


Das British Science Festival (BSF), wie jedes Jahr im Herbst, fand diesmal in Exeter statt. Exeter liegt in Devon, das ist der südwestliche Zipfel von England. Eine Kleinstadt, eher ländlich geprägt, mit Universität. Klar, sonst würde das BSF da auch nicht abgehalten werden. Die Uni befasst sich vor allem mit der Rettung der Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschonenden Themengebieten. Alles Themen, mit denen der Großteil der Stadtbevölkerung eher wenig anfangen kann.


Das BSF war in Exeter zeitlich stark gekürzt: Erst ab Mittwoch (Pressetag mit überbordenden Terminen ohne Pause bis 7 Uhr abends), die „Fachtage“ nur Donnerstag und Freitag, und alle Veranstaltungen in der Stadt nur Samstag und Sonntag. Einerseits war die Veranstaltung, vor allem verglichen mit den letzten Jahren, in der wissenschaftlichen Breite und Tiefe eher enttäuschend. Andererseits gab es einige wenige Highlights, über die es sich durchaus zu berichten lohnt. Siehe etwa die Dreamachine, die definitiv zu meinen herausragenden und einschneidenden Erlebnissen der letzten Zeit zählt.

Nicht nur die Stadt erinnert in manchen Straßen an San Francisco, was die Steigung betrifft – die Uni liegt noch weiter oben, die Gebäude malerisch auf einem Hügel verstreut. Fußläufig zu erreichen von der Stadtmitte in 30 Minuten, von einigen Hotels in mehr als 40 Minuten. Das macht bei 30 Grad frühmorgens Außentemperatur und knallender Sonne (ja, England! im Frühherbst) so richtig Laune.
Nach drei Tagen hatten wir auch heraus, dass der sogenannte Uni-Bus, der laut Internet nicht fuhr, doch fuhr. Allerdings nur als 1 physischer Bus, ohne Terminplan. Wenn er kam, dann kam er. Sonst eben in einer Stunde wieder. Aber da die Engländer digital viel weiter sind als die digital-lahmen Deutschen, sieht man auf einer App nach, wo er gerade fährt und rechnet sich aus, ob die Ankunftszeit an der Haltestelle für einen gerade passt oder nicht. 🙂 Schriftlich fixierte Haltestellenpläne sind so von gestern.

Exeter ist eine gemütliche Kleinstadt mit sehr freundlichen Menschen. Allerdings war die Effizienz schon frühmorgens ein Schauspiel: das Frühstück im Hotel, bei dem die Reaktion der Gäste einen jeden Morgen innerlich schmunzeln ließ, wenn er/sie, lange Zeit nach einer super netten Bestellungsaufnahme nicht im Entferntesten das bekam, was er/sie bestellt hatte. Manche verließen ihren Tisch mit stoischer britischer Miene, weil sie weg mussten, andere versuchen mehrmals vergeblich, die Bestellung zu erneuern. Wieder andere aßen widerwillig das falsch Gebrachte. Theater live am frühen Morgen!
Kultur gab es ansonsten am Wochenende im „phoenix“. Richtig spannend fanden wir da den Cyber Escape Room, in dem es in der Gruppe unter Zeitdruck mehrere Passwörter herauszufinden galt. Die Gruppe schaffte die 5 Wörter in etwa der halben vorgegebenen Zeit. Wir waren richtig motiviert und gut!


Erstellt war die Aufgabe von Oli Buckley, Professor für Cyber Security. Ihm ist es ein Anliegen, der Allgemeinheit locker und leicht durch Rätsel, Puzzles, oder eben Spiele die alltägliche Cyberkriminalität bewusst zu machen. Mit Spaß lernen, das bewirkt mehr als die mahnenden Bleiwüsten, die hierzulande vom BSI in die Welt geschleudert werden.


Gedichte verfassen und Flamenco tanzen gab es in zwei weiteren Räumen des phoenix-Gebäudes. Erstaunlich, welche literarische Qualität die Teilnehmer unterschiedlichen Alters in ihren Texten zu Wege brachten. Und die freundlichen Damen, die mit ihren Stöcken lautstark die rhythmischen Schläge des Flamenco auf den Boden klopften, versetzten den Zuseher sofort mitten in Carlos Sauras Carmen. Die herzliche Einladung anzunehmen, gleich mitzumachen, klappte leider aus zeitlichen Gründen nicht mehr.
Zu den einzelnen wissenschaftlichen Highlights gibt es eigene Beiträge im Folgenden.
Hier geht es zur Übersicht über alle Beiträge des British Science Festivals 2023 auf flugundzeit.

