Die Zukunft der Luftfahrt: Elektrifizierung

Langsam erreicht die Elektrifizierung auch den Himmel. Das stoppt nicht bei der Entwicklung der Fluggeräte, sondern setzt – wie am Boden auch –geeignete Ladestationen an Flugplätzen voraus. Erste Schritte dafür gibt es bereits: Ladestationen, die von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zugelassen wurden.

Flughäfen und Flugzeughalter können sich auf eine neue Ära der Elektromobilität vorbereiten, die nicht nur die CO2-Emissionen reduziert, sondern auch die Art und Weise verändert, wie Flugzeuge aufgeladen und betrieben werden.

Die Herausforderung der Ladeinfrastruktur für Elektroflugzeuge

Mit der Entwicklung von elektrischen Flugzeugen, die sowohl umweltfreundlicher als auch wirtschaftlicher im Betrieb sind, stehen Flughäfen weltweit vor einer neuen Herausforderung: der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur, die mit den spezifischen Anforderungen dieser neuen Flugzeugtypen kompatibel ist. Elektroflugzeuge, die eine größere Reichweite haben und schneller aufgeladen werden müssen, benötigen schnellere Ladezeiten und effizientere Ladegeräte.

Ein Schlüssel zu dieser Herausforderung liegt in der Gleichstromladung, einer Technologie, die den Energieverlust während des Ladevorgangs minimiert und Ladezeiten erheblich verkürzt. Ladegeräte, die diese Technologie nutzen, bieten (nach Herstellerangaben) einen Umwandlungswirkungsgrad von bis zu 96 %, was die Effizienz und Schnelligkeit des Ladevorgangs entscheidend verbessert. Darüber hinaus sind diese Geräte nicht nur auf kleinere Flugzeuge ausgelegt, sondern auch für größeres Fluggerät, das künftig in der kommerziellen Luftfahrt eine Rolle spielen könnte.

Elektrische Senkrechtstarter und Urban Air Mobility (UAM), wie Flugtaxis, stellen Flughäfen vor die Herausforderung, ihre Ladeinfrastruktur entsprechend anzupassen. Die Ladegeräte müssen eine Vielzahl von Flugzeugtypen unterstützen, vom kleinen eVTOL bis hin zum größeren Elektroflugzeug, das mit mehr Leistung und einer schnelleren Ladezeit betrieben werden muss.

Deutschland als Vorreiter in der Elektromobilität

In Deutschland wird die Elektrifizierung der Luftfahrt bereits mit Hochdruck vorangetrieben. Einige Flughäfen setzen auf innovative Technologien und bauen die nötige Ladeinfrastruktur aus. Ein Beispiel ist der Flughafen Kempten-Durach, der in Bayern als erster eine Elektrotankstelle für E-Flugzeuge eingerichtet hat. Diese Einrichtung ist nicht nur ein Vorreiter für den Flughafen selbst, sondern ein Zeichen dafür, dass die Zukunft der Luftfahrt auch hierzulande an Fahrt gewinnt.

Am Flughafen Stuttgart wurde während des Projekts „Schaufenster für Elektromobilität“ auf batteriebetriebene Abfertigungsgeräte gesetzt, die erhebliche Mengen an Flugzeugen schleppten und auch Passagiere sowie Gepäck transportierten. Der Flughafen ist zudem ein Vorreiter bei der Einführung von Ladestationen für Elektro-Lkw und stellt Schnellladegeräte für eine Reihe von Fahrzeugen zur Verfügung. Auch der Flughafen Memmingen hat bereits eine Reihe von Ladepunkten für Elektrofahrzeuge im Sicherheitsbereich installiert und zeigt, dass die Elektromobilität auf Flughäfen zunehmend auch den Bereich der Bodenabfertigung umfasst.

Der Weg in eine nachhaltige Zukunft

Die Vorteile der Elektrifizierung der Luftfahrt sind eindeutig: Elektroflugzeuge könnten ihre CO2-Emissionen über die gesamte Lebensdauer hinweg um bis zu 60 % reduzieren, vorausgesetzt, sie werden mit grünem Strom aufgeladen. Das bedeutet nicht nur eine Entlastung des Klimas, sondern auch eine massive Verringerung der Luftverschmutzung, die besonders in und um große Flughäfen eine Rolle spielt.

Flughäfen, die in erneuerbare Energien investieren und ihre Ladeinfrastruktur für Elektroflugzeuge ausbauen, können damit auch ihre Energieunabhängigkeit erhöhen. Mit Technologien wie dem Building-as-a-Grid-Ansatz, der erneuerbare Energiequellen und Batteriespeichersysteme integriert, kann der Energieverbrauch vor Ort optimiert und der Verbrauch von Netzstrom minimiert werden. Ein weiterer Vorteil dieser Lösungen ist die Reduktion der Betriebskosten, die durch eine effizientere Nutzung der vorhandenen Energie und eine nachhaltigere Energieversorgung realisiert werden kann.

Der Blick in die Zukunft

Klar ist: Die Elektrifizierung der Luftfahrt wird nicht von heute auf morgen flächendeckend Realität. Große elektrische Verkehrsflugzeuge werden in naher Zukunft noch nicht den kommerziellen Betrieb dominieren. Doch die Entwicklung von kleineren, regionalen Elektroflugzeugen und eVTOLs hat bereits begonnen, und die Technologie entwickelt sich rasch weiter.

Aber: Die Transformation hat bereits begonnen

Die Elektrifizierung der Luftfahrt bietet Potenzial für die Nachhaltigkeit der Branche. Flughäfen in Deutschland und weltweit sind dabei, ihre Infrastruktur auf die Anforderungen von elektrischen Flugzeugen und eVTOLs auszurichten.

Die Zukunft der Luftfahrt soll grüner, schneller und effizienter werden – und viele Flughäfen und Unternehmen tragen bereits dazu bei, diese Zukunft zu gestalten. Auch wenn, zugegeben, der Weg noch lang ist.

Kleiner FunFact zur Nachhaltigkeit, weil wir heute den Fetten Dienstag (Mardi Gras :-) ) feiern:
Bei einem typischen Mardi Gras in New Orleans fallen rund 100.000 Pfund weggeworfene Perlen an. Es gibt bereits ein Team der Louisiana State University, das biologisch abbaubare Perlen (biodegradeable Plant-Me Beads) entwickelt…


©Eingangsbild: Eaton


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.