Lange Zeit hatten die Amerikaner keine eigene Launchmöglichkeit für ihre Missionen außerhalb der Erde. Dann kam Elon Musk mit SpaceX und die Neue Welt konnte wieder ohne russische Hilfe in den Weltraum starten. Auch die Europäer hatten nach dem letzten Start der Ariane 5 im Juli 2023 kein eigenes Launchvehikel mehr.
Die Ariane 6, halb so teuer pro Flug wie ihre Vorgängerin, ließ auf sich warten. Mit vier Jahren Verspätung soll sie nun heute (oder demnächst) in der Zwei-Booster-Version (62) zu ihrem Erstflug abheben.
Vorteile der Ariane 6 (ESA)
- Starts sind halb so teuer wie die der Ariane 5
- Es gibt 2 Versionen: mit 2 oder 4 Triebwerken, je nach Bedarf bei der Nutzlast
- Die Oberstufe ist wiederzündbar für den Start mehrerer Satelliten auf einem einzigen Flug, sowie für Missionen, die einen „Heavy Lift“ zum Mond und darüber hinaus benötigen.
- Europäische Unabhängigkeit von den anderen großen Raumfahrt-Playern
Die nicht so schönen Punkte
- Die Ariane 6 ist im Gegensatz zu den SpaceX-Raketen nicht wiederverwendbar, aber das Prinzip der Nachhaltigkeit spielt heutzutage eine große Rolle.
- 2 Wochen vor dem Erststart wurde bekannt, dass die ursprünglich für den ersten Start mit 4 Triebwerken vorgesehene Nutzlast MTG-S1, ein Satellit der dritten Generation europäischer geostationärer Wetterbeobachtungssatelliten, nun mit einer Rakete vom Typ SpaceX Falcon 9 gestartet werden soll. Ursprünglich sollte die erste Ariane 64 (4 Triebwerke) den knapp 4 Tonnen schweren Satelliten im Jahr 2025 in den geostationären Transferorbit bringen.
- SpaceX entwickelt bereits das Starship, das 2026 Astronauten zum Mond bringen soll.
Zu spät, zu teuer
Die Gründe für den Wechsel der Trägerrakete sind offiziell nicht bekannt. Denkbar ist die Sorge um die Folgen eines Fehlstarts der ersten Ariane 6. Zwar war die Nutzlast erst für den dritten Start einer Ariane 6 vorgesehen, aber wenn sich erfolgreiche Starts weiter verzögern, greift man lieber auf Bewährtes zurück. Mehr als 300 Starts von SpaceX erhöhen die Chance, dass ein teurer Satellit nicht explodiert, bevor er seine Umlaufbahn erreicht hat.
Mit dem heutigen Start der ersten Ariane 6(2) sollen nun 17 kleinere Nutzlasten transportiert werden. Die Cube Sats und zwei Re-Entry-Kapseln enthalten Experimente von Raumfahrtagenturen, Unternehmen, Forschungsinstituten, Universitäten und jungen Fachleuten [ESA].

Die drei Launchphasen der Ariane 6
Die erste Phase bringt die Rakete in die Umlaufbahn. Für den Schub sorgen das Hauptstufentriebwerk Vulcain 2.1 und zwei P120C Booster. Phase 1 dauert bis zur Trennung der Hauptstufe von der Oberstufe und der ersten Zündung des Vinci-Oberstufentriebwerks. Dieses soll die Ariane 6 mit ihrer Nutzlast in eine elliptische Erdumlaufbahn bringen.
In Phase 2 wird eine neue Funktion erprobt, die Wiederzündung der Oberstufe. Dadurch soll die Umlaufbahn der Rakete von einer elliptischen auf eine kreisförmige Bahn wandeln. Anschließend werden mehrere Satelliten abgesetzt.
In Phase 3 erfolgen technischen Erprobungen. Sie endet nach dem sogenannten Deorbiting mit dem Verglühen der Raketenteile in der Atmosphäre. Zwei Kapseln sind für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vorgesehen.
Das Plus der Unabhängigkeit
„Ein eigenständiger europäischer Zugang zum All ist sowohl für unser tägliches Leben wie auch für Wirtschaft und Wissenschaft unverzichtbar. Die akute Launcher-Krise in Europa hat uns dies umso mehr bewusst gemacht“, sagt Dr. Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt und Bundestagsabgeordnete. Deutschland ist nach Frankreich zweitgrößter Beitragszahler des Ariane-6-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Live zugucken
Der Raketenstart wird live auf ESAWebTV übertragen.
Das Startfenster reicht von 15 bis 19 Uhr Ortszeit am europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana. Das entspricht in Deutschland von 20 Uhr bis Mitternacht.
Am Ariane 6-Programm sind 13 europäische Staaten beteiligt: Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien und die Tschechische Republik.

©alle 3 Bilder: ESA


