Eine Ju-52 der Schweizer Firma Ju-Air crashte am 4. August 2018 gegen den Berg Piz Segnas auf einer Flughöhe von rund 2540 Metern knapp südöstlich vom Martinsloch (Sehenswürdigkeit). Das Flugzeug mit der Registrierung HB-HOT war auf einem Flug von Locarno nach Dubendorf als es um 16:50 L mit dem Berg kollidierte. Alle 20 Personen an Bord (2 Piloten, 1 FB, 17 Passagiere) wurden dabei getötet.
Der Kapitän war nach Aussage von Ju-Air ein Ex-Airforce- und Swiss-Pilot mit 900 Stunden auf dem Typ; der Erste Offizier ebenfalls ein Ex Air Force, Swiss- und Edelweiss-Pilot soll 250 Stunden auf der Ju-52 geflogen sein.
Eine Wetterstation in der Nähe des Martinsloch meldete Winde aus dem Norden mit bis zu 25 Knoten.
Die Ju-52 hatte keine Black Box an Bord.
Nach Aussagen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST stürzte der Flieger senkrecht zu Boden. Hier setzt wieder die Grundfrage wie bei allen Unfalluntersuchungen ein: Warum (stürzte der Flieger senkrecht zu Boden)?
Nun zu den Spekulationen der Absturzursache, die kursieren.
1. Alter des Flugzeugs
Das Baujahr hat – anders als vielleicht bei PKWs – nicht per se etwas mit Sicherheit oder einer Unfallanfälligkeit zu tun. Flugzeuge werden in regelmässigen Abständen (abhängig von der Zeit und den Flugstunden) gründlich untersucht und erneuert.
2. Wetter
Nicht nur die Anzeige vieler Geräte im Cockpit, sondern auch die prinzipielle Performance (Leistung) eines Flugzeugs ist abhängig vom Luftdruck, der Temperatur, der Feuchtigkeit und anderen physikalischen Größen, die wir so allgemein als Wetter bezeichnen.
Das trifft allerdings auf jeden Flug zu, egal ob bei Schneebedingungen, turbulenten Winden, Hagel, Blitzeinschlag und mehr. Ein Pilot hat sich vor jedem Flug mit den aktuellen Wetterbedingungen vertraut zu machen (und zwar mit allen Informationen, die verfügbar sind) und diese dementsprechend zu beurteilen und seine Handlungen danach zu setzen. Das kann auch zum kompletten Absagen des Fluges vor dem Abheben führen, wenn die Voraussetzungen für eine sichere Flugdurchführung (bei diesem Wetter, mit dieser Pilotenlizenz, der Ausstattung des Flugzeugs…) nicht gegeben sind.
Flüge in den Alpen sind generell anderen anspruchsvolleren Wetterbedingungen ausgesetzt als über dem Flachland. Schneller Wetterwechsel, Turbulenzen in geografisch engen Gebieten, extreme Auf- und Abwinde und in engen Tälern eben nicht die Möglichkeit mit einer 180-Grad Kurve wieder zurück zufliegen, erhöhen die Anforderungen.
Die Steigleistung von Kolbenflugzeugen sinkt generell mit Zunahme der Höhe und damit der Abnahme des Luftdrucks. Hohe Temperaturen (wie sie derzeit extrem über Europa herrschen) vermindern weiter die „normal gewohnte“ Leistung eines Flugmotors. Hohe Temperaturen und Temperaturdifferenzen verstärken vermutlich auch die Auf- und Abwinde (Downdrafts), die unsichtbar, aber mit einer enormen Wucht ein Flugzeug nach oben oder unten schleudern können.
Wie im ersten Absatz zum Wetter beschrieben, haben also die Wetterbedingungen bei jedem Flug ihren Beitrag, alleine schon zur Fluggeschwindigkeit oder auch der Flughöhe. Der Grund zu einem Absturz ist damit jedoch nicht per se gegeben.
Mehrfach im Netz zu finden:
„Hohe Temperaturen können eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs bedeuten“,
Hohe Temperaturen können nicht nur, sie bedeuten in jedem Fall eine Leistungsminderung eines Flugmotors und müssen daher berücksichtigt werden. Schon bei der Planung vor dem Flug!
Update am 6.8. zum Netz-gegenseitig-abschreib-Unsinn:
Das obige Zitat haben die „Großen“ (Spiegel, Welt, Focus) alle mittlerweile entfernt. Gut so. Es freut mich immer, wenn flugundzeit zur Klarstellung mit Fachwissen beitragen kann. 😉
Beim Focus steht allerdings noch immer etwas, das so nicht korrekt ist:
Gegenüber der Tagesanzeiger äußerte ein erfahrener Militärpilot eine andere Theorie: …
Das Flugzeug sei plötzlich nach links vorne weggekippt. „Solche Manöver machte man früher, um den Ausfall eines Motors zu simulieren.
…
Das würde auch den senkrechten Aufprall erklären.
Nee, nicht wirklich.
Das oben beschriebene Flugmanöver mit Abkippen über eine Fläche (links) ist ein Stall, ein Strömungsabbruch. Das (oder besser: das Abfangen des Flugzeugs danach) übt man als Pilot in der Ausbildung auch heute noch, nur nicht mit Passagieren.
Ein Strömungsabriss – das heißt das Flugzeug fliegt nicht mehr, sondern fällt – kann nicht nur durch absichtliches (zu) Langsamfliegen, sondern auch etwa durch extreme Aufwinde im Gebirge entstehen.
Beim Strömungsabriss kippt die Maschine über eine Seite (Fläche) ab, das wäre in diesem Fall also links.
Wenn dann nicht mehr genug Luft bis zum Boden nach unten ist (beim Üben wird das in ausreichender Höhe über Grund durchgeführt) um das Flugzeug wieder in einen Flugfähigen Zustand zu bringen (Abzufangen), erfolgt der Aufschlag. Und zwar in einer Position wie das Flugzeug sich gerade beim Schnitt mit dem Boden befindet.
Wir sind in den Alpen: Die Höhe über Grund ist relevant, also der Abstand zum Boden, nicht die angegebene Flughöhe.
Statt Spekulationen bleibt noch immer die Klärung der Frage: Warum.

