Der Run auf den Mond ist ungebrochen. Auch, wenn wir in den Tagesnachrichten davon wenig mitbekommen. Mondsonden sollen seine Bodenschätze erkunden und damit die Basis für die weitere Eroberung des Mondes liefern. Bisher landeten drei Nationen mit Menschen (USA) oder Sonden auf dem Mond: die USA, Sowjetunion und China. Sonden aus Europa, Japan und Indien umkreisten den Mond lediglich oder stürzten ab.
In diesem Jahr starteten bereits drei Raumfahrzeuge zum Mond und im Mai will China ein Raumschiff losschicken, um Gestein von der Rückseite des Mondes zu sammeln. (Fast) ganz unbemerkt von der westlichen Welt, läuft das chinesische Raumfahrtprogramm ab.
Nun veröffentlicht die Chinesische Akademie der Wissenschaften (CAS) die bisher höchstauflösende geologischen Karten des Mondes. Der geologische Atlas der Mondkugel, an dessen Erstellung mehr als 100 Forscher über ein Jahrzehnt gearbeitet haben, zeigt insgesamt 12.341 Krater, 81 Becken und 17 Gesteinsarten sowie weitere grundlegende geologische Informationen über die Mondoberfläche. Die Karten wurden im Maßstab von 1:2.500.000 erstellt.
Nach Jianzhong Liu, Geochemiker am CAS-Institut für Geochemie in Guiyang und Co-Leiter des Projekts, stammen die bestehenden Mondkarten aus den 1960er und 1970er Jahren. „Der US Geological Survey nutzte die Daten der Apollo-Missionen, um eine Reihe von geologischen Karten des Mondes zu erstellen, darunter eine globale Karte im Maßstab 1:5.000.000 und einige regionale, genauere Karten in der Nähe der Landestellen“, sagt er. „Seitdem hat sich unser Wissen über den Mond stark weiterentwickelt, so dass diese Karten den Anforderungen an die künftige Mondforschung und -erkundung nicht mehr gerecht werden.
China will die Karten nutzen, um seine Ambitionen auf dem Mond zu unterstützen. Mit dem aktualisierten Atlas werden die Wissenschaftler in der Lage sein, die Geschichte des Mondes besser zu verstehen, potenzielle Mondressourcen zu bewerten und vergleichende geologische Studien durchzuführen. Laut Liu wird der Atlas auch die Standortwahl für künftige Missionen beeinflussen, einschließlich der Frage, wo eine Forschungsbasis auf dem Mond errichtet werden soll.

Der Atlas, der auf Chinesisch Englisch verfügbar ist, wurde anhand von Daten aus Chinas Monderkundungsprogramm zusammengestellt, insbesondere der Mission Chang’e-1, die zwischen 2007 und 2009 die Mondoberfläche aus der Umlaufbahn erkundete, so Liu. „Die Kamera von Chang’e-1 diente der Beobachtung der Mondtopografie und der geologischen Strukturen, während das Interferenzspektrometer eine Schlüsselrolle bei der Identifizierung der verschiedenen Gesteinsarten spielte“, sagt er.
Das CAS veröffentlichte auch ein Buch mit dem Titel „Map Quadrangles of the Geologic Atlas of the Moon“, das 30 Sektordiagramme enthält, die zusammen eine Visualisierung des gesamten Mondes ergeben.
©beide Bilder: CAS


