Noch drehen sich die Gondeln der Euro-Mir vorbei an ihren markanten Spiegeltürme in schwindeliger Höhe. Ende des Jahres 2026 ist damit Schluss. Der russische Themenbereich im Europapark wird sich ab 2028 in ein neues Weltraum-Areal verwandeln, das auf europäische Errungenschaften in der Raumfahrt fokussiert.
Als kompetenter Partener fungiert dabei Europas Raumfahrtagentur ESA. Die Kooperation soll Astronautik, europäische Forschung, Bildung und Freizeitpark-Erlebnis zusammenbringen.
Clever. Denn wie man Menschen über Emotionen erreicht und begeistert, wissen und setzten die Macher des Europaparks (die Familie(n) Mack) seit Jahrzehnten perfekt um. Und die ESA, die so oft hinter der NASA in der Außenwirkung zurücksteckt („Wir haben so viel beteiligte Mitgliedsländer in den Verträgen, da müssen immer erst alle gefragt werden und zustimmen“) kommt damit direkt ans Publikum.
Seit 1997 drehen die Euro-Mir-Gondeln im Europa-Park ihre Runden und stürzen verkehrt herum per Schussfahrt in die Tiefe. Fast drei Jahrzehnte lang war die Bahn und das große MIR-Modell davor eine der prägenden Attraktionen im russischen Themenbereich: rotierende Gondeln, spiralförmige Auffahrt, futuristische Türme, ein Soundtrack mit hohem Wiedererkennungswert.
Die letzte Schussfahrt
Für viele Besucher ist sie nicht einfach irgendeine Achterbahn, sondern ein Stück Parkgeschichte. Doch nach der laufenden Saison soll nun Schluss sein.
Roland Mack kündigt vor der Unterzeichnung der Zusammenarbeit mit der ESA an, dass die markanten Türme bleiben sollen. Er erwähnt auch zwei neue Bahnen. Aber obwohl die Ideentüftler und Ingenieure nach Europapark-Manier sicher schon eifrig überlegen und werkeln, dringt noch wenig an Details über den neuen europäischen Weltraumbereich an die Öffentlichkeit.
Dass die Familien Mack für Innovation und Perfektion stehen, ist Teil des jahrzehntelangen Erfolges des Parks. Dass jeder, der in der Öffentlichkeit steht, irgendwie und irgendwann im Europapark landet, ist nur eine Folge davon.
Das betrifft nicht nur prominente Künstler sondern auch die Politprominenz. So funktioniert erfolgreiche Zusammenarbeit.
Im Bild mit Bundesministerin Bär ist Peter Franz, Mitglied des Hessischen Landtags für den Wahlkreis Darmstadt und Sprecher für Raumfahrtpolitik.

Erfrischend war die Anwesenheit und Rede von Dorothee Bär, der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Zudem ist sie stellvertretende Parteivorsitzende der CSU und Mitglied des Deutschen Bundestages. Ihr starkes Auftreten mit charmantem Humor (ja, ihre Reden schreibt sie wie alle Politiker nicht selbst, trotzdem!) überzeugt. Wer sich als Frau in der bayerischen (politischen) Männerwelt durchsetzen und hocharbeiten kann, verdient Respekt. Das gilt in Berlin erst recht.
Und weil das üblicherweise gerne untergeht: Auch alle Frauen in den Mack-Familien sind mehr als nur schönes „Beiwerk“ auf den Fotos. Ohne sie würde der Erfolg nicht funktionieren. Abgesehen davon, dass viele in Verantwortung eigene Bereiche aufgebaut und zum Erfolg geführt haben.
Nur um drei von den jüngeren Generationen zum nennen: Katja Mack mit zahlreichen Funktionen (u.a. Gründerin der Talent-Academy) oder die Architektin Ann-Kathrin Mack, die den Bereich Marketing & Communications sowie die bauliche Entwicklung und architektonische Gestaltung des gesamten Resorts verantwortet; neuestes fertiggestelltes Projekt ist die Silver Lake City. Und Miriam Mack, ohne die es den Themenbereich Kroatien nicht gäbe – dem Zuhause von Voltron, der bisher letzten neuen Achterbahn im Park.
Bild 1: v.l.n.r. Katja Mack, Mauritia Mack, (halb verdeckt Jürgen Mack), rechts neben Roland Mack: Marianne Mack und Bundesministerin Bär.
Bild 2: Katja und Mauritia Mack
Bild 3: Katja Mack, Roland Mack, Marianne Mack, Ministerin Bär (v.l.n.r.)
Bild 4: Ann-Kathrin Mack, Mauritia Mack (im Hintergrund Jürgen Mack), Bundesministerin Bär.
Alle Bilder: @FlugundZeit
Die Partnerschaft zwischen ESA und Europapark soll mehr werden als nur ein Logo an einer neuen Attraktion.
Im Mittelpunkt steht das Ziel, die europäische Raumfahrt für Besucherinnen und Besucher verständlich, emotional und erlebbar zu machen.
Geplant sind Bildungsangebote, Events, interaktive Formate und Erlebnisangebote, die besonders Kinder und Familien ansprechen sollen. Auch originalgetreue Exponate und Inhalte der ESA sind für den künftigen Themenbereich vorgesehen.

Der entscheidende Schritt für die Kooperation zwischen ESA und Europapark erfolgte am 8. Juni 2026 offiziell in einem Memorandum of Understanding. Mit dieser Absichtserklärung bekräftigten beide Seiten ihre Zusammenarbeit. Für den Europa-Park unterschrieb Inhaber Roland Mack, für die ESA Dr. Rolf Densing, ESA-Direktor für Missionsbetrieb und Leiter des Europäischen Raumfahrtkontrollzentrums ESOC in Darmstadt.
Die Win-win Situation
Roland Mack sieht in der Kooperation eine Chance, Wissenschaft aus dem Lehrbuch herauszuholen und in ein Erlebnis zu verwandeln. Technik, Physik und Raumfahrt sollen nicht abstrakt bleiben, sondern anfassbar werden. Sein Ziel ist es, jungen Menschen Begeisterung für MINT-Fächer und Zukunftstechnologien zu vermitteln. Der Europa-Park bringt dafür seine Erfahrung im Erzählen von Geschichten und im Inszenieren emotionaler Erlebnisse ein; die ESA ihre wissenschaftliche Kompetenz, ihre Missionen und den direkten Bezug zur europäischen Spitzenforschung.
Das sieht auch die ESA so. Rolf Densing hob in seiner Rede hervor, dass Raumfahrt nicht fern und abstrakt bleiben soll, sondern (mit Hilfe des Europaparks) viele Menschen erreichen wird. Die Zusammenarbeit mit dem Europa-Park bringt der ESA die Chance, sichtbarer zu werden — gerade bei einem Publikum, das sich vielleicht nicht täglich mit Satellitentechnik, Erdbeobachtung oder astronautischer Raumfahrt beschäftigt.
Damit künftig, wenn es um das Thema Raumfahrt geht, nicht so oft die NASA an erster Stelle in der Berichterstattung steht. Deren wesentlich größere PR-Abteilung vergisst so manchmal, die Leistungen aus Europa, die zum Gelingen einer Mission Voraussetzung waren, prominent zu erwähnen.
Wo Missionen lebendig werden
Dass auch Bundesministerin Dorothee Bär, zuständig für Forschung, Technologie und Raumfahrt, zur Unterzeichnung nach Rust kam, zeigt die politische Bedeutung des Projekts. Sie sprach von einer Verbindung aus Bildung und Unterhaltung, aus Wissenschaft und Nervenkitzel. Gerade bei Kindern könne so Begeisterung für Raumfahrt und MINT-Fächer geweckt werden. Ihr Hinweis ist klar: Deutschland und Europa brauchen künftig Fachkräfte, die sich für Raumfahrt, Technik und Forschung interessieren.
Neu ist die Verbindung zwischen Europa-Park und ESA nicht. Schon in der Vergangenheit gab es Berührungspunkte, etwa bei den Science Days und bei den ESA Open Days. Im Jubiläumsjahr 2025, als sowohl der Europa-Park als auch die ESA ihren 50. Geburtstag feierten, kamen beide Seiten erneut miteinander in Kontakt. Die nun unterzeichnete Vereinbarung schafft dafür einen offiziellen Rahmen und soll die Zusammenarbeit langfristig stärken.
Stillstand gibt es beim Europa-Park nicht. Das Projekt ist nur ein weiterer Schritt in der Entwicklung als Erlebnis-Resort. Neben Deutschlands größtem Freizeitpark gehören unter anderem die Wasserwelt Rulantica, sechs parkeigene 4-Sterne-Superior-Hotels, Eatrenalin und seit 2026 die Silver Lake City dazu.
Der Park zählt mehr als sieben Millionen Besucherinnen und Besucher und gilt als meistbesuchter saisonaler Freizeitpark weltweit. Bisher vermitteln 18 europäische Themenbereiche Geschichten über Länder, Kulturen und Regionen. Nun soll das All hinzukommen — nicht als Land, sondern als europäische Zukunftsvision.
Von der Kult-Achterbahn zum Raumfahrt-Erlebnis
Auch wenn noch nicht offiziell ist, welche Attraktionen genau entstehen, wie die neue Achterbahn aussehen wird und welche Elemente der Euro-Mir tatsächlich wiederzuerkennen sein werden. Das ist bekannt: Die zwei geplanten Attraktionen, sollen in einen großen Weltraum-Shop münden. Eine der Attraktionen dürfte die neue Bahn sein, die die Euro-Mir ersetzt. Sicher ist nur: Die alte Anlage wird nach 29 Jahren abgebaut und als neue Bahn mit neuer Technik neu aufgebaut.
Letzte Runde, neuer Orbit
Also an alle MIR-Fanatiker: Ran ans Fahrgeschäft. Solange die (Achterbahn) MIR noch in ihrer jetzigen Form besteht und fährt. Siehe Satellitenschüssel auf einem der Bilder: Auch die gibt es schon lange nicht mehr…
Perfekter Brückenschlag
Auf der einen Seite stehen Raketen, Satelliten, Forschung, Erdbeobachtung und astronautische Missionen. Auf der anderen Seite Familien, Ferien, Achterbahnen, Emotionen und Unterhaltung. Genau diese Verbindung ist eine Win-win Situation für beide. Erfolgversprechend für den Park und seine Besucher.


















