Die schönste Art zu fliegen

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(c) alle Bilder dieses Beitrages: Elfly

Flugzeuge brauchen auch für lange Strecken keine umweltbelastenden Straßen, Brücken, Kreuzungen, Ampeln und schon gar nicht deren Kilometer- und Jahre-lange Reparatur. Wasserflugzeuge sind sogar nicht einmal auf eine menschengemachte Landebahn angewiesen. Nun muss nur noch das Fliegen selbst umweltfreundlich vonstatten gehen. Dann wären Flugzeuge auch für umweltsensitive Menschen das perfekte Reisemittel.

Im Laufe der letzten Jahre, fast schon des letzten Jahrzehnts, tauchten gefühlt wöchentlich neue Projekte mit kleinen Elektroflugzeugen auf und genauso schnell verschwanden sie oder auch wieder von der Bildfläche. Oft sogar vor dem ersten flugfähigen Prototypen. Zudem sind, was dringend benötigt wird, zumindest mittelgroße Passagiermaschinen und nicht Ein- oder Zweisitzer.

Am besten emissionsfrei

In der Luft sind die Anforderungen an den Antrieb (Gewicht, Größe, Zuverlässigkeit) noch um eine Potenz höher als beim zweidimensionalen Fahren. Der All-Electric-Wunsch clasht dann hart mit der Realität.

Auf der Paris Air Show („Le Bourget“) wurde letzte Woche ein Projekt vorgestellt, das zumindest Chancen auf die Umsetzung hat. Die norwegische Elfly-Group stellte das Design ihres neuen, vollelektrischen kommerziellen Wasserflugzeugs Noemi („emissionsfrei“) vor. Es ist Teil eines Forschungsprojekts, das von privaten Investoren und dem norwegischen Forschungsrat finanziert wird. 

Norwegen hat sich verpflichtet, den kompletten Personennahverkehr auf Elektromobilität umzustellen. Dänemark und Schweden taten dies bereits ein Jahrzehnt früher. Mit über 1000 Fjorden und 450000 Seen ist Norwegen perfekt geeignet für umweltfreundliche Wasserflugzeuge. Es gibt Strecken, etwa von Bergen nach Stavanger, die jährlich von mehr als einer halben Million Passagiere genutzt werden. Bisher reisen etwa 500000 mit Bussen und 70000 mit Fähren.  

Bewährtes Wasserflugzeug-Design

Noemi ist ein modernes Amphibienflugzeug, angetrieben von zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von bis zu 1 MW. Lithiumbatterien liefern den Energiespeicher. Das Design wurde von Wasserflugzeugen wie der de Havilland Twin Otter und der Mallard von Grumman inspiriert. Zudem verfügt das Flugzeug über eine große Frachttür und die Kabine ist bei Landlandungen für Rollstuhlfahrer vollständig zugänglich. 

Wir wollen, dass die Menschen emissionsfrei von Stadtzentrum zu Stadtzentrum reisen können, und zwar in einem Bruchteil der Zeit, die sie gewohnt sind.

Quelle: Elfly

Die vollelektrischen Flugboote für den Transport von Personen und Gütern sollen sich zunächst in Norwegen bewähren. Danach will die Firma auch in andere Länder expandieren. Noemi würde die dreistündige Reise von Bergen nach Stavanger auf eine knappe Stunde verkürzen. 

Menschliche Aktivitäten haben einen starken Einfluss auf das Klima und die Umwelt. Unser Ziel ist es, diese Auswirkungen zu verringern, indem wir die Art und Weise, wie Menschen reisen, verändern. Das elektrische Wasserflugzeug ist das am wenigsten in die Natur eingreifende Verkehrsmittel, das wir kennen. Für seinen Betrieb ist so gut wie keine Infrastruktur erforderlich, und seine Batterien werden mit sauberem Strom aus dem zu 98 % erneuerbaren norwegischen Energienetz aufgeladen.

Zitat: Elfly

Noemi soll in drei Kabinenausstattungen angeboten werden. Zum einen als Business/Executive-Kabine mit neun Sitzen plus Gepäck, als Charterflieger mit VIP-Kabine und sechs Sitzen. Ein weiteres Modell ist ein touristisches Vergnügungsflugzeug mit 13 Sitzen, diesmal ohne Gepäck. Eine Frachtversion sowie eine MedEvac-Version sind ebenfalls angepeilt.

2025 soll der erste Prototyp noch ohne Passagiere fliegen. Die Reichweite ist auf 124 Meilen und bei einer Geschwindigkeit von bis zu 155 Meilen pro Stunde ausgelegt (2030). Das Wasserflugzeug hat eine drucklose Kabine und wird von zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von bis zu 1 MW angetrieben.

Nach Angaben der Firma arbeitet sie an der Zertifizierung ihres EG1A-Versuchsträgers nach CS23 Level 4, wodurch das Flugzeug zu einem Wasserflugzeug mit bis zu 19 Sitzen weiterentwickelt werden kann.

Ziel ist es, bis 2030 die ersten 15 Wasserflugzeuge entlang der Westküste Norwegens fliegen zu lassen.


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One response to “Die schönste Art zu fliegen”

  1. HEINZ K

    Batterieelektrisch betriebene Fahr- und Flugzeuge sind nicht umweltfreundlich, auch dann nicht, wenn sie ausschliesslich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben würden.
    Ganz im Gegenteil. Sie verlagern die Emissionen lediglich dahin, wo Herr und Frau Gutmensch sie nicht zur Kenntnis nehmen müssen!
    Die furchtbaren Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen durch Kinder- und Sklavenarbeit, die bei der Gewinnung der nicht ersetzbaren Rohstoffe Kobalt und Lithium begangen werden, sind unvorstellbar, de facto unvermeidlich und völlig inakzeptabel.
    Deshalb:
    Die größte Schweinerei, die ein Einzelner bezüglich Menschenrechten und Umweltschutz mit einer einzelnen Handlung begehen kann, ist der Kauf eines Elektroautos!
    Und dann, demnächst vielleicht, der Kauf eines Elektroflugzeuges.
    Die derzeit einzige Möglichkeit, wirklich emissionsfrei zu fahren und zu fliegen, ist die Verwendung von synthetischen Kraftstoffen (eFuels), bei deren Herstellung das CO2 wieder der Atmosphäre entnommen wird und die Verwendung von Wasserstoff, bei dessen elektrolytischer Gewinnung (aus Wasser) ausschliesslich regenerative Energie verwendet wird. Beides kann sofort, zur Verwendung in den existierenden Verbrennungsmotoren, begonnen werden, während angepasste Verbrennungsmotoren und Brennstoffzellen entwickelt und produziert werden.
    Während die Technologie für eFuels noch in der Entwicklung steckt, existiert die Technik zur H2 Erzeugung seit Jahrzehnten, ich gehe beruflich täglich damit um. Lediglich die existierenden Apparate (Elektrolyseure) sind zu klein, da der H2 Bedarf bisher eben sehr klein war („Apothekermengen“ für Plasmaanlagen, Medizintechnik, …). Das könnte sich sehr kurzfristig (in ein bis zwei Jahren) ändern, die Politik müsste es nur wollen. Wirtschafts- und Umweltminister, die in Physik und Chemie aufgepasst haben und wenigstens die Grundrechenarten beherrschen, wären dabei hilfreich …

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.