwähnt, weil er ein Paradebeispiel ist, das zum Nachdenken anregen sollte) gewinnt ein 24-jähriger Web-Programmierer einen firmeninternen Wettbewerb – sein Preis: ein einwöchiger Aufenthalt in der privaten Berghütte des zurückgezogen lebenden Konzernchefs und modernen Frankensteins. Es geht um die Frage, was Bewusstsein ist, um den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge und vor allem darum, ob künstliche Intelligenz den Turing-Test besteht und damit ein Bewusstsein hat.
Wie weit wollen wir gehen?
Was passiert mit der Gesellschaft, wenn wir alle 100 Jahre alt werden? Was passiert mit der Erde? Verdienen Menschen, die die Erde ausbeuten, die mehr auf Krieg als auf ein friedliches Zusammenleben setzen, ein so langes Leben?

Der Wunsch und die Suche nach einem „ewigen“ oder zumindest sehr langen Leben wirft viele Fragen auf – philosophische, ethische und rechtliche.
Nach der Menschheit
Aber es gibt noch eine andere Strömung, die mit dem Transhumanismus verbunden ist: den Posthumanismus. Also die Zeit nach dem Menschen.
Für Transhumanisten ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Mensch eine (künstliche) Intelligenz erschafft, die sich selbst so weiterentwickeln kann, dass sie den Menschen nicht mehr braucht, weil sie in allem besser ist und dann vermutlich auch den immer krasser werdenden Anforderungen der Umwelt (Stürme, Überschwemmungen, Hitze…) viel besser gewachsen ist als der schwache Mensch. (Verweis nochmals auf den Film Ex Machina)
Posthumanismus
Die verschiedenen Strömungen des technologischen Posthumanismus eint die Vorstellung, dass eine künstliche Intelligenz (Singularität) an die Stelle des Menschen treten wird. Auch die Überwindung des biologischen Körpers wird von den meisten technologischen Posthumanisten für real gehalten.
Die meisten Menschen sind mit Mikrochips ausgestattet, die sie unter anderem intelligenter machen und die sie jederzeit austauschen können. Künstliche Intelligenzen agieren frei im Cyberspace und Charaktere wechseln zwischen realer und virtueller Welt. Ist das Horror oder Wunschdenken?
Posthumanismus beschreibt eine Entwicklungsepoche nach der Menschheit. Da dies naturgemäß in der Zukunft liegt, gibt es darüber zunächst nur Spekulationen und Thesen.
Man stellt sich den Posthumanen als ein hypothetisches, zukünftiges Wesen vor, dessen physische und psychische Fähigkeiten die des heutigen Menschen bei weitem übertrifft.

Posthuman kann aber auch bedeuten, dass eine Einheit von menschlicher und künstlicher Intelligenz geschaffen wird, dass menschliches Bewusstsein in einen fremden Körper transplantiert oder eine Computerstruktur hochgeladen wird.
In jedem Fall haben diese Gedankenspiele einen durchaus ernsten Hintergrund. Das Rad der Zeit zurückzudrehen, wird nicht funktionieren. Auch kein Stillstand. So sehr sich das manche wünschen, die sich mit den Fortschritten der KI beschäftigen. Denn die Büchse der Pandora ist bereits geöffnet. Und wenn einer (eine Nation) es nicht tut, wird es der/die nächste tun.

Was ist Transhumanismus im Unterschied zu Posthumanismus?
Trans- und Posthumanismus vereinen Diskurse der Philosophie, der Sozial- und Kulturwissenschaften, der Neurowissenschaften, der Informatik, der Robotik und der KI-Forschung und gehören zum Grenzbereich von philosophischer Anthropologie und Technikphilosophie.
Während der Transhumanismus (lat. trans = jenseits) den Menschen (nach seinen Vorstellungen) perfektionieren möchte, dabei aber noch immer von Menschen spricht, scheint der Posthumanismus (lat. post = nach) auf eine Überwindung des menschlichen Paradigmas insgesamt und kategorial zu zielen.
Der Begriff „posthuman“ stammt aus der Science-Fiction, der Zukunftsforschung, der zeitgenössischen Kunst und der Philosophie und bezeichnet eine Person oder ein Wesen, das in einem Zustand jenseits des Menschseins existiert.
Beide Konzepte behandeln Fragen der Ethik und Gerechtigkeit, von Sprache und Kommunikation zwischen den Arten und der Interdisziplinarität in sozialen Systemen.
Zum Weiterlesen und Vertiefen

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Quellen: Vortrag und Thesis (https://repository.uel.ac.uk/download/8a1d0d464e1f89ded4ace911c3470e192da96f564aaae7c68e1c787fc2ca6a23/931830/2022_PhD_Thomas.pdf) von Dr. Alexander Thomas auf dem BSF24 und zahlreiche Wikis.
Dr. Alexander Thomas ist (nach eigenen Angaben) Filmregisseur und Drehbuchautor. In seiner akademischen Forschung an der University of East London geht er der Frage nach, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, wenn kulturelle, kybernetische und biotechnologische Entwicklungen die Vorstellung vom Menschen als kohärente und ewige Kategorie untergraben.
©alle Bilder: FuZ + KI
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