Nach ihrem missglückten Start im März 1972 zerbrach die Raumkapsel Kosmos-482. Morgen, mehr als 50 Jahre später, stürzt das sowjetische Raumfahrzeug nun zurück zur Erde.
Sind wir betroffen?
Kosmos-482 wird nach Berechnungen der NASA am 10. Mai, voraussichtlich um 7:30 Uhr morgens (UTC), auf die Erde treffen. Wann und wo genau die rund 500 Kilogramm schwere Kapsel aufschlagen wird, ist unklar – die Gefahr für Menschen gilt allerdings als gering. Statistisch gesehen liegt das Risiko bei etwa 1 zu 25.000.
Die genaue Absturzstelle der Kapsel kann erst wenige Stunden vor dem Eintritt in die Atmosphäre bestimmt werden. Europa liegt im Bereich des Möglichen.
Link zu den Vorhersagen der Bahn
Geschichtliches Relikt
Ab 1962 wurde der Name Cosmos (Kosmos) für sowjetische Raumfahrzeuge verwendet, die in der Erdumlaufbahn blieben, unabhängig davon, ob dies ihr beabsichtigtes Endziel war.
Üblicherweise wurde bei sowjetischen Planetenmissionen zunächst die Startplattform mit einem Raketentriebwerk und einer daran befestigten Sonde in eine Erdumlaufbahn gebracht. Die Sonden wurden dann mit einem Triebwerk etwa 4 Minuten lang zu ihren Zielen gestartet. Klappte die Triebwerkszündung nicht oder wurde die Verbrennung nicht abgeschlossen, blieben die Sonden in der Erdumlaufbahn und erhielten die Bezeichnung Kosmos.
Kosmos-482 ist ein Symbol für den Wettlauf der Supermächte im All. Das Raumfahrzeug wurde im Rahmen des sowjetischen Venera-Programms (1961–1983) gestartet – ein damals ambitioniertes Projekt, mit dem die Sowjetunion unbemannte Raumsonden zur Venus schickte. Das Ziel: die neunte unbemannte Mission zur „Schwester der Erde“.
Venera war das erste Programm, das erfolgreich eine Sonde auf einem anderen Planeten landete – und von dort sogar Bilder und Tonaufnahmen zur Erde sandte. Diese Errungenschaften gelten bis heute als Pionierleistungen in der interplanetaren Forschung.
Während eine kurz zuvor gestartete Schwester-Sonde erfolgreich die Venus erreichte, scheiterte Kosmos-482 spektakulär: Aufgrund eines Fehlers gelang der Übergang in die Flugbahn zur Venus nicht.

Quelle: NASA
Geister der Raumfahrtgeschichte
Die Cosmos-482-Sonde zerbrach im Erdorbit in vier Teile. Das erste Bruchstück verglühte in der Atmosphäre, zwei weitere landeten im ländlichen Neuseeland – ein Fund, der damals für großes Aufsehen sorgte.
Das vierte Teil, eine widerstandsfähige Landekapsel aus Titan, blieb über Jahrzehnte im niedrigen Erdorbit und wurde allmählich durch den atmosphärischen Widerstand abgebremst.
Nun wird es, mit einer Geschwindigkeit von rund 27.000 km/h, auf die Erde treffen – voraussichtlich mit einer Aufprallgeschwindigkeit von etwa 240 km/h.
Update am 10.5.2025
Nach Auskunft der russischen Raumfahrtbehörde Roscosmos erfolgte der Wiedereintritt um 2:24 Uhr ET (0624 GMT oder 9:24 Uhr Moskauer Zeit) über dem Indischen Ozean westlich von Jakarta, Indonesien. Kosmos 482 soll harmlos ins Meer gestürzt sein.
©Foto und Tabelle: NASA


