Deep Frame
Ein Mann sieht durch ein Fenster. Er steht mit dem Rücken zum Betrachter. Die Filmkamera fährt an ihm vorbei unbeirrt weiter durchs geschlossene Fenster, hinein in den Raum, in den nächsten Raum, Focus auf das leere Bett. Großformatiges Fotobild einer schönen Frau (die im Film bereits eine Rolle spielt) an der Wand.
Eine einzelne Kamerafahrt. Wenige Sekunden, aber in der Realität so nicht direkt umsetzbar.
KI kann’s.
Hennig Morales kann es. Der Filmregisseur hat den ersten Film, der nur aus mit KI erzeugten Videos besteht, erstellt. Gedreht ist hier wohl nicht mehr der richtige Ausdruck.
Der Titel Deep Frame beinhaltet mehrere Anspielungen. Warum er sich auch auf den Film bezieht, soll nicht verraten werden. Schließlich ist es ein Krimi Musical.
Krimi Musical?
Krimi – der Spannung und Handlung wegen. Musical, weil vieles der Story durch menschlichen Gesang erzählt und untermalt wird. Vieles in dem Film hat auch mehrere Ebenen. So wird das gleiche inhaltliche Betrogene-Frau-Thema in unterschiedlichen Musikgenres krass umgesetzt. Ungewöhnlich. Aber sehens- und hörenswert.
Morales sieht den Film eher als „high-intensity noir rock opera“. Auch gut.
Hier ist der Youtube Link zum Trailer
Gleich vorweg: Der Film an sich hat an allen Ecken und Enden Room for Improvement, wie der Brite sagen würde (Verbesserungspotential). Trotzdem ist er unbedingt sehenswert. Er ist Zeitgeschichte.
Die Story an sich ist schlicht. Vorhersehbar und eher eindimensional. Aber das ist nicht das Thema, nicht der Grund für den Film.
Morales wollte der erste sein; der erste, der einen komplett KI-gedrehten Film fertigstellt. Und dafür nahm er auch in Kauf, dass gerade die Gesprächszenen „um so viel einfacher und schneller konventionell gedreht hätten werden können“. Er nahm in Kauf, dass er an manchen kurzen Szenen viele Prompts einsetzen musste, bis das Ergebnis endlich so war, wie er sich als Regisseur das vorstellte.

Es war ein Experiment. Eines, das ihm sicher Ruhm und Anerkennung bringt. Beim nächsten Film will Morales trotzdem lieber auf eine Symbiose setzen: Reale Szenen an realen Locations mit realen Schauspielern und KI dort, wo es Geld spart und damit auch Sachen und Dinge möglich werden, die real selbst mit hohem Kosten- und Zeitaufwand konventionell so nicht umsetzbar sind.
Es bricht eine neue Zeit für Drehbuchschreiber an. Man muss nicht mehr bei jeder Szene vorher überlegen, ob die in einem realen Budget auch realisierbar ist, sondern nur den Haken setzen: KI-Dreh.
Bei Deep Frame sind noch alle gesprochenen und gesungenen Texte von Menschen gemacht. „Sie würden fluchtartig den Raum verlassen“, meint Hennig Morales, „wäre auch das KI generiert“.
Aber wo sind die Zeiten, als man nicht glaubte, dass Roboter wie Menschen auf zwei Beinen vernünftig laufen können? Jetzt gewann ein Zweibeiniger sogar einen Halbmarathon, schneller als die Menschen.
Noch fehlt den KI-Avataren im Film der Funke, der den Zuschauer tief berührt. Sie wirken flach und man fiebert nicht richtig mit, weder bei den Bösen noch bei den Guten.
Das emotionale Berühren aber ist meines Erachtens nur eine Frage der Zeit. Bei den Riesenschritten, die die KI zurzeit macht.
Hintergrund zum Text
waren zwei Veranstaltungen im Rahmen der Kreativwoche in Frankfurt. Beide moderiert von der deutschen Filmemacherin, Regisseurin, Produzentin, Autorin und Biologin Dr. Ina Knobloch, sowie mit Hennig Morales und einer Schauspielerin, die im Film vorkam. Frankfurt ist World Design Capital in 2026.
Ebenso außergewöhnlich war es im Rahmen der Frankfurt Design Week, dem Briten Rankin, einem der bekanntesten Portraitfotografen (…GNTM und Heidi Klum) bei der Arbeit zuzusehen ( 🙂 dafür habe ich leider kein Foto, aus Respekt vor seiner Arbeit) und ihm am Tag zuvor zuvor zuzuhören, wie er aus seinem Leben plaudert.



Alle Bilder @Flugundzeit


