Versteckt hinter einer namenlosen Wand auf einem Durchlaufgang wurde die Zukunft der Frankfurter Buchmesse angekündigt.
Dass es so mit der ewigen Verkleinerung, dem Ausschluss und Zusammenlegen von Veranstaltungen nicht weitergehen kann, ist anscheinend auch dem Veranstalter klar.
Aber wie soll sie ab dem nächsten Jahr aussehen?
Dazu wurde auf den Innenwänden des schmalen Ganges, der sich hinter der großen roten Wand verbarg, das Konzept für die Zukunft vorgestellt. Das Publikum – wer sich hinter die Wand gewagt hatte, nachdem er sie überhaupt bewusst wahrgenommen hatte (bei mir dauerte das drei Buchmesse-Tage) – durfte online darüber abstimmen.
Mit der neuen Struktur will die Frankfurter Buchmesse das Beste aus beiden Welten vereinen: ein internationales Business-Forum bleiben und zugleich das kulturelle Festival, das Geschichten, Ideen und Menschen zusammenbringt, wiederbeleben.
Eine Buchmesse, die ihre Wurzeln bewahrt – und gleichzeitig mutig in die Zukunft schaut.
In der neuen Struktur des Messegeländes sollen künftig die unteren Ebenen der Hallen primär auf das Publikum ausgerichtet sein. Diese Ebenen werden dadurch leichter zugänglich und schaffen Platz für neue Formate und Erlebnisse mit eigener Atmosphäre. [Fast original PR-Sprech]
Bei den oberen Etagen soll der internationale Geschäftsverkehr im Vordergrund stehen. Hier können Aussteller, Verleger, Agenten und Fachbesucher Kontakte knüpfen und grenzüberschreitende Geschäftsmöglichkeiten erkunden.
Klar abgegrenzte Bereiche sollen oben einen professionellen Rahmen für konzentriertes Arbeiten, den Dialog und die Zusammenarbeit bieten – von Einzelgesprächen und Verhandlungen bis hin zu Branchenveranstaltungen.
Obwohl sie für das Fachpublikum konzipiert sind, stehen diese Etagen auch allen interessierten Besuchern offen.
Die Restrukturierung zielt darauf ab, den Messebesuch übersichtlicher zu gestalten, neuen Formate eine Chance zu geben und die Verbindung von Kultur, Markt und Öffentlichkeit weiterzuentwickeln.

FUZ
Die Verlage brauchen also dann zwei Stände, einen für die Fachbesucher oben und einen „Verkaufs- und Ansichtsstand“ unten. Genau besehen sogar drei – denn die meisten waren dieses Jahr auch bereits in der Halle 1 für die New Adult Generation vertreten. Könnte durchaus sein, dass sich die Zahl der Aussteller, die das alles auf sich nehmen, damit dezimiert.
Zudem wird die Trennung in Fachbesucher und generelles Publikum dadurch strikter. Vielleicht wird es einfacher für die Fachbesucher, die diesmal ja bereits am Freitag in den Gängen durch die langsam und neugierig guckende Leserschaftstrauben durcheilen mussten.
Allerdings werden so auch viele zufällige Kontakte, die sich bisher fast nebenbei ergaben, fehlen. Es ist wie bei den Literary Agents, die, seitdem sie in einer eigenen Ebene residieren, komplett vom Tagesgeschehen der Buchmesse abgekoppelt sind. Je mehr aufgespalten und
individualisiert die Orte nach Zielgruppen sind, widerspricht es der gewollten Durchmischung der Interessenten.
Also gegen das gewollte Ziel der Begegnung als…
…Veranstaltung mit einer schlüssigen Erzählung – eine, die Wirtschaft und Feierlichkeiten, Handel und Kultur, internationale Bühnen und lokale Höhepunkte, Tradition und Innovation vereint.
[Buchmesse]
Das Schöne an der Buchmesse war doch, dass man bisher (zumindest in den früheren Jahren) beim Eilen von Termin zu Termin buchstäblich über Prominente aus unterschiedlichen Gebieten und große Autoren „stolperte“ und sich so interessante Begegnungen ergaben.
Abwarten. Es ist ein Versuch.


